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Hurra, wir sind im Vorjahr doch nicht abgestiegen

29.03.2012 | 18:23 |  JAKOB ZIRM (Die Presse)

Ein Budgetdefizit unterhalb der Maastricht-Grenze ist vergleichbar mit einem knappen Klassenerhalt im Fußball. Ein wirklicher Erfolg sieht jedoch anders aus.

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Man kann es Glück nennen oder gutes Timing. Auf jeden Fall ist es für die Regierung eine angenehme Sache, wenn nur einen Tag nach dem parlamentarischen Beschluss des Spar- und Belastungspakets die Nachricht kommt, dass das Budgetdefizit im Vorjahr mit 2,6 Prozent deutlich unter den Erwartungen und auch unterhalb der Maastricht-Grenze von drei Prozent lag. Kein Wunder also, dass schon kurz darauf Eigenlob vonseiten der Regierungsparteien über die „positiven Effekte der heimischen Finanzpolitik“ erklang, wie es etwa der SPÖ-Finanzsprecher ausdrückte. Selbst Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) zeigte sich ob der unerwarteten Verbesserung „gedämpft euphorisch“.

Die Wähler und Steuerzahler sollten dabei froh sein, dass die Euphorie der Ministerin noch ein wenig Dämpfung erhalten hat. Sonst müssten sie sich über den endgültigen Realitätsverlust der heimischen Regierung Gedanken machen. Denn Feierlaune beim Unterschreiten der Maastricht-Grenze ist vergleichbar mit dem Jubel einer Fußballmannschaft, die gerade noch Neunter geworden ist und nicht absteigen muss. Ein echter Erfolg sieht anders aus.

Ein „positiver Effekt der heimischen Finanzpolitik“ ist nämlich nur eine simple Umbuchung: Die für das Vorjahr budgetierte Finanzspritze für die Bad Bank der Kommunalkredit wurde auf heuer verschoben. Zudem war 2011 ein absolutes Hochkonjunkturjahr. Trotzdem wurde – wie in all den Jahren zuvor seit den frühen 1970ern – ein ausgeglichenes Budget deutlich verfehlt. Das zeigt, wie stark das strukturelle Defizit, also jenes, das auch unter besten Voraussetzungen anfällt, hierzulande ausgeprägt ist.

Den Wunsch der heimischen Ökonomen, das eben beschlossene Konsolidierungspaket nun nicht zu verwässern, kann man daher getrost als Minimalforderung bezeichnen. Vielmehr sollten die Spar- und Reformanstrengungen noch deutlich verschärft werden. Denn der große Wurf ist das Paket keinesfalls. Und dabei muss gar nicht erst auf die darin enthaltenen Luftschlösser, wie etwa jenes in Form der bereits fix budgetierten, aber alles andere als wahrscheinlichen Finanztransaktionssteuer hingewiesen werden.

Das jetzige Paket könne nur ein Anfang sein, es müsse aber mindestens alle drei Jahre solche Pakete geben, um wirklich weiterzukommen, meinte Bernhard Felderer, Chef von IHS und Staatsschuldenausschuss, bereits kurz nach der Präsentation der geplanten Maßnahmen im Februar. Und da der Regierung anscheinend der Mut oder die Energie – oder beides – für ein wirklich groß angelegtes Reformprogramm fehlt, könnte eine solche „Staatsreform in Babyschritten“ vielleicht die einzig realistische Lösung für die heimische Budgetmisere sein.

Denn eines hat das viel gescholtene Paket auf jeden Fall bewiesen: dass es sehr wohl möglich wäre, die Republik und damit auch die Staatsfinanzen nachhaltig zu reformieren. Sogar das derzeitige Minipaket, dessen Auswirkungen der Großteil der Bevölkerung nur in homöopathischen Dosen – etwa in der Verringerung der Bausparprämie um ganze 18 Euro im Jahr – spürt, dürfte es schaffen, die Neuverschuldung in den kommenden Jahren merklich abzumildern.

Man stelle sich nun vor, was alles möglich wäre, würde eine Regierung – mit ziemlicher Sicherheit aber nicht diese – nun ernsthaft große Themen angehen. Etwa den Föderalismus mit seinen 77 Landesräten und 448 Landtagsabgeordneten, die bis zu 80 Prozent der Zeit damit verbringen, über Bundesthemen zu sprechen, für die sie nicht zuständig sind, und sich seit Jahren gegen mehr Kompetenzen wie eine direkte Steuerverantwortung wehren. Oder dem Gesundheitssystem, in dem auch 2012 noch Schwerpunktkrankenhäuser nur wenige Kilometer voneinander stehen, nur weil dazwischen eine Landesgrenze verläuft.

Dann könnte auch in Österreich vielleicht das bisher Unmögliche möglich werden – und in einem konjunkturell guten Jahr wie 2011 nicht nur das Maastricht-Ziel unterschritten, sondern wie in Schweden oder dem Nachbarland Schweiz sogar ein Budgetüberschuss erzielt werden.

 

E-Mails an: jakob.zirm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2012)

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13 Kommentare
Gast: 1. Parteiloser
30.03.2012 18:11
0 0

Der "Erfolg" schaut so aus!

Staatseinnahmenquoten 2011:
1) Österreich:...48,0%
2) Italien:.........46,3%
3) Deutschland:..43,6%
4) Griechenland:.39,9%
5) Slowakei:......35,8%
6) Dänemark:....35,8%
7) Schweiz:.......33,3%
Bis zum Ende der Legislaturperiode wird Österreich wohl die Schallmauer von 50% reißen. Die kommenden Armutsberichte werden immer schlimmer aussehen.

Staatsausgabenquoten 2011:
1) Österreich:...51,6%
2) Italien:.........50,0%
3) Griechenland:.49,5%
4) Deutschland:..45,2%
5) Slowakei:......40,7%
6) Dänemark:....38,6%
7) Schweiz:.......32,6%

Trotz der höchsten Staatseinnahmen im Vergleich, eigentlich schon sehr lange, haben die Österreicher folgende Entwicklung zu ertragen:

Entwicklung der Staatsausgaben:
2011: 152.000 = 404 %
2005: 121.934 = 321 %
2000: 107.830 = 284 %
1995: 98.188 = 259 %
1990: 70.139 = 185 %
1985: 54.848 = 145 %
1980: 37.905 = 100 %
Daten des BMF

Entwicklung VPI
2011:......222 %
2005:......196 %
2000:......178 %
1995:......166 %
1990:......141 %
1985:......127 %
1980:......100 %
Daten der Statistik Austria

Keine Frage, dass die Staatsausgaben noch immer vollkommen außer Kontrolle sind.

Die Totalversager werden die Staatsausgaben aber niemals unter Kontrolle bringen, weil diese nur prallen Budgets selber, natürlich leistungslos, gut leben können.

Die müssen doch einen Huscher haben, wenn die Staatsausgaben von 44.000.- Euro pro Haushalt für die eigene Existenz brauchen.

Trotz allem, was faul ist im Lande Österreich,

das Land steht im internationalen Vergleich gar nicht schlecht da, weil es eine begabte und fleißige Bevölkerung und innovative Unternehmungen hat.

Natürlich könnten wir noch sehr viel besser da stehen, wäre nicht so viel politische Feigheit, Korruption und Unfähigkeit am Werk.

Dennoch haben wir Glück, hier leben zu dürfen, denn es gibt nicht viele Länder, in denen die Lebensqualität und das Ausmaß an sozialer Sicherheit höher sind.


Gast: Hans Berger
30.03.2012 14:11
0 0

Na dann ist ja der Weg frei für Faymanns nächste Nacht-Sitzung der verbrannten Milliarden (und Gehirne)

Auch 2008 hat man Molterer "vorgeworfen", auf einem "Sack voll Geld" zu sitzen, welches "dem (sozialistischen) Volk zustünde".

Die Folge war eine "nachtsitzung der wahnsinnigen Geldverbrennung", in der sich Rot-Blau-Grün in einer Allianz der wirtschaflichen Blödheit fanden und unter Faymanns Haupttäterschaft bis heute ca. 6 Milliarden Euro verplemperten. Und das Universitätssystem ruinierten.

Genau das Gleiche steht auch für die nächste Wahl zu erwarten. Denn der dumme Durchschnittswähler setzt "weniiger Defizit" mit "mehr Geld vorhanden" gleich, und ein dummer Unterdurchschnittskanzler wird alles daran setzen, dies auszunutzen.

Antworten Gast: alatheus
30.03.2012 17:27
0 0

Es würde mich nicht wundern,

wenn die Parteien nächstes Jahr neuerlich der Wahnsinn packt und extrem teure Gesetze als Wahlzuckerl beschlossen werden. Schließlich sind die Österreicher schon 2008 darauf hereingefallen.

Gast: Ich bin der Meinung
30.03.2012 11:10
0 0

Die schlechteste aller Meldungen in den

heutigen Tagen.

Als gelernter Österreicher gibts jetzt gleich wieder volle Kanne für alle inklusive Freibier.

Mei Supa samma!

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Lauter Matschkeranten

Wann, liebe Poster,Matschkerer und Suderanten wird euch irgendetwas passen ???? Österreich ist eines der besten Länder. Wir sind erfolgreich. Vielen passt das nicht. Sie wollen lieber masochistisch sich selbt miesmachen. Fedderführend natürlich die Journaille: Schlechte Nachrichten sind gute Schlagzeilenbringer. Und nur das wollen diese Herrswchaften

Re: Lauter Matschkeranten

Vielleicht darf ein bekennender Suderant Ihre Frage aus seiner Sicht beantworten:
Ich bin dann zufrieden, wenn nach Abzug von Zukunftsinvestitionen ein Überschuss bleibt, mit dem die Schulden abgebaut werden können. Dies wiederum reduziert die laufende Belastung und macht´s im Folgejahr wieder ein wenig leichter.
Und das ganze getrieben durch Strukturreformen (wobei das natürlich auch steuertechnisch nicht zum Nulltarif möglich ist). Sozialstaat soll aber auch bleiben.

Das geht nicht?
Blick nach SWE genügt.
Mit anderen Worten: Ich bin zufriden, wenn die durchaus nicht unterbezahlte Regierung der A. hochkriegt und mit ein kleinwenig Mut eine ordentliche Lösung anstrebt. Es gibt ja durchaus Beispiele, wie´s gehen kann.

und wenn wir die subventionen für diePresse endlich auch noch streichen,

dann gibt es vermutlich sogar einen budgetüberschuss!

neoliberales gebrabbel, herr zirm.

Re: und wenn wir die subventionen für diePresse endlich auch noch streichen,

Machen Sie gerne Schulden? Zahlen Sie gerne Zinsen an Leute, die sich´s leisten können, Geld zu verleihen?
Ich nicht. Bin ich jetzt "neoliberal"?

Antworten Gast: AuskennerIn
30.03.2012 10:17
1 0

Re: und wenn wir die subventionen für diePresse endlich auch noch streichen,

dummes linkes gebrabbel vom falaffelbrater


Re: ERFOLG sieht so aus !!

und das mit wesentlich niedrigeren, fast nur halb so hohen Steuern. In Österreich reicht selbst eine Rekordbesteuerung nicht für einen Budgetüberschuß. Bei ordentlicher Gebarung müssten jedes Jahr Budgetüberschüsse von 20-40 Mrd. Euro möglich sein !

Träumen darf man ja nochmal!