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Viele Touristen, wenige Streiktage: Wo Österreich gut liegt

24.01.2012 | 18:30 |  IRIS BONAVIDA (Die Presse)

Vorteile. Viel Geld für Familien und Gesundheit, wenig fürs Tanken und Öffi-Fahren. Wo Rot-Weiß-Rot im internationalen Vergleich punkten kann.

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Wien. Von der Wirtschaftskrise bis zu Korruptionsfällen: Meistens machen in Österreich nur schlechte Nachrichten Schlagzeilen. Dabei hat das Land viel mehr zu bieten als Schnitzel, Trachten und Mozartkugeln. Hier einige Punkte, in denen Österreich richtig gut ist:
•Auch wenn das Pensionsalter relativ schnell erreicht wird – bei der Beschäftigung ist Österreich nicht zu schlagen. Mit 360.583 Arbeitslosen (inklusive 55.830 Schulungsteilnehmern) ist es das Land mit der niedrigsten Arbeitslosenrate Europas. Im November des Vorjahres betrug die Arbeitslosenquote lediglich vier Prozent. Zum Vergleich: Im Durchschnitt der EU-27 betrug der Wert ganze 9,8 Prozent. Schlusslicht der Europäischen Union ist nach wie vor Spanien mit 22,9 Prozent.
•Der Weg zur Arbeit wird vor allem in Wien mit Straßenbahn und Co. zurückgelegt: Denn Österreicher sind die zweitfleißigsten Öffi-Fahrer der EU. 2910 Kilometer wurden 2010 pro Person mit Bahn, Bus, Straßen- und U-Bahn zurückgelegt. Das sind 1000 Kilometer mehr als in Deutschland. Nur die Tschechen schlagen die Österreicher punkto öffentliche Verkehrsmittel: 3010 Kilometer legten die nördlichen Nachbarn öffentlich zurück. Der EU-Schnitt lag bei 2010 Kilometern. Dass die Österreicher so gut abschneiden, könnte auch daran liegen, dass die Preise für eine Jahreskarte in Wien mit 449 Euro (ab Mai sogar 365 Euro) relativ niedrig sind: In Berlin muss man schon knapp 700 Euro dafür zahlen, in der britischen Hauptstadt sind es umgerechnet sogar 1246 Euro. Billiger fährt man ab Mai nur in Rom – um 230 Euro.
•Dabei ist sogar das Autofahren in Österreich gar nicht so teuer. 1,366 Euro kostet hier ein Liter Dieseltreibstoff. Nicht umsonst pilgern tagtäglich einige Fahrzeuge mit italienischem Kennzeichen über die Grenze, um auf der anderen Seite des Brenners vollzutanken: 1,657 Euro muss man beim südlichen Nachbarn für einen Liter Diesel zahlen. Nur wenige Euroländer können den Österreich-Preis unterbieten.
•Aber nicht nur zum Tanken kommen Besucher nach Österreich. Das relativ kleine Land ist auch ein beliebtes Urlaubsziel. Ganze 12,3 Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben konnte man im Jahr 2009 pro Einwohner zählen. Geschlagen wird Österreich auf dieser Rangliste nur von Malta und Zypern, beide Länder mit 16 Übernachtungen pro Kopf. Der EU-Durchschnitt betrug nur 4,5 Übernachtungen pro Kopf.
•Passiert im Skiurlaub ein Unfall, können Touristen auf ein gutes Gesundheitssystemzählen. Den Österreichern ist Gesundheit wichtig – dementsprechend viel Geld wird in den Gesundheitsbereich gepumpt. 11 Prozent des BIPs wurden im Jahr 2009 dafür ausgegeben. Im internationalen Vergleich ist das relativ viel; Länder wie Schweden, Norwegen und das Vereinigte Königreich können hier nicht mithalten.
•Vergleichsweise viel Geld fließt in Österreich auch in die finanzielle Förderung von Familien. Rund 2,3 Prozent des BIPs werden im OECD-Schnitt für die Familienförderung ausgegeben. Österreich hingegen gibt den OECD-Zahlen zufolge ganze 2,9 Prozent des BIPs für Familien aus, davon 2,4 Prozent in Cash (also etwa die Familienbeihilfe), 0,47 Prozent in Sachleistungen und 0,04 Prozent übers Steuersystem. Zusätzlich wurden einige Kinderbetreuungsplätze ausgebaut.
•Auch wenn es nach der Causa Pelinka anders scheint: Der Rückzug des SPÖ-Sympathisanten zeigt, dass es um die Pressefreiheit Österreichs nicht so schlecht steht. Ein Blick auf die Rangliste der „Reporter ohne Grenzen“ zeigt, dass wir auch im internationalen Vergleich nicht ganz so schlecht abschneiden. Im Vorjahr teilten sich Finnland, Island, Niederlande, Norwegen, Schweden und die Schweiz den ersten Platz. Gleich danach folgte Österreich auf Platz sieben. Griechenland dagegen befindet sich unter anderem mit Kenia auf Platz 70, Italien – immerhin – mit Burkina Faso auf Platz 49.
•Besonders stolz können Österreicher auch auf ihre Hauptstadt sein: Wien wurde 2011 zum dritten Mal in Folge zur Stadt mit der höchsten Lebensqualität der Welt erklärt und ist Kongressstadt Nummer eins. Zürich (Schweiz) und Auckland (Neuseeland) belegten die Plätze drei und vier bei einer Vergleichsstudie von Mercer. Auf Platz vier lag demnach München.
•Wem es besonders gut geht, der hilft auch anderen: Die Österreicher spenden viel und gern – vor allem bei Naturkatastrophen. Beim Erdbeben in Haiti 2010 waren die Österreicher laut dem Fundraising Verband Austria im internationalen Spitzenfeld. Sie traten vier Euro pro Einwohner ab, während die Pro-Kopf-Spende in Deutschland 2,40 Euro und in den USA 2,10 Euro betrug.
•Dass die Österreicher mit der Gesamtsituation nicht ganz unzufrieden sein können, zeigt sich auch bei der Streikkultur: Die gibt es hier nämlich nicht. Die Zahlen der Wirtschaftskammer Österreich bestätigen das: Zwischen 2004 und 2008 wurde so gut wie gar nicht gestreikt, lediglich im fernen 2003 zählte man vier verlorene Arbeitstage je 1000 unselbstständige Beschäftigte. Spitzenreiter sind erwartungsgemäß die Länder Italien (37 verlorene Arbeitstage) und Spanien (75 Tage). 2008 wurden die Südländer nur von Dänemark geschlagen: Je 1000 unselbstständige Beschäftigte konnte man 682 verlorene Arbeitstage zählen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.01.2012)

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