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Transparenzdatenbank in der Warteschleife: Länder stellen Forderungen

18.08.2011 | 18:17 |   (Die Presse)

Länder wollen sich nur dann finanziell an dem Prestigeprojekt von Ex-ÖVP-Obmann Pröll beteiligen, wenn auch sie Zugriff auf die Daten der Transparenzdatenbank bekommen. Wien stellt die Sinnhaftigkeit infrage.

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Wien/Red./Apa. Sie war das Prestigeprojekt von Ex-ÖVP-Obmann Josef Pröll: Im September hätte die Transparenzdatenbank online gehen sollen. Förderungen und Transferzahlungen (sozialer und wirtschaftlicher Natur), Steuererleichterungen für Konzerne und Stiftungen sollten darin erfasst werden. Sich und dem Bürger wollte die Regierung damit einen Überblick verschaffen, um am Ende Doppelgleisigkeiten beseitigen zu können.

Doch daraus wird vorerst nichts, denn die Datenbank hängt bis auf Weiteres in der Warteschleife zwischen Bund und Ländern. Bis Mitte des Jahres hätte eine Vereinbarung unterzeichnet werden sollen. Notfalls sollten die Länder per Verfassungsgesetz gezwungen werden, ihre Transferzahlungen preiszugeben – so steht es im Vorhabenspapier der Koalition. Die Länder werfen der Regierung nun mangelndes Tempo bei der Umsetzung vor. Und Wien stellt die Sinnhaftigkeit der Transparenzdatenbank generell infrage.

Es spießt sich einmal mehr an den Kosten. Denn die Einspeisung der Daten soll von der zuständigen Gebietskörperschaft finanziert werden. Die Länder wollen das nicht hinnehmen. In einem gemeinsamen Papier an die Regierung vom Mai fordern die Landeshauptleute, dass die Finanzierung nur so weit aus Landesmitteln erfolgen darf, „als ein messbarer Nutzen für die Länder entsteht“.

Mit anderen Worten: Die Landesdienststellen sollten Zugriff auf personenbezogene Daten bekommen. Das ist von der Regierung allerdings nicht vorgesehen. Nur Bürger und Firmen sollten ihre Daten einsehen können, während dem Bund gestattet wird, anonymisierte Auswertungen für bestimmte Personengruppen vorzunehmen.

 

Wien: Nutzen der Datenbank noch unklar

Die Länder argumentieren, dass Doppelförderungen nur dann vermieden werden könnten, wenn auch sie Zugriff hätten. Außerdem wollen sie die Daten langsam einspeisen: Zunächst sollten nur einzelne Förderbereiche in eine Pilotdatenbank gestellt werden. Dabei würde sich zeigen, ob die Ziele überhaupt erreicht werden könnten.

Besonders kritisch ist man in Wien: Der Nutzen der Transparenzdatenbank habe sich „noch nicht klar herauskristallisiert“, sagt einer Sprecherin der zuständigen Magistratsabteilung26 (Datenschutz) über die bisherigen Gespräche zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Dem gegenüber stehe ein hoher finanzieller und technischer Aufwand: „Das muss man in ein Verhältnis bringen, vor allem in Zeiten knapper Ressourcen.“

Die Förderstellen jedenfalls bräuchten Zugang zu den Daten. „Sonst hat das keinen Sinn“, meint die MA26. Andererseits zeige sich schon jetzt, dass nicht alle benötigten Informationen in der Transparenzdatenbank zu finden sein würden – beispielsweise die Einkommensdaten. „Die gibt es nicht, sagt der Bund.“ Sie müssten also weiterhin von den Förderwerbern vorgelegt werden.

 

Steiermark: Seit Juni keine Besprechung

Die Steiermark verweist neben den Kosten auch auf eine Reihe anderer offener Fragen: etwa Datenschutz, Technik und Organisation. Der Bund habe seit Juni zu keinen Besprechungen mehr eingeladen, kritisiert man im Büro von Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ). Die Steiermark unterstütze das Projekt, so sichergestellt sei, dass auch sie einen Nutzen habe: Es sei wesentlich, dass die Förderungsstellen der Länder die (Einkommens-)Daten einsehen könnten. Auf diese Weise würde die Fördervergabe vereinfacht.

Die Schuld für die Verzögerungen sehen die Länder beim Bund: Dem oberösterreichischen Landeshauptmann, Josef Pühringer (ÖVP), ist es wichtig, „festzuhalten, dass sie nie an den Ländern gescheitert ist“. Wenn die Transparenzdatenbank aber einmal bestehe, dann wollten sie die Länder genauso nützen können wie der Bund, sagt Pühringer.

Auf einen Blick

Die Transparenzdatenbank war das Prestigeprojekt von Ex-ÖVP-Chef Josef Pröll. Förderungen und Transferzahlungen, Steuererleichterungen für Konzerne und Stiftungen sollten erfasst werden. Bis Mitte 2011 hätte es eine Einigung mit den Ländern geben sollen, damit die Datenbank mit September online gehen kann. Von der Einhaltung dieses Zeitplans ist man weit entfernt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.08.2011)

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10 Kommentare
0 1

bin absolut für transparenz

bei politikernebeneinkommen, stiftungsbeziehern, konzernen, eu-subventionen bei großgrundbesitzern usw.
denn da könnte echt pinke herausschauen...

Gast: Pastor Hans-Georg Peitl
19.08.2011 07:33
0 1

Forderung

Eigentlich finde ich es grossartig, wenn auch die Länder Einblick nehmen können.

Dann können wohl wir Bürger ebenfalls fordern, dass diese Transparenzdatenbank auch für Politiker und Politikerinnen gilt und auch Otto Normalverbraucher Einblick nehmen kann.

Weiters sollte die Transparenzdatenbank auch auf Verdienst ausgeweitet werden.

So weiss letztendlich ein jeder, was der Andere
verdient.

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
Bundespressesprecher der
Österreichischen Bürgerpartei
http://www.oebp.at
http://jachwe.wordpress.com

moeb2351
19.08.2011 06:57
1 0

Sinnhaftigkeit

Es stellt sich wohl nur die eine Frage, wie Sinnhaftig ist es, sich eine solche Landesregierung wie in Wien, sich noch länger bieten zu lassen.

Gast: Bürger01
18.08.2011 22:47
0 0

Landesförderungen ?

Es scheint , die Länder haben Probleme mit der gwünschten Transparenz . Also wird da wohl vorsätzlich gemogelt und soll nicht öffentlich werden ? Wird hier mit Steuergeldern Schindluder getrieben und das soll verschwiegen werden ....

Gast: 1. Parteiloser
18.08.2011 09:22
4 0

Das wird sicher verkompliziert!

Die Datensätze sind ja sicher vorhanden, es geht ja nur ums Zusammenspielen und der Definition der weiteren Verarbeitung. Das kann doch technisch kein so großes Problem sein, dass diese Datenverarbeitung Jahre braucht. Das ist für mich wieder ein Zeichen wie unfähig der öff. Dienst und die Gebietskörperschaften sind.

Ich bin auch der Meinung, dass diese Daten, also eine Zusammenfassung von monetären Transferzahlungen durch den Staat an einzelne Bürger (auch Nichtbürger!) schon seit Jahren eine Notwendigkeit gewesen wäre. Das gleich gilt natürlich für die Zahlungen an die Mitarbeiter der Gebietskörperschaften, auch den Politikern. Diese Daten sollten in einer reifen Gesellschaft auch für alle Bürger einsehbar sein.

Die Regierung (auch die früheren Regierungen) haben doch schon lange die Kontrolle über die geschützten Bereiche verloren. Die geschützten Bereiche haben aber auch keine Kontrolle über sich selbst. Weder eine Kontrolle über die erbrachten Leistungen noch eine Kontrolle über die verursachten Kosten. Die geschützten Bereiche existieren nur noch, weil diese eben irgendwann geschaffen wurden und haben einen reinen Selbstzweck aber kaum mehr einen Nutzen für die Gesellschaft.

Österreichs Staatlichkeit besteht offensichtlich aus etwa 1 Mio. Totalversagern, sehr teuren Totalversagern.

Antworten greebo
18.08.2011 12:01
1 0

Re: Das wird sicher verkompliziert!

Das Problem bei IT im öffentlichen Dienst ist, dass die Leute nach Kollektivverträgen bezahlt werden und diese Gehälter weit unter dem liegen, was gute Köpfe in der freien Wirtschaft kriegen. Dann sitzen da eben diejenigen, die zwar als Informatiker nichts hinbringen, aber eben ein passendes Parteibuch haben. Und so dauert dann eine Transparenzdatenbank fünf Jahre und kostet einen mindestens zweistelligen Millionenbetrag, weil es müssen ja auch noch die Berater bedacht werden.

Antworten Antworten Gast: 1. Parteiloser
18.08.2011 12:19
1 0

Re: Re: Das wird sicher verkompliziert!

Das mit der Entlohnung im öff. Dienst ist doch vollkommener Blödsinn. Die öff. Bediensteten sind doch einfache User, die wirklichen IT Leistungen werden doch immer, meist mit einem korrupten Vorgang, zugekauft.

SAP Spezialisten sind natürlich höher bezahlt, als die PC User in den Ämtern, welche ohnehin einfache Masken zur Bearbeitung bekommen. So wollen doch nicht die einfachen Mitarbeiter im öff. Dienst als IT Spezialisten verkaufen? Für diese schwachen Mitarbeiter sind die teuer eingekauften IT Werkzeuge doch nur eine Arbeitserleichterung. Ich Darstellung ist doch nur noch lächerlich.

greebo
18.08.2011 07:53
6 0

Logisch

Mehr Transparenz und Klarheit darüber, wo das Geld hinfließt. Klar, dass die Wiener da den Nutzen nicht sehen, das geht ja gegen alles, wofür die Wiener SPÖ steht.

Gast: ezekiel
18.08.2011 07:50
2 0

...

"Wollen" sieht anders aus!

Gast: Seôtsam
18.08.2011 06:41
3 0

bei den

Bauern ging es ganz einfach und schnell. Das ist ein Beweis, dass man nicht wirklich will.

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