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Ob Schwarz-Blau oder Rot-Blau: Kluft in FPÖ sprengte Regierungen

03.02.2012 | 18:21 |  KARL ETTINGER (Die Presse)

Kleine Koalitionen. Die Freiheitlichen waren nach ihrem Weg an die Macht oft intern über den Kurs uneinig.

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Wien. Seit die Freiheitlichen in Umfragen sogar der stark geschrumpften SPÖ und damit Platz eins ganz nahe gekommen sind, gibt es für Heinz-Christian Strache und die Seinen kein Halten mehr. Mittlerweile gehört es zum Standardrepertoire des 2005 als blauer Nachlassverwalter von Jörg Haider inthronisierten FPÖ-Chefs, den Kanzleranspruch für seine Partei nach der nächsten Nationalratswahl zu stellen.

Die jetzige FPÖ ist im Frühjahr 2005 als Spaltprodukt nach der Gründung des orangen BZÖ auf der politischen Bühne geblieben: Die Freiheitlichen zerbrachen damals am parteiinternen Unmut über den übermächtigen Koalitionspartner ÖVP und Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Nach Jahren in der Opposition gelüstet es Strache und seinen Gefolgsleuten nun zur Rückkehr an die Macht und an die „Futtertröge“ der Republik.

Im Vergleich zur jahrzehntelangen gemeinsamen Regierung der einst tatsächlich Großen Koalition von SPÖ und ÖVP, durften die Blauen zumindest in Jahren gerechnet nur recht kurz an den Schalthebeln in den Ministerien sein. Es endete stets im Chaos, jeweils mit akuten politischen Überlebensängsten für die FPÖ. Schuld daran war – egal ob nach der ersten kleinen rot-blauen Koalition 1986 oder nach Schwarz-Blau 2002 – die wachsende Nervosität, weil der FPÖ als Folge der Regierungsbeteiligung Wähler in Scharen davongelaufen sind.

1986 hievten die nationalen Kräfte und Kritiker des FPÖ-Regierungsteams im Bund Jörg Haider beim Innsbrucker Parteitag an die FPÖ-Spitze. 2002 kam es mit Haider als Regisseur im Hintergrund zum Knittelfelder Putsch gegen das Regierungsteam um Vizekanzlerin Susanne Riess-Passer. Wie 1986 kam es zur vorzeitigen Beendigung der Koalition durch den Regierungspartner: 1986 durch Franz Vranitzky, im Herbst 2002 durch Schüssel. Letzterer machte zwar zuerst mit einer stark gerupften FPÖ und danach nur mit dem orangen Ableger in der Regierung weiter.

 

Hoppalas in Serie von SPÖ und FPÖ

Die SPÖ-FPÖ-Koalition unter Regierungschef Fred Sinowatz stolperte ab 1983 von einem Hoppala zum nächsten: Egal ob es der Handschlag von Verteidigungsminister Friedhelm Frischenschlager mit dem verurteilten Kriegsverbrecher Walter Reeder, der verhinderte Bau des Kraftwerkes Hainburg oder die politischen Verstrickungen (Stichworte: Lucona und Noricum) waren. Für die SPÖ ist noch heute schmerzhaft, dass ihr seit damals vorgehalten werden kann, sie habe, als es um den Erhalt ihrer Regierungsmacht ging, nicht gezögert, mit den Freiheitlichen zu koalieren.

Im Jahr 2000 standen die Sozialdemokraten dann freilich bei den Protesten gegen Schwarz-Blau an vorderster Front. Politische Beobachter sind heute noch der Ansicht, die ÖVP-FPÖ-Regierung habe neben der inhaltlichen Übereinstimmung in vielen Punkten– von der Privatisierung bis zur Stärkung der Wirtschaft – aus zwei Gründen gut funktioniert: In der Anfangsphase schweißten die EU-Sanktionen gegen Österreich die beiden Parteien enger zusammen. Später, als in der FPÖ intern bereits ein Erodierungsprozess im Gange war, habe die ÖVP das Kommando in der Regierung gehabt und einen Teil der blau-orangen Ressorts de facto durch ihre Regierungsmitglieder mitgeführt.

 

Späte Aufarbeitung der FPÖ-BZÖ-Ära

Der Bruch von Rot-Blau und die Neuauflage der Großen Koalition unter Franz Vranitzky und Alois Mock ab Jänner 1987 verhalfen der einstigen dritten Kraft im Hohen Haus unter Haider zu einem ungeahnten Höhenflug. SPÖ und ÖVP waren mitunter die besten Wahlhelfer für die Blauen: egal ob es sich um die Privilegien in der SPÖ-dominierten Arbeiterkammer (Stichwort: Rechberger) oder um das „Obmann-Morden“ der schwächelnden Volkspartei handelte. Bei der Nationalratswahl 1999 hatte Haiders FPÖ dann SPÖ und ÖVP aufgerieben.

Die unerfreulichen Hinterlassenschaften der schwarz-blau-orangen Regierungszeit von 2000 bis Anfang 2007 liefern derzeit gerade dem Korruptionsuntersuchungsausschuss und der Justiz jede Menge Arbeit. Das überdeckt freilich, dass sich Schwarz-Blau selbst von Massenwarnstreiks nicht von Pensionsreformen abbringen hat lassen, die derzeit bei den Beratungen von SPÖ und ÖVP beim Steuer- und Sparpaket gar nicht erst auf dem Verhandlungstisch landen.

Das 1999/2000 herrschende Grand-Canyon-tiefe Misstrauen zwischen Politikern von SPÖ und ÖVP ist bis heute nicht überbrückt, auch wenn Bundeskanzler Werner Faymann 2008 einen rot-schwarzen Kuschelkurs ausgerufen hat. Wenn es sich nicht gerade um eingefleischte Großkoalitionäre in der ÖVP wie Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl handelt, wird gern das gute Gesprächsklima mit der FPÖ betont.

Dabei liegt die Strache-FPÖ inhaltlich mit ihrer globalisierungskritischen Linie und dem Aufziehen eines Schutzes für den „kleinen Mann“ der SPÖ näher als Teilen der ÖVP. Umso mehr ärgert Strache, dass die SPÖ – etwa bei der Kür von Alexander Wrabetz zum ORF-Chef – zwar Unterstützung der FPÖ sucht, ihm Faymann öffentlich aber demonstrativ die kalte Schulter zeigt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)

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22 Kommentare
Gast: Saiffenstayn
04.02.2012 16:08
0 0

Die "schwarze-(blaue) Pensionsreform

war doch ein Desaster, weil sie hätte ja die Pensionen langfristig sichern sollen,
aber die "schwarzen" Bünde habe ihr Klientel geschont, und mit nicht weingen Ausnahmen geht dort das alte Spiel weiter, ....

aber die ASVG-ler hat man hart drangenommen ...

die von der FPÖ so dringend geforderte Zusammenlegung aller Pensionskassen kam natürlich nicht6, bzw. nur bei Arbeiter und Angestellten ,
während es bei SVBauern und SA-Gewerbe nicht funktionieren wollte, obwohl dort doch die "Schworzn" unter sich waren, ...
aber die fetten Pfründe waren den Bünden wichtiger und ausserdem wurden dort die beibehaltenen Privilegien "verwaltet";
noch immer gehen Bauern mit 58 und Bäuerinnen mit 56 in Pense ------


Ilka
04.02.2012 14:21
3 0

2005 vergessen?

Schon mal was von Knittelfeld und der Trennung gehört?

Diese Freiheitlichen haben ihre Reinigungskur - vor der sich Rot und Schwarz so drücken - längst hinter sich!

"Für die SPÖ ist noch heute schmerzhaft, dass ihr seit damals vorgehalten werden kann, sie habe, als es um den Erhalt ihrer Regierungsmacht ging, nicht gezögert, mit den Freiheitlichen zu koalieren."

das konnte sie sich allerdings schon seit kreisky vorhalten lassen, der als machtpolitiker auf dem weg zur alleinregierung für seine minderheitenregierung die unterstützung friedrich peters beanspruchte.

finde dabei auch recht paradox, wie in der heutigen spö kreisky-nostalgie und fpö-abgrenzung hand in hand gehen - der övp noch immer schwarz-blau vorzuhalten, während man selbst tief in diesem schema verwurzelt ist, wirkt irgendwie scheinheilig.

im übrigen - finde ich - hat die fpö schon damals nicht sonderlich klug agiert, als sie als steigbügelhalter kreiskys vorgezogene neuwahlen unterstützte als die zeichen für die spö-absolute günstig standen.

Antworten erxxich
04.02.2012 16:21
1 0

Volle Zustimmung !!!


Gast: ein Wähler
04.02.2012 11:27
3 0

Kleine Koalitionen. Die Freiheitlichen waren nach ihrem Weg an die Macht oft intern über den Kurs uneinig.

dem verfasser ist in jedem seiner Sätze anzumerken, wie verabscheuend er die fpö empfindet.

Darunter leidet zwar nur die objektive Berichterstattung aber was solls, solange man dafür sogar entlohnt wird, bleibt es eben dabei: die freiheitlichen sind perse schlecht, und nur die roten und schwarzen eventuell die grünen sind doch die besseren ?

Antworten Gast: Silberfuxx
04.02.2012 16:11
1 0

Re: Kleine Koalitionen. Die Freiheitlichen waren nach ihrem Weg an die Macht oft intern über den Kurs uneinig.

die FPÖ ist ohne Abstriche das "Nazi-Lager" und kann sich nicht davon trennen obwohl in der Zeit vor 1920 die "Deutschgesinnten" und davor die"Liberalen" durchaus ganz anders waren, aber daran wollen Graf und Burschenschafter gar nie erinnert werden,
... die bleiben im Sumpf lieber unter sich -....

Re: Kleine Koalitionen. Die Freiheitlichen waren nach ihrem Weg an die Macht oft intern über den Kurs uneinig.

entschuldigen sie, aber das wirkt etwas paranoid auf mich.

sie lesen wohl mehr heraus, als da steht.

Luzius
04.02.2012 11:17
2 0

Die jetzige FPÖ ist im Frühjahr 2005 als Spaltprodukt nach der Gründung des orangen BZÖ auf der politischen Bühne geblieben

danke Hr Ettinger, wir wissen wie Sie zu den Freiheitlichen stehen, und jede Kritik an ihren bevorzugten Farbkreationen per Zensus abschmettern.

wellington
04.02.2012 09:58
0 0

Wenn die Kluft in der FPÖ Regierungen sprengte,


wellington
04.02.2012 09:51
7 0

Wenn die Kluft in der FPÖ Regierungen sprengte,

zeigt es doch lediglich die einfache Tatsache, dass eine politische Veränderung innerhalb der FPÖ jederzeit möglich ist.
Das kann man sonst von keiner Partei behaupten, denn dort wird jeder Abgeordnete zum einfachen und hochbezahlten Stimmvieh
degradiert. Der Wille des Souveräns hat am Tag nach der Wahl keinen Wert mehr-obwohl ihm vorher anderes zugesichert wurde.
Alleine die Definition der Eigenschaft "regierungsfähig" unserer Parteien zeigt, wie naiv man den Souverän einschätzt: Man suggeriert dem Bürger, dass eine FPÖ regierungsunfähig sei, weil sie die einzige dynamische Partei ist. Weil das nicht reicht, wird der FPÖ noch Naziverhalten angedichtet. Oder mit anderen Worten: Wählt man GRÜN/ROT/SCHWARZ hat man teures Stimmvieh im Nationalrat sitzen, wählt man FPÖ muss mit Veränderung gerechnet werden.
Was soll daran schlecht sein?
Im Übrigen sind nur politische Mehrheiten regierungsfähig, die Unfähigkeit zu regieren kann nur der Regierung zugesprochen werden.
Weiters würde die Liste der Beanstandungen bei SPÖVP ganze Bücher füllen.
In noch weiterer und genauer Betrachtung der vergangenen politischen Tatsachen kann es einem nur schlecht werden - da wurde 2000 stets von Demokratie gesprochen, dafür hat Österreich Sanktionen kassiert - das zeigt das wahre Gesicht der gesamten linken Riege. Die größte Schande war für mich die bei der EU um Sanktionen bettelnde, österreichische linke Parteilandschaft! Das vergesse ich niemals!!

Antworten Gast: hansK.
04.02.2012 12:11
3 0

Re: regierungsunfähig

Ja, in einer Demokratie ist das Volk der Souverän, und wenn sich das Volk für Strache und Co entscheidet, haben die hohen Damen und Herren das zu respektieren. Sollte die FPÖ tatsächlich regierungsunfähig sein (nebenbei: Wie "regierungsfähig" ist eigentlich unsere momentane Regierung?), wird sie halt bei der übernächsten Wahl wieder abgewählt.
Nicht dass ich ein besonderer Fan des rechten Lagers wäre- aber so funktioniert Demokratie nunmal!

Antworten Antworten erxxich
04.02.2012 16:26
2 0

Unfähiger Diletantelstadl

Bin kein FPÖ-Fan aber schlechter als unser momentaner Hobbypolitikerverein sprich Regierung, kann es nicht mehr werden !!!

Antworten Luzius
04.02.2012 11:33
2 0

Re: dafür hat Österreich Sanktionen kassiert - das zeigt das wahre Gesicht der gesamten linken Riege.

darüber wird seit langem schon gar nicht mehr geschrieben; warum wohl ?!

weil verboten ?
Angst vor Förderverlusten ?

Gast: Lukas
03.02.2012 21:25
9 3

hallo Herr Ettinger

wollen Sie die "Futtertröge der Macht" auch weiter einer völlig unfähigen und unwilligen SPÖVP-Regierung anvertrauen, die Österreich sehenden Auges an die Wand fahren?

Antworten Gast: Saiffenstayn
04.02.2012 16:14
0 0

Re: hallo Herr Ettinger

was würde die FOÖ anders machen ??

Flott und schneller zugreifen !
Absahnen wo geht !

und schneller an die Wand fahren!

Welche Konzepte hat die FPÖ?
Raus aus den Euro - mit einer festen Wechselkursbindung an die DM ??

Raus aus der EU ?? weil wir ja den Aussenhandel so nicht brauchen ?

also ausser an die "Futtertröge" will die FPÖ gar nix !

Gast: hunter666
03.02.2012 21:02
4 7

Kluft in FPÖ sprengte Regierungen???

wohl eher die Unfähigkeit und Inkompetenz der FPÖ Politiker, wenn sie Veranwortung zeigen müssen, anstatt Stumpfsinn zu labbern

Gast: Leser
03.02.2012 20:14
12 1

2000 bis 2007 wird aufgeklärt -gut

aber wo ist die Aufklärung von der 70iger, 80iger 90iger und seit 2007???

Antworten Gast: oko
04.02.2012 06:28
1 0

Re: 2000 bis 2007 wird aufgeklärt -gut

welcher politiker ist denn in den letzten jahren in knast gelandet

verdie´nt hättens einige

Gast: FPÖ Wähler
03.02.2012 20:12
10 3

Da schauen die Rotschwarzgrünen!

Da gibts in einer Partei auch mehr Meinungen...nicht wie in den anderen Nordkoreaparteien...

Antworten andizunda
04.02.2012 06:38
0 0

Re: Da schauen die Rotschwarzgrünen!

mein lieber! schweigen sie zum thema nordkorea und zwar ihrer unbedarftheit zu schulden. nur eines noch, dort gibt es genau eine partei...

Erich Bahn
03.02.2012 19:00
6 7

Schattenkabinett

Schon vor geraumer Zeit, vielleicht vor einem Jahr hörte ich in einem Interview mit HC Strache, er würde sein "Schattenkabinett" den Österreichern vorstellen.

Grund war die Nachfrage nach möglichen ministrablen Persönlichkeiten seiner Partei.

Bis jetzt gibt es keine Veröffentlichung.
Warum?

Antworten dadada
03.02.2012 19:51
5 5

Re: Schattenkabinett

Das hat einen ganz einfachen grund:

Strache hat keine mannschaft.

sollte er jedoch namen angeben zerreist es die blauen wieder!

Mein Parlament