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Voves glaubt an ein Ende der Landtage

02.12.2011 | 18:54 |  KLAUS HÖFLER (Die Presse)

Der steirische Landeshauptmann Franz Voves (SPÖ) hält die "Vereinigten Staaten von Europa" für unausweichlich und wünscht sich bei einer Podiumsdiskussion in Graz am Donnerstag eine starke Regierung in Brüssel.

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Graz. Franz Voves reitet wieder. Beseelt vom bundesweit gelobten Reformgalopp im eigenen Land, ist das Pferd des steirischen Landeshauptmanns längst für weitere Ausritte gesattelt. Im Visier: die EU. „Das Ziel muss sein, so schnell wie möglich zu Vereinigten Staaten von Europa zu kommen – mit einer starken Regierung in Brüssel“, forderte er Donnerstagabend bei einer Podiumsdiskussion in Graz.

„Mit kleinkariertem Denken haben wir keine Chance mehr“, begründete Voves seinen Vorstoß. Die EU sei „viel zu schnell“ gewachsen – „wir hätten stärkere Auflagen für neue Mitglieder festsetzen sollen“. Stattdessen seien auch Unternehmen wie Banken und Versicherungen darauf „geil gewesen“, im Osten schnelles Geld zu verdienen. Dabei hätten sie jedoch das langfristige Risiko ausgeblendet.

Er hoffe aber, dass „Europa die Chance der aktuellen Krise nützt und die richtigen Schlüsse zieht“. Für den SPÖ-Landeshauptmann liegt das Schicksal der EU und des Euro heute „im Wechselspiel zwischen Gelddrucken und einer nachvollziehbaren Budgetsanierung in den Ländern“.

Gegenüber der „Presse“ verschärft er seine Mahnung: „Wir haben keine Zeit mehr, sonst ist ganz Europa ein einziges Griechenland.“ Und Richtung Politik im eigenen Land: „Was haben wir denn in den vergangenen zehn Jahren für ein besseres Verstehen und Funktionieren von Europa gemacht?“

Überzeugungsarbeit wird Voves aber auch in der Steiermark leisten müssen. Tatsächlich scheint der ehrgeizige Reformkurs, den die rot-schwarze Koalition in Graz eingeschlagen hat, immer steiler und kurviger zu werden. Bürgermeister rebellieren gegen geplante Gemeindezusammenlegungen. Diese Woche zog sich die Landesregierung mit der verordneten Nulllohnrunde für Gemeindebedienstete auch den Zorn der Gewerkschaft zu. Ist das steirische Reformmärchen aus, bevor es so richtig begonnen hat?

Voves selbst ortet unter seinen parteieigenen Bürgermeistern weiterhin „eine unglaublich positive Atmosphäre“. Die Zuversicht hält einem Schnelltest nicht ganz stand. „Die Fronten verhärten sich, weil vom Land nichts kommt und man dort nur auf verschlossene Türen stößt“, schimpft Gerhard Payer, SPÖ-Ortschef in Hart bei Graz.

Auch Vizelandeshauptmann Hermann Schützenhöfer bekam von den Bürgermeistern eine erste Rechnung präsentiert: In der ÖVP-dominierten „Ökoregion Kaindorf“ (Bezirk Hartberg) sprachen sich bei Volksbefragungen in sieben Kommunen 87 Prozent gegen Fusionen aus. Eine Ohrfeige für die Landespolitik, die mit Kritik am „zu frühen Zeitpunkt“ der Befragung konterte. Das Klima scheint vergiftet.

Mit 542 Gemeinden ist die Steiermark das am kleinsten strukturierte Bundesland. „An Fusionen führt kein Weg vorbei“, sagt Landtagspräsident Manfred Wegscheider, vormals SPÖ-Landesrat. Er kann sich sogar Zusammenschlüsse im großen Ausmaß, wie zwischen seiner Heimatstadt Kapfenberg und dem benachbarten Bruck an der Mur, vorstellen. Die Widerstandsnester liegen aber ohnehin eher in den Klein(st)gemeinden.

Die Landesspitze reagierte auf den Protest zuletzt mit einem Brief an alle Bürgermeister. Darin stellte man „Fusionsprämien“ bei Zusammenlegungen und einen „Reformfonds“ für gemeinsame Projekte in Aussicht. Dieses zusätzliche Geld sei aufgrund der steigenden Kosten für größere Infrastruktureinrichtungen nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“, kritisieren viele Bürgermeister. „Als wir versucht haben, gemeinsam Streusplitt zu bestellen, war er auf einmal teurer“, erzählt Harts Ortschef Payer aus der Praxis des Gemeindeverbunds im Süden von Graz.

 

„Landtage werden in Wien tagen“

Voves will indes kein Tempo aus seinem Reformgalopp nehmen. „Wenn wir das jetzige Zeitfenster nicht nützen, passiert für längere Zeit gar nichts“, drängt ihn die Ungeduld. Und er hat eine Vision: „In zehn bis 15 Jahren werden die Landtage in Wien tagen.“

Er greift damit eine Idee des ehemaligen ÖVP-Vordenkers Gerhard Hirschmann auf, der sich 1997 für einen Generallandtag aussprach, in dem sich Vertreter aus drei Großregionen statt der neun Bundesländer treffen. Auch Schützenhöfer hat zuletzt die steirischen Reformideen in diese Richtung weitergesponnen.

Ängste um einen Verlust regionaler Identität lässt Franz Voves nicht gelten: „Lederhose und Gamsbart werden darunter aber nicht leiden.“

Was bisher geschah

Das Reformpaket in der Steiermark sieht vor, bis zur Landtagswahl 2013 die Zahl der 542 Gemeinden durch Fusionen zu reduzieren. Die Fusion der Bezirke Judenburg und Knittelfeld tritt schon ab Jänner in Kraft. Auch beschlossen wurden das Ende des Proporzes in der Regierung sowie die Verkleinerung des Landtags und der Regierung ab 2015.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2011)

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37 Kommentare
 
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Gast: L.W.
07.12.2011 17:22
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Vereinigten Staaten von Europa, eine starke Regierung in Brüssel


Jaja, ist eh ein alter Hut, dass die Linken immer noch dem Zentralkomittee inklusive starkem Mann nachheulen und ein nasses Hoserl bei dem Gedanken daran bekommen.

Denn eigenständiges Denken ist ja ach so pöhse und daher zu unterlassen und natürlich nur die Sozen bestimmen, wer zu denken hat und wer nicht.

Dass nationale Regierung sowieso pfui gack sind wissen wir auch schon.

Wenn Bodenküsser träumen...

Gast: FH
06.12.2011 12:23
0 0

Landtage?

Die Landtage werden in 10-15 Jahren in Wien tagen? Na, ich weiß nicht, ob die Salzburger dann in der Slowakei abstimmen lassen wollen.

das hätte ich einem Sozialisten nicht zugetraut!

Der Mann wird mir immer sympathischer!
Schade, dass ich nicht "vor" dem Semmering wohne sondern "hintern" Semmering! Dort wo der Österreichische Beamten und Proleten Bund regiert.

Sein Wort in Gottes Ohren !!!!!

Wäre zu schön um wahr zu sein !!!

Re: Sein Wort in Gottes Ohren !!!!!

Leider dürfte der Herr LH Voves die Wiener Politiker nicht kennen.

endlich Klartext

Franz Vowes spricht Klartext. Dass er die Ideen von Gerhard Hirschmann weiterführt, empfinde ich als sehr erfreulich. An 3 Großregionen in Österreich wird kein Weg herumführen, vor allem dann nicht, wenn wir in Zukunft ein Europa der Regionen erleben werden. Aber selbst die so oft genannten Vereinigten Staaten von Europa" brauchen auf der unteren Ebene größere Strukturen. Was Vowes in puncto Gemeinden sagt, gilt selbstredend für alle Bundesländer.

Antworten Gast: FH
06.12.2011 12:27
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Re: endlich Klartext

Ist doch völliger Blödsinn. Wir brauchen keine drei ! Regionen.
Entweder gibts 9 Landtage oder keine. Wien ist eh Stadt.
Wobei die Landesgesetzgebung durchwegs aufgelassen werden könnte. Der Landtag soll dennoch bestehen, weitgehend Ehrenämter, um Grundsatzanliegen an die österr. Regierung heranzutragen.
Das Ausholen würde danne ehr die Verwaltung betreffen, die weitgehend einheitliche Standards bekämme un 20% abgespeckt werden könnte.

Bravo Hr. Voves!

Ich bezeichne mich unbedingt als ein Freund ihrer politischen Richtung, aber diesmal gebe ich Ihnen 100% recht. Was mir bei ihrer Erkenntnis aber fehlt: "Warum haben die politischen Proponenten noch keine Wege gefunden diese Notwendigkeit dem Volk glaubhaft zu vermitteln?" Zeit genug war allemal, für jeden anderen "Fliegenschiss" wurden wortreiche Erklärungen abgeliefert. Dort aber, wo`s ums Eingemachte geht "schweigen unsere Lämmer!"

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Voves for BK!

Das wäre die richtige Richtung.
Mit einem Bundeskanzler Voves könnten die Roten wieder punkten. Ob er sich dann auch traut seine Vorstellungen zu verwirklichen oder ob er an den verkrusteten Strukturen scheitert wird sich zeigen.
Jedenfalls könnte er zum rettenden Anker für ein sinkendes Schiff werden, -sehe sonst nichts am Horizont!
Faymann ist überfällig, jedenfalls so gehts nicht weiter!

Gast: nestbeschmutzer
03.12.2011 12:44
1 0

richtig

Nu ja, da muss ich als Liberaler mal dem SP LH recht geben. Ganz gute Schau, nur wird er verdammt werden von seinen eigenen Leuten, denn die wollen ja allesamt die Wirklichkeit nicht wahrhaben.... leider!

Gast: Plach2
03.12.2011 11:01
5 0

94 Regierungsmitglieder und 770 Abgeordnete sind ein Hohn!

Bund und Länder haben sich geeinigt, dass weiterhin keine politische Funktion eingespart wird!

Sogar das EU Parlament als Vertretungsorgan für 500 Mio Menschen hat nur 736 Abgeordnete! (Österreich 770)

Hätte Deutschland eine solche Politikerdichte wie Österreich, gäbe es 90 Bundesländer; tatsächlich sind es nur 16. (Einige mit deutlich mehr Einwohner wie ganz Österreich!)

Seit der Kaiserzeit gilt: Jeder Bürger muss an einem Tag mit dem Ochsenkarren die öffentliche Verwaltung erreichen können. Daher gibt es heute, im Computerzeitalter, weiterhin 99 BH´s.

Eine eigene Gemeindeverwaltung rechnet sich erst ab 10.000 Einwohner. Sollen aber Gemeinden zu größeren Einheiten zusammengelegt werden, verhindern dies die Bürger mit einer Volksbstimmung.

30.11. 2011 Club 2 im ORF: Würde Österreich jährlich 1% seiner Staatschulden zurück zahlen (davon sind wir meilenweit entfernt) dauert es 217 Jahre bis alle Schulden samt Zinsen und Zinseszinsen getilgt sind. Bei Griechenland dauert es etwa 1.500 Jahre. Bis 2015 macht die Regierung 35 Mrd. neue, noch höhere Schulden und sagt dazu "sparen"!


100% Zustimmung !!!

Eine Frechheit und Verbrechen den Steuerzahlern gegenüber !!!!

Gast: casinobankerandiemacht?
03.12.2011 10:30
0 2

die sozen reden schon von "widerstandsnestern in den kleinen gemeinden". wer den heuschrecken-kapitalismus und die casinobankenabzockerei ablehnt- gehört lt. SPÖ schon zu den widerstandsnestern. dieses sozialistenvokabular ist schon höchst bedenklich.


Antworten Gast: verfaulterbeamtenstaat?
03.12.2011 12:59
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Re: die sozen reden schon von "widerstandsnestern in den kleinen gemeinden". wer den heuschrecken-kapitalismus und die casinobankenabzockerei ablehnt- gehört lt. SPÖ schon zu den widerstandsnestern. dieses sozialistenvokabular ist schon höchst bedenklich.

na ja, "sozen" ist auch nicht die feine englische .... oder ?

fang an vor der eigenen tür zu kehren, dann darfst dich wieder aufregen tun :-)

Gast: Mitzi Stritzi
03.12.2011 09:51
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Wir brauchen keine Landtage

Nationalratsabgeordnete sind ohnehin nix anderes als Lobbyisten der Länder in Wien. Der Bundesrat ist auch für nix (Was macht man dort eigentlich?)

Landtage machen alles nur komplizierter und teurer und dem Bürger bringen sie schon garnichts. Man sollte stattdessen lieber den Bundesrat aufwerten.

100% Zustimmung !!!


Gast: Kantiger Bürger
03.12.2011 09:32
1 0

Little big lobby thinking

war bisher in der EU angesagt. Ich bin auch ein glühender Europäer. Jetzt ist man gerade dabei uns auszuglühen. Politische Schuld an Euro und Finanzkrise hat natürlich niemand. Jeder zeigt mit dem Finger auf den anderen. Da wurde in der Vergangenheit statt richtig, zu little big geddacht. Wichtig ist, dass sich der Bürger geistig nicht entmündigen lässt.

Hut ab Herr Voves!

Dieser steiermärkische Landeshauptmann scheint ein seltenes Exemplar unter den Politikern zu sein: statt sich um Gefälligkeiten für seine Wähler-Klientel zu bemühen, hat er die langfristig positive Entwicklung unserer Gemeinschaft im Auge - und spricht das auch öffentlich aus!
Es fehlt jetzt nur noch seine Aussage, dass auch die Steiermark einer Verringerung der Anzahl der Bundesländer zustimmen würde. Damit würde eine zukunftsweisende Entwicklung auf den Weg gebracht werden.

Re: Hut ab Herr Voves!

Wenn ich weiss, dass sich sowieso in dieser Richtung nichts ändert kann ich auch so reden!

Gast: moritz12
03.12.2011 00:25
1 0

soso, vor dem eu beitritt habn de sozis genau des gegenteil den österreichern gesagt. de arbeiten wirklich ganz fest am untergang von österreich.


Rufer in der Wüste?

Ich hoffe nicht, dass LH FV nur ein Rufer in der Wüste bleibt, aber in einem Land, wo das Kirchturmdenken Urstände feiert, da wird es schwer werden, die verkalkten Strukturen (und zuweilen auch Gehirne) aufzubrechen und den Geist einer neuen Zeit einfließen zu lassen. Jedenfalls danke ich dem steirischen LH für den Mut, hier Vordenker und Lanzenreiter zu sein! Es ist für mich ein (roter) Lichtstreifen am sonst eher grauen Horizont...

Der einzige rote Lichtstreifen !!!


ich glaub eher an das ende von voves


es hat immer einen schalen beigeschmack, wenn ein vertreter der exekutive sich das ende der parlamentraischen versammlung wünscht, die ihn wählt und der gegenüber er verantwortlich ist.

aber da wir in österreich sind haben derlei allmachtsphantasien keine folgen. leglislaturperiode verlängern? parlamente entmachten , verkleinern oder gleich ganz abschaffen? passt schon,das stört bei uns niemanden!

Gast: Advent
02.12.2011 22:23
0 2

Der Kernölchavez ist ein Wendehals.


Re: Der Kernölchavez ist ein Wendehals.

... und, siehst du sonst irgendeine Alternative?

Gast: Bürge(r)&Zahler ltd.
02.12.2011 22:17
1 0

Gross

haben die Eu Kommissare und die Regierungschefs einiger Länder ja gedacht, aber nicht großartig und auch nicht richtig. Sie haben die Eurokrise mit think little big und die Finanzkrise mit gleichem think little big verursacht. Und die werden sich zur größten Finanz und Wirtschaftskrise nach den 30iger Jahren auswachsen, wenn nicht entschlossen und akkordiert gehandelt wird.
Das heisst es kommt auf das richtige denken an, und wenn das passiert ist, kann man den großen Wurf wagen. Österreich gehört wie Frankreich in Departements gegliedert ( evtl.25-30) mit entsprechend leistungsfähigem vertikalen Durchgriff der Verwaltung. Mit Interessenspfründlern die hinter der verlogenen Maske ihre eigenen Interessen verteidigen läßt sich das nicht machen. Der Hang des Menschen zur geschlossenen Gesellschaft ist natürlich und verständlich, aber in größeren Dimensionen ein Hemmnis. Mit einer korrupten öffentlichen Verwaltung ( siehe TI) läßt sich überhaupt nichts durchziehen. Damit lassen sich wie in Grichenland höchstens Statistiken fälschen.

 
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