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Abendessen in Sofia mit Ernst Strasser

14.03.2012 | 18:15 |  HEDI SCHNEID, REGINA PÖLL, ULRIKE WEISER UND ZORNITSA MARKOVA (Die Presse)

Der Ex-ÖVP-Innenminister gab sich trotz bohrender Fragen sehr zugeknöpft zu seinen Geschäften als Berater für die Telekom. Die Debatte konzentrierte sich auf zwei Projekte namens „Belvedere“ und „Grand Prix“.

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Wien. Dieses Medieninteresse hätte er sich in seiner aktiven Zeit als ÖVP-Innenminister sehnlichst gewünscht. Als Ernst Strasser an diesem Mittwoch knapp nach neun Uhr im Korruptions-U-Ausschuss erscheint, setzt ein Blitzlichtgewitter ein. Strasser gibt sich fast wie früher: selbstbewusst, distanziert, cool, ein Grinsen auf den Lippen.

Die Hoffnung, dass der am Vortag selbst unter Korruptionsverdacht geratene ÖVP-Abgeordnete Werner Amon die Aufmerksamkeit von ihm ablenken könnte, erfüllt sich nicht. Amon geht an die Arbeit – wie an den Tagen davor. Wobei auffällt, dass diesmal nicht er, sondern Gabriele Tamandl die Fragen der ÖVP an den Zeugen richtet. Strasser muss sich aber erst einmal vom SPÖ-Abgeordneten Hannes Jarolim angreifen lassen. „Wir kennen ja einige ihrer Tätigkeiten aus Videos“, spielt Jarolim auf die Lobbying-Affäre an. In einem verdeckt mitgeschnittenen Video hatte Strasser als EU-Parlamentarier 2011 seine Dienste für eine Gesetzesänderung angedient. Die Affäre löste nicht nur seinen Rücktritt als Europaparlamentarier aus, die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt wegen Korruption und Geldwäsche.

Heute geht es aber um Strassers Arbeit als Berater für die Telekom Austria (TA) in Zusammenarbeit mit dem Lobbyisten Peter Hochegger. Und da gibt es viel zu fragen, immerhin ist bzw. war Strasser nach seiner 2004 beendeten Ministertätigkeit in einem ganzen Netzwerk an Firmen tätig. Allen voran das Investmenthaus VCP (Vienna Capital Partners) von Heinrich Pecina, der später zu Wort kommt. Strasser war, so gibt er selbst an, Geschäftsführer der VCP-Tochter VCP Energy.

 

„Belvedere“ und „Grand Prix“

Die Debatte konzentriert sich auf zwei Projekte namens „Belvedere“ und „Grand Prix“ in den Jahren 2006 und 2007. Das erste betraf die Bündelung der Telekom-Festnetz-Aktivitäten in den Ländern und auf Bundesebene, das zweite den Ankauf eines ausländischen Festnetz-Konzerns durch die TA. In beiden Fällen wurden hohe Honorare vereinbart, so etwa eine Erfolgsprämie von 3,2Mio. Euro für den Fall, dass man den „Grand Prix“ gewonnen hätte. Nichts wurde realisiert.

Immer wieder bohren die Abgeordneten nach, was denn Strassers konkrete Leistung gewesen sei. Da reißt dem einstigen Sonnyboy die Geduld. „Ich verspüre einen unsachlichen Ton in der Debatte“, sagt Strasser zu Jarolim. Mit konkreten Auskünften tut er sich umso schwerer. Auch als es um seine VCP Energy geht, ist Strasser wortkarg: „Wir wollten in Ungarn, Bulgarien und Rumänien mit einem starken ausländischen Energiekonzern Gaskraftwerke bauen.“

Der Grüne Peter Pilz versucht es bei einem anderen Geschäft – und wird fündig. Es geht um Strassers Firma CEE Consulting. Pilz hält Strasser drei Rechnungen zu je 30.000Euro vor, die mit der Hochegger Holding vereinbart worden waren. Die Leistung dafür? Strasser erinnert sich: Es ging um Bulgarien. Hochegger war 2008 von der bulgarischen Regierung beauftragt worden, das Image Bulgariens in der EU angesichts von Berichten über Korruption und organisierte Kriminalität zu verbessern. „Ich habe da viel geleistet, denn ich habe in ganz Europa die meiste Erfahrung in der Polizeiarbeit gehabt“, gibt Strasser zum Besten. Wobei er eingesteht: Er sei zwar nicht in dem Beratergremium gesessen, wie Hochegger in einem Verhör zu Protokoll gegeben hat, er habe auch nicht mit Vertretern des bulgarischen Polizei gesprochen, aber: Es habe ein Abendessen mit dem damaligen Premier Sergej Stanischew gegeben.

 

Ein Dinner um 90.000 Euro

Wenigstens eine indirekte Verbindung zu Stanischew, nämlich über dessen heutige Lebensgefährtin Monika Janowa und über Hochegger, kristallisiert sich am Mittwoch heraus – in Sofia nämlich. Dort hat Janowa in einer Pressekonferenz erklärt, dass sie 2006 bzw. 2008 Subunternehmerin von Hochegger bei zwei Aufträgen des Lobbyisten in Bulgarien gewesen sei. In beiden Fällen (einmal ging es für Hochegger um 500.000Euro, einmal um eine Million) sollte der Lobbyist Imagekampagnen für Bulgarien erstellen. Mit diesen Angaben korrigiert Janowa frühere Aussagen gegenüber der bulgarischen Zeitung „Capital”, der sie gesagt hat, sie habe nie mit Hochegger gearbeitet.

Eine direkte Verbindung Janowas bzw. Stanischews zu Strasser bleibt freilich auch am Mittwoch unbestätigt: Der Expremier hat erst kürzlich gegenüber „Capital“ erklärt, er kenne Strasser gar nicht, er habe ihn nie getroffen. Der österreichische Exminister zu dieser Lücke im U-Ausschuss: „Ich halte das aus. Kein Problem.“ Pilz: „Da habe ich Sie völlig anders in Erinnerung.“ Und weiter: „90.000Euro für ein Abendessen? Das sind vermutlich Scheinrechnungen gewesen, und es ging um eine ganz andere Leistung.“ „Diese Ungeheuerlichkeit weise ich aufs Schärfste zurück“, donnert Strasser zurück. Warum er, Strasser, noch 2009 eine Rechnung an Hochegger stellte, obwohl seine Zusammenarbeit im Bulgarien-Projekt im Frühjahr 2008 geendet hatte, erklärt er aber nicht

Dann will auch noch Stefan Petzner (BZÖ) Auskünfte zu Abendessen – diesmal zu Strassers Besuchen auf dem Schloss des Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly im burgenländischen Luising. Strasser räumt ein, zu zwei Abendessen bei Mensdorff gewesen zu sein – mit ungarischen und tschechischen Politikern. Mehr nicht, „denn ich bin kein Jäger“, sagt er unter Bezug auf die Jagdgesellschaften Mensdorffs.

Konkreter als Strasser wird dann der nächste Kandidat im U-Ausschuss: Heinrich Pecina hat sich – anders als der Exminister – von seiner Verschwiegenheitspflicht gegenüber der Telekom entbinden lassen. Pecina zufolge war Strasser beim Projekt „Grand Prix“ mit nur 3,5 Arbeitsstunden und bei „Belvedere“ mit 40,5 Arbeitsstunden involviert. Strassers exaktes Gehalt will Pecina nicht nennen, es entspreche aber dem eines leitenden Mitarbeiters, also etwa 200.000 bis 400.000 Euro pro Jahr. Pilz will wissen, ob Strasser in seinen drei Jahren bei Vienna Capital Partners für ein Gesamtgehalt von – „nehmen wir mal an: 900.000Euro“ – tatsächlich nur 44 Stunden Arbeit geleistet habe. „Er war nicht total untätig“, sagt Pecina. Politisches Lobbying, stellt Pecina auf Nachfrage Petzners klar, sei aber nicht Aufgabe Strassers gewesen.

Auf einen Blick

Nach Strasser & Co. sind heute u.a. folgende Personen im Korruptions-U-Ausschuss geladen: der frühere Telekom-Chef Boris Nemsic, der Ex-Telekom-Manager und Ex-ÖVP-Mitarbeiter Michael Fischer sowie Gabriela Ullmann von der Agentur White House. Neu für den 21. bzw. 22. März geladen werden u.a. Ex-IV-Generalsekretär Markus Beyrer, der Lobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly, der FPÖ-nahe Werber Gernot Rumpold und seine Exfrau Erika Daniel sowie der Ex-FPÖ-Politiker Walter Meischberger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2012)

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10 Kommentare
Gast: Jo Genau!
16.03.2012 07:50
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„Ich habe da viel geleistet, denn ich habe in ganz Europa die meiste Erfahrung in der Polizeiarbeit gehabt“

Das sagt gerade der Mann der die österr. Polizei vernichtet hat.

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Wer ist da arrogant?

Hier weiter unten mokiert sich ein „Österreich_Reisender“, „…mit welcher Arroganz und selbstsicherheit hier aggiert wird“. Na bitte, Englisch gibt mehr her, „selbsicherheit“ schreibt man jedenfalls groß und beim „aggiert“ gibt es ein „g“ zuviel!

Dummerweise ist die Behauptung des Reisenden auch noch falsch! Hier wird nicht mit Selbstsicherheit und Arroganz agiert, sondern mit grenzenloser Dummheit.

Grenzenlose Dummheit, aber nicht bei Strasser, sondern bei Pilz und Co. einschließlich der Ausschußvorsitzenden Fr. Moser. Das sind durch die Bank Akademiker und können nicht klar denken.

Da wird Strasser breit über Vorgänge in Bulgarien zwischen den Jahren 2006 und 2008 befragt. Die lästige Kleinigkeit, Strasser war 2006 schon 2 Jahre nicht mehr Bundesminister, sondern privater Unternehmer und er war 2008 noch immer privater Unternehmer und noch nicht EU-Abgeordneter.

Wo also soll es da Korruption geben. Und nur das ist Gegenstand der parlamentarischen Untersuchung. Als privater Unternehmer kann er für beliebige Leistungen beliebig viel Geld nehmen. Der Geldwäsche wird er gar nicht beschuldigt. Eine Steuerhinterziehung hat er durch Selbstanzeige bekannt gemacht. Das aber ist gar nicht – und kann gar nicht – Gegenstand der parlamentarischen Untersuchung sein.

Das ist Sache des Finanzamtes. War die Selbstanzeige zu spät, wird er bestraft, war die hinterzogene Steuer zu hoch, landet er vor Gericht.

Alles andere geht Pilz und Co. nichts an! Also, wer ist da arrogant?

Gast: odin C.
15.03.2012 09:09
0 1

Ich mach es billiger! Nehme nur 9.000,- für ein Abendessen.


Bitte um Angebote.

2 1

man kann dem Strasser viel vorwerfen,

aber nicht, dass er uns anlügt.
Nie und nimmer!
Der lacht dir voll in`s Gesicht und denkt sich dabei seinen Teil...
Und der meint das voll ehrlich... das, was er sich denkt, wenn er uns auslacht.

... cool, ein "dummes Grinsen auf den Lippen"

will ich ergänzen!

Gast: coherence
14.03.2012 23:54
3 1

?!?!

ist das ganze noch real? was diese windigen verbrecher liefern; die sind ja offenbar schon zu überheblich und blöd noch irgendwelche sinnvollen erklärungen abzugeben. das ganze ist nur mehr bullshit! offenbar haben da die hintermänner ganz andere summen dem volk gestohlen und decken jetzt diese primitiven verbrecher-typen. ansonsten könnten die ja wohl nicht als solch erbärmliche typen auftreten. da ist mir der letzte sozialempfänger beim a.. lieber als solch eine minister-fratze

Re: ganz andere summen dem volk gestohlen

Was glauben sie, wie wir dastehen würden, wenn's die ganzen Berater nicht geben würde. Wenn die Minister ihre gleihhohen Gehälter kriegen würden und die Beamten ganz normal ihre Arbeit machen würden.
Österreich würde um einiges besser dastehen als jetzt

guter stunden schnitt

naja, net schlecht.
da muss man schon etwas tätig werden...
900.000:44= 20454,5/ h

da wird man schon eine leistung bringen müssen in der freien wirtschaft.
nur fürs handerl aufhalten zahlen die wenigsten über 20 tausend euro pro stunde , 340 euro / min 5,6 euro / sec. ;)


i peck mi ab

„Ich habe da viel geleistet, denn ich habe in ganz Europa die meiste Erfahrung in der Polizeiarbeit gehabt“

da oberkieberer Strasser.

diese meldung ist doch zum zerkugeln...

Re: zum zerkugeln

Naja, man sieht mit welcher Arroganz und selbstsicherheit hier aggiert wird.