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U-Ausschuss: Das „System Telekom“ lief wie geschmiert

15.02.2012 | 18:27 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Eine neue Zeugin bestätigt, wie mittels „komplett erfundener“ Rechnungen Telekom-Geld in den Wahlkampf von Justizministerin Gastinger floss. Letztere zeigt sich weiterhin ahnungslos.

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Wien. „War Ihnen klar, dass es sich um verbotene Parteienfinanzierung handelt?“ – „Das möchte ich nicht beantworten.“ Dieses Terrain war der als Zeugin geladenen Werberin Tina Haslinger am Mittwoch im parlamentarischen U-Ausschuss dann doch zu heikel. Der Fraktionsführer der Grünen, Peter Pilz, bohrte auch nicht weiter nach. Davor allerdings hatte Haslinger schon sehr viel beantwortet: Nämlich wie die Telekom Austria im Sommer 2006 den – letztlich abgebrochenen – Vorzugsstimmenwahlkampf der damaligen BZÖ-Justizministerin, Karin Gastinger, finanzierte.

Und so entstand am Mittwoch im altehrwürdigen Budgetsaal des Parlaments erneut ein dramatisches Sittenbild, basierend auf einem augenscheinlichen Grundelement: hier Geld, da politische Gefügigkeit. Man erfuhr, wie im Juli 2006 eine „kleine“ Werberin ihren ersten Großauftrag bekam – einen Auftrag, mit dem Haslinger als Agenturchefin den Weg in die Selbstständigkeit wagte. Man erfuhr auch, wie „das Ganze dann in eine komische Richtung gegangen ist“ (Zitat Haslinger). Und wie am Schluss ein Großteil des an die kleine Agentur überwiesenen Geldes – insgesamt waren es 240.000 Euro gewesen – weitergeschoben werden musste. An die BZÖ-nahe PR-Agentur der Brüder Schmied.

Von dort wiederum lief die auf Wanderschaft befindliche Summe, etwa 200.000 Euro, an das – damals voll im Wahlkampf befindliche – BZÖ. Das Geld kam von der Telekom Austria. Geld, das, so bestätigen Zeugen vor dem U-Ausschuss, vom damaligen Tiroler BZÖ-Mandatar und BZÖ-Telekom-Sprecher, Klaus Wittauer, gleichsam organisiert worden war.

Die Geschichte rund um die noch unbeantwortete Frage nach verbotener Parteienfinanzierung erinnert auch frappant an das Entstehen jener für die Telekom finanziell einträglichen „Universaldienstverordnung“. Für dieses 2006 gebastelte Regelwerk (es erlaubt der Telekom, von privaten Telefonie-Anbietern bestimmte Gebühren zu kassieren) soll Ex-Infrastrukturminister Hubert Gorbach (BZÖ) nach seinem Ausscheiden aus der Politik Gelder kassiert haben. Gelder, die auf Vermittlung des Lobbyisten Peter Hochegger über eine Firma einer früheren Gorbach-Sekretärin gelaufen sein sollen. Insgesamt soll die Telekom in dem Fall 268.800 Euro lockergemacht haben, ein Gutteil soll Gorbach zugutegekommen sein. Gorbach sagte bereits vor dem Ausschuss aus, er habe „keine Wahrnehmungen über diese Zahlungen“. Ansonst pochte er auf sein Recht zu schweigen.

Aber zurück zu Gastinger. Die Ex-Ministerin zeigte sich am Mittwoch mehr oder minder ahnungslos. Ja, sie sei dem Rat ihres Pressesprechers Christoph Pöchinger gefolgt und habe Mitte 2006 einen Vorzugsstimmenwahlkampf begonnen. Wer bezahlte? „Ich ging davon aus, dass das BZÖ-Geld ist.“ Alles sei über Wittauer gelaufen (sein Zeugenauftritt im U-Ausschuss ist für den 27.Februar geplant). Die mittlerweile als Unternehmensberaterin tätige Ex-Ministerin weiter: „Ich hatte keine Sekunde irgendeinen Zweifel daran, dass irgendwo irgendetwas Illegales sein könnte.“

Wer also in Gastingers unmittelbarem Umfeld musste davon wissen, dass der Vorzugsstimmenwahlkampf von der Telekom finanziert wurde? „Herr Pöchinger“, sagt Werberin Haslinger. – Und was sagt Herr Pöchinger? Ja, gewusst habe er dies irgendwann schon, wohl irgendwann im August 2006. Aber erfahren habe er dies von Haslinger. „Frau Haslinger hat mir gegenüber aufgedeckt, wer dahintersteckt.“

Dies empörte nun Frau Haslinger. Sie sprach gar von Lüge. Es sei Pöchinger gewesen, der ihr vorsorglich angekündigt habe, dass bald 240.000 Euro von der Telekom auf ihrem Agenturkonto einlangen würden. Praktischerweise waren vorher von der Telekom Rechnungsvorlagen übermittelt worden. Haslinger: Die angeführten Leistungen hatten mit meiner Arbeit nichts zu tun.“ Dennoch habe sie die Rechnungsvorlagen „eins zu eins übernommen“. Eilig habe sie an einer Wahlwerbekampagne für die damalige Justizministerin zu arbeiten begonnen.

Die Sache mit den erfundenen Rechnungen erinnerte an den Auftritt des Werbers Kurt Schmied. Dieser hatte der Telekom gar 720.000 Euro verrechnet. Zum Schein. In Wahrheit sei das Geld zum Großteil an das BZÖ weitergeleitet worden, so Schmied. Mit den Rechnungen habe auch er sich nicht lange aufhalten müssen. Schmied am Dienstag vor dem U-Ausschuss: „Die Telekom hat mir einen Rechnungsentwurf geschickt, den hab ich auf unser Briefpapier kopiert und an sie zurückgeschickt.“

Spannung vor Hochegger-Auftritt

Letztlich war Schmieds Adresse aber, wie erwähnt, auch für Haslinger relevant, wurde ihr doch unmissverständlich erklärt, dass sie den Großteil der erhaltenen 240.000 Euro an ebendiese Agentur weiterzuschleusen hatte. Denn nachdem Gastinger aus dem BZÖ ausgetreten war, wenige Tage vor der Wahl, hatte BZÖ-Wahlkampfleiter Gernot Rumpold konsequenterweise das der Partei „gewidmete“ Geld für ebendiese beansprucht.

Rückblickend sagt Gastinger nun, das BZÖ sei schon damals ein „notwendiges Übel“ gewesen. Der BZÖ-Abgeordnete Stefan Petzner hegt nun den Verdacht, dass ein fliegender Wechsel Gastingers zur Volkspartei geplant gewesen sei. Denn: Fest stehe, dass „die ÖVP-Agentur ,media select‘“ zwei Gastinger-Inserate noch nach deren Ausscheiden aus dem BZÖ bezahlt habe. Heute, Donnerstag, steht der Auftritt des Lobbyisten Peter Hochegger am Programm. Zudem wurde überraschend Telekom-Boss Hannes Ametsreiter geladen (Zum Live-Ticker).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2012)

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84 Kommentare
 
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Blauäugig!

Aber bitte nicht als Justizministerin!

Gast: Tokarev
17.02.2012 22:04
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Mein Gott, die Gastinger..

Ganz Österreich hat sich gefragt, wie sie Ministerin werden konnte. Jetzt wissen wirs: Mit Blauäugigkeit.


Gast: Patronagesystem
16.02.2012 19:39
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Diese sonderbare Schweigeoption macht den U-Ausschuß zur Farce

Wohlweislich fehlen in unserem Hendldieb-Strafgesetzbuch durchsetzbare Sanktionen für korrupte Politiker mit bestvernetzten, gevieften Rechtsanwälten, sodaß es mangels strafrechtlichem Tatbestand zu gar keiner Verurteilung kommen kann (vgl. causa Strasser)!! Dank diesem mustergültigen Versäumnis können die Insider-Seilschaften ungestört fröhlich weiter plündern. Es wird ihnen gewiß kein Haar gekrümmt.

Dieses manus manum lavat ist nicht von heute auf morgen entstanden, sondern wurde m.E. spätestens seit Olah, Androsch und dem Club 45 (einem Selbstbereicherungsringelspiel) mit viel Chuzpe installiert. Der ganze Wiener Staatsdienst hat objektiv betrachtet eigentlich schon seit der Habsburgermonarchie seine einschlägigen Traditionen. An diese Wiener Spezifika und Dysfunktionen gewöhnt und angepaßt, gibt es keinen einzigen Moralapostel mehr, der die bewährten Usancen und Traditionen auch nur kritisieren würde. In altbewährter Weise läuft alles wie geschmiert. Man denke nur an die sonderbare Praxis bei den Ausschreibungen. Es beginnt bei kleinen Gefälligkeiten und führt zu etablierten mafiotischen Strukturen, wie wir sie jetzt kennenlernen. Doch keine Angst. Niemandem der Mitspieler passiert etwas, nur der Whistleblower könnte verunglücken. Mit altbewährter Methodik werden die Täter geschickt als Opfer dargestellt, trickreich demonstriert, daß doch gar nichts auch nur zu leisester Kritik Anlaß gebendes geschah. Schließlich hat man es mit versierten Kadern zu tun.

Gast: Ferdinand35
16.02.2012 17:42
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nicht sagen wollen

wie kann es sein, dass man im U Ausschuss nichts sagen muss weil man nicht will ... ???? Alles abgesprochen ....da wird niemanden etwas passieren .. mir tun die ganzen Mitarbeiter des Unternehmens leid, die das alles ertragen müssen. Die fühlen sich sicher genauso betrogen und belogen. Pfui kann man nur sagen

Gast: Ferdinand35
16.02.2012 17:38
0 0

nicht sagen wollen

wie kann es sein, dass man im U Ausschuss nichts sagen muss weil man nicht will ... ???? Alles abgesprochen ....da wird niemanden etwas passieren .. mir tun die ganzen Mitarbeiter des Unternehmens leid, die das alles ertragen müssen. Die fühlen sich sicher genauso betrogen und belogen. Pfui kann man nur sagen

Und die war Justizministerin.....der absolute Wahnsinn


Gast: Wonderer
16.02.2012 16:32
0 0

Pöchinger und die Wahrheit

Pöchinger wurde wegen Falschaussage bereits zu 6 Monaten bed. verurteilt. Da erscheint auch
seine angebliche Verprügelung durch den Leibwächter in der Wahlnacht in einem eigenartigen Licht. Vielleicht ist er nur besoffen am Heimweg hingefallen.

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Sie scheint auch nicht das hellste Licht im Kronleuchter zu sein.


Gast: Hans P.
16.02.2012 09:48
2 1

übersetzt

Bei uns wird blauäugig gemeinhin mit dumm überstzt.
Die biedere Hausfrau vom Lande als Justizministerin,sowas gibt es nur in Österreich.

Gast: na bumm
16.02.2012 08:56
2 0

Liest man das, erkennt so mancher, welch harmlose Hascherln wir abgezockten Schuldknechte sind

Da ging es ja bunt zu

Und von solchen gedächtnislosen Almerln lassen wir uns schickanieren und ausnehmen

Gast: justzia
16.02.2012 01:38
5 0

und damit kommt grasser frei

je mehr stress den gerichten aufgebürdet wird, desto eher kommt der saustall ungeschoren daran vorbei.

2 1

Wenn ich an die Steuergelder denke die die Trutschn gekoste hat


dann möchte ich ihr am liebsten (denn selbst die sind von ihr erlogen) die fehlenden blauen Augen eigenhändig und einigermaßen dauerhaft, verpassen.

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Ansaufen ist für den Bürger keine Lösung

aber es hilft.

Antworten Gast: Alles klar
16.02.2012 09:27
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Re: Ansaufen ist für den Bürger keine Lösung


Die Lösung:

Keine Stimme für FP-BZ-ÖVP !!!

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"Nehme ich gerne hin, dass ich blauäugig war!"

Darf es ein wenig mehr sein, Frau Gastinger?
Kein Bedauern, keine Reue darüber, dass es passiert ist.
Da darf man schon verwundert darüber sein, dass die Frau Gastinger anscheinend noch immer nicht "behirnt" um welchen Schaden es da geht. Nicht nur finanziell sondern auch politisch! Denn, wenn wir von lauter solchen Politikerinnen und Politiker regiert werden muss man ja schon bald daran zweifeln ob diese ihr Hirnkästel selbstständig einschalten können.
Ansonsten braucht man sie nicht, denn nur um Vorgaben erfüllen zu können dafür sind sie zu teuer.

Gast: schreker
15.02.2012 22:51
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Na servas.

Wenn sich schon die BZÖ-Winzlinge so aufgeführt haben, dann kann man sich ja wunderbar ausrechnen, was SPÖ und ÖVP schon seit Jahrzehnten treiben...nur, daß die halt chronisch in der Regierung sitzen und deshalb keine Aufdeckerei fürchten müssen - im Zweifel macht man halt ein Gesetz, wo drin steht, daß das eh alles in Ordnung ist. Vielleicht fürchten sie sich deshalb so vor der Entmachtung, weil dann zuviel herauskommen würde?

3 0

Fazit: Jeder brav Steuer zahlende Bürger ist ein dummer, kleiner Kaschperl ...


... und die Nehmer lachen sich bucklig und lügen mit einem Aufenzwinkern, dass sich die Balken biegen.

Wie lange lassen sich die Bürger das eigentlich noch gefallen??? Die Upper-Class saugt das Land aus und alle schauen zu.

Ah ja - und ich wäre für angemessene körperliche Strafen für die feinen Herrschaften: als Austauschhäfttlinge nach Sibirien oder China - es muss so richtig weh tun. Denn diese kriminellen G'fraster sitzen das alles aus und kommen mir bedingt davon.

An den öffentlichen Pranger mit ihnen.


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Re: Was mir sonst noch zu dem Thema einfiele, fällt unter Volksverhetzung - wäre aber mehr als angemessen.


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Da fehlen einem die Worte!


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Von Selstständigen Denken noch nie was gehört Frau Gastinger?

und von Verantwortung ganz zu schweigen, "Verantwortung" heißt Antwort geben können!

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Von einer Ministerin als Quereinsteigerin, die es ganz normal findet, dass ihr Pressesprecher für den Wahlkampf arbeitet sollte man eigentlich die Finger lassen!

Doch es bestätigt sich mir der Eindruck, dass das damals so beabsichtigt war Leute auf Sesseln zu setzen, denen man Alles vorschreiben musste. Passt jedenfalls zu SchüsselsCoRegierung. - Und, wo bitte ist der Molterer? Warum er als ehemaliger Finanzminister schweigt, das fällt gar nicht einmal auf!

Schöne PolitikerInnenpartie damals! - Und der kleine Mann soll die Zeche dafür zahlen, damit für die Nachfolgegeneration der Politiker & Politikerinnen noch genügend Schmiergeld übrigbleibt. So war es ja doch gemeint Herr
Molterer?

Gast: Suche Demenz-Coach: strebe Ministerpension an
15.02.2012 22:18
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Erschreckend, von welchen Alzheimercliquen wir uns widerstandslos ausplündern lassen!?


Österreichische Leistungsgesellschaft:

# Ministerposten reserviert nur für Demente

# Enorme "Leistung"sgehälter nur für "wos woa mei Leisdung?"

# Wer nicht unter diese beiden Kategorien zu subsumieren ist, muß um einen Hungerlohn hackeln bis zum budgetschonenden Umfallen.

Gast: gast45
15.02.2012 21:36
1 0

ja die juristen ..

meistens erinnern sie sich nicht, oder haben keine wahrnehmung dazu ..
da ist die blaue kontaktlinsenvariante ja direkt orignell :-)

Gast: b754
15.02.2012 21:30
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schüssel will klagen

das heißt dass alles stimmt

Eines würde ich schon gerne wissen

Warum braucht man dazu einen parlamentarischen U-Ausschuss? Wir haben doch eine Polizei und eine Justiz. Was haben die gemacht? Däumchen gedreht?
Im Grunde wird mir nur mehr schlecht, wenn ich das alles lese. Allerdings sind das wahrscheinlich nur die kleinen Fische. Auf anderen Ebene lief und läuft es wohl viel schlimmer.

Mein Name ist 'Hase' und die eines Balkanstaates unwürdige Justiz schaut tatlos zu !!!!


 
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