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"Schuldenbremse nur im Verfassungsrang glaubwürdig"

15.12.2011 | 08:32 |   (Die Presse)

Der Staatsschuldenausschuss-Chef im „Presse“-Chat: Alle beim Sparen einbinden, auch eine Steuerkomponente sei dafür nötig. Es sei durchaus sinnvoll dass sich ein Staat in Maßen verschulde.

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Wien/Red./Apa. „Es geht bei der Schuldenbremse um ein Signal nach außen und eine Selbstbindung nach innen. Das Signal nach außen ist im Moment von äußerst großer Bedeutung, weil es die qualifizierteste Form eines Versprechens ist, langfristig die Schulden zurückzuzahlen“, sagte Bernhard Felderer, Vorsitzender des Staatsschuldenausschusses gestern, Mittwoch, im „Presse“-Chat. So könne Österreich auch sein TripleA bewahren. Ein Verfassungsgesetz gelte auf den Finanzmärkten als besonderes Zeichen von Glaubwürdigkeit. Ein einfaches Gesetz hingegen könne durch ein weiteres einfaches Gesetz jederzeit geändert werden.

Es sei durchaus sinnvoll dass sich ein Staat in Maßen verschulde, sofern damit langfristige Investitionen finanziert würden, meint Felderer, derzeit noch Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS). Die Finanzierung von laufenden Konsumausgaben durch Schuldaufnahme sei allerdings mehr als problematisch.

Felderer: ''Klientelpolitik durch Schuldenbremse nicht beseitigt''

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Vorbild Schweden

Große und erfolgreiche Sanierungen von Staatshaushalten, wie sie zum Beispiel Mitte der 90er-Jahre in Schweden erfolgt seien, hätten die wesentlichen Effekte auf der Ausgabenseite gehabt. Sinnvollerweise sollte man möglichst alle Bevölkerungsgruppen in einen solchen mehrjährigen Sparplan einbeziehen, daher ist meistens auch eine Steuerkomponente dabei, die bei den erfolgreichen Sanierungen allerdings klein gehalten werde.

Auf die User-Frage, warum er gegen Vermögensteuern im Abtausch mit einer Senkung der Lohn- und Einkommensteuer sei, meinte Felderer: „Wenn Vermögensteuer als Substanzsteuer gemeint ist, heißt das, dass Unternehmen auch dann besteuert werden, wenn sie keine Gewinne machen. In diesem Fall sind natürlich auch Arbeitsplätze gefährdet.“ Nichtsdestoweniger sei eine Senkung der Lohn- und Einkommensteuer nach Meinung so ziemlich aller Wirtschaftsforscher die wichtigste Maßnahme in der Steuerpolitik, die seit langer Zeit anstehe.

Den Euro verteidigte Felderer ebenso wie den EU-Rettungsschirm: Dieser sei als Hilfe für kleine Nationen wie Griechenland und Portugal sinnvoll. „Dies immer unter der Annahme, dass beide Länder irgendwann wieder kapitalmarktfähig sein werden und die ganze oder einen großen Teil ihrer Schuld zurückzahlen können.“ Eine Ansteckung darüber hinaus sei aber mit Rettungsschirmen nicht zu bewältigen. „Wenn Italien im kommenden Jahr einen Refinanzierungsbedarf von Staatsschulden von 400 Milliarden Euro hat, stellen die zur Zeit im Rettungsschirm noch vorhandenen Mittel von rund 200 Milliarden selbst bei einer Aufstockung des Schirms auf 500 Milliarden sicher nicht mehr das geeignete Instrument dar.“

Im Gespräch mit der Austria Presse Agentur warnte Felderer vor einer kurzfristigen Streichung der zehnjährigen Spekulationsfrist bei Immobilien. Hier brauche es „Rechtssicherheit“. Seine Expertenkollegin Margit Schratzenstaller vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) glaubt, dass sich die Regierung nicht leicht tun werde, ihr Sparziel von zwei Milliarden Euro für das Jahr 2012 zu erreichen. Viele Maßnahmen würden erst später wirksam werden.

Unmittelbar budgetwirksam wäre dagegen eine Anhebung der Verbrauchsteuern – etwa eine höhere Tabaksteuer. Oder, wegen ihres großen Volumens, auch die Mehrwertsteuer, die zur Budgetsanierung schon in Griechenland und Italien angehoben wurde bzw. diskutiert wird, wie in Frankreich und Portugal. Eine Anhebung um einen Prozentpunkt würde eine Milliarde Euro jährlich einbringen. Allerdings: Tritt die Erhöhung erst zur Jahresmitte in Kraft, dann wären es in diesem Jahr auch nur 500 Millionen Euro.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2011)

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7 Kommentare
Gast: Plach2
17.12.2011 15:00
0 0

Der ehemalige SPÖ Bundeskanzler:

"Die Schuldenbremse im Verfassungsrang ist abstrus. Was bedeutet das? Ich, Regierung, gehe zu dir, Parlament, und bitte dich: Verordne mir eine Schuldenbremse, weil allein schaff' ich's nicht!" (Vranitzky)


derpradler
15.12.2011 16:53
0 0

der neoliberale

Abzockerexperte würde ganz Österreich bis aufs Hemd abzocken. Solche Leute sind verantwortlich dafür, daß der österreichische Arbeitnehmer seit dem EU-Beitritt 110 Milliarden verloren hat und die Abzocker 25% zulegten!

Gast: Gast 2011
15.12.2011 14:20
0 0

was man uns alles einreden will ist haarsträubend

für die Ratingagenturen ist eine Schuldenbremse in der Verfassung absolut lächerlich. Die schauen eher auf aktuelle Budgetzahlen und da sehen sie, daß SPÖVP nicht im Traum an Einsparungen denken. Im Gegenteil, mit dem letzten Budget steigen die neuen Schulden exorbitant an. Damit wird die gute Bonität Österreichs wohl bald Geschichte sein!

Gast: Gast 44
15.12.2011 09:50
1 0

Kaffesud

Der oberste Kaffesudleserder Nation, der unkritisiert mindestens dreimal im Jahr seine eigenen Prognosen revidieren muss und darf, hat wieder einmal gesprochen. Für das Geld der Anderen ist auch ihm nichts zu teuer. Er sollte sich endlich ins Nimmerland verabschieden und uns seine Weisheiten ersparen.

xixabangma
15.12.2011 09:22
1 0

Haarsträubender Unsinn!

Mit einer Schuldenbremse in Verfassungsrang wollen sich die Regierenden nur von ihrer Budgetverantwortlichkeit freikaufen.
Man braucht nur die Staatsausgaben "alternativlos" nennen, und schon hat man einen verfassungsmäßigen Freibrief für Steuererhöhungen. "Wir können ja nicht anders, steht alles in der Verfassung!" wird dann die Ausrede sein, mit der sich alle abputzen.

Die Forderung von Herrn Bucher nach einer festgeschriebenen Steuerobergrenze ist daher eine zwingend notwendige logische Ergänzung.

Gast: Was geschieht eigentlich,
15.12.2011 07:32
2 0

wenn trotz Verschuldensbremse am Papier

beim Zusammenzählen am Jahresende ganz einfach mehr Schulden da sind?

(Wenn man davon absieht, das Zusammenzählen zu verbieten)

Gast: tigerzahn
14.12.2011 22:24
3 0

Ein Verfassungsgesetz gelte auf den Finanzmärkten als besonderes Zeichen von Glaubwürdigkeit?


lächerlich.

gesetze bedeuten den finanzmärkten genau gar nichts.

es ist allgemein bekannt, daß sich unsere regierung ebenso wie die EU einen feuchten dreck darum schert was in der verfassung steht.

es gibt auch keinerlei anzeichen, daß unser staat seine schulden zurückzahlen will.
er schafft es ja nicht einmal ohne neue schulden auszukommen, und das nicht wegen wichtiger investitionen sondern für laufende kosten nimmersatter staatsbediensteter vor und in der ruhe in einem ausmaß, das normale bürger wegen fehlender arbeitsplätze und nur für sie geltender pensionsobergrenze niemals erreichen können.
solange diese himmelschreiende ungerechtigkeit nicht abgeschafft wird, gibt es nicht den geringsten anlaß für vertrauen in die staatliche finanzgebahrung.

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