Wien/Innsbruck. „Nehmen Sie keine Einladungen von Freunden an.“ Diesen Rat erteilte der mittlerweile ehemalige Tiroler Finanzlandesrat Christian Switak (ÖVP) am Freitag vor Journalisten bei seiner Rücktrittsrede nach mehreren Korruptionsvorwürfen.
Bereits Mitte November war Switak in die Kritik geraten, weil er in einem Penthouse des Seilbahnbetreibers Heinz Schultz vor drei Jahren zu äußerst günstigen Konditionen residiert hatte: „Für die 157 Quadratmeter große Wohnung in bester Lage soll Switak nur 720 Euro bezahlt haben“, sagt Gebi Mair, Landtagsabgeordneter der Grünen zur „Presse“. „Normalerweise würde man in Innsbruck nicht unter 2000 Euro darin wohnen können. Und eigentlich weiß niemand, ob er das Geld nicht auch noch später zurückerhalten hat.“ Das Problem: Switak war als Landesrat auch für Raumordnung und Seilbahngrundsätze verantwortlich. „Außerdem war sein Hauptwohnsitz immer noch im Wohnhaus seiner Eltern gemeldet“, sagt Mair. Laut Switak hätte es aber keine Bevorzugung vom Liftunternehmer Schultz gegeben.
Mit Schieszler zur Jagd?
Damit aber nicht genug: Wie vom Landesrat selbst bestätigt, hat Schultz ihn auch öfter zur Jagd eingeladen. Und auch von Gernot Schieszler, Finanzvorstand der Telekom, soll Switak im Jahr 2007 zur Jagd ins Burgenland eingeladen worden sein. In diesem Jahr war Switak noch Kabinettschef beim damaligen Innenminister Günther Platter – dem heutigen Tiroler Landeshauptmann, der Switak nach den Landtagswahlen im Jahr 2008 von Wien nach Tirol mitgenommen hatte. Die Jagd im Burgenland gehört dem Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly, der in die Telekom-Affäre verstrickt ist. Außerdem ist Mensdorff-Pouilly der Gatte von Ex-ÖVP-Ministerin Maria Rauch-Kallat, die mit Switak jahrelang zusammengearbeitet hat.
Rückblickend hätte Switak „vieles anders gemacht“, trotzdem habe er „zu jedem Zeitpunkt rechtlich und moralisch einwandfrei agiert“. Offiziell tritt der Landesrat freiwillig zurück. Switak sei allerdings von seinen Parteimitgliedern dazu gezwungen worden, behauptet Mair: „Es ist nur die Spitze des Eisberges – der Beginn einer Reihe von Rücktritten.“ Und auch Fritz Dinkhauser, Chef des Bürgerforums Tirol, sieht Günther Platters Position „wanken“: „Switak war seine rechte Hand“, sagte Dinkhauser im Gespräch mit der „Presse“.
Bürgermeister von Hall wird Nachfolger
Switaks Amt übernimmt nun der Haller Bürgermeister Johannes Tratter. Landeshauptmann Platter präsentierte den studierten Juristen nach einem kurzfristig einberufenen Landesparteivorstand am Freitag.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2012)
("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2012)
Von Schüssel bis Martinz: Die schwarze Rücktrittswelle
Baustellen, Pleiten, SkandaleDer US-Präsident ringt um seine Glaubwürdigkeit
Staatsbürgerschaftstest neuKönnten Sie Österreicher werden?
Zitate der Woche''Die Ehre lasse ich mir nicht abschneiden''
X-47BGroßdrohne hebt erstmals von Flugzeugträger ab
''Kim on Tour''Der Diktator als Pappkamerad
