Reichhold kassierte 72.000 Euro

14.03.2012 | 18:15 |  MANFRED SEEH (Die Presse)

Ex-FPÖ-Verkehrsminister Mathias Reichhold machte „gute Stimmung“ für die Telekom, Aufzeichnungen gebe es „leider“ nicht. Sein direkter Geschäftspartner sei aber Hochegger gewesen.

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Wien. Ein Biobauer, der als „Zeuge“ (und nicht als „Beschuldigter“) im Korruptions-U-Ausschuss aussagt, hat Seltenheitswert. Mit einem Lächeln fügt Mathias Reichhold bei seinem lockeren Parlamentsauftritt am Mittwoch an, dass er jedenfalls „zurzeit“ von der Justiz nicht als Beschuldigter geführt werde – wie so manch anderer Ex-Politiker (siehe Artikel oben). Der Grund für die Ladung des früheren FPÖ-Verkehrsministers (2002 bis 2003) ist schnell erklärt (und hier unterscheidet sich Reichhold nicht mehr von seinen Ex-Kollegen): Er stand ebenfalls auf der Payroll des omnipräsenten Telekom-Lobbyisten Peter Hochegger.

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72.000 Euro hatte der einst von FPÖ-Frontmann Jörg Haider in die Regierung gehievte Spezialist für Biogeflügel Ende 2005 kassiert. Reichhold betätigte sich damals als selbstständiger Unternehmer, er sei dabei für die Telekom tätig geworden, habe für das Unternehmen „gute Stimmung“ gemacht und seine „guten Kontakte“ spielen lassen.

Sein direkter Geschäftspartner sei aber Hochegger gewesen. Mit diesem habe er einen Vertrag gehabt. Einen mündlichen Vertrag. Auch die Nachweise für die von Reichhold erbrachten Leistungen seien „mündlich“ erfolgt. An derartige Leistungsberichte will sich Hochegger selbst übrigens nicht erinnern können.

Auf Nachfrage, ob es denn nicht wenigstens irgendwelche privaten Aufzeichnungen über die damals angeblich für die Telekom verrichteten Tätigkeiten gebe, meint Reichhold mit bedauerndem Unterton, einst habe es solche schon gegeben, doch heutzutage sehe es schlecht aus: „Ich habe leider keine Aufzeichnungen mehr gefunden.“

 

Ein Minister als Robin Hood der Regierung

Dann war da noch jener 150.000-Euro-Auftrag an eine Hochegger-Firma und zwei andere Agenturen: Als Reichhold das arg gebeutelte Verkehrsministerium von seiner glücklosen Vorgängerin Monika Forstinger (FP) übernahm, sei das Haus verunsichert gewesen. Hochegger habe geholfen dem Ressort „neues Selbstbewusstsein“ einzuhauchen, er, Reichhold, sei in dem Konzept als „Robin Hood der Bundesregierung“ positioniert worden. Mit seiner späteren Kooperation mit Hochegger habe dieser Auftrag nichts zu tun, sagt Reichhold. Was aus dem Konzept wurde? Dieses sei bald für Reichholds Nachfolger „umgeschrieben“ worden. Damit gab es einen neuen Robin Hood. Sein (richtiger) Name: Hubert Gorbach.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.03.2012)

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8 Kommentare
Gast: Kärntner Bürger
15.03.2012 10:01
0 0

Was sind schon 72.000€? Für dieses kleine Taschengeld macht man doch keinen schriftlichen Vertrag ...


Und wofür?
Geh, das weiß er doch nicht mehr.
Wer merkt sich denn solche Kleinigkeiten.

Eh klar, FPÖ-Kriminelle haben wichtigeres im Kopf.

Antworten Gast: Villacher Kaufmann
15.03.2012 11:18
0 0

Re: Was sind schon 72.000€? Für dieses kleine Taschengeld macht man doch keinen schriftlichen Vertrag ...

Klar, wer einst als FP-Minister völlig unfähig war, kann sich doch nicht solche Kleinigkeiten merken.

Gast: schüsselfekter
15.03.2012 00:03
0 0

heinzi82

für dieses posting von den oberkassierern ein paar korrupte euros kassiert?

Gast: Arbeitsdepp
14.03.2012 22:12
3 0

Der Reichold hat dem Staat auch genug gekostet

Und kostet immer noch - ohne je etwas geleistet zu haben. Ein richtiges Brechmittel.

Gast: ASVG-SAklave
14.03.2012 19:18
2 1

Vranitzky ging Jahre zuvor mit gutem Beispiel voran

Was war die Leistung? Ein 1.000.000 Telefonat.

Was tat die Justiz? Nix!

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Re: Vranitzky ging Jahre zuvor mit gutem Beispiel voran

Nicht dass ich das Verhalten von Dr. Vranitzky gut heisse, aber Sie haben einerseits eine Null zuviel hingeschrieben und andererseits die Währung dazuzuschreiben vergessen : es waren 100.000 Schilling, d.h. Vranitzky hat ca 7000 EUR kassiert, d.h. ein zehntel dessen, was Herr Reichhold kassiert hatte und 0,7 Prozent dessen, was Sie geschrieben haben.

Antworten Gast: Senger:
15.03.2012 09:57
0 0

Re: Vranitzky ging Jahre zuvor mit gutem Beispiel voran

HAst noch weitere haltlose Lügen bereit???

Antworten Gast: Heinzi82
14.03.2012 20:31
1 1

Einem inserierenden Roten, ist nichts verboten.


Für jede auffällige Zahlung an die SPÖ müssen halt zehn Artikel und ein paar TV-Beiträge über böse Schwarze und Blaue herhalten.

Die Grünen werden als potentieller Koalitionspartner aus der medialen Schusslinie genommen. Und beim BZÖ beginnt man in hohen SPÖ Kreisen zu überlegen, ob man sie doch nicht ein wenig medial puschen soll. Erstens um der ÖVP Stimmen zu nehmen und zweitens als Reservist, wenn Rot Grün nach der nächsten Wahl noch einen Minipartner für die Koalition braucht.

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