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E-Medikation: Neue 10.000-Euro-Strafe für Hauptverband

30.12.2011 | 16:50 |  Von REGINA PÖLL (Die Presse)

Gesundheit. Bundesvergabeamt verurteilt Hauptverband erneut wegen rechtswidriger Vergabe von Software. Mit der E-Medikation gerät nun die gesamte Elektronische Gesundheitsakte ins Wanken.

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[WIEN] Pünktlich vor Silvester hat das Bundesvergabeamt Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) seine Jahresbilanz noch kräftig verdorben, und zwar in Sachen E-Medikation: Sein Pilotprojekt für das Speichern und Abrufen von Arzneidaten von Patienten, das seit April in Tirol, Oberösterreich und Wien läuft und heute, Samstag, endet. Wie die „Presse" erfuhr, hat das unabhängige Amt den Hauptverband der Sozialversicherungsträger nun erneut zu einer Strafe verurteilt, konkret zu 10.000 Euro. Und zwar wegen rechtswidriger Vergabe der Verträge zwischen den Herstellern der Software für die E-Medikation einerseits und dem Hauptverband andererseits - diesmal über den „Umweg" der Ärzte.

Schon mit einem ersten Bescheid vom 13. Mai war der Hauptverband vom Amt zu 24.000 Euro Strafe verurteilt worden, weil er den Auftrag für die E-Medikations-Software rechtswidrig, nämlich ohne Ausschreibung, an einzelne Hersteller vergeben hat. Nach diesem Bescheid zahlte der Verband zwar umgehend an den Staat, in der Sache lenkte er aber nur bedingt ein: Er rief Ärzte, die an der E-Medikation teilnahmen, auf, sich künftig selbst seine Software-Anbieter zu suchen und mit diesen direkt einen Vertrag abzuschließen. Diesen sollten sie dann an den Hauptverband der Sozialversicherungsträger weiterleiten - denn dieser würde die Rechnungen für die Software (die im Wesentlichen dem Update und der Wartung von Programmen dient) begleichen.

In der Praxis wollte daraufhin kein Arzt den Anbieter wechseln. Zumindest stellte das Bundesvergabeamt fest, dass 71 der 104 beteiligten Ärzte einen Vertrag mit den „alten", vom Hauptverband empfohlenen Anbietern abschlossen und an den Hauptverband weiterleiteten, über die weiteren 33 Ärzte ist (noch) nichts bekannt. Für das Bundesvergabeamt ist die Zwischenbilanz aber schon Anzeichen genug für eine „Umgehungshandlung" durch den Verband: Die Wahl der Software-Anbieter sei den Ärzten nicht ausreichend frei gestanden. Gegen die „Umgehungsvariante" klagte (wie schon gegen die erste Variante des Hauptverbands) ein Tiroler Arzt, der selbst Software-Hersteller ist - er bekam nun also ein zweites Mal recht.

Minister verteidigt Vorhaben

Dies ist nicht nur für den Hauptverband an sich, der die E-Medikation umgesetzt hat, eine erhebliche Schlappe, sondern vor allem in Bezug auf die Kooperation mit Minister Stöger. Zusammen wollte man das Projekt möglichst erfolgreich über die Bühne bringen, immerhin gilt es als wichtiger Test für das breiter angelegte Vorhaben der ELGA, also der Elektronischen Gesundheitsakte. Mit dieser sollen voraussichtlich ab 2015 sämtliche Gesundheitsdaten von Patienten in ganz Österreich in einer Datenbank gespeichert werden - und von sämtlichen Ärzten und Apothekern des jeweiligen Patienten abgerufen werden können, sofern sich dieser nicht von ELGA abmeldet („hinausoptiert").

Mit ELGA will man, wie schon bei der E-Medikation, Patienten mehr Sicherheit bieten. Indem alle Medikamente und Befunde einzusehen sind, soll etwa Wechselwirkungen beim Patienten vorgebeugt werden.

Vor allem die Ärztekammer hat wiederholt Bedenken gegen die Projekte angemeldet: Diese brächten viel mehr Aufwand für die Ärzte mit sich, und der Datenschutz sei gefährdet. Stöger hat seine Vorhaben stets verteidigt: Das Ziel sei klar und sinnvoll. Hauptverband-Chef Hans Jörg Schelling zog erst diese Woche „zufrieden" Bilanz über die E-Medikation. Beteiligt haben sich rund 8000 Patienten, 104 Ärzte und 57 Apotheker.

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30 Kommentare
 
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Gast: Lutz Potter
31.12.2011 18:20
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Schelling und der gesamte Vorstand soll sofort zurück treten und den Schaden rück erstatten!!!


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Es wundert mich dass diese KORRUPTEN Clowns den Deal auch nicht in der Verfassung verankern wollen...


Gast: mayestus
31.12.2011 15:30
2 0

elga

allgemeine datenbank ist viel zu gefährlich wegen ev. missbrauch-vorschlag:-speicherung der wichtigsten befunde (medikamente, allergien,ansteckende krankheiten, operationen---) auf der e-card, von dort kann alles notwendige vom med. personal gelesen werden aber nicht gespeichert, persönliche daten nur beim patienten und nicht in einer unsicheren datenbank

Gast: mayestus
31.12.2011 15:29
1 0

elga

allgemeine datenbank ist viel zu gefährlich wegen ev. missbrauch-vorschlag:-speicherung der wichtigsten befunde (medikamente, allergien,ansteckende krankheiten, operationen---) auf der e-card, von dort kann alles notwendige vom med. personal gelesen werden aber nicht gespeichert, persönliche daten nur beim patienten und nicht in einer unsicheren datenbank

Rätsel

Wer zahlt die 34 000 € Strafe und an wen?
a.) der Minister
b.) die begünstigte Firma
c.) der Bürger

Re: Rätsel

Kein Rätsel, die Antwort ist c).

Der Bürger zahlt's über die SV-Abgaben. Und von dort weg landet es, über einige Umwege, im Topf des Finanzministeriums.

Re: Re: Rätsel

Und wo bleibt die Individualhaftung in diesem Fall?
Auch Geschäftsführer von Niederlassungen internationaler Konzerne zahlen bei ihren eigenen Gesetzesverletzungen für ihren Konzern aus eigener Tasche seit dem Unglück Bhopal.

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an sich ist eine Datenbereitstellung gut und wichtig

da man so etliche Behandlungsfehler (Operationen, Vorgeschichten, evtl Allergien gegen MEdikamente...) und auch widersprüchliche Medikationen einfacher ekennen und vermeiden könnt.

Andererseits aber zeigt sich hier mittels im Artikel erwähnten "nicht ausschreiben", dass Missbräuche vorprogramiert sein werden.

An all die Verschwörer das Hacker alles angreifen sei gesagt das sie längst gläsern sind, und somit auch keine Onlinebankgeschäfte tätigen dürften !!!

Re: Onlinebankgeschäfte

Telebanking ist etwas sicherer als Internetbanking (Onlinebanking).

recht war noch nie die stärke von ministern/ministerinnen, die nicht beamte sind

für die ist recht was störendes

Gast: Dekorant
31.12.2011 11:03
6 0

Warum die Gesundheitsakten gestohlen werden und warum jeder davon betroffen sein wird.

Erstens: Gestohlen wird, was wertvoll ist!

Wertvoll sind die Gesundheitsdaten weil jeder Arbeitgeber lieber gesunde als potentiell krankheitsanfällige Mitarbeiter beschäftigt. Wenn wir annehmen, dass ein Mitarbeiter einem Arbeitgeber 80.000€ pro Jahr kostet, lassen sich hierdurch schon Millionenbeträge an Einsparungspotential (in dem Fall für Arbeitgeber) berechnen. Hierbei sind Begehrlichkeiten von Versicherungen noch gar nicht berücksichtigt. Daher: Diese Gesundheitsakte ist hunderte Millionen von € wert.

Zweitens: Es gibt keinen absoluten Schutz!

Wie viele Mitarbeiter haben Zugang zu diesen hochbrisanten Daten (Systemverwalter)? Es reicht hier ein Mitarbeiter (mit Zugang) welcher erfolgreich bestochen oder unter Druck gesetzt wurde.

Drittens: Kann man wirklich aus dem System aussteigen?

Selbst wenn 20% der Versicherten sich entschließen nicht mitzumachen, stehen noch immer 80% an Datensätzen zur Verfügung. Ein Arbeitgeber wird daher nur noch Gespräche mit potentiellen Mitarbeitern führen, wo er Daten zur Verfügung hat (ähnlich Versicherungen). Hier die Kernforderung: Unbedingt eine freiwillige Anmeldung und auf keinen Fall ein aufgezwängtes Abmeldungsverfahren!

Ach ja – sind Kinder bis zur Volljährigkeit Zwangsverpflichtet dabei zu sein?

Ein zurecht verärgerter Patient!

Wozu dieser Aufwand?

Gebt jedem Patienten seine gesammelten Daten mit nach Hause. Er kann sie dann bei jedem Arztbesuch mitnehmen und ergänzen lassen. Die Ausarbeitung einer einheitlichen Form dafür würde als Aufwand genügen.

PS: ALLES(!) was in einem (übers Internet) zugänglichem System steht kann auch von allen gelesen werden!
Der Aufwand an Verschlüsselungen erhöht nur den Aufwand, welchen man zum Lesen aufwenden muss. Er ist jedoch niemals eine Garantie für Verhinderung des Lesens, da dies ja prinzipiell für die am System Beteiligten ja auch möglich bleiben muss.

Re: Wozu dieser Aufwand?

Richtig, genau so ist es. Un alle Daten, die den Patienten betreffen dürfen ausschließlich von diesem disponiert werden. All das darf nicht noch mehr zum gläsernen Menschen führen.

Gast: locus iste
31.12.2011 08:58
4 0

Die Idee der ELGA an sich ist ja gut,

aber da anzunehmen ist dass ELGA nicht von den fähigsten Leuten umgesetzt wird sonder eher von mittelintelligenten Parteigünstlingen (nicht vergessen, wir sind hier in Österreich!), ist das Ganze wieder in einem anderem Licht zu betrachten. Eine einzige große Datenbank mit allen Patientendaten wird Hacker anziehen wie ein großer Kackehaufen die Fliegen. Das Disaster ist vorprogrammiert.

Re: Die Idee der ELGA an sich ist ja gut,

Nicht zu vergessen, die Boys der diversen US-Sicherheitsorganisationen wollen auch leben und sind daher ständig auf der Suche nach neuen Daten.

Warum nach Flugpassagierdaten, Bank- und Polizeidaten, dann nicht auch Gesundheitsdaten denen ebenfalls zugänglich machen?

Wenn schon einmal Daten vorhanden, sind unsere Kapazunder wohl die Letzten, welche hier Nein sagen würden.

Re: Re: Die Idee der ELGA an sich ist ja gut,

Das IOM - Institute of Medicine
( 'To Err Is Human') ist nicht dafür.
siehe JAMA vom 28.12.2011

Unsaubere Geschäftspraktiken - und dann sollen wir ihnen vertrauen?

Solchen Typen sollen wir unsere Gesundheitsdaten anvertrauen?
Das nenne ich Chuzpe.

Antworten Gast: eamonclever
31.12.2011 08:51
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Re: Unsaubere Geschäftspraktiken - und dann sollen wir ihnen vertrauen?

na sie haben den vollen durchblick! mir gefällt elga auch nicht, nur hat e-medikation und elga nichts miteinander zu tun. Das notwendige fachwissen fehlt leider auch der autorin des beitrages.

Re: Re: Unsaubere Geschäftspraktiken - und dann sollen wir ihnen vertrauen?

E-Medikation ist eine ELGA-Anwendung

Antworten Antworten Antworten Gast: eamonclever
01.01.2012 19:07
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Re: Re: Re: Unsaubere Geschäftspraktiken - und dann sollen wir ihnen vertrauen?

na ja hätten die elga leute gerne - ist eine funktion der e-card.
weil für elga eine zusätzliche plattform zur indizierung der personen und vorgänge geschaffen werden muss. eine ausnahmeregelung für im dsg geschaffen werden muss und eine zusätzliche infrastruktur abseits der bestehenden rechnernetze auf kosten der spitalsbetreiber und gemeinden geschaffen werden muss. genau das ist ja der kostentreiber im elga projekt.

Re: Re: Re: Re: Unsaubere Geschäftspraktiken - und dann sollen wir ihnen vertrauen?

So , wie es gemacht wird, erscheint es unkorrekt. Man fragt sich natürlich: Fehlt es m Know How, fehlt es an der professionellen Ethik?
Damit ist es für Bürgerinnen und Bürger wie für Ärztinnen und Ärzte nicht akzeptabel.

Gast: Adi Stifter
30.12.2011 21:22
9 0

In Österreich Tradition:

Wer als Politiker nicht taugt und zu dumm für die Wirtschaft ist darf Gesundheitspolitiker werden!

Antworten Gast: Baur4
30.12.2011 22:39
9 0

Re: In Österreich Tradition:

... oder kommt zum ORF.

Gast: maria Gustav
30.12.2011 20:18
13 1

Als Matratzen Verkäufer bei Lutz gescheitert...

... verschleudert Schelling jetzt die Gelder der Beitragszahler!!


Gast: ASVG-Sklave
30.12.2011 19:35
18 0

Wer zahlt diese Strafe????

Lachhafte Strafen, die die Zwangsmitglieder am Ende durch höhere Zwangsbeiträge finanzieren müssen. Geldstrafen???? Fristlose!!!!!

Gast: Klaus B.
30.12.2011 18:49
14 0

Warum muss für die Misswirtschaft des HV die Mitglieder zahlen??

Vielmehr sollte der zuständige Chef, Herr Schelling sowohl die erste als auch die zweite Strafe aus seinem Privatvermögen zahlen!!!
Dann würden solche Fehler in Zukunft vermieden!

Auch würde es mich interessieren welche "Zuwendungen" vom Apotheker Verlag an Herr Schelling ergangen sind??

 
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