[Ried] 1800 Teilnehmer, 1600 Liter Bier, 1500 Portionen Heringkäse und knapp drei Stunden politische Kampfansagen und Verbalattacken: Das sind die Eckdaten des Politischen Aschermittwochs der FPÖ in Ried. Schon lange bevor Heinz-Christian Strache von seinen Anhängern unter HC-Rufen beklatscht den Saal der Jahnturnhalle betritt, ist die Luft zum Schneiden. Zigaretten, Bier, Trachtenjanker und blauer Schal gehören zu den Accessoires des vorwiegend männlichen Publikums des Abends.
Im freiheitlichen Quasi-Bierzelt im Innviertel begann Strache mit einer Medienschelte. Unter Beifall des Publikums wetterte er wieder einmal gegen „linke Journalisten“, die einem das Wort im Munde verdrehten: „Je besser unsere Umfragewerte sind, desto aggressiver werden unsere Gegner.“ Dass Bundespräsident Heinz Fischer sich geweigert habe, ihm einen Orden zu verleihen, störe ihn nicht. „Der größte und schönste Orden ist das Vertrauen der Menschen bei Wahlen“, argumentierte der FP-Chef. Und setzte nach: Der Bundespräsident habe die Statur eines Nordkoreaners und die Gesinnung eines KP-Funktionärs.
Regierung voller „Hofnarren“
Die Regierung bezeichnete er als Ansammlung von „Hofnarren“, die das ganze Jahr das Faschingskostüm nicht ausziehen. Das Sparpaket sei in Wahrheit ein Belastungspaket, wetterte er weiter. „Das Qualitätsmerkmal der Regierung ist ein Triple U: unfähig, unfair und unseriös“, erklärte Strache, der erneut die Änderung der Gruppenbesteuerung oder das Durchforsten von Subventionen forderte.
Auch vor dem Sparpaket der Regierung machte der FP-Obmann nicht halt: Dieses sei „ein Faschingskrapfen, den man mit Abfall gefüllt hat."
In Summe gab sich Strache siegesgewiss und listete gleich eine ganze Reihe von Vorhaben auf, die er umsetzen werde, wenn er erst Bundeskanzler sei: So wolle er die direkte Demokratie stärken, die EU-Mitgliedsbeiträge in Frage stellen und aus dem Kyoto-Protokoll aussteigen. „Unser Ziel muss es sein, bei kommenden Wahlen 30 Prozent zu erhalten, am besten eine Verfassungs-Sperrminorität von 33 Prozent. Dann kann uns niemand mehr ausgrenzen“, meinte Strache.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)





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