Der Doppelanschlag in Norwegen bringt in Österreich die Diskussion um zusätzliche gesetzliche Möglichkeiten zur Terrorprävention neu in Schwung. Der Chef des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Peter Gridling, fordert mehr Befugnisse für staatliche Behörden und Polizei. Innen- und Justizministerium haben schon ein Gesetzespaket vorbereitet, das aber bisher bei der SPÖ auf Vorbehalte gestoßen ist.
Nach den Plänen von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) soll Behörden im Sicherheitspolizeigesetz erlaubt werden, Informationen ausländischer Nachrichtendienste mit etwaigen Ergebnissen von Ermittelungen im Inland und Internetquellen zu verknüpfen. Derzeit ist das nur bei einer konkreten Bedrohungslage der Fall.
„Das kann überall passieren“, sagte Gridling in der „ZiB“ zu den Anschlägen in Norwegen. Er ortet einen Trend zur Radikalisierung durch das Internet und ein „lone-wolf“-Phänomen bei „radikalisierten Einzelpersonen“. „Signale“, die von diesen Menschen ausgesendet würden, seien „oft sehr, sehr schwach“. Daher müsse es künftig weitergehende Befugnisse zur Datenverknüpfung geben, um diese „schwachen Signale sammeln zu können“.
Hilfsangebote an Norwegen. International gab es neben Bestürzung und Trauer jede Menge Hilfsangebote für Norwegen. US-Präsident Barack Obama sprach von einer Mahnung zur Zusammenarbeit gegen Terrorakte. Großbritannien bot die Hilfe seiner Geheimdienste an. Russlands Präsident Dmitri Medwedew verurteilte den Doppelanschlag als „sinnlose Tat“. Bundeskanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger haben bereits am Freitagabend ebenfalls Norwegen Hilfe angeboten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.07.2011)
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