Wiener ÖVP: Tamandl folgt Marek – und geht bald

09.09.2011 | 23:15 |  Von Gerhard Bitzan, Rainer Nowak, Dietmar Neuwirth (DiePresse.com)

Chaos nach dem Rücktritt von Christine Marek. Gabriele Tamandl ist interimistisch Parteichefin. Aber nur so lange, bis ein neuer Obmann gefunden ist.

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Wien. Sie will die Partei erneuern. Mit diesem Auftrag stellte sich Gabriele Tamandl Freitagnacht als interimistische Parteichefin der krisengeschüttelten Wiener ÖVP vor. Die 45-jährige Steuerexpertin folgt damit Christine Marek, die zuvor ihren Rücktritt von allen Wiener Funktionen und ihren Wechsel in den Nationalrat verkündet hatte. Gabriele Tamandl sitzt seit März 2003 für die ÖVP im Nationalrat und war unter Marek Landesparteiobfrau-Stellvertreterin.

Neuer Klubchef wird auf Wunsch der Bundesparteispitze Fritz Aichinger, der altgediente und in der Partei weitgehend respektierte Gemeinderat und Chef der mächtigen Sektion Handel in der Wirtschaftskammer. Der 65-Jährige war bisher Wirtschaftssprecher der Kleinpartei und neben Tamandl einer der Stellvertreter Mareks als VP-Chef. Der promovierte Doktor der Handelswissenschaften führte einen Sportartikelbetrieb in Wien-Landstraße. Beide, Tamandl und Aichinger, werden ihre Posten nur interimistisch übernehmen, bis neue Kandidaten gefunden sind, die die Wiener ÖVP längerfristig konsolidieren sollen.

Juraczka wird Stadtrat

Auch der vakant gewordene Posten als nichtamtsführender Stadtrat wird nach dem Wechsel von Wolfgang Gerstl in den Nationalrat neu besetzt. Den mehr prestigeträchtigen denn einflussreichen Job übernimmt der vergleichsweise junge Manfred Juraczka. Der 42-Jährige ist Bezirksparteiobmann in Hernals und als solcher bei seinen Kollegen der anderen Bezirke sehr beliebt.

Er ist als Manager eines internationalen Technologiekonzerns tätig und galt bisher als dezidierter Gegner Mareks: Als im November 2009 in der Wiener ÖVP der Kampf tobte, ob Marek oder der Manager Harry Himmer die Partei übernehmen sollten, unterschrieb er offiziell eine „Unterstützungserklärung der ÖVP-Bezirke für Harald Himmer“.

Kein Rückhalt für Marek

Marek selbst hatte am Freitagvormittag bei einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz nicht nur diesen Begriff neu definiert. Denn Fragen der anwesenden Medienvertreter waren nicht zugelassen, nach einem neunminütigen Statement verließ sie wortlos den Saal. Sie hat nicht mit Kritik an ihren Parteifreunden gespart. Wörtlich meinte sie: „Ich musste zur Kenntnis nehmen, dass ich mit meinem Programm, die ÖVP Wien zu einer urban-liberalen, bürgerlichen Kraft zu machen, und mit dem von mir initiierten Agenda-Wien+-Prozess, nicht die Partei in der dafür notwendigen Geschlossenheit hinter mir habe.“(c) APA (Helmut Fohringer) Die interimistische Parteichefin der Wiener ÖVP: Gabriele Tamandl

(c) APA (Helmut Fohringer) Die interimistische Parteichefin der Wiener ÖVP: Gabriele Tamandl



Geschlossenheit und Einigkeit sei aber notwendig, um bei der nächsten Nationalratswahl und insbesondere bei der nächsten Gemeinderatswahl erfolgreich zu sein. Marek: „Die Erfahrungen der vergangenen Monate haben gezeigt, dass eine Partei in Wien nur dann eine Chance gegen die rote Übermacht hat, wenn sie geschlossen ist, zusammensteht und nicht nur Einzelinteressen verfolgt werden. Insbesondere die regelmäßigen Angriffe auf mich aus den eigenen Reihen schwächen die Partei als Gesamtes. Für mich ist immer das Wohl der Partei im Vordergrund gestanden, und deshalb nehme ich mich – zum Wohl der Partei – aus der Schusslinie und mache den Weg frei für einen Neuanfang.“

Schlechtestes Ergebnis

Christine Marek war im vergangenem November nur mit 14 von 23 Stimmen Klubchefin geworden. Nicht wenige Funktionäre verfolgten ihre Bemühungen, aus der Wiener ÖVP wieder eine schlagkräftige Truppe machen zu wollen, seitdem mit Häme. Zuletzt wurde in der ÖVP sogar kolportiert, es zirkuliere bereits eine Unterschriftenliste zur Abwahl Mareks als Klubchefin des Wiener Rathauses.

Unter Mareks Führung unter einem überraschenden Law-Order-Kurs ist die Partei im Oktober 2010 von 18,8 auf 14 Prozent abgestürzt – das bisher schlechteste Ergebnis der ÖVP in Wien seit ihrem Bestehen. Ihre Rettungsversuche, wenigstens mit der SPÖ regieren zu dürfen, blieben erfolglos.

(APA/Red.)

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76 Kommentare
 
12 3
Gast: Pips
12.09.2011 19:07
0

Aufbruchstimmung

wie nach dem Weltkrieg gibt es nicht! Zum verteilen und damit sich "feiern" lassen gibt´s auch nichts. Schon gar nicht für die ÖVP.
Daher, jeder der ein sogenanntes "Amt" in der Partei übernimmt, tut es nur der eigenen finanziellen Interessen wegen. Daher kommen nur Mittelmäßige in Frage. Andere verdienen in der freien Wirtschaft oder als Selbständige mehr und haben ihre Ruh´.

Gast: Beuteburgenländer
12.09.2011 17:32
0

Uups

Uups, hat er heute schon seine Mandatare gezählt. Ich glaube ihm fe lt da was
Lg

Gast: exVP_Wähler
12.09.2011 15:11
1

der ist gut!

Zitat:"Es zeigt nur, dass die Partei auch schnelle Entscheidungen fällen kann.

Da habe ich gesehen wie schnell die VP ist, immerhin war die Wahlniederlage von Marek erst voriges Jahr! Toll so schnell!

erntedankfestmentalität

solange sich die övp als bauernschädel-blasmusi-jössasmarantjosef-partei definiert, solange hat sie in wien keine chance. die mangelnde wirtschaftskompetenz verursacht dass ein durchaus grosses wählerpotential an alle andere parteien verschenkt wird. den neuen selbständigen (rasant wachsende gruppe) steht die övp völlig ratlos gegenüber, oder lässt sie mit absicht im regen stehen (SVA skandal letzten sommer). die jetzige övp stirbt zwangsläufig mit dem bauernsterben.


Gast: Funktionärsdiktatur
12.09.2011 14:49
0

Im ZK der UdSSR lächelte man nicht anders...


Und wieder wären einige Minderleister vom Abstellgleis bestens versorgt...

Roboten tut sowieso das Mittelschichtproletariat, zunehmend unter Gulag-ähnlichen Bedingungen.

Die Hauptsache, unsere Nomenklatura erfreut sich am Geilomobilfahren und an ihren Grinsefratzen...

Skandalös, was dem Wähler zugemutet wird!

eigentlich kann man nach all dem in jahrzehnten hier in österreich von mir erlebten..

eines GANZ sicher behaupten:

sobald irgendwer auf ein solches angebot mit ja antwortet ist er von vornherein ungeeignet für den job und sollte schleunigst die bühne verlassen.weil anstand oder moral kann er ja keine besitzen.

Gast: Gruftmaus
12.09.2011 14:28
0

No seavas!

Hey Leute....zieht euch DAS mal rein !! :((
Sry-ist hier off topic, aber ich konnte in der P.re.sse dazu NICHTS finden. :

http://kurier.at/wirtschaft/4150925.php

Gast: Mertha
12.09.2011 13:51
3

So sieht der Allgemeine Arbeitsdienst

für seine Erfinderin aus. Ruheposten im NR ... ha ha ha.

Gast: Biersauer
12.09.2011 13:43
0

Seit der Bundesländer-Vergangenheit,...

wird wohl nix mehr mit der ÖVP!
Damals, als der NÖ-LH im offenen Mercedes, sich bejubeln hat lassen...

Gast: Häupl-Beiwagerl, aber wozu dann schwarz wählen?
12.09.2011 13:34
1

Eine wahrlich den Untergang beschleunigende Grufti-Partie


Die ÖVP outet sich einmal mehr als Zombie-Club.
Unverschämt, was den Wählern zugemutet wird!

Gast: Sender Gleiwitz
12.09.2011 13:08
1

Marek, Tamandl, Schittenhelm....

Ja bist du narrisch, solche Geräte!!

Wenn die Schwarzen mit diesem Krampfaderngeschwader erfolgreich sein wollen, dann am ehesten beim Knödldrehn in Rapottenstein...


Gast: Joseph Mandl
12.09.2011 11:43
2

Ein Vorschlag zur Güte

Nicht, dass es mir jetzt wahnsinnig ans Herz gehen würde, wenn die Wiener Schwarzen weiterhin als Kleinpartei (genial, liebe "PRESSE"!) dahindümpeln, aber ich versteh einfach nicht, warum die Schwarzen in Wien nicht das machen, was die Schwarzen in Innsbruck längst schon gemacht haben: neue Partei gründen (wie eben "Für Innsbruck"), neue, halbwegs präsentable Leute rein, Konzentration auf komunale Themen, hin und wieder ein bißchen reiben an der Mutterpartei, anstatt immer ja und Amen zu sagen, auch wenns nur Spiegelfechtereien sind (wie in Innsbruck). Hat im Westen a là bonheur geklappt und den Schwarzen die Macht auf Jahre hinaus gesichert.

Warum wird das nicht wenigstens angedacht? Oder ist das ein "Top-Secret"- Plan? Ich fürchte nein...

Gast: Orange-in-Wien
12.09.2011 00:13
0

Super Presse super!

"Der 65-Jährige war bisher Wirtschaftssprecher der Kleinpartei und neben Tamandl einer der Stellvertreter Mareks als VP-Chef. "

Ich bedanke mich herzlich für den Abstieg der ÖVP Wien auf Medienebene.
Jetzt spielt Sie mit uns auf Augenhöhe ;).

Wobei, dies war schon im Juli bekannt:
http://diepresse.com/home/panorama/wien/rathauskeller/681081/UmfragenKrieg_Wie-schlecht-geht-es-der-VP-wirklich
" target="_blank">http://diepresse.com/home/panorama/wien/rathauskeller/681081/UmfragenKrieg_Wie-schlecht-geht-es-der-VP-wirklich


Gast: Beute
11.09.2011 11:44
3

Wirtschaftssprecher der Kleinpartei

Liebe Presse,

you made my day.

"Der 65-Jährige war bisher Wirtschaftssprecher der Kleinpartei und ...".

Das hätte sich die ÖVP niemals erträumen lassen, dass ein konservatives Blatt sie quasi so im vorbeigehen als Kleinpartei bezeichnet. Köstlich

lg und schönen Sonntag noch

Gast: Zuckerbrot
11.09.2011 09:51
5

Superjob am 3. Arbeitsmarkt (=Nationalrat)

Ihren niederösterreichischen und deutschen Chefs hat Marek es zu verdanken, dass sie noch nicht Taschengeldbezieherin im von ihr vorgeschlagenen Arbeitsdienst ist.

Gast: nK
11.09.2011 08:53
1

Quotefrau

wer mit der Quote spielt ...

Gast: Pastor Hans-Georg Peitl
11.09.2011 05:58
1

Neuerung

Irgendwie schon wieder eine Neuerung.

Bisher hatte man Politiker und Politikerinnen bestellt und wenn es darum gegangen wäre, dass sie für ein wichtiges Thema verantwortlich gewesen wären, sind sie gegangen.

Im Fall von Tomandel gibt man dadurch, dass man gleich beim Amtsantritt bekannt gibt, dass sie bald wieder geht, bekannt, dass sie niemals für Etwas verantwortlich sein wird.

Gleichzeitig nehmen die Leute gerne eine jede Schweinerei von Tomandel in Kauf, weil sie "ja eh bald wieder geht".

Wir sind folglich in eine neue Ära der Volksmissachtung eingekehrt.

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
Bundespressesprecher der
Österreichischen Bürgerpartei
http://www.oebp.at
http://jachwe.wordpress.com

Re: Neuerung

Weder für 10 Sekunden den Namen richtig gemerkt, plappern ohne etwas zu sagen, so richtig das Paradewürstchen.

Die Bürgerpartei, eine Mikrogruppe, die nirgendwo mitspielen darf und immer nur herumkeift! Oder einfach: Kläffer

Gast: Nirwana
10.09.2011 18:57
6

Fehlt nur noch der Kurz und die ÖVP Wien ist komplett hinüber


Antworten Gast: Hinterfragend
11.09.2011 15:00
3

Re: Fehlt nur noch der Kurz und die ÖVP Wien ist komplett hinüber

Das haben wir ja vor 15 Jahren schon propheizeit. Das man dort auf kurz oder lang so wörtlich nimmt, damit konnte niemand rechnen.

Apropos Abgang: Wieso werden unfähige Politiker in Österreich eigentlich immer nach oben entlassen?

Gast: Plach2
10.09.2011 17:44
2

Das war ja zu erwarten!

NR Wahlen werden in Wien gewonnen/verloren.

Marek und Kruz (mit seinem Geilomobil) bekamen mit der vergangenen Wahl mit ihrer "christlichen ÖVP" lediglich 13%. Mit so einem Ergebnis wird die ÖVP NIE wieder einen Bundeskanzler stellen!

Häupl hat den Trend der Zeit schon längst erkannt und ranghohe Moslemvertreter zur SPÖ Abgeordneten gemacht. Lt. Statistik haben zuletzt 78% der Moslems (Türken) SPÖ und 16% die Grünen gewählt. Das sind sagenhafte 94%!

Daher wird die SPÖ noch lange den Bundeskanzler stellen und die ÖVP Neuwahlen für "nicht erforderlich "halten.

Wenn die ÖVP wirklich in Wien was erreichen will,...

... dann soll sie sich für eine umfassende Staatsreform einsetzen, in der die Bundesländer und vor allem Gemeinden zwar gerne ausgeben dürfen, was sie wollen, in dem sie dieses Geld aber auch selbst eintreiben müssen und dürfen(= Steuerhoheit an die kleinsten, demokratischsten Einheiten verteilen und das Prinzip der Subsidiarität umsetzen)! Natürlich müssten dafür auch alle Bundessteuern, bis auf die zur Finanzierung von Polizei, Justiz und Heer, abgeschafft werden. Bei den EU-Steuern sieht jeder sofort ein, warum das Schwachsinn wäre, warum solls in Österreich mit der Zentralisierung anders sein?

Mal schaun wie lang der Sozialismus light der Wiener SPÖ dann noch funktioniert.

Aber dass die ÖVP da mitmacht, davon wage ich ja noch nicht einmal zu träumen.

Antworten Gast: Plach2
10.09.2011 18:33
1

In Wien gibt es zu wenig Bauern!

Seit Jänner zahlen über 160.000 Bauern, dank einer Großzügigen Regelung der ÖVP Regierungsmitglieder nur mehr € 200.- Steuern pro Jahr! Bis € 100.000 Jahreseinkommen zahlen sie einen kleinen Pauschalbetrag.

Bauernförderung:

Hannes E. 132.830 (im Vorjahr 84.267 +58%)
Christa E. 125.311 (44.042 +185%)
Leopold Z. 121.368 (52.239 +132%)
Helmut K. 120.542 (60.274 +100%)
Wolfgang L. 118.840 (41.829 +184%)
Josef K. 116.914 (43.461 +169%)
Annemarie M. 113.425 (50.466 +125%)
Maria S. 113.300 (27.925 +306%)
Karin S. 111.144 (18.992 +485%)
und noch viele weitere Beispiele

Für Bauern und Beamte zahlt es sich aus ÖVP zu wählen. Wer sonst wählt noch ÖVP?

Einkommensvergleich 1999 - 2009:

Beamte +26%
Angestellte + 4 %
Arbeiter - 9%

Re: In Wien gibt es zu wenig Bauern!

Die schlimmsten Genossen sind die Neidgenossen

Re: In Wien gibt es zu wenig Bauern!

Die ÖVP ist auch nur mehr eine Partei für die Bauern und Beamten.Im Parlament sitzen 125 Beamte,17 Bauern und 41 Freiberufler.Dies sagt wohl alles.Diese ÖVP wird niemals mehr einen Bundeskanzler stellen können.

Re: Re: In Wien gibt es zu wenig Bauern!

die Beamten müssen auch von anderen Parteien kommen - die ÖVP hat nur 51 Mandate!

Insgesamt sehe ich nicht, was Sie mit Ihrem Beitrag sagen wollen. Wo haben Sie Ihre Zahlen her? Nach Ihrer Aufstellung gäbe es im PArlament keinen Angestellten, keinen Arbeiter und keinen Pensionisten - das kann ich nicht glauben.

 
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