Telekom will aus Korruptionsaffären 20 Millionen zurück

23.02.2012 | 18:48 |   (Die Presse)

Der Konzern hat in 20 Fällen Anzeigen und Zivilklagen eingebracht. Die Telekom Austria wolle sich zumindest 20 Millionen Euro über Schadenersatzklagen zurückholen. Manager Michael Fischer ist "beurlaubt".

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Wien/Eid. Die Aufarbeitung der Korruptionsaffäre um mutmaßliche Schmiergeldflüsse von der Telekom Austria (TA) an Politiker und Parteien ist im parlamentarischen U-Ausschuss voll im Gang. Aber auch der Konzern selbst ist tätig. „Wir wollen uns zumindest 20 Millionen Euro über Schadenersatzklagen zurückholen“, kündigte Konzernchef Hannes Ametsreiter am Donnerstag an. Diese Summe dürfte sich weiter erhöhen.

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Dazu habe die TA bereits in 20 Fällen Anzeigen eingebracht bzw. sich als Privatbeteiligter diversen Verfahren angeschlossen. Es gehe darum, überall dort Geld zurückzufordern, wo „Zahlungen keiner Leistung gegenüberstehen“. Das betreffe in erster Linie die Geschäfte, die der PR-Mann Peter Hochegger mit den Telekom-Managern Rudolf Fischer und Gernot Schieszler getätigt hat. Projekte im Volumen von neun Millionen Euro, denen keine adäquate Leistung gegenüber stand, hat die interne Revision der TA gefunden.

Es geht aber auch um den Schaden, der durch die Kursmanipulation entstanden ist. Zur Erinnerung: Ein Kurssprung der Telekom-Aktie am 26.Februar 2004, ausgelöst durch eine einzige Aktienorder von Euro-Invest-Manager Johann Wanovits, hat 100 Managern der Telekom Boni verschafft. „Wir haben 1000 Seiten an Unterlagen der Staatsanwaltschaft Wien übermittelt“, sagte Ametsreiter. Man arbeite eng mit den Behörden zusammen.

Der unter Druck stehende Konzernchef räumt aber auch intern auf: „Michael Fischer ist beurlaubt“, erklärte Ametsreiter. Der einstige ÖVP-Direktor, der seit Juni 2007 im Konzern für Public Affairs zuständig ist, geriet gleich mehrfach unter Beschuss: Fischers Name tauchte im Zusammenhang mit Sponsorengeld der Telekom für den Fußballverein SV Sierning auf, bei dem Ex-ÖVP-Chef Wilhelm Molterer engagiert ist („Die Presse“ berichtete exklusiv am 20.August 2011). Fischer ist auch Initiator eines Jagdklubs mit prominenten Mitgliedern, unter anderem dem Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly. Dieser soll mehr als eine Million Euro für „Vermittlerdienste“ beim Zuschlag des Behördenfunkauftrags an das Konsortium Tetron erhalten haben. Fischers Name tauchte zuletzt auch in einigen von 200.000E-Mails der Telekom auf. Darin ist von Zahlungen an die ÖVP die Rede.

Man werfe Fischer nichts vor, aber es habe sich eine ungünstige Optik entwickelt, begründete Ametsreiter die Beurlaubung. Bei Michael Jungwirth sei eine solche Vorgangsweise hingegen nicht notwendig. Jungwirth leitet seit April 2009 die Telekom-Stabsstelle „Strategische Vorstandsagenden“ und war unter anderem Fachreferent im Verkehrsministerium unter Hubert Gorbach (FPÖ/BZÖ). Auch er wird in den E-Mails genannt.

Bis heute wisse man übrigens nicht, welche E-Mails das genau seien. Vermutlich dürften die Schriftstücke aber von Schieszler stammen, der sich der Justiz als Kronzeuge anbietet. Das Beratungsunternehmen BDO Deutschland werde diese E-Mails den Untersuchungsorganen übergeben. Die Ergebnisse der BDO-Untersuchung kenne er nicht, so Ametsreiter. Diese würden auch nicht dem Vorstand, sondern dem Aufsichtsrat vorgelegt, da dieser auch die Untersuchung beauftragt hat.

 

Markus Beyrer verteidigt sich

Telekom-Aufsichtsratschef und ÖIAG-Boss Markus Beyrer, der selbst ins Schussfeld geraten ist, hat sich Donnerstag verteidigt: Er sehe sich durch frühere Jagdausflüge auf Einladung der Telekom nicht befangen. „Ich bin ein überkorrekter Mensch und müsste verrückt sein, wenn ich die Leute, die ich damals kennengelernt habe, jetzt mit Samthandschuhen anfasse“, sagte er zum „Format“. Bei der Telekom „hat ein Kreis von Personen in inakzeptabler Form hinter dem Rücken der Wirtschaftsprüfer und des Aufsichtsrats zusammengewirkt. Das war für den Aufsichtsrat, auch den damaligen ÖIAG-Chef, nicht zu erkennen“. Aufs Schärfste wies Beyrer Vorwürfe zurück, wonach er in seiner Zeit als IV-Generalsekretär „Informant“ der Telekom gewesen sei. Die Information eines Mitgliedsunternehmens der IV – wie die Telekom – gehöre vielmehr zu den Aufgaben einer Interessenvertretung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.02.2012)

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44 Kommentare
 
12
Gast: walti
29.02.2012 17:15
0

20 Millionen zurück

Aus Korruptionsaffären 20 Mill. zurück !!

Ist das nicht ein Schuld-Geständnis ????
der Telekom.
Reicht das nicht für eine Anklage !!!

Gast: Xenophanes
26.02.2012 23:04
0

Vierteltelefone

Dieses Unternehmen ist Jahrzehntelang ein Staatsbetrieb gewesen und sowohl als Kunde als auch als Lieferant selber geschmiert worden (Handaufhalter gewesen) auf Teufel komm raus. Die Arroganz war sprichwörtlich.

Der Übergang in die Phase, in der dieses Unternehmen selber zur Quelle von Schmiergeld geworden ist, ist dementsprechend holprig und unkontrolliert geworden.

Zusätzlich handelt es sich um das Ende des unseligen 30-jährigen Kreisky-Filzes und damit verbunden die völlig ungeübten schwarzblauen Politiker "am Nursch", wobei ich annehme, daß denen die alten Hasen gern ein paar Haxln gestellt haben.

Gast: Halbwissen
26.02.2012 13:07
0

20 Millionen sind ca 1 Prozent der geraubten Summe

oder weniger ?

sogar dei Zenzur scheint bereits käuflich erwerbbar zu sein !


Korruption: Telekom will sich 20 Millionen zurückholen

und wann dürfen Automatenspieler ihre Gelder wegen ebenso gekaufter Gesetze einklagen ?!

Ein Beteiligter sitzt heute in Brüssel und bewacht und verteilt sogar Eu-Gelder frei nach Gutdünken und Wünschen der Lobbyisten weiterhin !?

Endlich auf dem Weg zum vollkommenen Rechtsstaat !!!

Endlich wird Bestechung geregelt! Funktioniert sie nicht, wird das Geld zurückgeklagt. War schon mal hoch an der Zeit, diesen Grauzonensumpf trockenzulegen.

Re: Endlich auf dem Weg zum vollkommenen Rechtsstaat !!!

wann bezaht Novomatic s Begünstigter Lobbyist und nun Kommissar in Brüssel, bspw sein Schmiergeld zurück, und gibt es an die Spieler samt Angehörige zurück, welche dafür bluten mussten ?!

Siemens in Deutschland musste heftige StrafZahlungen leisten, hier bleibt sie und andere aber weiterhin völlig ungeschoren ?!

Glaub mir, es kann und wird nichts mit einem funktionierenden Rechtstaat, solange Gesetze von solchen Firmen selbst geschrieben und gekauft, werden können !

ALl die erneuten Ankündigungen sind nichts anderes als Valium fürs Volk, das sich dagegen leider nicht wirklich wehren kann !

Gast: Paul4321
24.02.2012 10:38
1

In Rage ...

Die Telekom will sich "Gesetze" kaufen und besticht Politiker. Das Ganze fliegt auf. So weit so gut und alles ganz normal.
Jetzt aber die Pointe: Der Verursacher, der "Bestecher", also die verantwortliche Führungsebene, wandert jetzt nicht etwa, wie es in einer normalen Gesellschaft selbstverständlich wäre, in den Knast - z.B. wegen Verbrechen gegen die Demokratie, Aushebelung des Rechtsstaats usw., sondern fordert die Gelder wegen "nicht erbrachter Leistung" zurück. Wie krank ist das??!! Ich wäre dafür das die beteiligten Politiker sowie die Verantwortlichen der Telekom in den Knast wandern um ein Exemple zu statuieren!!!

Gast: Paul123
24.02.2012 10:24
0

Sind doch alle die gleichen ...

Die Telekom will sich "Gesetze" kaufen und besticht Politiker. Das Ganze fliegt auf. So weit so gut und alles ganz normal.
Jetzt aber die Pointe: Der Verursacher, der "Bestecher" - der Konzern - also die verantwortliche Führungsebene - wandert jetzt nicht etwa, wie es in einer normalen Gesellschaft selbstverständlich wäre, in den Knast - z.B. wegen Verbrechen gegen die Demokratie, Aushebelung des Rechtsstaats usw, sondern fordert die Gelder wegen "nicht erbrachter Leistung" zurück. WIE KRANK IST DAS??? Ich bin dafür das die Herrn allesamt in den Knast wandern, beteiligte Plitiker sowie Verantwortliche seitens der Telekom!!!!

Warum nur...

.... macht mich der Ausdruck "in bester Kooperation mit dem Staatsanwalt" so skeptisch?

hm ...


Das ist ja einmal ein Anfang ...

Bei den Haftungen bin ich eher skeptisch. Allgemein herrscht auf den Ebenen, wo die Regeln gemacht und ausgenutzt werden, folgendes Prinzip: Gewinne werden einkassiert, Verluste und Risiken auf andere verteilt.

Rückstrittsreif....

Alle beteiligtén Manager sowie alle beteiligten Politiker sind rückstrittsreif.. und schadenersatzpflichtig. Das System Selbstbedienungsladen wir unverfroren weitergeführt..... SPÖ/ÖVP/FPÖ - was gleubt ihr eigentlich????... Schonungslose Aufdeckung und Schadenswiedergutmachung....
An die sogennannte herschende Kaste in diesem Land: Ihr seid demokratisch gewählt und ihr werdet in bälde abgewählt werden. Der Wählerauftrag ist nicht Euch selbst zu bedienen, sondern diesem Land zu dienen. Daß ihr nicht ein wenig Schamgefühl habt....

Wolf62

Bitte Nimm Sich war ein typisches Telekom - Merkmal

Auslandskäufe, die für befreundete Zwischenhändler 100 Prozent gebracht haben, stehen Millionenversluste entgegen.
Hier müsste angesetzt werden, Weißrußland wäre ja ein guter Anfang.
Schwindlige Gewinne Einzelner beim Mobiltelkauf sind auch alles andere als vertrauenserweckend.

Hr. M. Schlick (die 4 da in yooutube)
http://www.youtube.com/watch?v=P1-dr_zqQyA
könnte da viel erzählen, wenn er wollte.

Und dann kommt noch die Beraterfirma Mach - Kasperl mit ihren hochqualifizierten Experten ins Spiel.
Raus mit 1000 Beamten, sind eh nur ca 700 übriggeblieben, für die Rückstellungen gemacht werden mußten.
Haften eigentlich Beraterfirmen oder Manager, Aufsichtsräte und ÖIAG Manager?
Hochqualifizierte Berater sind wohl das dümmste - die verkaufen wohl eher nur Schmähs.
Einer der dümmsten Schulkollegen stand plötzlich im schwarzen Anzug vor mir und ist trotzdem was geworden in so einer Intelligenzschmiede.

Arg was sich da Dr. nennt und dümmer als erlaubt herumschwirrt.

Da freut sich der neue Miteigentümer, der dann alles schlucken wird.


Gast: pächter der wahrheit
23.02.2012 17:11
2

und wie wäre ein Klage

auf Geschäftsschädigung durch die Aktionäre. Die ganze Aktion reduziert ja auch den Good Will des Aktienmarktes.

Re: und wie wäre ein Klage

Das ist auch die einzige logische Klage, da der Geschädigte, die "Telekom Austria AG", aus ihren Aktionären besteht und der Schädiger der Zahler der Bestechungsgelder (für persönliche Gegenleistungen) ist.


Gast: Pips
23.02.2012 15:17
5

Da

entblödet sich ein Geschäftsführer - der selbst einer der Nehmer war - und führt die große Lippe - er werde alles tun um das Geld rück zu holen!! Sowas gibt es nur in Ösistan. Anstatt den Typ sofort einzuziehen und einmal Ihn zur Kasse zu bitten - bietet man ihm noch eine Bühne in Radio und Fernsehen um sein wirres Gestammel zu verbreiten. Irgendwer muss die gelder ja ausbezahlt haben. Solche Beträge überweist ja nicht die Putzfrau aus der Kaffeekassa. Da waren ja Zeichnungsbrechtigte der höchsten Etage massgeblich. Unter anderem er, der Wichtigtuer.

Antworten Gast: Einer aus dem inneren KReis schreibt selbst:
23.02.2012 17:13
1

System A1 Telekom

Das Geld gehört bei A1 immer der Technik. Die Entscheidungen trifft immer das Management, das selbst überhaupt kein Geld hat.

Endlich steht es fest

"Die Telekom" ist unschuldig, der böse Public-Affairs-Manager wars. Hallo?

Ich werde heute mein A1 Handy abmelden - bei meiner Ehr.

Als Telekom-Kunde möchte ich Teile der viel zu hohen Gebührengelder refundiert bekommen, denn eines ist sicher die besagten 20 Millionen sind nur die Spitze des Eisberges !!!!


Antworten Gast: ich auch !!!!
23.02.2012 16:12
3

Re: Als Telekom-Kunde möchte ich Teile der viel zu hohen Gebührengelder refundiert bekommen, denn eines ist sicher die besagten 20 Millionen sind nur die Spitze des Eisberges !!!!


"Zahlungen keiner Leistung gegenüberstehen"

also gibt die Telekom auch Zinsgewinne zurück, oder Gewinne welche durch die Tatsache entstanden, dass geschmiert (sorry, meinte natürlich lobbyiert) aber keine Leistung erbrachte wurde.

Public-Affairs-Manager

Bin so neugierig!

Telekom:
Public-Affairs-Manager Michael Fischer beurlaubt.

ÖBB:
Public-Affairs-Manager Niko Pelinka - Position nach Ausscheiden nicht nachbesetzt.

Findet sich in der ÖBB jemand, der nachschaut, ob der rote Herr Pelinka ähnliches wie der schwarze Herr Fischer geleistet hat?

Re: Public-Affairs-Manager

...was macht man eigentlich als Public-Affairs-Manager?

Gast: Tutenchamun
23.02.2012 14:43
3

Es sind doch eher ca. 5.8 Milliarden Euro

ganz unabhängig von den 2200 Euro der Textbausteine von Monika Langthaler.

Gast: Jaja
23.02.2012 14:09
8

Bestechungsgeld zurückholen??

Will hier die telekom Bestechungsgeld zurückholen, wo der Bestochene nicht das gewünschte durchsetzen konnte??

DAS nennt man Korruptionsbekämpfung auf österreichisch (inkl. der neuen Korruptions-Freikaufoption, welches im Sparpaket versteckt wurde)!!!

Gehts noch ärger???

 
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