Wien/Innsbruck. Die Entschuldigung erfolgte binnen 24 Stunden: „Ich entschuldige mich bei der Eva, es geht mir nicht um sie oder ihre Ablöse“, sagte Gebi Mair gestern, Freitag, der „Presse“.
In der „Tiroler Tageszeitung“-Ausgabe vom gleichen Tag las sich das noch anders: Im Interview ortete der 28-jährige Tiroler Landtagsabgeordnete eine evidente Führungsschwäche bei den Grünen und empfahl nachdrücklich den Tiroler Landesklubchef Georg Willi als Nachfolger von Eva Glawischnig.
Doch seit dem Erscheinen des Artikels ist viel passiert: Sowohl Willi, der als ein Förderer von Mair gilt, als auch Landessprecherin Ingrid Felipe distanzierten sich umgehend ausdrücklich von dem Artikel: „Weder können wir uns der Kritik anschließen noch haben wir uns im Vorfeld darüber ausgetauscht“, teilten sie in einer Aussendung mit. Glawischnig sei „eine ausgezeichnete Bundessprecherin und Klubobfrau“.
Auch andere Landesparteichefs – von Kärnten, über Niederösterreich, Salzburg, Steiermark bis Wien – sprachen Glawischnig in einem Rundruf der Austria Presseagentur ihr Lob aus. Insofern sei bloß von einer Einzelmeinung auszugehen, sagt Bundesgeschäftsführer Stefan Wallner der „Presse“: „Wir sehen keinen Handlungsbedarf.“ Und nachdrücklich: „Es gibt aktuell sicher keine Führungsdiskussion bei den Grünen.“
Zumindest keine laut geführte. Tatsächlich waren die Grünen schon lange nicht so still in der Führungsfrage – oder so rasch und effizient, wenn es um das Beenden einer möglichen Debatte darüber geht. Immerhin ist Mair in Tirol nicht unwichtig. Der Endzwanziger, der als ehrgeizig und robust gilt (der Ex-FPÖ-Nationalratsabgeordnete Werner Königshofer beschimpfte den bekennenden Homosexuellen einmal als „Landtagsschwuchtel“), wird als politisches Talent gehandelt. Und als Nachfolger von Klubchef Willi, der in den Nationalrat wechseln will.
„Parlamentarische Streber“
Als Profilierungsgeplänkel im nahenden Innsbrucker Gemeinderatswahlkampf (Frühjahr 2012) lässt sich die Kritik dennoch nicht abtun. Der Unmut bei den Grünen ist derzeit vielleicht leise, aber durchaus vorhanden – nicht nur, wenn über das von Glawischnig geforderte Verbot von Zigarettenautomaten gestritten wird. Die Klage, die man öfter hört, lautet: Die Grünen können aktuelle Ereignisse, die ihnen in die Hände spielen, nicht ausreichend für sich nutzen und der Bevölkerung kommunizieren. So habe man sich die Atomkraft-Debatte nach dem Reaktorunfall in Fukushima aus der Hand nehmen lassen.
Und auch aus der Tatsache, dass die Grünen als einzige Partei frei von Korruptionsvorwürfen seien, habe man noch nicht so wirklich Kapital schlagen können. Hier setzt Mair an: „Wir sind parlamentarische Streber. Wir glauben, dass uns angesichts von Faymann und Spindelegger die Wähler nachlaufen, aber das machen sie nicht von selbst.“ Es brauche eine andere, auch aktionistischere Politik, mit der man die Themen den Menschen lebensnäher vermitteln könne: „Ich glaube, wir sind in Tirol da mutiger als in Wien.“
„Natürlich geht immer mehr“, sagt Wallner, „man soll aber nicht so tun, als ob es keine Erfolge gibt, wie zum Beispiel das Ökostromgesetz“. „Man muss die Menschen emotional fesseln“, sagt Mair. Willi könne das eben. Und Glawischnig? „Die hat noch Potenzial, sie darf sich mehr trauen.“ An dieser Meinung hält Mair fest. Generell sei es schade, dass nur wenige grüne Politiker – etwa Glawischnig oder Peter Pilz – der Masse bekannt seien: „Wir haben viele lässige Leute, die man auch herzeigen könnte.“ Dass Mair, der sich gern in der Aufdeckerrolle sieht, damit auch sich selbst meint, ist kein Geheimnis.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.01.2012)
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