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Telekom-Affäre: Funkstörung mit Nemšić in Cannes

15.03.2012 | 18:26 |  REGINA PÖLL (Die Presse)

Der frühere Telekom- und Mobilkom-Chef Boris Nemšić will von der Aktienkursmanipulation 2004 nichts gewusst haben. Die Dimension habe er auch erst später erkannt, sagt er am Donnerstag im U-Ausschuss.

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Wien. Wäre Boris Nemšić in jener Woche im Februar 2004 nicht bei einer Handy-Messe in Cannes gewesen, wer weiß, wie die U-Ausschusssitzung am Donnerstag ausgegangen wäre. So aber sagt der frühere Telekom- und Mobilkom-Chef vor den Abgeordneten: „Ich kann es gar nicht gewusst haben. Ich war an dem Tag nicht da.“ Nicht in Österreich nämlich, und der fragliche Tag war der 26.Februar 2004. Da sprang der Kurs der Aktie der Telekom Austria (TA) an der Wiener Börse über die Schwelle von 11,70 Euro – was 100 Telekom-Managern Boni von insgesamt 9,2 Mio. Euro brachte. Dahinter stand eine einzige Aktienorder des Euro-Invest-Managers Johann Wanovits. Der Verdacht, dem der Korruptions-U-Ausschuss nun nachgeht, lautet: Kursmanipulation.

„Wann haben Sie vom Kurssprung erfahren?“, fragen Hannes Jarolim (SPÖ) und Werner Amon (ÖVP). „Über einen Börsenticker am Abend und über die Medien“, sagt Nemšić. „Haben Sie die interne Revision eingeschaltet?“, fragt Peter Pilz (Grüne). Nemšić – er war 2004 Chef der TA-Sparte Mobilkom – führt aus, dass er das nicht getan habe, er sei auch nicht für die Revision zuständig gewesen. Und: „Das Wort Affäre trifft vielleicht heute zu, damals hat man das nicht so gesehen.“ Darauf Pilz: „Sie wollen uns also sagen, dass der Kurssprung im Vorstand kein Thema war?“ In den Vortagen haben bereits Ex-Telekom-Vorstandschef Heinz Sundt und Ex-ÖIAG-Chef Peter Michaelis ausgesagt, dass ihnen der Sprung aufgefallen sei. Man habe sich aber auf die Finanzmarktaufsicht verlassen.

Inzwischen habe er die Dimension der Angelegenheit erkannt, erklärt Nemšić. So habe er auch im August 2011, als das Thema in Österreich „groß“ wurde, als erster der betroffenen Manager seinen Bonus auf ein Treuhandkonto transferiert. In seinem Fall 160.662,20 Euro netto. „Ich will einen auf diese Art erhaltenen Bonus nicht haben.“

Dann liefert sich der Ex-TA-Chef ein lautstarkes Duell mit Stefan Petzner. Der BZÖ-Mandatar will wissen, wie es sein kann, dass Nemšić schon am 24.Februar 2004, also zwei Tage vor dem Stichtag für die Kursentwicklung, ein Dokument unterschrieben hat, mit dem er erklärt, wie er im Fall des Überschreitens der Schwelle von 11,70 Euro seinen Bonus beziehen will.

 

Vorab-Fax regelt Bonus

„Ein normaler Vorgang“, wie man ihn auch vorbereitend vornehme, sagt Nemšić über das Papier, das er ebenfalls am 24.Februar von Cannes nach Wien hat faxen lassen. Petzner empört sich darüber, die anderen Abgeordneten haben kein Problem mit der „Pro-futuro-Erklärung“ Nemšićs.

Sehr wohl aber mit der Behauptung des Ex-Mobilfunk-Chefs der TA, er habe in Sachen Aktienkurs wegen seines Cannes-Aufenthalts von nichts gewusst. „Gerade Sie als Telekommunikationsexperte sollten ja wissen, dass man auch übers Telefon Kontakt halten kann“, sagt Walter Rosenkranz (FPÖ). Darauf Nemšić: „Ich glaube, ich weiß, was Sie meinen. Ich war aber in keiner Weise einbezogen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2012)

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6 Kommentare
Gast: Tutenchamun
18.03.2012 12:53
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Wie praktisch!

Gerade als der Kurs sprang, war die Messe der Reichen und Schönen in Cannes!
Ich bin überzeugt er kann auch nachweisen, dass er tatsächlich dort war. Ein lupenreines Alibi, wie wir in den Fernsehkrimis täglich nachsehen können.

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Nemšić als Unschuldslamm ?

glauben nur die Jünger, welche Flaymann auch alles glauben.

Wer`s glaubt

wird selig!

Gast: garfunkel
16.03.2012 09:35
2 0

der glaubt auch

im Himmel sei Jahrmarkt und erzählt das Blaue
herunter.

Für Nemm_Sich alles Normalzustand

Ein Benimm_Sich hat er ja sowieso nie gehabt.

Und natürlich hat man über die Vernünftigkeit von Target 09 wohl auch nie nachgedacht, in Kroatien oder im Ostblock sind solche Methoden ja üblich.
Ja Mc Kasperl und CO hatten ja da die Verantwortung und nicht die gscheiten Manager.
Es hat nicht lange gedauert, dass man daraufgekommen ist, dass nur Vollidioten derartige personelle Schachzüge vollführen und man sich Mehrkosten in Milliardenhöhe einhandelt. Milchmädchenrechner können mehr, als Dipl.Ing Nemsic.
siehe http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/386044/Proteste-bei-Telekom-Austria_Betriebsversammlung-am-5-Juni

Eigentlich gehörten alle geklagt, die derartig Geld vernichteten und keine Skrupel haben das auch zu tun.

Und warum klagt man Mc Kasperl nicht und die Manager erklären sich als vergesslich und unzurechnungsfähig - das kann man sich ja mittels psychiatrischer Gutachten bestätigen lassen in Österreich.

Dass MemmSich ein Unschuldslamm ist, glaubt nicht einmal mehr die OMA am Land.

Als österreichischer Staatsbürger komme ich mir schon ein bisserl verarscht vor, von einer Mentalität, die man in der Schule nur von Kommunisten gelernt hat.
Arbeite in Österreich und NimmSich.
Warum ist Nemsic nicht in Rußland gebleiben?


Ich frage mich, wann einer der Aktionäre klagen wird

Erkaufte Kurssprünge, bezahlte Wahlkampagnen ... und alles angeblich ohne Gegenleistung ;-)

Oder sollten doch die Mitbewerber klagen?

Ist eigentlich eine gute Taktik. Solange keiner weiss, ob es Gegenleistungen gegeben hat oder nicht, kann niemand Schadenersatz fordern.