Nemsic: Wusste nichts von Telekom-Kursmanipulation

15.03.2012 | 13:37 |   (DiePresse.com)

Der Ex-Telekom-Generaldirektor zahlte im Vorjahr einen Bonus von 160.662 Euro auf Treuhand-Konto ein. Von einer Kursmanipulation will er nichts gewusst haben.

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Der frühere Telekom Austria-Generaldirektor, Boris Nemsic, betonte im Korruptions-U-Ausschuss von einer Manipulation des Telekom-Aktienkurses nichts gewusst zu haben. Die von ihm erzielten 160.662,20 Euro netto aus dem Aktien-Optionsprogramm habe er im August 2011 als erster der Betroffenen auf ein Treuhand-Konto gelegt.

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Das Optionenprogramm war nach Angaben von früheren Telekom-Managern durch eine Kursmanipulation ausgelöst worden. Während jener Woche, als am 26. Februar 2004 kurz vor Börseschluss der Kurssprung der Telekom-Aktie über die vereinbarte Schwelle von 11,70 Euro passierte, sei er in Frankreich gewesen, sagte Nemsic. Auch nach seiner Rückkehr sei der Verdacht auf Kursmanipulation, der zu einer - erfolglosen - Untersuchung der Finanzmarktaufsicht geführt hatte, in den Vorstandssitzungen nicht thematisiert worden.

Liste mit 100 Namen

Die Liste mit den 100 Namen der betroffenen Manager steht dem U-Ausschuss bisher nicht zur Verfügung, rügte die Vorsitzende Gabriela Moser am Donnerstag. ÖIAG-Chef Markus Beyrer habe dem U-Ausschuss in einem Brief mitgeteilt, dass die Telekom die Liste an die Staatsanwalt gegeben habe und sie daher in den Akten sein müsste.
Er selber habe sich damals für die "gemischte Option" entschieden, er habe nämlich Aktien behalten und sich die Differenz durch den erzielten Kursgewinn auszahlen lassen. Andere Vorstände hatten ihre Aktien abgestoßen und sich alles auszahlen lassen.

Die Kursmanipulation war vom Ex-Finanzvorstand der Mobilkom, Gernot Schieszler, der sich der Justiz als Kronzeuge angeboten hatte, in Einvernahmen geschildert worden.Ob Nemsic bei einer Vorstands-Besprechung dabei gewesen sei, als man einen Investor für die geplante Kursmanipulation suchte, wusste Schieszler nicht. Nemsic beteuerte nun, nicht dabei gewesen zu sein. Er habe damals zwei Büros gehabt und habe sich großteils im Mobilkom-Büro aufgehalten.

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Wirbel um Petzner

Bei der Befragung von Nemsic kam es zudem zu einem teils lautstarken Wirbel um den BZÖ-Abgeordneten Stefan Petzner. Er hielt Nemsic vor, dass er der Telekom schriftlich mitgeteilt hatte, in welcher Form er seinen Gewinn lukrieren wollte - noch vor dem Kurssprung. In dem Dokument, legte sich Nemsic für eine Variante der Auszahlung des Stock-Option-Programms fest. Darin war eine "allfällige Kursentwicklung der Telekom" erwähnt - was Petzner nicht erwähnte. Datiert ist das Schreiben mit 25. Februar, am 26. Februar war der Stichtag für die Kursentwicklung.

Abgeordnete anderer Fraktionen hielten daraufhin Petzner vor, dass er nicht vollständig zitiert habe. Auch die Ausschuss-Vorsitzende Gariela Moser wies Petzner zurecht.

Erinnerungslücken

Zahlreiche Erinnerungslücken hatte ein früherer Mitarbeiter des Public Affairs-Teams der Telekom bei seiner Befragung am Donnerstagnachmittag. ÖVP und Grüne interessierten sich vor allem für Verbindungen zur SPÖ und zum SP-Abgeordneten Kurt Gartlehner - dessen Rolle wurde aber während der Befragung nicht klarer. Die Frage, ob in seinem Beisein von Geldflüssen an Politiker oder Parteien gesprochen wurde, verneinte der Ex-Mitarbeiter. Gegen Gartlehner liegt ein Antrag zur Aufhebung der parlamentarischen Immunität vor, es geht um mögliche Geldflüsse ohne ersichtliche Gegenleistung. Gartlehner bestreitet, als SPÖ-Telekomsprecher für den Lobbyisten Peter Hochegger in Sachen "Telekom" tätig gewesen zu sein, und will nur bei Windkraft-Projekten gearbeitet haben.

 

VIDEO: Telekom: Ex-Chef Nemsic weiß von nichts

Boris Nemsic sollte am Donnerstag im U-Ausschuss zur Kursmanipulation und Bonuszahlung bei der Telekom im Jahr 2004 aussagen. Der 54-jährige hat bereits zuvor betont, vom Kurssprung nichts gewusst zu haben.

 

(APA/Red.)

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4 Kommentare

Für Nemm_Sich alles Normalzustand


Ein Benimm_Sich hat er ja sowieso nie gehabt.

Und natürlich hat man über die Vernünftigkeit von Target 09 wohl auch nie nachgedacht, in Kroatien oder im Ostblock sind solche Methoden ja üblich.
Ja Mc Kasperl und CO hatten ja da die Verantwortung und nicht die gscheiten Manager.
Es hat nicht lange gedauert, dass man daraufgekommen ist, dass nur Vollidioten derartige personelle Schachzüge vollführen und man sich Mehrkosten in Milliardenhöhe einhandelt. Milchmädchenrechner können mehr, als Dipl.Ing Nemsic.
siehe http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/386044/Proteste-bei-Telekom-Austria_Betriebsversammlung-am-5-Juni

Eigentlich gehörten alle geklagt, die derartig Geld vernichteten und keine Skrupel haben das auch zu tun.

Und warum klagt man Mc Kasperl nicht und die Manager erklären sich als vergesslich und unzurechnungsfähig - das kann man sich ja mittels psychiatrischer Gutachten bestätigen lassen in Österreich.

Dass MemmSich ein Unschuldslamm ist, glaubt nicht einmal mehr die OMA am Land.
So schön die Welt am Opernball auf Kosten anderer.
Nemm_sich hat kein Benimm_sich wie die andere virtuelle Arbeitstruppe und ihre internationalen Wunderberater Mc Kasperl und CO.

Gast: BonzoBollovic
15.03.2012 19:59
1 0

Die Unschuld des Bosniers

ja, ja die Balkan-Fighter wissen wie immer nichts.

Bei der Verhandlung:

Nemsic: Ich wissen von nichts, ich nur wundern, Geld plötzlich am Konto. Hab gefreut. Besser nichts sagen, sonst geben zurück.

bravissimo

eine superbefähigte führungstruppe war da während der letzten jahre bei der ta tätig. wie bei den ominösen affchen, keiner hat was gesehen, gehört, gewußt, geahnt, vermutet oder auch nur mitbekommen dass da vielleicht malversationen stattgefunden hätten. i wo, aber dass da auf ihre konten teilweise millionenbeträge in alten schillingen eingetrudelt sind, werden sie doch mitbekommen haben, oder doch nicht. ein einfältiger schelm wer dabei böses denkt.

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