Politik: Nur 'aalglatte Strippenzieher' kommen an die Spitze

17.04.2012 | 08:18 |   (DiePresse.com)

Der Politologe und frühere Politiker Walter Thaler analysiert in seinem Buch "Pfade zur Macht" die Karrierewege in der heimischen Politik.

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Ochsentour, Quereinstieg oder Kükenweg: Das sind laut dem Politologen und früheren SPÖ-Landespolitiker Walter Thaler die drei in der heimischen Politik möglichen „Pfade zur Macht". In seinem gleichnamigen Buch untersucht Thaler Auswahlverfahren und Karrierewege in den Parlamentsparteien. Dabei zeigt sich: Die „Ochsentour", also das mühsame Hochdienen aus der Lokalpolitik, hat zunehmend ausgedient. Prominente Quereinsteiger wiederum werden zwar zu Wahlzeiten gerne in die Schlacht geworfen, können sich nach dem Urnengang in der Regel aber nicht lange im Sattel halten.

Bleibt der „Kükenweg", den Thaler zufolge immer mehr künftige Spitzenpolitiker begehen. Junge Karrieristen eignen sich ihr Know-How in Regierungsbüros und Parteisekretariaten an und steigen auf, ohne sich die langen Bewährungsjahre an der Basis antun zu müssen.

Der Vormarsch dieser „Schreibtischtäter", deren Beförderung die Parteichefs oft im Alleingang beschließen, ist für Thaler eine der Wurzeln des derzeitigen politischen Übels. Er vermisst die Rebellen in der Politik. Vorankommen würden nur mehr „aalglatte Strippenzieher der Macht". Die Welt der Spitzenpolitik werde immer mehr zu einem in sich geschlossenen Zirkel von Menschen, die die reale Lebenswelt außerhalb des Parteiapparats nie kennengelernt hätten.

"Jugendliche Kraftnaturen fehlen"

In seinem Buch zeichnet Thaler nicht nur die Karrierewege sämtlicher derzeitiger Spitzenpolitiker nach, er nimmt auch den Nachwuchs der Parteien unter die Lupe. Sein Befund: In den Parteien gibt es kaum echte Zukunftshoffnungen: „Die Ehrgeizigen gibt es noch zuhauf, was fehlt, sind die jugendlichen energischen Kraftnaturen".

Der Autor empfiehlt den Parteien, wieder interne Kontroversen zuzulassen: „Ohne Flügelkämpfe erschlafft eine Partei". Vor allem aber schlägt er ein Mehrheitswahlrecht mit einer Verstärkung des Persönlichkeitsfaktors vor. Auch Vorwahlen wie bei der US-Präsidentschaftswahl fände Thaler sinnvoll, um eine breitere Basis bei der Auswahl von Spitzenpolitikern mitbestimmen zu lassen.Braumüller

Braumüller

Außerdem sollte der politische Nachwuchs künftig nicht mehr nur von den Parteien ausgebildet werden. Thaler schwebt vor, dass Parteien, Universitäten, Managementorganisationen, Medien und kommunale Vertretungsorganisationen gemeinsam Ausbildungsmodule anbieten.

Sollte sich bei der Personalauswahl in Zukunft nichts ändern, sieht Thaler schwarz für die bestehenden Parteien: „Dann können sie sich gleich selbst das Leichenhemd anziehen".

Der Autor
Walter Thaler, geb. 1941, war 35 Jahre lang in der Salzburger Kommunal- und Landespolitik tätig, davon zwölf Jahre als Bürgermeister von Zell am See sowie 22 Jahre im Salzburger Landtag. Gegen Ende seiner politischen Karriere studierte er Politikwissenschaften. Zurzeit beschäftigt er sich mit Fragen der Parlamentarismus- und der politischen Eliteforschung.

(kron)

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33 Kommentare
 
12
Gast: murmel
18.04.2012 00:58
1

System kaputt

Diese Politikergeneration hat sich und uns an die Banken verscherbelt, und alles was im Dunstkreis sich bewegt hat zum eigenen Vorteil mitgemacht.

Ich habe diesen Leuten einmal vertraut, was ich sehr bereue.

Jede jugendliche Kraftnatur würde von den Sesselklebern wohl schnell ausgetrickst, würde er oder sie wirklich was ändern wollen.

Da muss man gar nicht in die Politik gehen

Schaut euch doch an wie es bei den Staatsnahen und systemrelevanten Unternehmen aussieht. Denkt denn noch irgendwer dass dort mit Kompetenz und Arbeit noch weiterzukommen ist? Aber nicht wirklich.

Schaut euch doch die Führungspositionen bei all diesen Unternehmen einmal genau an. Alles nur Günstlinge. Diese Leute leben frei von jeglicher Kompetenz. Sie beginnen als Vorzimmerassi eines Ministers und ohne jemals auch nur Leistung simuliert zu haben werden sie Vorstände börsennotierter Unternehmen im Eilzugtempo.

In Österreich haben wir ein selsames Verhältniss zu Unternehmern. Wenn ich mir die Mitglieder der IV anschaue - lauter Beamte oder Quasi Beamte. Und die bezeichnen sich als Industielle und Unternehmer. Ich bin ein echter Unternehmer der sein Unternehmen aus eigener Kraft aufgebaut hat und ich möchte mit diesem Abschaum nicht im selben Atemzug genannt werden.

Darüber hätte man wohl kein Buch schreiben müssen....

...das ist doch alles sehr offensichtlich. Bester Beweis: sie haben die Chance aus Europa und dem Euro sehr viel zu machen durch ihre Eitelkeiten und ihre Inkompetenz völlig vergeigt...richtig?

Charakterlosigkeit als Vorzug.


Antworten Gast: Franc21
17.04.2012 16:44
2

Re: Charakterlosigkeit als Vorzug.

Wir verdienen nichts anderes!

Auch wenn sie uns einen Ziegenbock als Spitzenkandidaten präsentieren, wir wählen ihn trotzdem.
Ein Ziegenbock wäre gut geeignet, der kann den ganzen Tag "meckern".

Re: Re: Charakterlosigkeit als Vorzug.

Hätten wir doch wenigstens einen Ziegenbock....

Gast: worldmirror
17.04.2012 13:25
4

die katastrophale entwicklung der bankenlobbyeu und dem teuro ist ja ein ergebnis solcher negativauslesen. bürgernähe u soziales ethisches handeln ist schon lange nicht mehr erwünscht. die reichen eliten bestimmen- wer was wird und wer nicht.

Bleibt der „Kükenweg", den Thaler zufolge immer mehr künftige Spitzenpolitiker begehen. Junge Karrieristen eignen sich ihr Know-How in Regierungsbüros und Parteisekretariaten an und steigen auf, ohne sich die langen Bewährungsjahre an der Basis antun zu müssen.
Der Vormarsch dieser „Schreibtischtäter", deren Beförderung die Parteichefs oft im Alleingang beschließen, ist für Thaler eine der Wurzeln des derzeitigen politischen Übels. Er vermisst die Rebellen in der Politik. Vorankommen würden nur mehr „aalglatte Strippenzieher der Macht". Die Welt der Spitzenpolitik werde immer mehr zu einem in sich geschlossenen Zirkel von Menschen, die die reale Lebenswelt außerhalb des Parteiapparats nie kennengelernt hätten.

Die folgen dieser negativauslesen sind in der eu nun zu sehen. faymann/SPÖ ist ein bsp davon. als bildbergerbesucher wird er dort von den reichen eliten informiert, was zu tun ist.
sozialabbau bei den echten leistungsträgern- den asvg versicherten, u. den asvg pensionen.
viele milliarden einsparungen bei den völkern, dessen sozialen wohlstand kann man sich nicht mehr leisten, so medien,banker u.viele politiker. jahrzehnte wurde auf einen sozialen wohlstand hingearbeitet. heute hat dies alles keinen wert mehr. sozialer zusammenhalt u.ethische werte zählen nichts mehr. die börsen-u. bankenkonzerne, die von wenigen aktionären u. reichen gelenkt werden, dulden kein europa des sozialen wohlstandes mehr. die bürger sollen immer mehr und um immer weniger arbeiten.

Antworten Gast: Atonius Blair
17.04.2012 15:39
3

Re: die katastrophale entwicklung der bankenlobbyeu und dem teuro ist ja ein ergebnis solcher negativauslesen. bürgernähe u soziales ethisches handeln ist schon lange nicht mehr erwünscht. die reichen eliten bestimmen- wer was wird und wer nicht.

Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Und was die Sache noch schlimmer macht: die corporate media spielen hier natürlich mit. Informationsmangel und Verfälschung der Tatsachen durch die Medien für die Öffentlichkeit und allgemeine Verblödung durch tittitainment in den Medien fördert die kriminellen Aktivitäten diese Elite.
Soziale Unruhen sind der einzige Ausweg der sich abzeichnet.

Gast: bezahlte online umfragen
17.04.2012 12:01
0

wenn man das konservative presseforum als repräsentative studie betrachtet

erscheint die politik in österreich statistisch tot.

Gast: Altemanze
17.04.2012 11:39
5

absolut lächerlich, das Alles ;-(

Ich war/bin z. B. eine politische Hochbegabung.
Und nur (?), weil ich mich vor 30 Jahren in Wien 4 NICHT als korrumpierbar erwies, wurde ich dann raschest; politisch abgeschossen...mit echten kriminellsten Machenschaften `garniert`...!!! Letztere sind bis heute kein Thema: NIRGENDS!!!!!!!!!

Und das, obwohl seitdem gleich mehrere Parteien (Grüne, LIF, jetzt die Piraten) auch klar `meine`politischen Inhalte (Grundsicherung, Frauenquoten, Genderpolitics, Anti-atom, Umwelthemen & Energiesparkonzepte) weiter transportieren...diese Themen waren vor gut 30 (dreissig!) Jahren noch verflixt neu...und ich eine der ganz wenigen (damals) JungpolitikerInnen, die diese tlw. auch erfolgreich ins allgemeine Bewusstsein & Politdiskussion beförderte...

Und?

Alles nur LÜÜÜÜGEN....es sollen die Bevölkerungen insgesamt total ENTMACHTET werden, und; genau DAS passiert auch. Züchtet Euch Eure neuen `Jungstars`doch selber. Ach so; passiert grad...und verkehrt...hahaha

Re: absolut lächerlich, das Alles ;-(

Grundsicherung, Frauenquoten, Genderpolitics??

na gottseidank wurden sie abgesägt

es ist doch nicht anders als in der wirtschaft!

auch dort fängt der frischg'fangte magister/bachelor an als trainee, dann wird er/sie assistent und schwupsdiwups ist man vorstand...

und was für ein vorstand...!

Re: es ist doch nicht anders als in der wirtschaft!

In der Wirtschaft benötigt man noch eher Qualifikation
und Leistung.

In der Politik reicht zumeist ein langer Atem und Kontakte.

Der Aufstieg erfolgt nicht mehr von unten(Basis),
oder der Seite(Quereinsteiger),
sondern aus der "oberen Mitte"(Kückenweg).

Dadurch hat man weder Ahnung von den Anliegen der Basis,
noch Ahnung was außerhalb der Politik so Sache ist
und steigt zumeist im Windschatten eines anderen Politikers mit auf.

Die Kritik von Thaler geht auch in die Richtung,
dass eine eigenständige Meinung in Parteien unerwünscht ist,
was bei unseren Parteisoldaten nichts Neues ist.

Dadurch entsteht eine politische Inzucht"elite",
mit den Schauspielen die sich uns eben so bieten(z.B. Pelinka).

Dass so etwas von einem SPler kommt,
wird den Roten aber gar nicht passen.

Re: Re: es ist doch nicht anders als in der wirtschaft!

1.
"In der Wirtschaft benötigt man noch eher Qualifikation
und Leistung."
blauäugig. ein poster-kollege hat es vor langer zeit mal so formuliert:
bis zur postition eines sachbearbeiters muss man qualifiziert sein. was darüber hinaus geht, hat eher mit voodoo als mit qualifikation zu tun.

2.
ich halte ihre 'aufstiegstheorien' für wenig sinnvoll. es steigt in der politik derjenige auf, der das hat, was gerade 'in' ist.
zu manchen zeiten ist es der parteiadel.
zu anderen ein finanziell potenter anschieber.
meist ist es die bessere ellbogentechnik.

doch egal WAS es ist: es ist immer eine auslese, die kriterien wiederspiegelt, die von der gesellschaft (also UNSEREM mehrheitlichen verhalten) vorgegeben werden!
politik wird von vielen hier (ich fürchte auch von ihnen) als projekt gesehen, wo sich die besten und anständigsten und schlauesten und tollsten menschen, kurz: die elite der elite, tummeln soll. NEIN! politiker MÜSSEN menschen wie du und ich sein, ansonsten kann man die reste der demokratie getrost auch noch auf den müll werfen.

Re: Re: Re: es ist doch nicht anders als in der wirtschaft!

@1: Klingt nach staatsnahen Betrieben.

@2:
Die "Aufstiegstheorie" stammt nicht von mir,
sondern von Thaler und diversen Anderen.

Die Aufstiegspraxis hat in jedem der von ihnen genannten Fällen
reichlich wenig mit fachlicher Qualifikation zu tun.

Auch nichts mit Engagement für die möglichen Interessen der Bevölkerung,
sondern immer mit parteiinternen Seilschaften.

Ihre "Auslesetheorie" die unsere Gesellschaft widerspiegeln soll,
sehe ich auch anders,
da diese mittlerweile realitätsfremde Politkaste
ein in sich geschlossener Zirkel ist,
der seine eigenen perversen Gepflogenheiten reproduziert.

@"Politiker sollen wie du und ich sein":

Qualität erfordert Qualifikation!!

Ich werde zum Wohle der Patienten nie als Arzt praktizieren.

Warum unsere Politik ist wie sie ist?

Weil Zahntechniker(Strache), Zahnarztassistentinnen(Bures, "Infrastrukturministerin" in einem Milliardenressort), Installateure(Verzetnitsch, der den ÖGB mit an die Wand gefahren hat),
usw.
nicht ihrer Qualifikation entsprechend eingesetzt werden.

Deshalb heißt es über die Ergebnisse der Politik auch immer:
"Operation gelungen,
Patient tot".

Re: Re: Re: Re: es ist doch nicht anders als in der wirtschaft!

ich teile in gewissem maß ihre kritik an der politik.

ihr glaube an wirtschaft bzw bevölkerung allerdings ist völlig realitätsfremd!
was in DIESEM bereich abläuft ist das wahrhaft haarsträubende. und die politik ist im vergleich dazu supersauber und superideell!!!

Gast: Pflichtfeld
17.04.2012 10:53
3

Schaut so aus...

als ob Hirn und Integrität nicht ins Anforderungsprofil passen...

Re: Schaut so aus...

es schaut so aus, als ob in einer monetär orientierten gesellschaft für hirn und integrität am wenigsten bezahlt wird.

Re: Schaut so aus...

es schaut so aus, als ob in einer monetär orientierten gesellschaft für hirn und integrität am wenigsten bezahlt wird.

Aalglatte Strippenzieher.....

Faymann!

Gast: Robert45
17.04.2012 10:18
6

Österreich funktuoioniert wir Nordkorea oder Kuba

Ohne einem Parteibuch ist man bei uns nicht ausreichend qualifiziert. In den Ministerien, den Landtagen, in den Staatsbetrieben, bei den staatsnahen Unternehmen, Richter, Staatsanwälte, Post, Polizei, Universitäten bis zum Staatsfunk..... überall werden im Proporz Parteigünstlinge mit hochbezahlte Jobs versorgt.

Diese Parteigänger berichten im Staatsfunk dann ihre "unabhängigen" Informationen.

Der Volksmund sagt: "In NÖ kannst als Roter Bundeskanzler werden, sonst aber nichts. Nicht einmal Portier oder Straßenwärter".

Gast: freund?
17.04.2012 10:14
5

der österreichische spitzenpolitiker..




ein spitzenprodukt des schleim?

das KANN ich nicht glauben !

Gast: so viele kluge menschen hier
17.04.2012 09:59
4

Junge Karrieristen eignen sich ihr Know-How in Regierungsbüros und Parteisekretariaten an und steigen auf, ohne sich die langen Bewährungsjahre an der Basis antun zu müssen.

Warum nur muss ich da zB. an Kurz und Rudas denken ?

Re: Junge Karrieristen eignen sich ihr Know-How in Regierungsbüros und Parteisekretariaten an und steigen auf, ohne sich die langen Bewährungsjahre an der Basis antun zu müssen.

sie können auch an den karlheinz denken und sich die besetzungscouch dazudenken...

Gast: gast45
17.04.2012 09:59
2

kücken laura :-)

man stelle sich vor die laura sagt .. werner jetzt redest aber blödsinn :-):-)

Gast: tc_t
17.04.2012 08:58
10

NUR

welcher mensch mit charakter will schon politiker werden....?

 
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