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Lobbyisten-Gesetz: Scharfe Kritik an Kammer-Privilegien

11.10.2011 | 18:29 |  Von Thomas Prior (Die Presse)

Ex-Rechnungshofpräsident Fiedler hält das Lobbying-Register für nicht transparent genug. Die wichtigen Details würden dem Bürger vorenthalten. Ziel der Regierung ist es, alle Lobbying-Aktivitäten zu erfassen.

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Wien. Vor dem Lobbyisten-Gesetz, das am Dienstag den Ministerrat passierte, sind nicht alle gleich: Während Unternehmen, deren Geschäftsgegenstand das Lobbying ist, und Betriebe, die eigens Lobbyisten beschäftigen, eine ganze Reihe von Daten in einem Register preisgeben müssen, werden Selbstverwaltungskörper wie die Kammern und Interessenverbände wie der Gewerkschaftsbund vom Gros der Auflagen ausgenommen.

Weder ihren Jahresumsatz noch die Namen ihrer Lobbyisten müssen die Kammern nennen. Die Regierung begnügt sich mit der Schätzung ihrer jährlichen Lobbying-Kosten und einer Gesamtzahl der „Interessenvertreter“, die sie beschäftigen. Kanzler Werner Faymann hält diese Regel für „gerechtfertigt“, wie er nach dem Ministerrat erklärte. Denn im Gegensatz zu den Lobbying-Unternehmen seien die Kammern „gesetzlich definierte Interessenvertretungen“.

Eine Argumentation, die Franz Fiedler, ehemals Rechnungshofpräsident und heute Österreich-Chef von Transparency International, für fadenscheinig hält: Das bedeute doch nur, dass die Kammern „von Gesetz wegen schon Lobbyisten sind“. Und ihren Einfluss auf Politiker schätzt Fiedler „weit höher“ ein, als jenen von klassischen Lobbyisten. „Daher sind diese Privilegien absolut nicht einzusehen.“

Überhaupt sei dieser Gesetzesentwurf nicht transparent genug: Eigentlich, sagt der Transparency-Chef, sollte für den Bürger „klar ersichtlich sein, bei wem lobbyiert wurde – und welches Gesetz die Handschrift des Lobbying-Betriebes und des Auftraggebers dahinter trägt. Dann kann er sich einen Reim darauf machen.“ Alles das sei derzeit jedoch nicht der Fall.

Denn die Öffentlichkeit soll im Register zwar nachlesen können, wie die Lobbying-Firma heißt, wo sie ihren Sitz hat, wen sie beschäftigt und wie viel sie umgesetzt hat. Einsicht in die Informationen über Einzelaufträge und den jeweiligen Auftraggeber dahinter darf die Justizministerin aber nur „den Vertragsteilen“ und betroffenen Funktionsträgern gewähren. Es sei denn, „andere Personen oder Organe“ hätten ein besonderes rechtliches Interesse, die Geheimhaltung aufzuheben. So steht es im Entwurf.

(c) DiePresse

(c) DiePresse

Keine Sanktionen für die Kammern

Das Ziel der Regierung ist es, alle Lobbying-Aktivitäten auf Bundes-, Landes- und Gemeindeebene zu erfassen. Lobbyieren darf nur, wer im Register eingetragen ist. Und: Beim Erstkontakt mit einem Politiker oder Beamten muss sich der Lobbyist als solcher zu erkennen geben. Abgeordnete, die von einer Kammer oder einem Interessenverband entsandt wurden, sind von diesen Bestimmungen ausgenommen – selbst, wenn sie die Interessen ihres Arbeitgebers vertreten.

Ähnlich verhält es sich bei den Sanktionen: Sie gelten nur für Lobbying-Betriebe und Unternehmen, die eigene Lobbyisten beschäftigen. Vorgesehen sind Verwaltungsstrafen bis zu 60.000 Euro. Außerdem kann die Justizministerin Lobbyisten ohne Androhung aus dem Register streichen lassen, wenn sie gegen das Gesetz verstoßen.

Regeln gibt es auch für Amtsträger: (Aktive) Politiker und Beamte dürfen für ihren Zuständigkeitsbereich keine entgeltlichen Lobbying-Aufträge entgegennehmen. In Betrieben werden Erfolgshonorare für Lobbyisten untersagt – es drohen Strafen bis zu 20.000 Euro.

Die Sanktionen nennt Fiedler zwar „ausreichend“ – doch die Vergehen müssten zunächst einmal aufgedeckt werden. Die Fragen seien: „Wir scharf wird kontrolliert? Oder: Wie kommt an die Oberfläche, wenn Stillschweigen zwischen Auftraggeber und -nehmer vereinbart wurde?“ Da seien die Bezirksverwaltungen „echt gefordert“.

In Kraft treten soll das Gesetz im März 2012. Im Parlament bedarf es für den Beschluss einer Zweidrittelmehrheit und damit der Zustimmung einer Oppositionspartei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.10.2011)

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23 Kommentare
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Guter Bericht von der Presse . . .

. . . trifft den Kern bei der Sache.
Naja, 100% ist es leider noch nicht.

Aber es ist ein wichtiger und richtiger Schritt von der Justizministerin Mag. dr. Beatrix Karl in die richtige Richtung !

Dieser Schritt stärkt das VERTRAUEN DES VOLKES in die Justiz und in die Regierung wieder !
Der Widerstand des Vokes " Revolution Austria OCCUPY - 15.Okt.2011 " und der Zorn und Entäuschung der Bürger, gegen KORRUPTION der österreichischen Regierung, Banker und Spekulaten war dieser Wochende deutlich sichtbar !

Diese Demonstration des Volkes war nicht nur von den Linken sondern von jeden Arbeiter, Angestellten, Familien, Väter und zeigt das die Leute von den leeren Versprechungen und Scönfärberei die Nase voll haben.
Es muss sich etwas ändern in der Regierung, das Volk muss mit ihren Anliegen und Problemen eingebunden werden !

Das Lobbistengesetz ist ein Schritt in die Richtige Richtung !


Gast: lobedieeier
13.10.2011 12:58
0 0

Die wichtigen Details würden dem Bürger vorenthalten.

ich finde diesen sachverhalt sehr merkwürdig, wo doch mit blickwinkel auf die leistungen, die bürger durch ihre steuerabgaben, alle politiker längst gekauft haben müssten.
.-)

Gast: brabus
13.10.2011 12:18
1 0

Lobbyistengesetz

Dieses Gesetz dient so wie viele andere Gesetze nur einer Minderheit die sich daraus persönliche Vorteile verschaffen. Das Volk hingegen wird wieder um sein Recht betrogen.

Antworten Herman
14.10.2011 01:45
0 0

Re: Lobbyistengesetz

= Korruption legalisiert

Burger
12.10.2011 16:29
2 0

Abschaffung der Kammern

Nur in Österreich gibt es die Kammern. Diese gehören abgeschafft. Es ist eine Idiotie Gewerkschaft und Arbeiterkammern in einem Land zuzulassen. Noch dazu haben die Arbeitnmehmer keine Wahl, ob sie einer Kammer beitreten wollen oder nicht. Das sind Allüren einer Diktatur.

Antworten Gast: Johann S
12.10.2011 20:27
0 0

Re: Abschaffung der Kammern

Nicht ganz korrekt.
Im Saarland,Bremen sowie in Luxemburg gibt es solche.
Haben lange Tradition,bei Gründung der1. Republik geschaffen.
Handelskammer git es bereits seit 1849.

Gewerkschaft hat nur Vereinsstatus.

Sind wertfreie Fakten.

Antworten Antworten hw007
12.10.2011 22:32
1 0

Re: Re: Abschaffung der Kammern

es spricht ja nix gegen kammern und vertretungen.
nur wenn "ausschliesslich" diese gesetze machen, ich weiß nicht.

0 0

"Naturlich beschließen wir ein Gesetz,

.. das unsere eigenen Handlungsspielräume, was lukrativste Geschäfte betrifft, gnadenlos einschränken wird. Versprochen, ganz sicher machen wird das. Großes Politiker Ehrenwort."

... als kleine Errinnerung an die Realität - da die Originalvideos zur Causa Strasser immer von Youtube verschwinden, hier eine Parodie auf den Fall: http://www.youtube.com/watch?v=Ve_HkJI7RZ4

Gast: Halleluzi
12.10.2011 13:31
2 0

so schlecht.....

san ma dann a wieda net in österreich......beispiel: in der mongolei z.b besitzt der premier gleich selbst eine supermarktkette, dem verteidigungsminister u. seiner familie gehört die zweitgrösste bank im land ...... also do wird a bissl a lobbying u. freunderlwirtschaft in österreich wohl drinnen sein,oder?! ps: der ögb u. die spö haben/besitzen jetzt keine supermarktkette u. keine bank mehr(alles pleite gegangen)u. das ist gut so ,a bissl komisch ist es noch im agrarsektor in österreich,da ist wahrscheinlich die mongolei schon weiter......

Gast: östalan
12.10.2011 12:58
3 0

Wieder ein PrivilegGesetz von SPÖVP für SPÖVP

Denn in den Kammern herrschen diese Parteien und daher gilt das Gesetz de facto für die Anderen, aber selbst hält man sich ein Hintertürchen frei!

Piraten, es wird Zeit, das Parlament braucht euch!

8 0

Schildbürga

Lobbyisten stimmen über das Lobbyisten-Gesetz ab.

Und morgen live bei uns:"Peter Hochegger darf sich seine Strafe selbst aussuchen"

Attersee
12.10.2011 10:19
9 0

Austria Live!!

Verlogen, Intrigant, Hinterhältig, Vorteilssüchtig, Unaufrichtig,arrogant, und da fehlen sicher noch viele Attribute, die die derzeitige österreichische Politik mitsamt Ihren Volksvertretern verdient. Die verkaufen Ihre Wähler für völlig blöd und unaufgeklärt. Wo ist der Bundespräsident bei solchen Gesetzen?? Er muss diese doch unterschreiben! Und das geht gar nicht! Sowas kann der nicht unterstützen. Herr Fischer!! Wir hören Ihre Meinung!! Wir würden diese gerne hören....

Gast: 1. Parteiloser
12.10.2011 10:03
8 0

Das Gesetz nützt den Lobbyisten, schadet aber Österreich!

In Österreich haben doch Lobbyisten schon lange einen direkten Zugriff auf die Gesetzgebung und haben diesen Zugriff auch in eigener Sache heftig missbraucht. Der Oberlobbyist wurde gleich zum 2 NR Präsi gemacht.

Diese Lobbyisten sind Beamte und Funktionäre der geschützten Bereiche, welche die Umverteilung der anderen Österreich in die eigenen Bereiche sicherstellten. Dazu noch eine Gesetzgebung zur eigenen Leistungsminimierung und der rechtlichen Freistellung.

Diese Lobbyisten lesen ja die Gesetzesvorlagen gar nicht mehr, geben trotzdem dann aber die Stimme ab. Ein maximal undemokratischer Vorgang, welcher nur noch als grausig bezeichnet werden kann.

Diese Lobbyisten sind aber schon so fertig, dass diese einen Klubzwang zum Abstimmen brauchen. Und, nicht einmal diese schaffen die Versager dann immer.

Und jetzt gehen diese Lobbyisten her und registrieren sich damit auch so grausig weiter gearbeitet werden kann. Die sind das eigene Versagen schon so gewöhnt, dass das Grausige dieser Handlungen gar nicht mehr erkannt werden kann.

Das Grausige dabei ist doch, dass die Verfassung ausgehoben wurde. Es sollte ja der Wille der Volkes bei der Gesetzgebung zählen und nicht der Wille der Lobbyisten.

Es hätte ein Recht gebraucht, welches den Lobbyisten keinen direkten Zugriff auf die Gesetzgebung ermöglicht.

Die Degeneration muss vollständig sein, weil das Versagen unendlich groß ist.

Lobbyisten raus aus dem Parlament!

tiger10
12.10.2011 08:44
9 0

Herr Fiedler:

Die Österreicher vertrauen Ihnen und nicht diesen schwindligen Politikern. Machen Sie weiter so, den Österreich braucht Sie!!!

tiger10
12.10.2011 08:42
9 0

Werner Faymann hält diese Regel für „gerechtfertigt“, wie er nach dem Ministerrat erklärte.

Klar, dass eine korrupte Regierung das für gerechtfertigt hält!

Sprachrohr
12.10.2011 08:30
9 0

Wenn Politiker

wie Werner Faymann dafür eintreten das Kammern aus dem Lobbyinggesetz ausgeklammert werden oder Extrawürste bekommen dann kann spätestens ab da schon wieder den Verdacht äußern hier hat jemand gegen das Lobbygesetz lobbiert.

Wir brauchen in Österreich endlich wieder gute Politiker die eine Persönlichkeit darstellen.

Gast: check
12.10.2011 00:11
9 0

Die Kammern sind der größte Lobbyisten-Moloch der Republik!


Die Kammern sind per Definition Lobbyisten!

Sie kassieren Millionen und Milliarden von ihren Zwangsmitgliedern und treiben damit Lobbyismus.

Es ist also geradezu eine PFLICHT, diese mittels Verfassungsgesetz ja sakrosankten Lobbyisten genauer unter die Lupe zu nehmen!

Dass sich natürlich die SPÖ schützend vor diesen ganz Österreich überwuchernden Kammer-Sumpf stellt ist symtomatisch: hier blühen Korruption, Parteienfinanzierung und persönliche Pfründe in Massen! Und die SPÖ ist, vom Kanzler abwärts, auf Veruntreuung öffentlicher Gelder aufgebaut.

Also BITTE liebe Frau Karl, machen sie EINMAL was richtig und bestehen sie darauf, dass auch dieser milliardenschwere Kammer-Lobbyisten-Sumpf unter Beobachtung gestellt wird!

Gast: gerechtiker
11.10.2011 22:43
8 0

wir sind Österreich

"Denn die Öffentlichkeit soll im Register zwar nachlesen können, wie die Lobbying-Firma heißt, wo sie ihren Sitz hat, wen sie beschäftigt und wie viel sie umgesetzt hat. Einsicht in die Informationen über Einzelaufträge und den jeweiligen Auftraggeber dahinter darf die Justizministerin aber nur „den Vertragsteilen“ und betroffenen Funktionsträgern gewähren."

lächerlich, diese "Offenlegung"!

was der Faymann davon hält, ist offensichtlich, sonst könnte er seine Inserate nimmer machen.

Hr. Dr. Fiedler, bitte machen Sie weiter so!!!!

hw007
11.10.2011 22:42
7 0

demokratie

wie kann es in einer demokratie eigentlich passieren, dass gesetze beschlossen werden, die am bürger vorbei gehen?

geht eigentlich nicht, oder? das heißt aber dann in AT gibts gar keine demokratie?
(demokratie = volksherrschaft)

Re: demokratie

also ich würde Österreich als eine sozial-partnerschaftliche Monarchie bezeichnen - mit Leibeigenschaft.

Antworten Gast: gerechtiker
11.10.2011 22:45
2 0

Re: demokratie

wir leben schon lange nicht mehr in einer Demokratie.
mittlerweile ist es zu einer Schein-Demokratie verkommen.

Gast: Plach2
11.10.2011 22:42
9 0

Die Parteigünstlinge in den Kammern schützen sich selber!

Dieses Gesetz ist zum Krenn reiben!

Hauptsache möglichst viele, von der Erstellung bis zum Druck und Verlautbarung sind wieder beschäftigt. Zahlt ja ohnehin alles der Steuerzahler.

Damit sie wieterhin eine Beschäftigung haben, wird es bald wieder verändert.

Gast: check
11.10.2011 22:16
7 0

Die Kammern sind der größte Lobbyisten-Moloch der Republik!


Die Kammern sind per Definition Lobbyisten!

Sie kassieren Millionen und Milliarden von ihren Zwangsmitgliedern und treiben damit Lobbyismus.

Es ist also geradezu eine PFLICHT, diese mittels Verfassungsgesetz ja sakrosankten Lobbyisten genauer unter die Lupe zu nehmen!

Dass sich natürlich die SPÖ schützend vor diesen ganz Österreich überwuchernden Kammer-Sumpf stellt ist symtomatisch: hier blühen Korruption, Parteienfinanzierung und persönliche Pfründe in Massen! Und die SPÖ ist, vom Kanzler abwärts, auf Veruntreuung öffentlicher Gelder aufgebaut.

Also BITTE liebe Frau Karl, machen sie EINMAL was richtig und bestehen sie darauf, dass auch dieser milliardenschwere Kammer-Lobbyisten-Sumpf unter Beobachtung gestellt wird!

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