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Dorner: „Anhebung der Kassenbeiträge um drei Prozent“

27.09.2011 | 18:10 |  REGINA PÖLL (Die Presse)

Die Beiträge zur Krankenversicherung sollen steigen, sagt der Ärztekammer-Präsident. Die E-Medikation in der jetzigen Form lehnt er ab. Es drohen Fehlleistungen und die Kosten sind unbekannt, so Dorner.

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Die Presse: Zuletzt haben Sie sich der Stimme enthalten, als es darum ging, ob die Ärzte das Pilotprojekt zur E-Medikation fortsetzen. Sind Sie nun für oder gegen diese Medikamentendatenbank, die Wechselwirkungen beim Patienten vorbeugen soll?

Walter Dorner: Wenn ich glaubte, dass die elektronischen Patientendossiers das Heil der Welt sind, müsste ich sagen: Ich bin dafür. Aber jeder Arzt, der eine entsprechende EDV-Ausstattung hat, kann heute schon eine Medikamentenunverträglichkeit feststellen. Warum will man uns da etwas aufdrücken? Offenbar geht es um ein politisches Projekt, das auf die Kontrolle von Patienten und Ärzten abzielt. Und das lehne ich ab.

 

Trotzdem haben sich die Ärzte insgesamt für das Pilotprojekt entschieden. Dabei hat es auch rechtliche Bedenken gegeben: Gutachtern zufolge hat der Hauptverband der Sozialversicherungsträger die Software zur E-Medikation unrechtmäßig vergeben. Sind die Bedenken für Sie nun ausgeräumt?

Minister Stöger hat zumindest erklärt, dass keinem Arzt, der beim Pilotprojekt mitmacht, rechtliche Konsequenzen daraus drohen. Das heißt aber noch lange nicht, dass das Projekt zurzeit im Rechtsrahmen abläuft. Bei der Abstimmung der Ärztekammern enthalten habe ich mich, weil die Wiener Kammer gegen das Projekt war, andere Landeskammern aber dafür. Und das habe ich als österreichischer und als Wiener Präsident zu beachten.

 

Das Ziel der E-Medikation insgesamt ist doch ein positives, wie Sie selbst schon gesagt haben. Sinn wäre, dass künftig alle Ärzte Einblick hätten, welche Medikamente ein Patient nimmt. Und nicht nur der erste konsultierte Arzt.

In Wahrheit geht der Österreicher aber nicht jeden Tag zu einem anderen Arzt, sondern meistens zu seinem Hausarzt, der auch viel besser über den Patienten Bescheid weiß als irgendein Server.

 

Werden Sie den regulären, österreichweiten Betrieb der E-Medikation ab Mitte 2012 unterstützen?

So, wie das Projekt jetzt vorliegt, wird es von uns nicht umgesetzt. Man kann ja nicht, wenn man einen schlechten Piloten hat, den Betrieb auf ganz Österreich ebenso schlecht auswälzen. Es drohen Fehlleistungen, eine hohe Bürokratie, und die Kosten sind unbekannt. Auch Fragen des Datenschutzes sind ungeklärt. Denkbar wäre eine Variante, wonach sich der Patient freiwillig in die E-Medikation einklinkt – und nicht umgekehrt. Jede Art von Zwang lehne ich ab.

 

Die E-Medikation ist nur Teil der Elektronischen Gesundheitsakte. Lehnen Sie die ELGA insgesamt ab?

Solange wir über die Kosten nicht Bescheid wissen: ja. Das Ministerium rechnet mit 30 Millionen Euro Startkosten, wir mit mindestens 150 Millionen Investitionskosten zum Anschub. Und mit 60 Millionen Instandhaltungs- und Adaptierungskosten jährlich, die der Staat nicht zahlen will. Wenn er das Projekt will, sollte er das aber tun. Ohne Kosten-, Nutzen- und Effizienzrechnung machen wir nicht mit.

 

Zur Spitalsreform, die der Gesundheitsminister für 2013 plant: Was fordern Sie? Die Ärzte sind ja bisher nicht in die Vorbereitungen eingebunden.

Ich möchte eine echte Reform und nicht erleben, dass wir über ein neues, österreichweites Krankenanstaltengesetz eine Staatsmedizin mit Kontrolle auf allen Ebenen bekommen. Freie Verhandlungen zwischen den Akteuren müssen weiter möglich sein. Ich wünsche mir nicht, dass wir zu ähnlichen Mitteln greifen müssen wie 2007 und 2008. Dann wird es aber noch heftigere Proteste geben als damals. Wir haben hundert Millionen Patientenkontakte, da setzen wir uns durch. Es kann auch nicht sein, dass wir für die Gesundheit nicht mehr das notwendige Geld bekommen. Die Krankenversicherungsbeiträge sind in Österreich seit zehn Jahren nicht mehr erhöht worden. Ich fordere aber schon wegen der Inflation eine Anhebung um zwei bis drei Prozent.

 

Wo sehen Sie umgekehrt Einsparungspotenzial im Gesundheitsbereich?

Im ökonomischen Bereich gibt es genug. Die großen Spitalsverbünde sollten endlich zentral einkaufen. Das brächte mehr Effizienz und bessere Preise bei den Erzeugern.

Warum dauert es mit der Ärztebedarfsstudie Österreichs in Richtung Brüssel so lange? Fehlen der Regierung und der Kammer die entsprechenden Daten?

Ein Problem ist wohl, dass man von unterschiedlichen Zahlen ausgeht. Wir wissen aber bereits, dass in wenigen Jahren sehr, sehr viele Allgemeinmediziner fehlen werden.

 

Aber ohne detaillierte Prognose lässt sich die Inländerquote an den Medizin-Unis in Brüssel nicht mehr verteidigen.

Ich denke doch. Ich glaube, dass eine Verlängerung der Quote in Brüssel gelingen wird. Die Notwendigkeit dafür wird erkannt werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.09.2011)

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30 Kommentare
 
1 2
Gast: bruckner_manfred
06.10.2011 14:38
0 0

alte männer

immer wieder beeindruckend, wenn die alten männer für ihre klientel in den krieg ziehen - da vergessen sie glatt auf die grundrechnungsarten...
http://manfredbruckner.blogspot.com/2011/10/der-krieg-der-alten-manner.html" target="_blank">http://manfredbruckner.blogspot.com/2011/10/der-krieg-der-alten-manner.html

Gast: Vogel Strauss
28.09.2011 18:53
0 1

Harhar - die Ärzteschaft hat noch miesere Interessensvertreter als die Wirtschaft


0 0

kann mir jemand sagen...

wie alt der dorner eigentlich ist?

Antworten Gast: haberstroh
28.09.2011 16:28
0 1

Re: kann mir jemand sagen...

zu alt. von jung keine Spur - sieht und liest man ja.

Re: kann mir jemand sagen...

Manche arbeiten wirklich gern.
Das haelt jung.

Leitwolf
28.09.2011 14:13
2 0

"Ich fordere wegen der Inflation eine Anhebung um zwei bis drei Prozent"???

Genau! Steuern und SV Beiträge müssen regelmässig an die Inflation angepasst werden!

Denn wenn die Löhne unter der Inflation wachsen, wieso sollten deshalb Ärzte oder Beamte dafür büßen?

Es waere schon gut , wenn die Arbeitgeber Loehne und Gehaelter bezahlen wuerden,

Die gerecht sind. Leistungsgerecht.
Wenn die unsaegliche Korruption, Steuerhinterziehung, Abgabenhinterziehung durch Schwarzarbeit endlich aufgerollt und abgewickelt
wuerde. Nicht so krass wie in China, schließlich bin ich gegen die Todesstrafe. Aber Haftstrafen fuer Schwarzunternehmer sollten drinn sein.

Augenmaß und Ausdauer

Das koennen die Politiker von uns Aerzten wirklich lernen.

Gast: dreamerinvienna
28.09.2011 12:17
1 1

blockierer

es wäre besser, wenn herr dorner sofort abtritt und damit den weg für reformen im gesundheitswesen frei macht. mit seiner blockadepolitik geht ja gar nix weiter

Gast: Frau_Dokotor_Allgemein
28.09.2011 07:39
0 1

Sg. Herr. Präsident ...


... Ihnen kann nicht entgangen sein, daß es sehr wohl Einsparpotential im Ärztekollegium gibt!

Warum muss ich als Wiener Kassenärztin das Unternehmerrisiko tragen (und verdiene unter Umständen auch etwas mehr als Kollegen/Innen im KAV), die aber widerrum bei Zusatzverdiensten unterm Strich mehr verdienen als wir Allgemeinmediziner/innen?

E-Medikation ist ein sehr sehr gutes Projekt soll/muss für ganz Österreich umgesetzt werden! Sie wissen auch weiters, dass NICHT alle Wiener Ärzte gegen E- Medikation sind!

Aegroti salus suprema lex

Re: Sg. Herr. Präsident ...

E-Medikation ist Bullshit:
http://www.familienmedizin.net/files/publs/Patientendaten.ppt

Gast: Delta
28.09.2011 07:27
1 3

3 % Erhöhung

Na klar die Herrn Ärzte wollen mehr Kasse machen. Dieses Berufsgruppe blockiert jede Reform bis zum geht nicht mehr, dreht ständig überdurchschnittlich an der Kostenschraube und hat so viel steuerlichen Gestaltungsspielraum wie (fast) keine Andere Berufsgruppe. 3 % Senkung wäre die richtige Antwort auf eine diese unverschämte Forderung!

Gast: vbn
28.09.2011 07:02
1 0

Selbstbehalt für alle - JETZT!


Beamten und Unternehmern ist ein 20%iger Selbstbehalt bei BVA, SVA, KFA und Co seit Jahren zumutbar.
Im Sinn der Gleichbehandlung sollte dieser jedem Versicherten abverlangt werden.

UND - FOTO auf die E-Card oder verpflichtenden Ausweiskontrolle, die auch mit "Ermittlern" der Kassen stichprobenartig überprüft und bei Fehlverhalten HART Bestraft wird.

Antworten Gast: betty
28.09.2011 16:00
0 0

Re: Selbstbehalt für alle - JETZT!

gleichbehandlung! das kassensystem verstösst gravieren gegen die gleichbehandlung. es sollte der staat geklagt werden deshalb. es fördert mehrklassenmedizin, weil es unter den ärzten die bevorzugten kassen gibt und die unbeliebte gebietskrankenkasse, die die ärzte mehr oder weniger als sklaven hält.

Gast: Lukas
27.09.2011 22:34
1 0

die "Götter in Weiß" wollen mehr Geld

weil Faymann im Klassenkampf die "reichen Ärzte" zur Kasse bitten will. Wer zahlt letztlich also wirklich: Otto Normalverbraucher...

0 0

Re: die "Götter in Weiß" wollen mehr Geld

ahnung haben Sie eher wenig, gell?

Antworten Antworten Gast: Gast 2011
28.09.2011 16:35
0 0

Re: Re: die "Götter in Weiß" wollen mehr Geld

Sind Sie einer der Götter, die so viel Ahnung haben?

Gast: Ösi
27.09.2011 21:54
4 1

Also ich find' eine Erhöhung der Beitrage gut! Es kommt ja uns zu Gute!

Denn mit mehr Geld wird das Sozialsystem noch mehr superer.
Wir feiern jetzt schon!
Ein Erfolg für die Krankenkassen und ihren Direktoren. Bonuszahlungen marsch!!!
Einmalzahlungen steuerfrei!

so long
Ösenpower

Antworten Gast: mimilink
28.09.2011 16:08
0 0

Re: Also ich find' eine Erhöhung der Beitrage gut! Es kommt ja uns zu Gute!

Selbstbehalt! dann bleiben die Hypochonder, Wimmerln, Simulanten und ähnliches endlich zu Hause! Was die uns kosten, weiss ja keiner, weil man die Statistiken wohlweislich einbehält. Unser System fördert ja auch den Arztmissbrauch enorm.

franz1
27.09.2011 20:29
6 1

weg mit dam alten

abcasher
wenn ihm nichts anderes einfällt.

Antworten Gast: sternschnuppe
28.09.2011 16:19
0 0

Re: weg mit dam alten

zur Wahl gehen und einen Besseren wählen. net raunzn.

Gast: Peter123456
27.09.2011 20:12
7 0

Unglaublich, wie imkompetent und dumm man eine Erhöhung der Kassenbeiträge argumentieren kann

Herr Dorner fordert also eine Erhöhung der Kassenbeiträge um 2-3%, "schon wegen der Inflation", sie seien in Ö die letzten 10 Jahre ohnehin nicht erhöht werden.

Wenn Dummheit weh täte ...:

Also noch einmal zum Mitschreiben: WEGEN DER INFLATION. Die Kassenbeiträge sind Prozentsätze des Bruttogehaltes (bzw - einkommens). Wie die Inflation stiegen in den letzten 10 Jahren natürlich auch die Bruttogehälter: zB bleiben 10% von 2000 EUR weiterhin 10%, verdient man zB 2500 (zB nach 10 jahren) sind es weiterhin 10%, die abzuführen sind, der Beitrag erhöht sich also automatisch; wozu also eine "Inflationsanpassung"?!?
Anheben könnte man die Höchtbeitragsgrundlage. Wenn man aber eine Erhöhung um 2-3%, also zB statt 10% nun 12% unseres hart verdienten Geldes haben will, hat das nichts mit Inflationsanpassung zu tun sondern mit einer Beitragserhöhung (gewzungenermaßen über der Inflation, es sei denn man geht davon aus, dass die Realeinkommen zurück gehen).
Herr Dorner hält uns daher entweder für dumm oder versteht die "hohe" Mathematik dahinter selbst nicht.
In beiden Fällen sollte er zurücktreten.
Unglaublich diese seine Aussage!

Antworten Gast: steuerzahlender Presseleser
27.09.2011 22:02
0 1

Re: Unglaublich, wie imkompetent und dumm man eine Erhöhung der Kassenbeiträge argumentieren kann

Sie haben völlig Recht. Aber finden Sie einmal einen Journalisten, der solche Widersprüche öffentlichwirksam aufgreift. Fleischhacker, Ortner? Bitte melden!

Antworten Gast: Österreicher
27.09.2011 21:16
1 0

Re: Unglaublich, wie imkompetent und dumm man eine Erhöhung der Kassenbeiträge argumentieren kann

Die Höchstbeitragsgrundlage wird jedes Jahr mittels einer Indexierung an die Inflation angepasst. Und wieder einmal hat ein Parteibonze bewiesen, auf welchem betriebswirtschaftlichem Niveau sich diese Republik bewegt.

Antworten Antworten Gast: sternschnuppe
28.09.2011 16:17
0 0

Re: Re: Unglaublich, wie imkompetent und dumm man eine Erhöhung der Kassenbeiträge argumentieren kann

Was erwarten sie von Dorner! Es zeigt, wie wenig die Ärzte an einer kompetenten Standesvertretung interessiert sind, wenn sie den wählen. Man muss sich schämen.

Antworten Antworten Gast: klonkdongzonk
27.09.2011 22:05
0 0

Re: Re: Parteibonze?

wie lange wollen sie die versicherten belügen?

 
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