18.06.2013 10:03 Merkliste 0

U-Ausschuss: Karl und Mikl-Leitner unter Beschuss

31.01.2012 | 18:33 |  MANFRED SEEH UND REGINA PÖLL (Die Presse)

U-Ausschuss zur Klärung diverser Korruptionsskandale sorgt für Aufregung: Fehlende Akten, fehlende Zeugen, fehlende Erinnerungen und "Zurufe aus ÖVP-Ministerien" sorgten für Wirbel. Für Mittwoch ist Gorbach geladen.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Wien. Der zweite (medien-)öffentliche Sitzungstag im parlamentarischen U-Ausschuss zur Klärung diverser Korruptionsskandale sorgte gleich mehrfach für Aufregung: Einige Zeugen bestätigten, dass sie längst von der Justiz einvernommen worden seien, dennoch wurden dem Ausschuss die entsprechenden Protokolle nicht weitergeleitet. „Das ist völlig inakzeptabel von Justiz- und Innenministerium, wir machen uns ja lächerlich“, wetterte SPÖ-Fraktionsführer Hannes Jarolim. Vertreter von Grünen und BZÖ verlangten daraufhin die Ladung von Justizministerin Beatrix Karl und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (beide ÖVP); das war nach der U-Ausschusssitzung vom Dienstag auch noch Thema einer Fraktionsleitersitzung am Abend.

Inhaltlicher Kern der Ausschusssitzung: Floss von der Telekom Austria mittels des Lobbyisten Peter Hochegger Schmiergeld in Richtung BZÖ – und zwar als Gegenleistung für die 2006 erfolgte Abänderung der Universaldienstverordnung? Ebendiese Regelung hatte sich zum millionenschweren Vorteil der Telekom ausgewirkt, hatte sie dem Unternehmen doch ermöglicht, von anderen Anbietern bestimmte Gebühren zu verlangen.

Telekom-Regulator Georg Serentschy, der seinen Zeugenauftritt in der Vorwoche platzen ließ (unter Verweis darauf, dass er vom Staatsanwalt als Beschuldigter geführt werde), trat diesmal vor die Abgeordneten. Er verteidigte die Verordnung als eine Möglichkeit zur Herstellung fairer Marktbedingungen. Von etwaigen Schmiergeldern will er nichts mitbekommen haben.

Im Gegensatz dazu sprach Peter Pilz (Grüne) von 1,2Millionen Euro, die von der Telekom in Richtung BZÖ geflossen sein sollen. Und fragte: „Warum soll die Telekom das investieren, wenn man nur das kriegt, was völlig legal ist?“ Sodann wollte Pilz von Serentschy wissen, ob der seinerzeitige Telekom-Vorstand „aus lauter Verrückten“ bestanden habe. „Hatten Sie Hinweise darauf, dass Rudolf Fischer (Ex-Telekom-Vorstand, Anm.) verrückt ist?“ Der Zeuge trocken: „Ich bin ja kein Psychiater.“

 

Ex-Kabinettschef als Zeuge

Nach Serentschy trat als Zeuge unter anderem Michael Jungwirth auf, er war früher im Kabinett von Staatssekretär Herbert Kukacka (ÖVP) tätig, wechselte dann zur Telekom. Jungwirth löste Turbulenzen aus, weil er eine Frage von Stefan Petzner (BZÖ) zunächst nicht beantworten wollte. Dieser wollte wissen, ob die Telekom „Zurufe aus ÖVP-Ministerien bekomme“. Dabei las er aus einem Aktenvermerk der früheren Telekom-Sprecherin, wonach der Kabinettschef von Innenministerin Mikl-Leiter, Michael Kloibmüller, der Telekom eine „zu offene Informationspolitik“ im Zusammenhang mit den Affären um Hochegger und den Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly vorgeworfen und mit einer Prüfung der Telekom gedroht habe. Am Ende bestätigte Jungwirth, dass es diese Besprechung mit Kloibmüller gegeben habe, als Drohung habe er Kloibmüllers Worte aber nicht verstanden.

Auch der frühere Kabinettschef von Ex-Infrastrukturminister Hubert Gorbach (FPÖ/BZÖ), Rüdiger Schender, sagte aus – wenn auch dürftig: Mit Hochegger habe es wegen der Universaldienstverordnung keinen Kontakt gegeben, allerdings Gespräche mit dem Abgeordneten Klaus Wittauer (BZÖ), weiteren Parteienvertretern und alternativen Netzbetreibern. Die Verordnung sei „keine außergewöhnliche Novelle für uns“ gewesen. Von Zahlungen an das BZÖ wollte Schender nichts wissen: Er „hatte davon keinerlei Wahrnehmung“, so der Ex-Kabinettschef, der Anwalt ist.

Für heute, Mittwoch, ist Exminister Gorbach geladen. Seine frühere Sekretärin hätte bereits am Dienstag aussagen sollen, gab dem Parlament aber (aus beruflichen Gründen, wie es hieß) einen Korb.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.02.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

43 Kommentare
 
12
1 0

was soll die ÖVP sonst machen?

sie müssen die Beweise gegen sich selbst zurückhalten.
Mickl L ist als altes Schlachtroß solche Machenschaft aus NÖ gewohnt, der Karl wird es etwas schwerer fallen, - hoffe ich zumindest.

Österreichische Vertuschungs Partei

Auch wenn ich sonst mit Hrn. Petzner nichts am Hut habe - seiner Wortspende in der heutigen ZiB kann man getrost zustimmen.

Molterer - Kasperltheater mit geschwärzten Akten aus dem Finanzministerium : ABGEWÄHLT

Man kann hoffen, dass die ÖsterreicherInnen von diesem Vertuschungskartell die Nase gründlich voll haben.


Gast: G.F.-W
01.02.2012 18:35
0 0

Nur so zum Thema Justiz

Nur so nebenbei: was ist eigentlich aus der causa NK. bzw. den dabei erhobenen Vorwürfen an Staatsanwälte geworden?

Gast: hugo1221
01.02.2012 14:57
1 2

parteiprotektorat

wenn man den lebenslauf von hrn. jungwirth studiert, weiß man wie man in ösistan karriere macht: durch familiäre beziehungen die einen in den ÖVP dunstkreis bringen, von dort aus geht es dann munter weiter wie gehabt: RAIKA, Ministerium, Aufsichtsrat der ASFINAG BetriebsgesmbH, Telekom Austria (das feigenblatt alias "privatwirtschaft").

ein parteigünstling wie er im buche steht.

Antworten Gast: Niederösterreicher
01.02.2012 16:48
1 1

Re: parteiprotektorat

Die "fetten" Posten sind zur Zeit von den Roten besetzt!

Ein Studienabbrecher als Bundeskanzler!
Übrigens; zu Niko Pelinka fällt Ihnen gar nichts ein?

Antworten Gast: Saiffenstayn
01.02.2012 16:04
0 0

Re: parteiprotektorat

Privatwirtschaft heißt ja nicht "ohne politischen Einfluß" sondern "keine politische Kontrolle möglich"
........

Gast: Plach2
01.02.2012 13:04
1 1

Strasser wurde von LH Pröll (ÖVP NÖ) entsandt, Grasser sollte auf Wunsch von Pröll sogar ÖVP Obmann werden.....

Mikl-Leitner (ÖVP NÖ) wird daher noch lange jede Aufklärung "verhindern".

Antworten Gast: Luzifer
01.02.2012 16:56
1 0

Re: Strasser wurde von LH Pröll (ÖVP NÖ) entsandt, Grasser sollte auf Wunsch von Pröll sogar ÖVP Obmann werden.....

Warten wir doch einmal aber, was bei den strafrechtlichen Ermittlungen überhaupt herauskommt. Bisher wurde nicht einmal Anklage erhoben. Wenn Schüssel von den Anschuldigungen gewußt hätte, hätte er sicher nicht den Vorschlag gemacht! Aber jener Ex-Finanzminister, der strafgerichtlich verurteilt wurde und erwiesenermaßen ein Milliardenvermögen durch die "Vernetzung" in der Partei verdient hat, gilt jetzt als "elder statesman"!

Gast: Baur4
01.02.2012 13:02
1 0

War das nicht zu erwarten?

Noch NIE hat ein solcher Ausschuß etwas aufgeklärt!

Immer wenn es an die Substanz ging, wenn es konkrete Beweise gab, drehten SPÖ+ÖVP in mit ihrer Mehrheit ab.

Nun beschäftigen sich wieder einmal hochbezahlte Politiker und Beamte monatelang auf Kosten des Steuerzahlers und produzieren dabei nichts als "warme Luft".

Gast: Paternoster
01.02.2012 12:41
0 0

Der Zweck heiligt die Mittel.

Dachte sich ein strafender Gott, als er die beiden erschuf.

Gast: Jungunternehmerin
01.02.2012 10:04
0 0

NEIN-sagen will gelernt sein!

Ich bin für mehr Frauen in politischen Führungspositionen - aber wenn sie in ihrer Harmoniebedürftigkeit bei jedem Zuruf der männ. Parteimitglieder strammstehen, dann ist es besser, sie lassen die Finger von der Politik.

Etwas mehr Rückgrat wäre generell sehr wünschenswert!

Antworten Gast: sowasto
01.02.2012 19:43
1 0

Re: NEIN-sagen will gelernt sein!

die beiden werden wohl kaum oft nein sagen müssen.

Antworten Gast: Pervers
01.02.2012 18:46
0 0

Re: NEIN-sagen will gelernt sein!

also ich glaub nicht,dass die viel nein sagen müssen.

0 0

Bricop

Die beiden Damen sind viel zu nett.

Gast: Pastor Hans-Georg Peitl
01.02.2012 07:55
0 2

Wie zu erwarten

Wie zu erwarten spielen wir: Mein Name ist Hase. Ich weiss von nichts.

Euer

Pastor Hans-Georg Peitl
Bundesobmann der
Freiheitlichen Christen Österreichs (FCÖ)
http://www.bedenklich.at

Gast: korrupti
01.02.2012 05:50
3 0

Man hat so das Gefühl, dass man von ganz oben einfach nicht aufklären will.....

Die Ermittlungsberichte (wegen dem organisierten Verbrechen u. Korruption) der Staatatsanwälte an das Justizministerium kommt gleich, wie ein direkter Bericht an die ÖVP Zentrale. Und das ist der eigentliche Skandal!!

Gast: nerodomitis
31.01.2012 23:12
2 0

mafia

was s mid dem Michael Kloibmüller, habens dem leicht im neusiedlersee mit betonpatscherln ausgestelt?

Gast: Gast2
31.01.2012 23:06
5 0

BO

Die Bandion-Ortner war aus heutiger Sicht der Karl anscheinend doch noch haushoch überlegen.

Gast: teut kämpfer
31.01.2012 21:41
3 0

Die einen sind

zu jung,zu schön und zu intelligent, die andern sind halt so. Das Leben ist eben hart.

Antworten Gast: so isses halt
31.01.2012 23:43
1 0

Re: Die einen sind

für die eine hätt i no an posten für a vogelscheuch. naja. die andere kann gegen die dolly ned antreten, is die ja noch gscheiter.

Gast: Gast 2012
31.01.2012 20:49
2 2

ein U-Ausschuss in Österreich

ist fast immer eine lächerliche Politshow auf Kosten der Steuerzahler, die diesmal gut in die Faschingszeit passt...

Das ister Plan:

- Zuerst die Blauen in Grund und Boden zu treten

- Dabei auch die Schwarzen "mit Charme" in die politische Versenkung zu befördern

und

- Dann mit den Grünen die Steuern und Abgaben zu erhöhen

damit man

- Postsozialistische Urständ' mit Rot und Grün feiern kann

Ich hoffe, dass die Mehrzahl der Wähler dies erkennen.

Ein kurzer Blick auf die wirtschaftlichen Daten der schwarz-/blauen Regierung würden einige Klarheit bringen.

Damals überholten wir wirtschaftlich sogar die Schweiz und es gab Geld für alle, die etwas schaffen wollten.

Antworten Gast: borstel
01.02.2012 10:29
0 1

Re: Das ister Plan:

der letzte Satz hat Lücken,er muss gegen Schluss lauten :
...und es gab Geld für alle, die sich etwas beschaffen wollten.
Gelle,so machts Sinn,und es ist wirklich sehr zu hoffen,dass die Mehrzahl der Wähler dies erkennt.
Sie scheinen in dieser Hinsicht resistent.

Re: Das ister Plan:

Ich bin auch dafür, dass Grasser, Gorbach, Strasser wieder Ministerämter bekleiden sollten. Vielleicht noch angereichert mit Blecha und Androsch. Meischberger und Plech als Staatssekretäre und es geht endlich wieder bergauf.

Re: Re: Das ister Plan:

Da fehlen aber noch Sie in der Riege;-) Dann sind wir komplett;-)

Antworten Gast: b754
31.01.2012 21:03
2 2

Re: Das ister Plan:

du bisst ein weltfremder schüsselnostalgiker und der grasser ist natürlich unschuldig und du intelligent

 
12