Laura Rudas hat beste Kontakte. Das hört man nahezu andauernd. Allerdings ist dann meist von der Parteispitze die Rede. Das Verhältnis der Bundesgeschäftsführerin zur Basis gilt dagegen als eher angespannt. Spätestens seit dem „Fall Pelinka“ und – schon zuvor – der peinlichen Debatte um falsche Facebook-Freunde des Kanzlers direkt aus der Löwelstraße wird Rudas „von unten“ auch lauter kritisiert. Am lautesten von der Sozialistischen Jugend (SJ). Aber was stört konkret an ihr? Die „Presse am Sonntag“ hat bei kritischen Vertretern der roten Basis nachgefragt – und hat mehrere Erklärungen erhalten:
Da ist zunächst das Misstrauen gegenüber den Jungen Roten. Die Plattform – eine brave Variante der SJ –, in der sich die inzwischen dreißigjährige Rudas zu Beginn engagierte, „ist keine Institution der SPÖ, in der gewählt wird und die überschaubar ist“, sagt Evelyn Bauer, Vorsitzende der Sektion7 der SPÖ Hietzing. Eher sei es „ein Privatkreis von Leuten, bei denen man nicht weiß, woher sie kommen oder wofür sie stehen“. Dafür seien sie überall: In den vergangenen Jahren würden auf Wahllisten plötzlich Leute auftauchen, die in den jeweiligen Bereichen keine Basiserfahrung hätten – „und diese Leute stammen oft von den Jungen Roten“.
Mangelnde Glaubwürdigkeit ist auch aus Gewerkschaftssicht ein Problem. „Ich halte Rudas für eine liebe, patente Dame, die innerhalb der Rahmenbedingungen ihren Job gut macht. Aber es gibt in der Basis die Befürchtung, dass sie die Sorgen der Menschen am Arbeitsplatz nicht kennt. Weil sie jung ist und immer nur in der Politik gearbeitet hat“, sagt Robert Wurm, „Postbus“-Zentralbetriebsrat und stellvertretender Vorsitzender bei der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter. Bei Gewerkschaftsveranstaltungen lasse sich Rudas nie blicken. Warum? „Natürlich ist sie eingeladen, aber da herrscht halt ein rauerer Ton.“ Dabei müsste ein Bundesgeschäftsführer selbst bissig sein, sagt Wurm. Und zwar so sehr, dass ihn der Bundeskanzler „mindestens einmal die Woche zurückpfeift“. Und, nein, bei Rudas sei das nicht der Fall.
Apropos Tonalität: „Mir fehlt das Jugendliche an ihr“, sagt Max Lercher, Abgeordneter im steirischen Landtag und SJ-Landeschef, über Rudas. Als junger Mensch müsse man eine Vision haben – „und das kann sie nicht vermitteln“. Dabei sei Kommunikation die Aufgabe der Bundesgeschäftsführerin. Die Schuld teile sich Rudas aber mit anderen, sagt Andreas Babler, geschäftsführender Stadtparteivorsitzender in Traiskirchen. Sie sei nur „ein Symbol für den Zustand der gesamten Partei“.
Und in der gehe es, so der Eindruck, nicht mehr um grundsätzliche Fragen, sondern nur mehr um Posten und Karriere, sagt Babler. Kritik der Basis werde nicht mehr inhaltlich diskutiert, sie sei „nur mehr ein Kommunikationsproblem“. „Rudas wurde eingesetzt, weil sie dem Politikverständnis entspricht: jung, dynamisch, wenig ideologisch.“ Ist Rudas nicht „links“ genug? „Ja, das kann man so sagen.“
Was man auch sagt, aber nicht offiziell: Rudas bekomme Kritik ab, die eigentlich an den Kanzler adressiert sei. Dem man sie aber nicht zu sagen wage. Denn ganz so kritisch ist die rote Basis dann auch wieder nicht.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.01.2012)
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