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Prozess: "Will Strache Hitler spielen?"

22.11.2011 | 18:21 |  von Isabella Wallnöfer (Die Presse)

ORF-Redakteur Moschitz hat FP-Chef Strache wegen übler Nachrede geklagt. Das Verfahren zeigt ein Sittenbild der Skinheads. Mehr als eineinhalb Jahre beschäftigt die Reportage „Am rechten Rand“ bereits die Justiz.

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Ich schwöre auf meinen toten Hund, dass ich nicht ,Sieg Heil!‘ gesagt habe – und auch kein anderer.“ Da ist sich Philipp R. am Dienstag vor dem Straflandesgericht Wien ganz sicher – trotz mancher Gedächtnislücken, die ihn plagen, weil das Gericht „sich so viel Zeit nimmt“, wie er frech sagt. Er selbst ist mit Verspätung zum Prozess erschienen. Seinen Freund Kevin M. muss Richter Stefan Apostol von einer Polizeistreife holen lassen. Philipps Exfreundin kommt gar nicht. Vermutlich aus Angst vor ihm.

Seit mittlerweile mehr als eineinhalb Jahren beschäftigt die „Am Schauplatz“-Reportage „Am rechten Rand“ – eine Milieustudie über jugendliche Skinheads – die Justiz. Was er denn FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache gerne gesagt oder gefragt hätte, will der Richter von Philipp wissen – damals bei der Wahlveranstaltung in Wiener Neustadt, wo Strache meint, von einem der beiden Skinheads ein „Sieg Heil“ gehört zu haben? „Will er Hitler spielen oder net – das hätt' ich ihn gern gefragt.“ Getraut habe er sich dann aber doch nicht. Gemeinsam mit Kevin war Philipp Protagonist der „Schauplatz“-Reportage „Am rechten Rand“. „Ich wollte ein Bewusstsein dafür schaffen, dass es junge Rechtsradikale gibt, die in unserer Gesellschaft geduldet werden“, erklärt ORF-Redakteur Ed Moschitz vor Gericht sein Vorhaben. Einer der Burschen sei schon vorher in einer Reportage vorgekommen – samt Hakenkreuz im Kinderzimmer. „Es hat mich sehr betroffen gemacht, dass niemand reagiert hat.“ Weder hätten sich Zuschauer erregt noch hätten Polizei oder Verfassungsschutz etwas unternommen.

Dass Moschitz sie zu Nazi-Sagern angestiftet hätte, wie Strache behauptet, bestreiten die beiden Skinheads. In seiner Aussage vor der Polizei hat Kevin noch anderes erzählt: Er habe „ziemlich viel“ gelogen, gesteht er. Warum? Die Ermittler hätten ihn vier Stunden lang unter Druck gesetzt. Warum Strache dann den Vorwurf erhebt? „Vielleicht weil er einen Hass auf den ORF hat?“, orakelt Philipp, der dem FP-Chef bereits in mehreren deftigen (an dieser Stelle nicht zitierbaren) E-Mails die Meinung gesagt hat. Mittlerweile ist sein politisches Interesse am FPÖ-Chef erloschen. „Was halten Sie denn von Herrn Strache?“, fragt der Richter. „Nix mehr“, sagt der Zeuge – und fängt sich mit der folgenden Fäkalinjurie eine Strafandrohung ein.

 

Tipp aus dem ORF von Walter Seledec

Strache reagiert gelassen – auch wenn er in diesem Verfahren auf der Seite der Beschuldigten sitzt: Moschitz hat die FPÖ wegen übler Nachrede geklagt, weil Strache behauptet, Moschitz habe die zwei Skinheads zu Nazi-Sagern angestiftet, der ORF habe dann die Bänder manipuliert, die Zitate entfernt. Den entsprechenden Tipp will Strache „aus der ORF-Direktion“ bekommen haben. Er nennt Walter Seledec, damals Chefredakteur in der ORF-Generaldirektion. Einen zweiten ranghohen Informanten will er nicht preisgeben. „Das wäre karriereschädigend.“

Später wird das Verfahren vertagt. „Das heißt, ich kann mich schleichen?“, fragt Philipp den Richter als er gehen darf. Bestätigung, dass er da war, braucht er keine. Und Fahrtkostenersatz? „Ja: Mich haben s' beim Schwarzfahren erwischt.“

Die Fakten

Im März 2010 strahlte der ORF die Reportage „Am rechten Rand“ über zwei jugendliche Skinheads aus: 458.000 schauten zu. Gleich danach sendete der ORF einen „Club2“ zum Thema, wo FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache Redakteur Ed Moschitz vorwarf, er habe die jugendlichen Skinheads zu „Sieg-Heil“-Rufen angestiftet und dafür sogar eine „Prämie“ bezahlt. Die beiden bestritten das beim Prozess am Dienstag.

Im Juni 2011 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren wegen Wiederbetätigung gegen Moschitz ein. Das Verfahren Moschitz gegen die FPÖ wegen übler Nachrede läuft noch – am Dienstag wurde vertagt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2011)

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85 Kommentare
 
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Gast: Pensador
23.11.2011 19:07
2 2

Was war denn das "es" das gesagt werden sollte?

"Ziemlich viel gelogen" hat der von Moschitz bestellte Skin nach eigener Aussage.
Na, vielleicht lügt er jetzt auch und stimmt es doch, dass "Sieg Heil!" gerufen wurde?
Was hat denn dann der Moschitz so gemeint, als er die Skinheads aufgefordert hat:
"So, jetzt könnts es sagen" oder "Jetzt sagts es endlich!"
Welches "es" war denn da gemeint?
Vielleicht findet das der Richter noch heraus.
Oder hat er drauf vergessen?

Antworten Gast: NichtschwarzinWien
26.11.2011 00:58
0 0

Re: Was war denn das "es" das gesagt werden sollte?

Eigentlich genügen ein Paar Zeugen die damals dabei waren UND WEDER FPÖ noch ORF hörig sind.

Wenn man solche findet würde dieser Fall schnell geklärt werden.

Ich vermute ja alles zwischen FPÖ und ORF war abgesprochen!
Nachher hat man eine Show gemacht um dem ORF und der FPÖ mehr AUFMERKSAMKEIT IN DEN PRINTMEDIEN zu geben , ZWECKS ZUSTIMMUNG DES ORF GESETZES und den 160 MILLIONEN EURO!

Gast: Nemesis
23.11.2011 16:24
9 2

Man mag zur FP stehen wie man will

aber diese rote, steuergeldfinanzierte, manipulierende ORF Mafia ist eine Frechheit und gehört abgeschafft.
Den ORF verkaufen, privatisieren oder einfach zuschütten.

Antworten Gast: Gast 2011
23.11.2011 18:19
2 2

Re: Man mag zur FP stehen wie man will

das Gegenteil wird passieren SPÖVP gewährt dem Rotfunk ORF eine saftige Gebührenerhöhung um 7%, die der Bürger mit seinen Zwangsgebühren blechen darf! Wahltag ist Zahltag liebe SPÖVP!

Antworten Antworten Gast: Gustl, Wien
23.11.2011 22:38
1 1

Re: Re: Man mag zur FP stehen wie man will

Und wer soll es besser machen?
Wer jetzt an Strache oder FPÖ denkt zuerst an das Chaos, dass die FPÖ in Kärnten angerichtet hat schauen!

Wir haben keine Alternative: FPÖ und BZÖ sind korrupt, Grüne taugen nichts und der Rest ist verschwindend klein!

LUPO
23.11.2011 15:12
9 4

ORF - Schande, bei Licht

Jugendliche zu Straftaten animieren und dafür noch den österreichischen Bildungspreis kassieren.

Der ORF ist einfache eine Schande für Österreich.

Antworten Gast: Lupenrein
23.11.2011 22:40
2 1

Re: ORF - Schande, bei Licht

Genauso wie die FPÖ, Strache, Blauer Sumpf.. für Österreich ein große Schande ist!

Antworten Gast: nina blum
23.11.2011 15:53
2 3

Re: ORF - Schande, bei Licht

Na, da müssten sich aber der HC und der ROTFUNK den ganzen Tag abbusseln.
Weil da wärens ja quasi Zwillinge.

Antworten Antworten Gast: Free
23.11.2011 16:25
4 3

Re: Re: ORF - Schande, bei Licht

In Panik rote Brut?
2013 kommt immer näher...

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Re: Re: Re: ORF - Schande, bei Licht

2013? Ist das jenes jahr, in dem gudenus von strache, welcher von der bundespraesidentin rosenkranz zum bundeskanzler angelobt wird, das amt des wiener buergermeisters uebernimmt?

5 5

die vorstrafenpartei hüpft wieder mal ins fettnäpfchen

und strache häkelt mühsam verschwörungstheorien. es ist unglaublich, dass es tatsächlich noch leute zu geben scheint, die den "ehrlichen und anständigen" auch nur eine silbe glauben.

ich für meinen teil lehne mich zurück und erwarte die ergebnisse der untersuchungen zum nazi-terror in deutschland. es kann und wird nicht lange dauern, bis die buchstaben fpö fallen...

Antworten fefe
23.11.2011 18:52
4 3

Re: die vorstrafenpartei hüpft wieder mal ins fettnäpfchen

Möglich ist das freilich alles. Es ist ja schließlich auch gelungen, Beweismaterial quasi direkt aus den Flammen zu holen. Beispielsweise CDs. Vergleichbar mit dem Reisepass eines Attentäter auf das WTC in NYC, der obenauf auf dem geschmolzenen Stahl lag.

Gast: joseph
23.11.2011 14:22
5 2

redaktionsgeheimniss

ein drehbuch oder regieanweisungen und damit verbundene aufnahmen haben mit sicherheit keinen anspruch auf ein redaktionsgeheimniss.

daher konstruiertes redaktionsgeheimniss !

1 2

gottseidank gibt´s profis wie sie...


2 0

Re: redaktionsgeheimniss

Warum kommentieren sie dinge, die sie nicht einmal schreiben koennen?

Gast: Dudeldda
23.11.2011 12:44
13 4

Nazikeule

Die Nazikeule schwingen funktioniert immer und ist der billigste Schmäh jemanden mit anderer Meinung Mundtot zu machen.
Poblem dabei, linker Faschischmus ist gut, der rechte ist böse. Ob links oder rechts, Faschismus bleibt Faschismus.

Antworten Gast: nurmalso
23.11.2011 15:18
2 0

Re: Nazikeule

Nazikeule hin oder her.
Ein ehemaliger Anhänger, der munter zugibt die beanstandete Grußformel mehrmals täglich zu nutzen, will sie aber nicht gegenüber Strache genutzt haben.

Das macht es in einer juristischen Betrachtung nicht besser also warum will der Skinhead nicht das gesagt haben, was der Strache geört haben will.

Wenn es sowas wie eine inverse Nazikeule geben würde, Hatschi hätte sie damit geschwungen.

1 2

banal, banaler, fpö...

die einen verwenden kampfbegriffe, sie tun dies auch. und zwar sinnentleert.

geben sie mir eine gültige definition des ach-so-gefährlichen "linken faschismus" und beweisen sie das gegenteil...

Antworten Gast: Gildesh
23.11.2011 13:36
4 5

Re: Nazikeule

Es gibt da Leute, die haben eine klarere Definition von Faschismus, die kürzeste wäre zum Beispiel „Führerkult, Massenpsychose und Diktatur des Kapitals“. „Nazikeule schwingen“ als linken Faschismus zu bezeichen zeugt eher davon, überhaupt nichts vom Wesen des Faschismus zu verstehen.

Faschismus ist per Definition rechtsextrem.

Antworten Antworten generator
23.11.2011 18:35
2 2

Re: Re: Nazikeule

Der neue Faschismus wird nicht sagen: "Ich bin der neue Faschismus. Er wird sagen: "Ich bin der Antifaschismus"

IGNAZIO SILONE (1900-1978), italienischer Schriftsteller

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Re: Re: Re: Nazikeule

zum 1.000. mal: silone hat dies nie geschrieben.

Gast: Homman
23.11.2011 12:32
4 11

Da isser wohl ordentlich ausgerutscht

der HC.

6 0

Der erste....

absatz hat "krone-niveau". Warum es ein "frecher sager" sein soll, wenn philipp r. (in seiner umganssprache) auf die zeitspanne zwischen "tat" und gerichtsverhandlung hinweist, entzieht sich meiner logik. Genauso, dass die autorin diese beiden "skinheads" mit jedem satz diskreditiert. Oder erwartet wallnoefer, dass zwei unterschicht-kinder vor gericht im geschliffenen stil eines "khg" agieren?

4 9

super!

die braun-poster haben ihr trauma nach den nazi-morden in D überwunden und geben wieder laut.
wie von mir vorhergesagt (nach dem breivik-muster): so eine abstinenz dauert maximal eine woche.

Gast: börpsel
23.11.2011 09:46
5 7

ungeachtet dieses Trauerspiels...

ist es dennoch ein unbestreitbares Manko der FPÖ, sich vom braunen Rand distanzieren zu wollen. Solange dieser üble Gestank an dieser Partei haftet, wird sie nie und nimmer wählbar sein. Von einem Parteichef, der sich staatsmännisch geben möchte erwarte ich mir das Rückgrat, die verzichtbaren braunen Säcke endlich zum Teufel zu jagen und denen keine politische Heimat mehr zu bieten. Diese braucht nämlich genau niemand.

Antworten Gast: Hudriwudri
23.11.2011 12:42
8 4

Re: ungeachtet dieses Trauerspiels...

Der einzigen "braunen Saecke", die in dieser Geschichte auftreten, sind die als solche ausstaffierten Laiendarsteller des ORF. Und die hat Strache "zum Teufel gejagt", sowie er ihrer ansichtig geworden ist. Was wollen Sie eigentlich?

 
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