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Scheuch: „Ich habe nichts Verbotenes gemacht“

02.08.2011 | 18:14 |  von klaus höfler (Die Presse)

Uwe Scheuch betont bis zuletzt seine Unschuld und wettert über ein „fatales Fehlurteil“. Der Richter begründet sein Urteil als „generalpräventive Maßnahme“ gegen das „Geschwür der Korruption“.

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Klagenfurt. Es beginnt schon holprig. Gerhard Dörfler, von der Verteidigung Uwe Scheuchs als Entlastungszeuge für ihren Mandanten gedacht, ist nicht da.

Der Kärntner Landeshauptmann wird einen Verkehrsstau als Grund für seine zehnminütige Verspätung bei Verhandlungsbeginn angeben. „Sagen Sie das dem Verkehrsreferenten“, blockt Richter Christian Liebhauser-Karl trocken ab. „Der war gut!“, lachen sogar Scheuch-Sympathisanten unter den Gerichtsbesuchern. Dörfler selbst ist Verkehrsreferent.

Damit war das Pensum an guter Laune für diesen zweiten Verhandlungstag im Korruptionsprozess gegen Scheuch aber endgültig aufgebraucht. Sichtbar lockerer als noch am ersten Prozesstag Anfang Juli war der stellvertretende Kärntner Landeshauptmann und FPK-Obmann in die abschließende Zeugenbefragung gestartet.

Knapp drei Stunden später zerschellt Scheuchs Zuversicht jäh: „Schuldig“, beginnt Liebhauser-Karl sein Urteilsstakkato: „18 Monate Freiheitsstrafe.“ „Zwölf Monate bedingt.“ „Sechs Monate unbedingt.“ Scheuch senkt kurz den Blick. Die Miene seiner Frau in der dritten Reihe des überfüllten Zuschauerraums erstarrt. Der wie schon am ersten Prozesstag als moralische Stütze der Scheuchs ebenfalls anwesende Soziallandesrat neben ihr schüttelt unmerklich den Kopf. Der Geräuschpegel im Saal schnellt in die Höhe.

Eine „generalpräventive Maßnahme“ gegen „das Geschwür Korruption, das den Rechtsstaat in seinen Grundfesten bedroht“ sei erforderlich, begründet der Richter sein Urteil. Mit „Pfui, pfui“-Rufen machen Prozessbesucher ihrem Unmut Luft. Scheuchs Anwalt Dieter Böhmdorfer meldet umgehend volle Berufung an. „Ein krasses, fatales Fehlurteil“, wettert Scheuch selbst wenig später in einer eilig einberufenen Pressekonferenz. Er sei „enttäuscht und erschüttert“, die Vorwürfe seien „vollkommen aus der Luft gegriffen“. „Ich habe nichts Verbotenes gemacht“, hatte er schon davor in seiner Schlussbemerkung vor Gericht beharrt.

Der Richter sieht das anders. Mehrmals verweist er auf Passagen auf dem als schwerwiegendstes Beweismittel vorliegenden Tonband, das ein ehemaliger Parteifreund Scheuchs von einem Gespräch der beiden mitgeschnitten hatte. Darin geht es um ein mögliches Investment eines russisches Geschäftsmannes in Kärnten. Neben einer Spende, die für seine damalige Partei, das BZÖ, „übrig bleiben“ sollte, stellt Scheuch im Gegenzug in Aussicht, sich für eine Einbürgerung des Investors einzusetzen. Die Staatsbürgerschaft sei „no na net, part of the game“, hört man Scheuch auf dem geheim aufgenommenen Tonband sagen.

 

„Moralische Schieflage“

„Ich habe zu leichtfertig ein allgemeines Gespräch geführt und zu leichtfertig verschiedene Dinge angesprochen“, gibt Scheuch eine „gewisse moralische Schieflage“ zu. Schuldig fühlt er sich bis zuletzt aber nicht. Der Kronzeuge sei ja ein „unglaubwürdiger Desperado“, es sei kein konkretes Projekt zustande gekommen, kein Geld geflossen und er außerdem als Landeshauptmann-Stellvertreter für die Verleihung von Staatsbürgerschaften ressortmäßig gar nicht zuständig. Diese Verteidigungslinie war schon am ersten Tag herausdestilliert worden. Als Stellvertreter übernehme er bei einer Verhinderung des Landeshauptmanns nicht automatisch dessen Ressortagenden, betont Anwalt Böhmdorfer gestern noch einmal und bringt volksnahe Beispiele: „Er ist nur die Vertretung als Geburtstagsgratulant, Kranzniederleger oder Katastrophenbesucher.“

„Sie haben das bis zum Schluss verharmlosend und bagatellisierend dargestellt“, kreidet Richter Liebhauser-Karl dem Angeklagten an. Immerhin hätte im Fall eines Projekts auch eine Landesförderung fließen können und es sei eine Parteispende gefordert worden. Liebhauser-Karl zieht an diesem zweiten Verhandlungstag mehrmals Vergleiche mit einem anderen Fall russischer Investoren, bei dem tatsächlich Geld geflossen ist und die Staatsbürgerschaft verliehen wurde (siehe Seite 1 unten).

Die Verteidiger von Uwe Scheuch wittern die Gefahr einer für ihren Mandanten ungünstigen Verknüpfung der beiden Fälle, versuchen mehrmals, die von Zeugen in diese Richtung abzielende richterliche Befragung abzuwehren. Diese Causa hätte mit Scheuch nichts zu tun, argumentieren sie.

Der Richter lässt die Einsprüche nicht gelten. Es gehe um die Sichtbarmachung von Informationsflüssen zwischen Landes- und Bundesstellen. Entsprechende Briefe von Landeshauptleuten, Bürgermeistern, aber auch Kammer- und Fußballvereins-Präsidenten an die zuständigen Minister, in denen sie sich um eine „positive Bewertung von Staatsbürgerschaftsansuchen“ stark machten, seien „üblich“, bestätigt an diesem Tag auch der Kärntner Landeshauptmann Dörfler.

Verteidiger Böhmdorfer greift zur Notbremse, bietet die Möglichkeit einer Diversion an. Der Richter geht darauf nicht einmal ein.

Auf einen Blick

Uwe Scheuch, Landeshauptmann-Stellvertreter Kärntens und FPK-Obmann, wurde im „Part of the game“-Korruptionsprozess am Landesgericht Klagenfurt zu 18 Monaten, davon sechs unbedingt, verurteilt. Der Tatbestand der Geschenkannahme als Amtsträger sei erfüllt, begründete der Richter das Urteil. Scheuch soll einem Russen die österreichische Staatsbürgerschaft „als part of the game“ (Scheuch auf einem ihn belastenden, geheim aufgenommenen Tonbandmitschnitt) in Aussicht gestellt haben, wenn er im Gegenzug eine Spende für seine damalige Partei, das BZÖ, bekomme. Scheuch legte gegen den Schuldspruch Berufung ein, das Urteil ist damit nicht rechtskräftig. Der Fall geht jetzt ans Oberlandesgericht Graz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2011)

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24 Kommentare
Gast: Austrobeobachter
03.08.2011 16:34
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WO SIND DIE BAWAG-MILLIARDEN?

Statt sich um eine NICHT zustande gekommene Paddeispende zu kuemmern, sollte die Justiz vielleicht nach den Milliarden suchen.... Aber das wird von der Loge verboten.

Gast: Otto N.
03.08.2011 09:33
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Wegweisend

Ich hoffe, dass dieses Urteil und die Entschlossenheit des Richters künftig ein Vorbild für alle weiteren Vertreter der Justiz ist.

Der Richter hat einen entscheidende Begründung für sein Urteil hervorgebracht:

" das Geschwür Korruption, das den Rechtsstaat in seinen Grundfesten bedroht "

Ich fordere von allen Richtern diese Aufsicht über unseren Rechtstaat; die Ausrottung von Geschenkannahme, Bestechung und Freunderlwirtschaft in Österreich.

Es kann nicht sein, dass sich Personen, die von unseren Steuergeldern leben, ihre Macht zugunsten eigener Interesse ausnutzen. Das gilt für Alle - unabhängig ihrer Couleur.


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Re: Wegweisend

Das sehe ich genau so, das ist die einzige Möglichkeit für die Politik allgemein, das verlorene Vertrauen der Menschen wieder zu gewinnen. Vielleicht ist es heutzutage schon sehr idealistisch, zu wünschen, dass die Volksvertreter Vorbilder sind. Und dass es Konsequenzen hat, wenn sie es nicht sind und dabei erwischt werden...

Gast: Gast Gast
03.08.2011 09:19
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... nichts Verbotenes?

Selbstverständlich ist gegen Korruption schärfstens vorzugehen - vor allem bei Politikern. Allerdings sollte man bei allen Parteien gleich reagieren: Wenn Herr Prokop eine Handballerin für Hypo Südstadt gebraucht hat, ging die Einbürgerung blitzschnell vor sich, das Gleiche gilt z.B. auch für Eishockeyspieler und andere Sportler. Bei Frau Netrebko waren noch alle stolz darauf, dass das so schnell erledigt werden konnte. Vor dem Gesetz sollte es ja egal sein, ob jemand Künstler oder Geschäftsmann ist. Da wäre auch zu untersuchen, ob da nicht ebenfalls jemand Vorteile daraus gezogen hat.

Gast: 23 23 23
03.08.2011 08:56
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Das sagen alle Kriminellen

vor Gericht. Ignorieren und sich auf die Fakten konzentrieren ist die Arbeit der Justiz.

Gast: muttutgut
03.08.2011 08:46
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endlich wird eine notbremse gegen korruption gezogen

Solche Poltiker sind nicht mehr tragbar! Endlich passiert hier etwas. Sie sollen nur den Mut haben, endlich auch selbst zurückzutreten. Muss man sie dazu zwingen? Offensichtlich hat dieser Poltiker sein moralisches Bewusstsein schon lange verloren. Aus diesem Grund müssen andere hier für ihn eine Grenze setzen. Wann wird er das auch selbst verstehen?

Gast: Austrobeobachter
03.08.2011 03:57
0 2

Investoren-Visa

Das gibt es ueberall, ist part of teh game. In USA, allen EUrop. Laendern, Australien, ueberall. Was soll diese freimaurerisch-sozialisssstisch dursetzte Richter/Staatsanwaltschaft in Kaernten? Reicht es nicht, dem Haider den Tod gebracht zu haben????

Antworten Gast: Kecer
03.08.2011 08:56
2 0

Wegen des Visas

wurde er auch nicht verurteilt. Lesen!

Antworten Antworten Gast: Austrobeobachter
03.08.2011 11:40
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Re: Wegen des Visas

Diese Investorenvisas sind wie eine Staatsbuergerschaft. Siehe Green Card. Oder halten sie zur Wahl gehen zu duerfen fuer ein so wichtiges Privileg? Ich habe seit 25 Jahren auf diese Privileg verzichtet....

Antworten Antworten Antworten Gast: auchbeobachter
03.08.2011 12:31
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Re: Re: Wegen des Visas

..und die haben mit der illegalen parteispendenanbahnung scheuchs was zu tun?

Gast: ara
03.08.2011 03:08
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gilt das urteil jetzt für alle

politiker und beamten
die sich für die positive erledigung von irgendeinem ansuchen einsetzen?
egal ob es dazu kommt oder nicht?

Antworten Gast: uro
03.08.2011 12:34
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Re: gilt das urteil jetzt für alle

ja, das gilt hoffentlich für alle die sich, wie die effen das verstehen "für die positive erledigung von irgendeinem ansuchen einsetzen". in anderen formulierungen kann man auch korruption dazu sagen, die allerdings blöderweise illegal ist.


Antworten Antworten Gast: ara
03.08.2011 21:03
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Re: Re: gilt das urteil jetzt für alle

wäre nicht auch die einstellung abgehalfteter politfunktionäre in nicht benötigte oder nicht geeignete aber hochbezahlte topmanagementfunktionen eine begünstigung dritter, um sich für diverse begünstigungen durch die partei zu revanchieren?

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das urteil gilt jetzt für alle

Mitglieder unserer korrupten Seilschaften, die z.B. für das Inaussichtstellen der Unterstützung eines Staatsbürgerschaftsantrages eine Parteispende von ca 5% einfordern.

Korruption bedeutet nicht nur Geldannahme oder Annahme von Geschenken. Jede Art von Vorteilannahme ist Korruption; auch die in Aussicht gestellte und das Fordern derselben.
Bei uns ist die Korruption bereits so systemimmanent, dass jeder, der nicht mitmacht, als "politisch nicht zuverlässige" gebrandmarkt wird.
Schlicht alles, was bei uns so verharmlosend als "Filz" bezeichnet wird, ist Korruption. Also dieser große Haufen von selbstgerechten Schmarotzern, die allen Ernstes glauben, dass sie gute Arbeit leisten, weil sie viel Geld dafür nehmen.

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Re: gilt das urteil jetzt für alle

Ja, es ist einfach Politjustiz. Und der Mob johlt "hängt ihn höher". Nichts Neues unter der Sonne. Selbständig Denken bleibt weiterhin Glückssache.

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Re: Re: gilt das urteil jetzt für alle

Da hat Sie leider, laut eigener Definition, das Glück verlassen.

Antworten Antworten Gast: frufru
03.08.2011 12:30
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Re: Re: gilt das urteil jetzt für alle

ist ja fast so schlimm wie die ganzen hetzen gegen asylanten, die selbverständlich im gegensatz zu freiheilichen immer schuld an allem sind.

übrigens: den mob net man das volk österreichs, das sich solche politiker nicht mehr gefallen lassen will. gut so!

Gast: cohernce
03.08.2011 01:50
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bezahlung

für was kassiert dieser typ dann monatlich einen haufen geld wenn er für nichts zuständig ist herr böhmdorfer?
wenn das urteil in der nächsten instanz betätigt wird, forden dann typen dann auch volle härte für verbrecher (scheuch?) ?

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Korruptbruder

Ist für einen Demokratieschädling, wie Herr Scheuch einer ist, und der nun der Korruption auch offiziell überführt ist, ist für einen solchen Unnützen das Wort Korruptbruder angebracht. Oder dürfen in diesem Fall noch viel deftigere Worte benutzt werden ?
Jedenfalls sieht er, wenn er in den Spiegel schaut, einen echten Schmarotzer des Systems. Er mag darüber genau so stolz sein, wie in der ehemaligen Sowjetunion ein Parteisoldat, der endlich Kolchosendirektor geworden ist.

Ein erbärmlicher Widerling

Gast: Orange-in-Wien
02.08.2011 21:36
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Auch Westenthaler

vom BZÖ ist damals nach dem Urteil zurückgetreten!

Deshalb soll Uwe Scheuch (ein blauer) ebennso diesen Schritt machen!

Vorgestrafte dürfen einfach nicht Parteichefs sein!

Antworten Gast: kein Oranger in Wien
03.08.2011 06:33
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Re: Auch Westenthaler

Aber im Nationalrat ist er schon geblieben, der Westenthaler, nicht wahr?

Weil als rechtskräftig Verurteilter hat man ja keinen Genierer...

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Es ist für einen Demokraten ein schöner Tag

zu erleben, wie ein skrupelloser, uneinsichtiger Politiker in seine Schranken gewiesen wird.

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Re: Es ist für einen Demokraten ein schöner Tag

Als Schweizer geht Sie das eigentlich nichts an. In der EU gibt es keine Demokratie, falls Sie die letzten Jahre verschlafen haben sollten.

Antworten Antworten Gast: unsol
03.08.2011 12:37
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Re: Re: Es ist für einen Demokraten ein schöner Tag

lol, was ist los feferl? jetzt auf einmal gegen die schweizer? wo doch dort so eine hübsche direktdemokratie herrscht, die sich unsere rechten (seit der muezzin-abstimmung) auch so gerne wünschten?