Korruptions-U-Ausschuss: Schöner Jagen mit „Ali“

21.03.2012 | 18:22 |  von Regina Pöll und Hedi Schneid (Die Presse)

Erinnerungslücken des Grafen und seiner Gäste. Am Mittwoch konnten, oder wollten, sich zentrale Figuren der heimischen Jagdgesellschaft partout an keine Details erinnern.

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Wien. Was einem doch die Erinnerung für Streiche spielen kann: An unwichtige Nebensächlichkeiten kann man sich auch Jahre später erinnern, nicht aber an die Sache an sich. „Da war ich nicht dabei, denn ich wollte nicht in einem Gatter jagen.“ Mit diesem Detail seiner Jagdgewohnheiten sorgt Markus Beyrer im parlamentarischen U-Ausschuss dann doch noch für Heiterkeit, nachdem sich die Befragung des ÖIAG-Chefs und Aufsichtsratspräsidenten der Telekom Austria (TA) schon mehrere Stunden im Kreis gedreht hat.

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Ein Schuss zur Begrüßung

Die Jagd als ideale Plattform für das Knüpfen von wirtschaftlichen und politischen Kontakten: Am Mittwoch waren mit Beyrer und dem Lobbyisten Graf Alfons Mensdorff-Pouilly zwei „Hauptdarsteller“ dieses Systems geladen. Und wie geplant ertönte just, als Beyrer den Budgetsaal des Parlaments betrat, ein Schuss. Es war aber nur ein Scheinwerfer, der im Fotografen-Gedrängel explodierte. Beyrer war in seiner Zeit als Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV) auf Einladung von Mensdorff-Pouilly auf mehreren Jagden– gezahlt hatte die Telekom, zum Teil über die Firma Valora von PR-Mann Peter Hochegger. Über ihn flossen jahrelang Millionen von der Telekom an Politiker und Parteien – ohne (erkennbare) adäquate Gegenleistung.

Er sei von vielen Mitgliedsfirmen zu ganz unterschiedlichen Dingen eingeladen worden, natürlich auch zu Jagden, sagte Beyrer. „Immer in Absprache mit dem Präsidenten“ (Veit Sorger, Anm.) habe er einige angenommen – „das wurde auch so von mir erwartet“. Wie viele Jagden das gewesen seien, will der Grüne Peter Pilz wissen. „Ich führe nicht Buch“, offenbarte Beyrer Gedächtnislücken.

An zwei konkrete Einladungen ins Jagdgebiet von Mensdorff-Pouilly kann er sich dann doch erinnern: eine ins burgenländische Luising und eine nach Schottland. Immerhin habe die einladende Telekom allein für ihn, Beyrer, dafür rund 13.000 Euro springen lassen, rechnet Pilz ihm vor. Eine Gegenleistung habe er dafür nicht erbracht, „das ist ja nicht das Wesen von Einladungen“. Zurückzahlen werde er jedenfalls nichts. Von wem die Einladungen der Telekom konkret kamen, will oder kann Beyrer genauso wenig sagen, wie er sich an die anderen Jagdteilnehmer erinnern kann.

Als ihm SPÖ und FPÖ mit einer Reihe von Namen – darunter jene der früheren Telekom-Manager Gernot Schieszler und Michael Fischer, des Bauunternehmers Hanno Soravia und des als Telekom-Vorstand gehandelten Georg Donaubauer – auf die Sprünge helfen, schießt Beyrer los: „Das mit der Jagd geht mir jetzt ein bisserl auf die Nerven. Die Jagd ist in Österreich ein Brauchtum, eine tolle Geschichte.“

 

ÖVP hält sich zurück

Wenn das ein Versuch ist, Verständnis zu erwecken, geht er gründlich schief. Außer vielleicht bei der ÖVP: Ihre Abgeordneten wollen Beyrer ganz offenkundig aus der Schusslinie nehmen, sie befragen ihn lähmend lang zu den neuen „Benimmregeln“ in der Telekom. Da fühlt sich Beyrer in seinem Element, genau so, wie er nicht oft genug betonen kann, dass er die Wirtschaftsprüfer von BDO Deutschland mit der Aufklärung aller mutmaßlichen Malversationen in der Telekom beauftragt hat.

Wenig Erhellendes liefert Beyrer auch zur Vermutung von Pilz, dass Geld von der Telekom über die IV an die ÖVP geflossen sein könnte. Erst als Pilz mit einem Beugeverfahren droht, wird Beyrer ein wenig präziser: Die IV arbeite mit den Beiträgen ihrer Mitglieder an verschiedenen Projekten, da komme es schon zu Kontakten mit verschiedenen Gruppen. „Sonst habe ich keine Wahrnehmung.“

Mit schwersten Erinnerungslücken kämpft danach auch Mensdorff-Pouilly. Und wenn er sich schon mal erinnert an die eine oder andere Jagd, an den einen oder anderen Gast, dann ist sein Lieblingssatz: „Ich entschlage mich der Aussage.“ Das kann er, denn gegen ihn ermittelt – parallel zur Arbeit des U-Ausschusses – die Justiz. Als Beschuldigter in strafrechtlichen Ermittlungen darf er im Ausschuss schweigen, um sich nicht selbst zu belasten. Mensdorff-Pouilly tut das ausgiebig, die Abgeordneten aller Couleurs verlieren die Geduld. „Ich verzichte auf weitere Fragen, das hat ja keinen Sinn“, sagt Werner Amon (ÖVP).

Kurz kommt gute Laune auf – und es fällt der eine oder andere Kommentar von Mensdorff –, als BZÖ-Mandatar Stefan Petzner an der Reihe ist: Wie denn das so sei auf der Jagd, mit den „Abschusslisten“ (aus den Akten der Justiz)? Wer war dabei, warum gibt es Listen, auf denen kein erlegtes Wild angeführt ist? Waren die Jagdteilnehmer beim Grafen so wenig zielsicher? „Graf Ali“ holt gern aus, erklärt, dass in manchen Fällen nicht alles protokolliert werden muss, dass es Unterschiede gibt – je nachdem, welche Jagd auf wessen Einladung auf welchem Gelände zu welcher Saison stattfindet. „Das wird man Ihnen genau erklären, wenn Sie die Jagdprüfung machen“, scherzt er, in Replik auf Petzner, der lieber weiter ohne Jagdschein bleibt.

Zu den Einladungen – wer hat was bezahlt, waren auch Kabinettsmitglieder früherer Minister auf Alis Jagdgründen, um von der Telekom „eingefangen“ zu werden? – schweigt Mensdorff bis zuletzt: Weil die Einladungen privat gewesen seien, er das Geschäftsgeheimnis seiner Kunden verletzen würde – oder weil er sich entschlägt. Nur nach einem heftigen Wortduell mit den Abgeordneten platzt dem Grafen der Kragen: „Ich habe nie einem Politiker eine Spende gegeben oder eine Bestechung gemacht.“

Auf einen Blick

Noch bis mindestens Ende April wird der Korruptions-U-Ausschuss das Thema Telekom behandeln. Heute, Donnerstag, sind folgende Personen als Zeugen geladen: die Ex-FPÖ-Politiker Walter Meischberger und Gernot Rumpold sowie dessen Exfrau Erika Daniel und der Ex-Telekom-Mitarbeiter Michael Gassauer. Im Ausschuss war u.a. eine Aktennotiz des Finanzamtes Wien 1/23 aufgetaucht, die nahelegt, dass die Telekom über eine Rumpold-Firma den EU-Wahlkampf der FPÖ 2004 gesponsert haben könnte. Meischberger gilt als einer der wichtigsten Geschäftspartner des Telekom-Lobbyisten Peter Hochegger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.03.2012)

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112 Kommentare
 
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Abzocker Ali's Erinnerungslücken

Wenn ein Mensch solche Erinnerungslücken hat gehört er eben entmündigt.

Gast: Xury1941
27.03.2012 08:20
0

Führerscheinentzug

Für Leute mit solchen Erinnerungslücken sollte sofort ein Führerscheinentzugsverfahren durchgeführt werden. Denn man sollte schon hinterfragen ob hier nicht schon "demenzartige"
Lücken vorhanden sind. Und wenn dann eventuell
eine Sachwalterschaft droht, werden sie sich ganz schnell wieder erinnern.

Gast: from another point of view
26.03.2012 22:56
0

Jagd

Auf jeder Pimperljagd werden genaueste Aufzeichnungen gemacht, wer, wann, was erlegt hat. Diese Daten müssen der Jagdbehörde des Landes gemeldet werden. Da hat der Herr Ali beim Landesjägermeister vom Burgenland vielleicht noch Erklärungsbedarf! Oder war der auch einmal eingeladen? Ausserdem wird auch über die eingeladenen Gäste exakt Buch geführt. Denn ein jeder Gast muss sich ausweisen und einen Jagdschein vorweisen bzw. seine Waffen deklarieren.
UND: Was will der unnötige Herr Amon den Ali befragen, der zuvor schon über die Mitzi Kallat mit dem Herrn Amon Kontakt aufgenommen hatte?! Ein Komödienstadel! Alle einsperren.

Gast: harakiri
25.03.2012 12:09
0

sie haben es leider

immer noch nicht begriffen. Mit der ganzen Herumrederei,Mauerei,den Erinnerungslücken usw. verschlimmern sie die eigene Position, weil jeder davon ausgeht,dass noch weit Schlimmeres
dahinter steht.Der Herr Beyrer,wer ist das schon,vollkommen unbedeutend,den die ÖVP hat aufschwimmen lassen hat und da den grossen Max spielt,verstanden hat er nichts. Wo ist denn der grosse Vorsitzende, der politisch Verantwortliche, der kriegt den Mund nicht auf und lässt seine Mittäter allein im Dreck sitzen. Wann wird dessen fragwürdige Rolle endlich ernsthaft hinterfragt, so einfach vom Acker geht nicht.

Gast: Einmal ganz ehrlich
24.03.2012 19:29
0

Wenn jemand schon so große Erinnerungslücken hat dann sollte.....

eine Überprüfung des Führerscheinwissen erfolgen!
eine Überprüfung des Jagdwissen erfolgen!
eine Überprüfung ob er TAUGLICH ist eine Waffe zu führen!
Physotest ob seine Vergesslichkeit nicht zu Schaden in der Öffentlichkeit führt!!!

Alles machbar! Wird auch bei unliebsamen kleinen Bürgern gemacht!

Gast: Carinthian Boy
24.03.2012 19:25
0

War nicht der Scheuch Kurti auf Jagd beim Grafen?

Vielelicht kann der Kurti etwas sagen!!
Der ist ja FPÖ´ler und die sind eben anständig, ordentlich und ehrlich!!!!!

Gast: zerotolerance
22.03.2012 18:22
0

erinnerungslücken

einen grafen gibts nicht - ein ganz normaler halbdebiler eben , sonst nix .

Gast: Der gute rot-weiß-rote Gärtner
22.03.2012 11:48
0

Lieblingssatz der regulären Steuerzahler

Die faule Frucht im Staat ist schwarz.

Antworten Gast: das hirn
22.03.2012 13:41
1

Re: Lieblingssatz der regulären Steuerzahler

wenn gaunereien früchte tragen, dann sind die r o t !!!

Antworten Antworten Gast: Wertschöpfungskette
23.03.2012 10:33
0

Re: Re: Lieblingssatz der regulären Steuerzahler

Als Apfelbauer verwehre ich mich gegen ihre Anschuldigung.

Re: Re: Lieblingssatz der regulären Steuerzahler

und zum abschluss:
die blauorangen zeigten allen wie es am einträglichsten läuft

wieso

habts ned beide Wortmeldungen rausgnommen ?

Ich vergesse drotzdem nicht und werde die Rechnung bei den Wahlen begleichen.
Pasta.

Gast: pächter der wahrheit
22.03.2012 10:32
2

Mich erstaunt,

daß man einem offensichtlich an Demenz leidendem Mann die Leitung der ÖIAG anvertraut.

Offensichtlich ist das ein Job bei dem man nicht viel Hirnleistung braucht, so quasi ÖIAG General kann eh ein jeder. Der Beyrer bestätigt dass gerade eindrucksvoll.

Dem Mensdorff mache ich gar nicht so viel Vorwürfe, genauso wie dem Hochegger. Die haben eben das gemacht, was sie tun sollten.

Gast: Na und?
22.03.2012 09:13
3

Was ich nicht verstehe:

Warum bekommt nur die ÖVP mediale Prügel?!

Die SPÖ ist bei allen Schweinerein doch genauso dabei!!!

Ich zeichne folgendes Szenario: SPÖVP haben einen gemeinsamen Pool, der Geld abzweigt. Daneben gibt es einzelne Filialen (Wien, NÖ), die auf eigene Rechnung arbeiten.

seltsam

es ist fast schon unheimlich und zugleich seltsam wie still und beinahem unauffällig sich die spö derzeit gibt. fas schein man den eindruck zu gewinnen sie spielen das spielen : ich bin nicht da, und wenn ich nicht da war,so war ich auch sicher nirgendwo und auch bei nix und wirklich gar nix dabei, und wissen tun wir sowieso von gar nix ,- sollt gar etwas gewesen sein.

Antworten Gast: Eisbär 4711
22.03.2012 08:58
1

Re: seltsam

Ein plumper Kommentar, zwecks ablenkung... schaut euch doch die anderen an.... Das Grundübel ist und bleibt schwarz - blau !

Re: Re: seltsam

Das hätten Sie rote Socke gerne. Die Sozen spielen wie immer auf der Medienorgel, die sie mit viel Steuergeld de facto gekauft haben, sei es durch INserate, Förderungen oder Zustände wie im Österreichischen Rotfiunk ORF. Das hält sie selbst aus der Schußlinie und läßt alle anderen schlecht dastehen.

Antworten Antworten Antworten Gast: nkerl
22.03.2012 09:54
0

Re: Re: Re: seltsam

na,lieber eine rote Socke als ein schwarzer Schweissfuss.

"lieber eine rote Socke als ein schwarzer Schweissfuss"

Andere mögen das anders sehen.
Außerdem habe ich nie behauptet, daß die Schwarzen kleinere Verbrecher wären als die rote Brut.

Erinnerungen

Klar das sich Erinnerungslücken auftun bei den Betroffenen.

Ich werde mich bei den kommenden Wahlen bestimmt an Alles Erinnern was sich in Österreich abgespielt hat.


"..Außer vielleicht bei der ÖVP: Ihre Abgeordneten wollen Beyrer ganz offenkundig aus der Schusslinie nehmen.."

lang ist das nicht mehr möglich.

nicht weil es keinen beyrer mehr gibt.
sondern weil des bald keine korrupt-partei namens övp mehr geben wird!

frage an die journalisten

was ist ein U-ausschuß
welche befugnisse hat ein U-ausschuß
ist der nur zwecks der gaudi und das sich freunderl wieder mal treffen

kostet der nur unnötig steuergeld

Die Politeska

verhöhnt die Menschen von hohem Throne aus.

Gast: Heuschrecken Paragraph
21.03.2012 21:55
3

"Ich entschlage mich", antwortet der Lobbyist auf einen Großteil der Fragen.

Beugehaft?

Re: "Ich entschlage mich", antwortet der Lobbyist auf einen Großteil der Fragen.

Jaaaaaaaaaaa! Auf unbestimmte Dauer und mit Erinnerungslücken!

Gast: hodeldodel
21.03.2012 21:11
6

wie war das

noch mit der krimimellen Vereinigung ?

 
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