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US-Botschafter: "Unser Datenschutz ist überlegen"

26.11.2011 | 18:03 |  von Christian ultsch (Die Presse)

US-Botschafter Eacho bestreitet, "übermäßigen" Druck auf Österreich ausgeübt zu haben, um das Abkommen zum Austausch von Polizeidaten durchzubringen. Eine Deadline sei ohne Konsequenzen verstrichen.

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Wie groß war der Druck der USA, damit Österreich nach mehr als zwei Jahren Verhandlungen das Abkommen über den Austausch von Polizeidaten unterzeichnete?

William Eacho: Diese Darstellung ist irreführend. Die USA haben keinen übermäßigen Druck ausgeübt. Es ist aber wahr, dass unsere Botschaft unter Druck aus Washington operierte. Wir hatten eine Deadline.

 

Wann war diese Deadline?

Ende 2010. Es wäre für mich unverständlich, wenn zwei Länder zwei Jahre lang ein Abkommen verhandelten und zu keinem akzeptablen Abschluss kämen. Drohungen waren nicht notwendig. Ich tat mein Bestes, um sehr diplomatisch zu sein. Und ich versuchte, nicht zu so klingen, als ob ich drohte. Denn das ist nicht angemessen in der Diplomatie. Als die Deadline verstrich, unternahmen wir nichts. Wir haben die Situation gemanagt – und den Druck aus Washington gemanagt.

 

Sie haben in einem Brief an die österreichische Regierung im Herbst 2010 „unfreundliche Konsequenzen“ bezüglich des „Visa Waiver Program“, also eine Wiedereinführung der Visapflicht, angekündigt, falls es zu keiner Einigung kommt. Ist das kein Druck?

Ich kann nichts dafür, wie Dinge interpretiert werden. Die unangenehmsten Konsequenzen hätten die US-Botschaft und die österreichischen Reisenden tragen müssen. Wir hätten unsere Visa-Abteilung ziemlich aufstocken müssen. Wir hatten offensichtlich kein Interesse daran, dass das Visa Waiver Program wieder aufgehoben wird. Der US-Kongress hat ein Gesetz verabschiedet, wonach Länder, die das Visa Waiver Program behalten wollen, mit den USA im Kampf gegen transnationale Verbrechen kooperieren müssen. Das ist das Gesetz, und wir exekutieren es. Es ist kein Druck, wenn wir auf eine Deadline und ein Gesetz der Vereinigten Staaten hinweisen. Nicht jedes Land ist im Visa Waiver Program. Das ist ein besonderes Privileg.

Österreich ist nicht das einzige Land, das Probleme mit dem Austausch von Polizeidaten hat.

Jeder europäische Staat mit einem Visa Waiver Program geht durch denselben Prozess. Wir haben mit 20 Ländern Abkommen unterzeichnet, also mit einer großen Mehrheit in Europa. Und wir sind sehr nah dran, mit fast allen anderen auch Abkommen zu unterzeichnen.

Frankreich und die Niederlande sträuben sich noch.

Alle diese Länder haben ihre individuellen Deadlines.

 

Haben Sie Washington jemals empfohlen, das US-Gesetz vielleicht zu ändern, wenn einzelne europäische Länder derartige Bedenken beim Thema Datenschutz haben?

In den Abkommen wurde Rücksicht auf die Bedenken der Europäer genommen. Gerade auch in den Verhandlungen mit Österreich gingen wir sehr weit, um Sorgen über mangelnden Datenschutz zu zerstreuen.

 

Es bestehen weiter Sorgen, weil österreichische Bürger ihre individuellen Datenschutzrechte in den USA nicht durchsetzen können, wenn sie fälschlicherweise auf eine schwarze Liste geraten sind und nicht einreisen dürfen.

Das Abkommen schafft keine neuen Rechte für Sie, Einspruch erheben zu können. Aber es schränkt auch nicht die bereits bestehenden Rechte ein. Das ist ein Abkommen zwischen zwei Regierungen. Wenn die österreichische Regierung den USA Daten liefert, die sich später als inkorrekt erweisen, dann ist sie unter diesem Abkommen verpflichtet, uns das zu sagen. Die USA sind dann wiederum verpflichtet, ihre Datenbank zu korrigieren. Wir wollen keine Daten, die falsch sind. Wir respektieren Datenschutz. Aber die Polizei sollte das Recht haben, Verbrecher zu verfolgen und Bürger mit modernen Instrumenten zu schützen. Es geht um Schwerverbrechen. Hoffentlich halten Sie sich nicht für einen Verbrecher.

Noch nicht.

Wenn die österreichische Regierung falsche Daten über Sie weitergegeben hat, dann haben Sie als österreichischer Staatsbürger bei ihrer eigenen Regierung Einspruchsrechte.

Aber es gibt keine Möglichkeit, in den USA Einspruch zu erheben.

Wenn die österreichische Regierung uns sagt, dass die Daten falsch sind, ist ein Einspruch nicht notwendig. Wir müssen die Daten automatisch korrigieren. Das ist eine viel bessere Prozedur für Österreicher, als wenn sie sowohl bei der österreichischen als auch bei der amerikanischen Regierung Beschwerde einlegen würden.

Wenn alles so einfach ist, wie Sie es darstellen, warum haben dann die Verhandlungen so lange gedauert?

Mit Österreich war es schwieriger als mit vielen anderen Staaten. In Österreich war jedes einzelne Wort wichtig. Das Datenschutz-Thema kam immer und immer wieder hoch.

 

Von wo kam der Widerstand?

Vom Datenschutzrat. Aber die österreichische Seite war insgesamt sensibel bei diesem Thema.

 

Und wie haben Sie die österreichische Seite überzeugt?

Wir haben das Wording des Abkommens in vielen Fällen geändert. Es gab mehr Änderungen als anderswo. In Deutschland ist das Abkommen längst in Kraft. Österreich hat sich das Recht ausbedungen, dass falsche Daten sofort korrigiert werden. Es kann das US-System sogar prüfen, ob diese Änderungen durchgeführt wurden. Niemand anderer hat das für notwendig erachtet. Das Abkommen ist jetzt Standard in Europa, jeder strebt jetzt dem österreichischen Modell nach.

 

Das Kernproblem ist offenbar, dass Österreicher und viele Europäer den Eindruck gewonnen haben, dass der Datenschutz in den USA weniger stark ausgeprägt ist.

Das ist ein sehr verbreitetes Missverständnis in Europa. In Europa gibt es Datenschutzkommissionen, in den USA hat jede einzelne Behörde einen Datenschutzbeamten. In Europa weiß man oft nicht, was in den einzelnen Behörden vorgeht. Bei uns ist es verboten, dass eine Behörde Daten mit der anderen teilt. Offen gesagt, glauben wir, dass unser Datenschutzsystem überlegen ist. In Österreich muss sich jeder neu anmelden, wenn er nur über die Straße geht. In den USA hat die Regierung kein Recht zu wissen, wo wir leben.

 

Der Standpunkt der Behörden in Wien ist jedoch, dass der österreichische Datenschutz dem amerikanischen überlegen ist.

Ja, das ist die österreichische Perspektive.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.11.2011)

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56 Kommentare
 
1 2
Gast: Kiel
28.11.2011 16:28
2 0

Abberufung des Botschafters

Der Mann hat ein großes Wahrnehmungsproblem. Der Mann gehört in die Staaten zurück.

Gast: pour le mérite
28.11.2011 13:22
1 0

Bei der letzten Reise in die VSA wurde uns vom Reiseführer folgendes erklärt:

....Hier (Everglades) sehen sie jetzt die gefährlichsten Krokodile der Welt....

....rechts ist das größte Footballstadion der Welt.....

....dies ist der meistbefahrendste Highway der Welt....

....wir haben die besten (football) Spieler der Welt...

....hier (New Orleans) gibt es die berühmtesten Jazzlokale der Welt....

...der Missisippi ist der längste Fluß der Welt....

....wir haben die prächtigsten Raddampfer der Welt...

Ob das alles stimmt, weiß ich nicht, nur eines:

In den VSA gibt es die ziemlich größten Trotteln der Welt....


Stachel
27.11.2011 18:52
5 0

Die USA haben keinen "übermäßiger" Druck ausgeübt

Wenn das nicht blanker Hohn ist!! Mit Cowboypolitik machen sie sich in Europa keine Freunde.Übrigens auch sonst in der Welt nicht, siehe Pakistan.

Gast: Leistungsträger
27.11.2011 18:46
2 0

Ich kann ja noch verstehen,

das ein Land rücksichtslos die eigenen Interessen durchsetzt, besonders, wenn es in allen wirtschaftlichen, militärischen und politischen Belangen haushoch überlegen ist. Ist zwar ein Ungustl-Land, aber so ist das eben. Was ich aber nicht akzeptiere, ist eine rückgratlose Pseudoregierung, die eigentlich nur mehr dazu da ist, die Befehle aus Brüssel und Washington zu exekutieren, und die sich in ihrer Freizeit breit grinsend ablichten lässt.

Gast: So.
27.11.2011 18:42
4 0

So

So so nur ein Bisserl Druck!
1) Die Bagage die den Druck ausübt -- rausschmeissen!
2) Die Bagage die dem Bisserl nachgibt -- auch rauschmeissen!
Niemand braucht diese Terrorpanik!

Gast: milli vanilli
27.11.2011 17:10
5 0

"Unser Datenschutz ist überlegen"

So wie das bei WikiLeaks zu bemerken war!

Antworten Gast: Bonn
28.11.2011 16:25
0 0

Re: "Unser Datenschutz ist überlegen"

Das war höchster Datenschutz aller Zeiten. Peinlicher kann ein Land nicht sein.

Gast: Thunderbird
27.11.2011 16:25
2 0

Der Herr Botschafter

und seine Regierung in Washington, haben offenbar noch nicht bemerkt, dass sie selbst in mehrerlei Hinsicht, Deadlines überschritten haben.
Die Glaubwürdigkeit der US-Regierung und ihrer als Verbündeter bezeichneten Vasallen, sinkt fast täglich dem Nullpunkt entgegen.
Die Staatengemeinschaft unserer Welt hat schon längst damit begonnen, die sogenannte westliche Welt zu isolieren.
Die USA und auch die EU bemerkt das nicht einmal.
Imperiales Gehabe ohne moralischen und wirtschaftlichen Hintergrund entpuppt sich dabei als lächerliche Farce.
Kriegslüstern wird militärische Stärke demonstriert, finanziert mit blutigen Papierdollars ohne inneren Wert.
Auch diesbezüglich ist die Deadline ersichtlich.
Dieses auf Betrug aufgebaute Finanz- und Politsystem ist dem Untergang geweiht, weil es nachhaltig zerbricht.

Gast: Vogel Strauss
27.11.2011 16:18
2 0

Wir hatten offensichtlich kein Interesse daran, dass das Visa Waiver Program wieder aufgehoben wird.

Was ist denn das für eine Aussage? Verzeihung, aber seine Exzellenz erscheinen als Vollkoffer ...

Paul Katz
27.11.2011 15:37
5 0

stets dasselbe blabla

Natürlich glauben die sich für auserwählt haltendne Amis, den überlegenen Datenschutz zuhaben (wie auch alles andere). Und die Kommission und europäischen regierungen liegen vor ihnen auf dem Bauch. Das einzige ist, wie ich es seit 2000 mache, nicht in dieses präfaschistische Land zu reisen.

3 0

Europäische Statthaltereien

Datenaustausch auf Gegenseitigkeit - OK.

Einseitiger Datenaustausch = die Regierung betrachtet sich als Statthalter der USA.


Qualtinger
27.11.2011 14:44
5 0

Als Rechtsstaat kan man USA nicht bezeichen!

Siehe Quantanamo, die internationalen Militär und CIA Übergriffe. Eher als rüpeligen pupertierenden Kuhjungen der sich aufführt als sei er alleine auf der Welt!

Demnach soltte eine Visumpflicht Vice Verse für keinen ein Problem sein!
Das wollen diese Kowboys aber auch wiederum nicht!
Argentinien hate es vorgemacht! Als USA die Visumpflicht für Argentinien eingeführt hat wurde von Argentinien posthum die Visumpflicht für Amerikaner eingeführt!
Q.

Antworten Ogum
27.11.2011 15:02
3 0

Re: Als Rechtsstaat kan man USA nicht bezeichen!

Eigentlich ist es ohnehin egal, wie die Abkommen abgefasst sind. Für die USA zählen nur die eigenen Interessen.

Und ein Militärbudget, das genauso hoch ist, wie das der restlichen Welt, sorgt dafür, dass das auch so bleibt.

Qualtinger
27.11.2011 14:36
5 0

Die Amerikaner sind halt die besseren Na*is!

:)) Jetzt bin ich sicher auch " on the watch"

sollen sie halt die visumpflicht wieder einführen...

...wenns ihnen spaß macht , bitte sehr. wir können das selbe mit den amerikanern machen. so würde sich zumindest ein selbsbewußter souveräner staat verhalten. aber unsere außenpolitiker sind lieber die unterwürfigen vasallen washingtons und nehmen jedes diktat hin, bevor sie etwas rückgrat zeigen und die nationalen interessen verteidigen.

Antworten saftPresse
27.11.2011 15:25
1 0

Re: sollen sie halt die visumpflicht wieder einführen...

Mach ma aber nicht, das traut sich unsere Regierung nicht !

Gast: Wahrheitssucher
27.11.2011 12:55
6 0

Lächerlich

Überlegener Datenschutz? Sie spaßen, Herr Botschafter...
Wie war das noch mal mit dem unschuldigen Kanadier, der verwechselt wurde am JFK Flughafen, dann zum Foltern nach Syrien geschickt wurde??? Ein Jahr Folter...und nicht einmal eine Entschuldigung von den USA...schon gar nicht an Entschädigung zu denken...NEIN...KEINE Daten an einen Terrorstaat

Gast: Analyst
27.11.2011 12:44
3 0

..das Recht haben, Verbrecher zu verfolgen ..

Die Frage bleibt unbeantwortet, was und wer definiert, wer ein verbrecher ist. Die Amerikaner nehmen sich das Recht heraus, internationale Rechtsnormen zu ignorieren bzw. nur ihre eigenen Standards gelten zu lassen, die überaus zweifelhaft sind, wie man etwa an Guantanamo sieht. Verbrecher, wie sie das Völkerrecht definiert, werden dagegen nicht verfolgt und jeder der nach internationaler Sicht kein verbrecher, nach US-Definition aber schon einer sein soll, kann sich nicht wehren. Ich wäre dafür, internationale Rechtsnormen auf US-amerikanische Politiker und Militärs anwenden zu lassen: Dann könnte keiner mehr aus den USA ausreisen....

derhune
27.11.2011 12:21
4 0

So spricht nur ein Hausherr!

"Ich tat mein Bestes, um sehr diplomatisch zu sein. Und ich versuchte, nicht zu so klingen, als ob ich drohte."
"Gib mir deine Daten" ist keine diplomatische Art aber "Würden Sie bitte Ihre Daten mit geben" ist sehr diplomatisch. Ich nehme an, dass der Botschafter die 2. Version benutzt hat!

Gast: caligula
27.11.2011 11:30
4 0

ja wenn das ihre vorstellung

von "freundschaftlichen beziehungen" dann sind wir halt nicht freunde.. die zwingen unseren staat verrat an seinen bürgern zu begehen.
wieso gibts da kein einheitliches europäisches auftreten? totalversagen von brüssel bis heim nach wien..

tomschi
27.11.2011 11:07
2 0

"Hoffentlich halten...

... Sie sich nicht für einen Verbrecher." Dieses Argument der Datenschutzaushebler ist nicht mehr auszuhalten.

Gast: George Busch
27.11.2011 10:40
4 0

Land der Kriege

Die USA - Land der unbegrenzten Kriege
Land der Terrorerzeuger...wer will denn noch in dieses Land einreisen?

Gast: Moshe Lumumba
27.11.2011 10:14
0 2

Österreichs Problem

Wenn die Österreicher so großen Wert darauf legen in die plutokratische Hölle USA visumfrei einreisen zu dürfen (wie kommt es?), dann sollten sie auch bereit sein, Polizeidaten zu übermitteln. Man muss sich schon entscheiden: entweder der Datenschutz a la Mitteleuropa (haushoch dem amerikanischen System überlegen, wie jedes Kind weiß), oder die Visumfreiheit.

jerry91
27.11.2011 10:02
3 0

blabla

dieser Polizeistaat ist mittlerweile unerträglich!Alles wir auf internationaler Ebene entschieden, national gibts maximal kleine Änderungsmöglichkeiten - das Ganze führt alles stückweise in die Internetzensur etc. - so ist es geplant und so wird es früher oder später kommen!Schrittweise wird der Bürger and das neue Stasi-System gewöhnt, damit es nicht so auffällt und eines Tages sind die Persönlichkeitsrechte weg und man ist nur mehr ein Sklave des Systems...

Gast: Hunter
27.11.2011 09:57
0 0

Zitat Songtext Rammstein "Amerika"

Wenn getanzt wird, will ich führen,
auch wenn ihr euch alleine dreht,
lasst euch ein wenig kontrollieren,
Ich zeige euch wie's richtig geht.
Wir bilden einen Liebenreigen,
die Freiheit spielt auf allen Geigen,
Musik kommt aus dem weißen Haus,
Und vor Paris steht Mickey Maus

kraxn
27.11.2011 09:55
4 2

Das passt mir nicht

Ein junger Österreicher steht unter Terrorverdacht weil er in England in der Abflughalle eines Flughafens ein paar Abschiedsfotos geschossen hat, seit Jahren ist er bemüht diesen Eintag los zu werden OHNE erfolg.

Genau solche Beispiele sind es, die mir den kalten Schauer über den Rücken laufen lässt wenn ich an die Zukunft denke!

Würde der in den USA einreisen wollen, wird er direkt vom Flugzeug nach Guantanamo verladen.

 
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