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FPÖ auf dem Sprung zur Nummer eins

21.01.2012 | 15:52 |  VON OLIVER PINK (Die Presse)

Die Freiheitlichen profitieren von der Krise - ohne ein Konzept gegen die Krise zu haben. Neben der EU und den Ausländern nehmen sie nun verstärkt die Banken ins Visier.

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Eines lässt sich nicht behaupten: dass die FPÖ in der Krise stecken würde. Sie könnte vielmehr von der Krise profitieren. Ein führender freiheitlicher Funktionär deutet bereits an, wohin die Reise gehen könnte: „Der bevorstehende Sozialabbau wird in Kombination mit der Zuwanderung zu einem sozialen Sprengsatz werden – mit Zuständen wie in den Pariser Banlieues.“ Und die FPÖ würde dann als jene Partei dastehen, die es immer schon gewusst hat – und sich in ihrer langjährigen Kritik an der EU und der hausgemachten Zuwanderungsproblematik bestätigt fühlen kann.

Mit nur wenigen Themen – diese aber prononciert vorgetragen – schickt sich die Freiheitliche Partei an, die Nummer eins bei den nächsten Wahlen zu werden. In den seit dem Jahreswechsel publizierten Umfragen liegt sie nur knapp hinter der SPÖ auf dem zweiten Platz.

Gern wird von Freiheitlichen dieser Tage erzählt, wie freundlich denn die Politiker der Volkspartei derzeit mit ihnen umgingen. Die gemeinsamen Verhandlungen über die Schuldenbremse und den Ausbau der direkten Demokratie haben Türen wieder geöffnet, die in den vergangenen Jahren verschlossen waren. In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Zur Zeit“ des FPÖ-EU-Abgeordneten Andreas Mölzer wird bereits eine mögliche freiheitliche Regierungsbeteiligung („Im dritten Anlauf“) thematisiert. Nach der Koalition mit der SPÖ in den Achtzigerjahren und jener mit der ÖVP in den Nullerjahren sieht es nun eher wieder nach einer Neuauflage von Schwarz-Blau aus.

 

Neujahrstreffen am Samstag

2005 hat der parteiinterne Unmut über ebendieses Bündnis Heinz-Christian Strache an die Spitze der Partei gespült, deren Führung er auf dem Parteitag in Salzburg übernommen hat. Genau dort, in der Salzburg-Arena auf dem Messegelände, wird Strache heute, Samstag, zur Befehlsausgabe an die Funktionäre und Anhänger schreiten – beim FPÖ-Neujahrstreffen, der traditionellen politischen Schlagerparade mit deftigen Wortspenden, jeder Menge Bier vom Fass und Musik der John-Otti-Band. Voriges Jahre stellte Strache dort den Kanzleranspruch.

An diesem Ziel hält die Strategieabteilung der FPÖ, also Generalsekretär Herbert Kickl, fest. Die EU-, Euro- und Schuldenkrise kommt ihm dabei zupass. Die bewährte Two-Issues-Politik – Ausländer und EU – soll beibehalten und noch zugespitzt sowie um die damit verknüpfte Familienpolitik erweitert werden. Das Image der FPÖ als „soziale Heimatpartei“ soll geschärft werden. Sprich: gesellschaftspolitisch konservative Positionen, Unterstützung kinderreicher (am besten autochthon österreichischer) Familien, Ablehnung der Gesamtschule, Befürwortung der allgemeinen Wehrpflicht, dazu Kapitalismus-, EU- und Zuwanderungskritik.

 

Auslaufen der Gruppensteuer

In seiner Neujahrsrede will Heinz-Christian Strache dem noch ein weiteres bewährtes FPÖ-Thema hinzufügen: Banken-Bashing. Eine Abrechnung mit der „Treichl-Konrad-Nation“ ist geplant. Denn die Banken würden dank der Gruppenbesteuerung unglaubliche Gewinne machen, so die FPÖ-Diktion. Die Gruppenbesteuerung sollte daher gerechter gestaltet werden: In den ersten drei Jahren soll sie bleiben, wie sie ist. Aber nach drei Jahren soll sie verflacht werden und nach fünf Jahren auslaufen. „Die Gruppenbesteuerung kann doch nicht bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag Gültigkeit haben. Denn jeder, der ein Unternehmen gründet, muss nach drei bis fünf Jahren zum Break-even kommen“, meint Strache.

 

Fehlendes Regierungspersonal

Wie und vor allem mit welchen Leuten die FPÖ im Falle des Falles regieren will – sofern sie einen Koalitionspartner findet –, ist allerdings höchst ungewiss. Denn das nötige Personal für eine Regierungsbeteiligung fehlt der Freiheitlichen Partei heute noch mehr, als es ihr schon bei der Regierungsbeteiligung ab dem Jahr 2000 gefehlt hat. Letztlich ist das einzig verbliebene Personalreservoir der FPÖ im Burschenschaftermilieu zu finden. Schon jetzt sitzen viele von ihnen in den freiheitlichen Büros.

Und kommenden Freitag tanzen sie in der Hofburg – ein letztes Mal. Auch Heinz-Christian Strache wird beim Ball des Wiener Korporationsrings zugegen sein. Die Hofburg könnte er jedoch bald schon von innen wiedersehen. Im Falle einer möglichen Angelobung als Kanzler oder Vizekanzler wird er dann wohl auch den einen oder anderen Burschenschafter im Schlepptau haben. Ob die Freiheitlichen dann auch taugliche Regierungskonzepte mit dabeihaben werden, ist aus heutiger Sicht allerdings überaus fraglich.

Auf einen Blick

Das FPÖ-Neujahrstreffen findet heute, Samstag, in Salzburg statt. In seiner Rede wird Parteichef Strache Funktionäre und Anhänger auf die kommenden Monate, die auch Neuwahlen mit sich bringen könnten, einschwören. Neben den bewährten Themen EU und Zuwanderung soll auch die Familienpolitik eine Rolle spielen sowie die Abrechnung mit Großbanken. Die Gruppenbesteuerung sollte nach fünf Jahren auslaufen, so der FPÖ-Plan.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2012)

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333 Kommentare
 
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Gast: kein Silberstreif
23.01.2012 19:30
2 0

Nach dem rauhen Erwachen aus dem PR-mäßig vermarkteten angeblichen Himmel des jahrzehntelangen SPÖVP-Zwangsregimes,

erscheint schon fast jedem Ausgesackelten in diesem Transferparadies Straches FPÖ als wundervolle Verheißung. Weit haben wir es gebracht!

Schlimmer kann es kaum werden.

Wer sich etwas im Leben schaffen will, ist bereits im Zelteabbrechen. In Österreich sind nurmehr vom Goodwill der nichtsnutzigen Parteifunktionäre abhängige konsumorientierte Bonvivants und Transferleistungenempfänger erwünscht. Leistungsorientierung und Kompetenz werden nämlich zunehmend existenzvernichtend hart mit vielerlei Abzügen und immer frecherer Kostenüberwälzung sanktioniert. Aus der Perspektive der Geknechteten erscheint dann Straches FPÖ als einziger Ausweg, denn schlimmer kann es kaum mehr werden.

Danke SPÖ + ÖVP für diese Perspektive!

Präpotente Funktionärsproleten aller uns ausplündernden Parteien schämt euch!

Antworten erxxich
23.01.2012 19:52
0 0

Leider ist es so !!!!


Gast: Zeitgeist1
22.01.2012 20:17
1 0

ff. wegen 1000 Zeichenbeschraekung

passt auf, auf die böse FPÖ). Nein, dieses Mal lassen wir uns (hoffentlich) nicht mehr täuschen, es glaubt euch ohnehin keiner mehr!

Eine Bitte an die Presse: 1) das Eingabefeld ist sehr klein, bitte vergrössern und 2) es gibt keine Postingvorschau (so kann man keine Fehler mehr verbessern und auch die Formatierung nicht überprüfen).

Gast: Zeitgeist1
22.01.2012 20:16
1 0

Über Bürger wird /wurde einfach drübergefahren

Man hat endgültig nicht mehr das Gefühl, dass die Altparteien auf der Seite der Bevölkerung stehen.
Das ist glaube ich, einfach der entscheidende Punkt, warum die FPÖ viel Zuwachs hat (und noch bekommen wird). Wenn der Fischer
sich gegen Volksabstimmungen wehrt, fühlt man eigentlich eine Watsche im Gesicht (das Volk soll fressen, was man ihnen sagt). Das ist anscheindend
der Standpunkt von SPÖ, Grüne und ÖVP. Keine Spur von richtigen Demokratieformen, wie sie zb in der Schweiz bestehen, sondern nur EU konform und ja nichts gegen die steigenden Zahl
von Moslems in A sagen.

HC Strache versteht es, in der Sprache des Volkes (ähm Bürger, weil Volk ist ja schon ein problematisches Wort) (was die anderen als populistisch abtuen) zu reden und rüberzubringen. Und das (traut sich oder wollen sich nicht trauen) einfach
keine andere Partei. Ist das populistisch? Wenn ja, was ist schlecht dran, das auszusprechen, was viele Österreicher denken, und dann ebenso Lösungsvorschläge vorzubringen?

Ich kann mir schon denken, wie das vor der Wahl abläuft (und es in der Vergangenheit schon so war):

Zuerst werden eine Anzahl von unpopulären Änderungen in Form von Gesetzen durchgepeitscht. Sind dann nur noch ein, zwei Monate, werden Wahlzuckerl verteilt. Dann kommt
die Angstmanipulation (ihr seid ja immer noch einer der reichsten Staaten auf der Welt, ihr müsst froh sein, dass es Parteien wie uns gibt, wir sichern euch die Pensionen, es gibt Aufschwung mit uns... (das immer gleiche bla bla bla)

Gast: e.e.
22.01.2012 09:29
8 1

- ohne ein Konzept gegen die Krise zu haben

Diese Aussage ist falsch, wenn nicht sogar populistisch. Strache hat mehrmals darauf hingewiesen, dass der Maßnahmenkatalog des Rechnungshofes umgesetzt werden sollte. Sonst könnten man sich den Rechnungshof sparen. Konzeptlosigkeit wäre zuerst an die Wählerstimmen zu denken. Zum Verfassungsgesetz könnte erheben werden, dass die Empfehlungen des Rechnungshofes umgesetzt werden müssen. Der Rechnungshof ist keiner einzelnen Wählergruppe verpflichtet. Das Staatsfinanzierungsproblem mit neue Steuermaßnahmen hat nicht mit Sparen zu tun! Am Zug ist die Regierung und nicht die Opposition, schließlich hat die Regierung das Geld beim Fenster hinaus geworfen, ohne die Opposition zu fragen.

Gast: tom22
21.01.2012 22:33
1 0

Traurig aber logisch

da die anderen Parteien auf die Sorgen der ÖsterreicherInnen (Zuwanderung, EU, Banken. Lobbyismus, ...) nicht eingehen alles nur eine logische Konsequenz!

Florianus
21.01.2012 21:49
3 2

Strache muss so gescheit sein ...

... keine Koalition einzugehen.

Der einzige Weg heißt: Opposition bis es eine Absolute gibt oder eine Koalition mit dem BZÖ zu einer Mehrheit reicht.

Gast: Kabarett Korrupti
21.01.2012 20:39
1 6

Auf den Strache seine Minister

bin ich schon gespannt.

Antworten erxxich
23.01.2012 19:55
0 0

Re: Auf den Strache seine Minister

Schlechter als die Mitglieder unserer jetzigen, unfähigen Regierung können sie auch nicht sein !
-
NS.: Leider !!!

Antworten Gast: MH
22.01.2012 15:36
2 1

Re: Auf den Strache seine Minister

Pelinkas , Rudase und dergleichen werden jedenfalls nicht darunter sein. Da können auch die Linken aufatmen.

Antworten Gast: Free
22.01.2012 09:46
5 1

Re: Auf den Strache seine Minister

Und wenn er alle aus der Geschlossenen nimmt ist es noch immer besser als das was Rotschwarz derzeit zu bieten hat...

Antworten diabolo
22.01.2012 07:56
3 1

Re: Auf den Strache seine Minister

Darabos, Hostek, Bures und dann noch geführt vom Faymann, schlechter kanns nicht mehr werden!

Antworten Gast: Presseabo beenden?
21.01.2012 20:49
3 3

Re: Auf den Strache seine Minister bin ich schon gespannt.

Im Gegensatz zu Ihnen werden Straches Minister wenigstens wissen, dass obiger Satz in korrektem Deutsch "Auf Straches Minister bin ich schon gespannt" lautet.

Antworten Antworten engel
22.01.2012 06:44
1 3

Re: Re: Auf den Strache seine Minister bin ich schon gespannt.

Das schon! Aber sonst könnte man von ihnen wenig erwarten.

Antworten Antworten Gast: Gast2
22.01.2012 02:45
0 2

Re: Re: Auf den Strache seine Minister bin ich schon gespannt.

Zum Artikel über eine eher national eingestellte Partei darf durchaus auch im Dialekt kommentiert werden.

Antworten Antworten Gast: Kabarett Korrupti
21.01.2012 21:20
0 0

Re: Re: Auf den Strache seine Minister bin ich schon gespannt.

:=)

Gast: Democratia
21.01.2012 20:36
9 2

FPÖ auf dem Sprung zur Nummer eins

Wenn's die Mehrheit so will.

2 8

nach drei Jahren soll sie verflacht werden

Ich bin sprachlos. Der Mann hat von Steuern null Ahnung.

Gibt es denn niemanden in der FPÖ, der Straches Sager vor den Auftritten auf allergrößten Unfug abklopft?

Antworten engel
22.01.2012 06:40
1 3

Re: nach drei Jahren soll sie verflacht werden

Wenn er nur von Steuern keine Ahnung hätte! Er hat keine Ahnung von Wirtschaft. Ein Trauerg'spiel!

Antworten Antworten Gast: e.e.
22.01.2012 09:39
4 0

Re: Re: nach drei Jahren soll sie verflacht werden

Hat unsere derzeitige Regierung eine Ahnung bzw. ein Konzept? Mit der "FLATTAX" könnte auf die Reichensteuer verzichtet werden. Wäre nebenbei längst nicht so populistisch wie "her mit dem Zaster". In anderen Ländern wurde sie schon erfolgreich umgesetzt. Warum wird sie von der Regierung nicht umgesetzt?
Antwort: weil unsere armen Politiker selbst davon betroffen wären. Für die Regierung muss sparen von der Mittelschicht gespürt werden, sonst ist es kein richtiges sparen

Antworten Gast: speibender regenbogen
21.01.2012 21:14
0 0

Re: nach drei Jahren soll sie verflacht werden

und wo sind deine stichhaltigen gegenargumente?

Gast: agif
21.01.2012 19:48
3 5

schreien

Der laut brüllende Mann hat schon recht mit Gruppenbesteuerung der Banken und einigem mehr. Leider habe ich wirklich Angst dass diese Leute an die Regierung kommen. Einen schreienden Führen kennt man doch aus dem letzten Jahrhundert. Bitte liebe Regierung verhindert das und reformiert dieses Land. Jetzt sofort, bevor es noch zu spaet ist.

it's the economy, stupid!

Und da unserem Wirtschaftssystem die gedanklichen Fundamente weggebrochen sind ist es jetzt einmal relativ egal wer mit alten, verwehenden Rezepten nichts reißt...

aber es ist gut wenn die FPÖ dran kommt - dann wird auch dieses Segment gezwungen sich der Welt so zu öffnen wie sie wirklich ist - Realpolitik eben.


Gast: kein Schwarzer
21.01.2012 19:01
3 9

Strache wie Orban


Ich habe nicht die geringste das der Strache irgendwas Vernünftiges zusammenbringt. Er würde möglichst autoritär regieren und die schamlosen Bereicherungen auf die Spitze treiben. Liebe Leser denkt doch an die Schüssel Regierung....Gott schütze Österreich vor der Dummheit seiner Bürger

Antworten diabolo
22.01.2012 07:55
3 1

Liebe Leser denkt doch an die Schüssel Regierung

Ja, ja da hiess es noch wir sind die bessere Schweiz und die Deutschen blickten neidvoll über die Grenzen, und wie es heute ausschaut-gute Nacht Österreich, dank Sozialisten!

Antworten Gast: JustSayin
21.01.2012 19:33
4 0

Re: Strache wie Orban

"Gott schütze Österreich vor der Dummheit seiner Bürger"... aha, nur ist Österreich ist als Staat eben die Gesamtheit seiner Bürger - sollte man wissen bevor man irgendwie über Intelligenz spricht :)

 
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