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Schicker: Glücksspiel-Totalverbot gescheitert

04.09.2011 | 18:27 |  MARTIN STUHLPFARRER (Die Presse)

Laut SP-Klubchef Rudolf Schicker wird das vollständige Verbot des kleinen Glücksspiels, das vom Landesparteitag beschlossen wurde, nicht umgesetzt. Das größte Übel sind seiner Ansicht nach die Einzelkabinen.

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Die Presse: Wieso wird überhaupt über das Verbot des kleinen Glücksspiels verhandelt? Das Verbot ist ein Beschluss des Landesparteitags, des immerhin höchsten SP-Gremiums.

Rudolf Schicker: Landesparteitage haben ihre eigene Dynamik. Das gehört zu einer Partei, die einen durchaus aufmüpfigen historischen Hintergrund hat. Aber selbst wenn wir in Wien das kleine Glücksspiel verbieten, ist es durch die Bundesregelung zulässig, Automaten aufzustellen. Dieses Wissen ist nicht Allgemeingut, wie wir am Parteitag merken konnten. Es geht deshalb um Information, auch an jene, die eine puristische Haltung einnehmen.

Das klingt nach Ausrede. In Vorarlberg gibt es ja auch keine Automaten; trotz des Bundesgesetzes.

Es gibt zwar die Zusage von Karl Stoss, dem Generaldirektor der Casinos Austria, die Bundesregelung nicht auszunutzen, wenn ein Bundesland ein Verbot beschließt. Die Casinos Austria hat noch keinen Zuschlag (für die Glücksspiellizenzen, die gerade vergeben werden, Anm.), und sie haben mehrere Konkurrenten. Zudem sind Glücksspielunternehmen Aktiengesellschaften. Wenn ein Führungswechsel eintritt und der Aufsichtsrat die Bundesregelung ausnutzen will – da sehe ich mir an, ob das nicht gemacht wird. Im Burgenland hat die Ausnutzung der gesetzlichen Möglichkeiten zu einem Wildwuchs geführt. Dem wollen wir in Wien einen Riegel vorschieben. Es muss auch klar sein, dass die Prävention zur Bekämpfung der Spielsucht ausgebaut wird. Die Einzelkabinen sind das Übel.

Die Einzelkabinen sollen weg?

Auf jeden Fall – weil dort am wenigsten Kontrolle ist. Die größeren Einrichtungen haben eine andere Hemmschwelle für Menschen mit wenig Geld. Wenn ich an den Palast beim Prater denke: Das ist kein Ort, wo das Arbeitslosengeld verspielt wird. Der Weg wird also in diese Richtung gehen.

Zum Wiener Wahlrecht. Sie wollen die nicht amtsführenden Stadträte abschaffen, weil die kein Ressort haben. Demnach müsste man auch den Job des Bürgermeisters einsparen – der hat ja auch kein Ressort.

Es gab einen speziellen Anlass für diesen Vorschlag. Wenn ein nicht amtsführender Stadtrat der Stadt Wien, also David Lasar von der FPÖ, glaubt, Weltpolitik machen zu können, dann ist er am falschen Platz. Dann braucht es diese Funktion in Wien nicht. Dann soll er auf Parteikosten oder Gaddafi-Kosten nach Libyen fahren. Mit der Stadt soll das nichts zu tun haben. Nicht amtsführende Stadträte abzuschaffen bringt außerdem Einsparungen.

Am meisten würde eine Reform der Beamtenpensionen bringen – wie der Rechnungshof festgestellt hat.

Das ist eine Lösung, die langfristig wirkt. Ein sofortiges Umstellen bewirkt zunächst höhere Kosten.

Man hätte das ja längst in wirtschaftlich besseren Zeiten machen können.

Ja, aber die Regelung für die Bundespensionen hat sehr abrupt eingesetzt. Wir haben längere Übergangsfristen, dafür weniger Konflikte.

Mit Übergangsfristen bis 2042 können Sie ja nicht zufrieden sein.

Ich kenne ein Bundesland, das am Tropf der Republik hängt, und keine Veränderungen gemacht hat – Kärnten.

Die massive Gebührenerhöhung durch die automatische Valorisierung erhöht die Betriebskosten, also die Mieten. Wie sozial ist es, Mieten zu erhöhen?

Ich finde es skurril, dass Finanzministerin Maria Fekter Wien wegen der Gebührenerhöhung rügt. Sie soll ihr eigenes Bundes-Valorisierungsgesetz ansehen, das unter Schwarz-Blau beschlossen wurde. Wenn seit 1995 die Inflationsrate um 39 Prozent gestiegen ist, und wir den Wasserpreis um 33 Prozent erhöhen, um die Wasserversorgung sicherstellen zu können, dann ist das sinnvoll.

Es hat aber lange Jahre eine massive Überdeckung bei den Gebühren gegeben, sagt der Rechnungshof.

Insgesamt sind, bei Wasser allein, mehr als 500 Millionen Euro Mindereinnahmen zustande gekommen. Als Verkehrsstadtrat habe ich immer gelitten, wenn ein altes Gussrohr zerplatzt ist und die Straße überschwemmt und gesperrt war. Es kostet Geld, hier die Sanierung zu beschleunigen. Zur sozialen Ausgewogenheit: Es gibt einen Wasserzähler für das gesamte Haus. Jene mit größeren Wohnungen zahlen mehr, jene, die sich nur kleinere Wohnungen leisten können, zahlen weniger. Da gibt es durchaus die Berücksichtigung der sozialen Wirkung. Aber es wird einen Grund geben, warum auf Bundesebene die Valorisierung eingeführt wurde, wie wir es auch gemacht haben.

 

Trotzdem ist sparen angesagt: Wird es eine Nulllohnrunde für Beamte geben?

Nein. Letztlich erwarten auch öffentlich Bedienstete, bei einer Inflationsrate wie jetzt, eine Erhöhung für das eigene Geldbörsel. Eine Nulllohnrunde kann ich mir in Wien nicht vorstellen.

Zur Person

Rudolf Schicker ist Klubchef der Wiener SP und Mitglied der rot-grünen Kommission, die über ein Verbot des kleinen Glücksspiels in Wien verhandelt – nachdem das höchste Gremium der Wiener SP, der Landesparteitag, ein Totalverbot beschlossen hat. Bevor Schicker SP-Klubobmann wurde, war er von 2001 bis 2010 Planungs- und Verkehrsstadtrat. [Stanislav Jenis]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2011)

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52 Kommentare
 
1 2
Gast: taschenrechner
07.09.2011 22:10
0 0

zwetschgenrepublik,

sollte man in österreich demokratische entscheidungen ernst nehmen,dann müsste man ab sofort in wien das kleine glücksspiel verbieten.

wenn nicht,dann sind wir nur eine kleine korrupte zwetschgenrepublik.

nachdem aber geld von novomatic höher bewertet wird als das wohl der bürger österreichs,verdienen wir den titlel zwetschgenrepublik.

Gast: Zusammenfassung:
07.09.2011 21:43
0 0

Die SPÖ WählerInnen

Verraten und verkauft!

Freindschoft, Genossn!

lore 33
06.09.2011 21:47
0 0

lobbyismus wohin mensch schaut!

in der stmk. musste kürzlich ein landtagsabgeordneter und sv. klubobmann zurücktreten, weil ihm lobbyismus für die novomatic vorgeworfen wurde - (er hatte ein inserat der novomatic in seiner bezirkszeitung), demgemäß müssten eigentlich schicker, häupl und co längst zurückgetreten sein, denn die novomatic ist ein hauptsponsor der spö events in wien: donauinselfest, bezirksfestwochen, etc. - überall prangt das novomatic logo!!!!! rücktritt jetzt!!! und schluss mit dem glückspiel, das kriminalität erzeugt und einen großen schaden für unsere volkswirtschaft hinterlässt. neulich habe ich gesehen, wie man 100 euro innerhalb von sekunden verlieren kann. von wegen kleines glückspiel!

Gast: Luxor
06.09.2011 12:09
1 7

Verbot

Leute die glauben, dass man das Suchtproblem durch ein Verbot in den Griff bekommen könnte, glauben auch, dass man nicht zu sehen ist, wenn man sich die Augen zuhält.
Man muss es zeitgemäß regeln und dann auch kontrollieren. Verbot ist Unsinn.

Antworten Gast: Sokratissimi
06.09.2011 13:17
8 1

Jämmerliche Logik!

Jedes Verbot (verbunden mit Strafe)bezweckte erstens Abschreckung (die das Problem schon einmal zahlenmäßig reduziert) und zweitens die 'Information', daß Dealer (alias Spielbetreiber) eben keine honorigen Geschäftsleute sind sondern einfach nur Kriminelle, die ihre "Kunden" in den Ruin treiben.


Antworten Antworten Gast: Walter L.
06.09.2011 13:36
0 4

Re: Jämmerliche Logik!

@sokratissimi
Natürlich bringt ein Verbot Abschreckung. Das ist klar.

Aber doch bitte nicht, wenn ich Alternativen habe. Dann spiele ich halt im Internet, wenn die Automaten verboten werden.

Wenn, dann muss ein Verbot schon alles umfassen. Sonst schrecke ich nicht ab sondern verlagere nur den Ort des Geschehens weg von der Straße hin ins Wohnzimmer.

1 0

Mein Gott Walter!

Na dann viel Spaß damit, daß sie ihrer Spielsucht auch noch die Internetsucht hinzufügen!

Benützen sie nur bitte dabei recht ausgiebig die personalisierten Bezahldienste, damit die Banken und Kreditkartenheinis gleich vorgewarnt sind. Hoffentlich fallen die Kontoauszüge nicht in die falschen Hände von Frau L. oder - dank Fehlzustellung - der ihrer Nachbarn!

Womöglich schaffen sie es am Ende sogar, der unseligen Vorratsdatenspeicherung jenen Sinn zu verleihen, den sie für Normalsterbliche nie haben kann.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Walter L.
06.09.2011 15:12
0 0

Re: Mein Gott Walter!

???

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: früher wars lustiger
06.09.2011 15:29
0 0

Re: Re: Mein Gott Walter!

Vielleicht läßt die Presse den Link ja durch und beantwortet damit deine drei Fragezeichen.

http://www.youtube.com/watch?v=2v-8s6-Zv3k

Gast: E.S.P.
06.09.2011 11:45
1 6

Kleines Glücksspiel

Solange man die Problematik des Online-Glücksspiels nicht einbezieht, löst man nicht das Problem, sondern schafft nur eine Verlagerung.

Nur dass dann die Stadt um viel Geld umfällt. Ist ja nicht so, dass man das Geld für andere Budgettöpfe nicht bräuchte.

Mir gefallen diese Häuserln auch nicht, aber es muss doch klar sein, dass ich mit einem Verbot nicht das Problem löse, sondern nur verlagere.

Antworten Gast: Das letzte Wort hat der Wähler
06.09.2011 12:56
4 0

Jämmerliche Ausreden!

Die übliche rotgrüne Verteidigungstaktik, wenn man es wieder einmal nicht geschafft hat, das Richtige zu tun.

0 6

Bei den Grünen gäbe es sowas nicht.


Antworten Gast: Zawosdes?
07.09.2011 21:45
0 0

Re: Bei den Grünen gäbe es sowas nicht.

Ja stimmt, die sind ja nicht zufällig auch in der Stadtregierung, oder?

Ach wie komme ich darauf, die Grünen sind ja nicht mal annähernd regierungsfähig ;-)

Gast: Hoits de Pappn
06.09.2011 09:50
8 0

Was die Mehrheit will, ist völlig wurscht. Habts das jetzt endlich kapiert?


Nachdem die Grünen bei Augartenspitz (wird selbstverständlich verbaut) und "Gratisöffis" (werden selbstverständlich wie immer mit der doppelten Inflationsrate verteuert) umgefallen sind wie die berühmten neun Kegeln, wollten die Sozen halt ergänzend zeigen, daß das GEMEINSAME Umfallen (rot+grün) noch viel besser geht.

Die Geschichtsschreibung hält also fest: BEIDE Stadtregierungsparteien sprachen sich per offiziellen Beschlüssen für ein Glücksspielverbot aus, und ihre eigenen Bonzen antworteten darauf einfach nur "Hoits de Pappn!"

Was für ein schönes Beispiel für die "demokratische" Qualität der Wiener Bonzokratie nach den Vorbildern von Breschnjew und Honegger! Es wäre kein Wunder, wenn sie denn auch so endet wie ihre Vorbilder.

0 0

Re: Was die Mehrheit will, ist völlig wurscht. Habts das jetzt endlich kapiert?

Ich glaube, die Sache mit dem Augartenspitz war eben schon gelaufen - da waren die Grünen einfach zu spät dran.

Mit den Öffis haben Sie recht. Argument der Grünen war, die Mindereinnahmen durch Einstellung der Jubelinserate zu kompensieren. Was allerdings folgte, waren viele mehrseitige (!) Inserate der Verkehrsbetriebe und der Wien Energie in Falter, Standard und Co.
Ich hab daraufhin mein Falter Abo gekündigt und lese ihn halt ab und an im Kaffeehaus.

moeb2351
06.09.2011 06:54
5 0

Verdprechen

Welche Versprechen hat die SPÖ in den letzten Jahren eingehalten? Gut das es momentan größere Skandale gibt, jetzt raus damit und die dummen Wiener merken sich das sicher nicht bis zu den nächsten Wahlen. Wo man hinschaut lauter Lügner.

Gast: Pastor Hans-Georg Peitl
06.09.2011 06:51
2 0

Erstaunlich

Erstaunlich, dass unsere Politiker und Politikerinnen erst die Behauptung aufstellen, dass gerade durch das Glückspiel viel von der Obdachlosigkeit und der Familienarmut kommt, dann aber, nachdem sie bereits ein Verbot angekündigt hatten, plötzlich doch einen Rückzieher machten.

Das Stronach für das Glückspiel eintritt und wir uns eigentlich von den sinnvollen Argumenten überzeugen haben lassen, hat letztendlich zu einer Trennung geführt.

Wir sind nämlich der Meinung Politiker sollten für den Menschen und nicht nur für den Profit dasein.

Und was veranlasst die SPÖ nach der vorerst durchaus sinnvollen Entscheidung, diese wieder zu ungunsten des Menschen zu treffen?

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
Bundespressesprecher der
Österreichereichischen Bürgerpartei
http://www.oebp.at
http://jachwe.wordpress.com

nisemodkod
05.09.2011 20:42
5 0

Man möchte den Kernwählern doch angesichts ihrer großen Tagesfreizeit nicht weh tun. Und Wettbüro ist halt nicht so klass wie Automatenspiel.


Lünz
05.09.2011 20:34
3 0

Wenn Parteitagsbeschlüsse nichts zählen

wer sagt dann, dass Häupl noch Wiener SP-Chef ist? Die Basis wäre gut beraten auch diesen Beschluss zu ignorieren.

Gast: Johann S
05.09.2011 13:34
1 0

Verein

Die Gründung von Selbsthilfegruppen,"Verein anonymer Spieler",könnte eine Renaissance erleben.

saddam
05.09.2011 12:13
7 0

Wer hat Euch verraten

die Sozialdemokraten!!!!!!!!!!!

5 0

Warum gibt es in Vorarlberg keine Automaten?


Kann man die Alemannen nicht so billig schmieren wie die Wiener? Fängt der Balkan am Arlberg an?

Antworten Gast: Lugonahe
07.09.2011 21:47
0 0

Re: Warum gibt es in Vorarlberg keine Automaten?

Weil dort die Politiker noch einen Rest Anstand und Moral haben?

Gast: warum nur?
05.09.2011 10:59
4 1

warum?

warum antwortet hr. schicker nicht auf die fragen die ihm gestellt wrden?

und warum fragt ein reporter nicht nach?

Gast: deneistalleswurscht
05.09.2011 10:57
5 1

da können die jungen genossen schreien, was sie wollen,

die altsozis werden doch nicht auf solche billigen steuereinnahmen verzichten, bei der jetzigen wirtschaftslage, egal ob da ein paar spielsüchtige als kollateralschaden ihre familien in den abgrund führen.

Antworten ma2412
05.09.2011 11:09
0 6

Re: da können die jungen genossen schreien, was sie wollen,


gehts noch:
50 mio. sind nicht einmal 0,5% des wiener budgets! darauf könnte die stadt, regiert von sozialdemokraten! jederzeit ganz leicht verzichten!

 
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