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Pilz-Vorstoß: Grüne und Piraten in einem Boot?

17.04.2012 | 18:20 |  PHILIPP AICHINGER UND ULRIKE WEISER (Die Presse)

Die Idee, Piraten auf der grünen Liste kandidieren zu lassen, kommt kaum an. Die ÖVP hegt eine andere Strategie gegen Freibeuter.

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Wien. Die Piraten haben es am Dienstag ins Kanzleramt geschafft – zumindest als Thema: Im Pressefoyer nach dem Ministerrat erklärte Vizekanzler Michael Spindelegger zum Wahlerfolg der Innsbrucker Piraten(-splittergruppe), dass „Piraten nicht die Oberhand gewinnen“ dürften.

Und: „Piraten gegen die Demokratie einzusetzen, halte ich nicht für den richtigen Weg“, meinte er – um kurz darauf etwas zurückzurudern und zu betonen, dass er mit „Piraten“ jetzt gar nicht unbedingt die Vertreter der Piratenpartei gemeint habe. Spindelegger nutzte das offenbar komplizierte Thema dann auch lieber, um Werbung für das Demokratiepaket der ÖVP zu machen. Man wolle Demokratie lebendiger machen, indem etwa Bürger Volksabstimmungen erzwingen können sollen. Mit den Neuerungen, so hofft er, werde man den Piraten das Wasser abgraben.

 

Pilz-Vorschlag als Einzelmeinung

Die Grünen könnten dagegen auf eine andere Taktik setzen: Mandatar Peter Pilz plädierte gegenüber der „Kleinen Zeitung“ dafür, die Piraten ins Boot zu holen: Bei der Nationalratswahl 2013 solle es Piraten auf der grünen Wahlliste geben – „und zwar auf absolut wählbaren Plätzen“. Mit der Parteispitze ist das allerdings nicht abgesprochen. „Das war und ist kein Thema“, sagt Bundesgeschäftsführer Stefan Wallner. Es handle sich um eine Einzelmeinung. Zumal die Innsbruck-Wahl gezeigt hätte, dass die Piraten vor allem bei der „Protestpartei FPÖ“ fischen würden. Deutsche Wahlstromanalysen würden ebenfalls beweisen, dass die Piraten nicht in erster Linie mit den Grünen konkurrieren.

Aber könnte ein Kooperation nicht inhaltlich sinnvoll sein? Bundesrat Marco Schreuder, der als grüner Netzpolitiksprecher den Piraten bei ihrem Kernthema am nächsten steht, ist von der Idee mäßig begeistert: „Ich halte sie für nicht unbedingt verfolgenswert.“ Viele Positionen der Piraten seien zu unklar, manche – Stichwort: Beteiligung von Frauen – sogar grundverschieden. Gerade in Innsbruck habe es auch „rechte Umtriebe“ bei den Piraten gegeben – „da wollen wir nicht anstreifen“.

Zusammenarbeit in der Fragen der Netzpolitik kann sich Schreuder jedoch vorstellen: Im EU-Parlament hätten die Grünen mit den schwedischen Piraten gute Erfahrungen gemacht. Allerdings sieht Schreuder auch hier „atmosphärische Unterschiede“ – Stichwort: Urheberrecht. Die Grünen suchen den Kompromiss mit den Künstlern, während sich in Deutschland die Piraten gerade den Zorn einiger namhafter Komponisten und Literaten zugezogen haben.

Dass sich die Grünen von den Piraten die Netzpolitik haben abspenstig machen lassen, bestreitet Schreuder: „Ich denke da weniger parteipolitisch als manche Journalisten.“ Er sei sogar dankbar, dass die Piraten das Thema aus der „Nerd-Ecke“ herausgeholt hätten: „Wenn ich Journalisten vor drei Jahren davon erzählt habe, hieß es immer, das ist kein Thema.“ Angst vor Konkurrenz hat er nicht: „Wegen der Netzpolitik wählt keiner die Piraten, da geht es nur um Protest.“ Und: Unsere Wähler sind gebildet und anspruchsvoll: Die erwarten ein Parteiprogramm.“

 

Piraten sagen: „Eher nein“

Auch bei den Wiener Grünen, Schreuders politischer Heimat, wälzt man keine Pläne à la Pilz. „Ein Angebot für ein fixes Mandat gibt es sowieso für niemanden“, sagt Klubobmann David Ellensohn. Generell könne jeder bei den Grünen kandidieren – aber bei der Wien-Wahl 2010 gab es „von Piraten auch gar kein Interesse“. Und was sagen die Piraten selbst? Die müssen, so heißt es aus dem Bundesvorstand, über die Pilz-Idee erst diskutieren – die Zeichen stünden „eher auf Nein“.

Sollte es trotzdem zu einer Zweckgemeinschaft von Grünen und Piraten bei der Nationalratswahl kommen, wäre das auch kein Neuland: 2006 nahm die SPÖ mit Alexander Zach einen Vertreter des Liberalen Forums mit ins Parlament. Die Liaison endete rasch. 2008 kandidierte das Liberale Forum wieder eigenständig, verpasste jedoch den Parlamentseinzug.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.04.2012)

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52 Kommentare
 
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Gast: Lukas
24.04.2012 11:31
0 0

Piraten werden sich nicht mit Grün verbinden

sonst hätten sie bereits im Vorfeld die besten Chancen vertan...

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Pilz-Vorschlag als Einzelmeinung

Warum zeigt sich dann der Öllinger als Pirat auf seiner FB-Seite.
Die Gender-GrünInnen wollen die Piraten-Männer-Gruppe nicht .
Piraten in Deutschland haben dortige Grüne bei der Forderung nach Abschaffung des Inzest-Paragraphen übrigens unterstützt. Wie die hier in Ö dazu stehen, weiß ich nicht - ein wirkliches Programm dürften sie nicht haben.

haha

Guter und lustiger Versuch von Pilz. Ich trau den Piraten in Österreich zu, die Grünen zu überholen...eher plumper Versuch der Vereinnahmung.

Schwindelegger braucht übrigens auch bald keiner mehr, nachdem die ÖVP gegen 15% abgerutscht seinw ird.

Gast: Katzöfi
18.04.2012 16:02
0 1

Grüne minus Gender/Feminismus-Idee

ist gleich Piraten. Und - endlich wieder wählbar!

Antworten Gast: Erfrvt
19.04.2012 06:16
0 0

Re: Grüne minus Gender/Feminismus-Idee

Grüne - Ideologie - Programm = Piraten

Gast: 33423s
18.04.2012 15:56
1 0

Piraten und Feministinnen

werden nie zusammenarbeiten können. Hier eine Gruppe für weniger Staat (wie früher die Grünen), da eine Gruppe für mehr Staat (ala Feministinnen oder Grüninnen) ...

Ja wen meinst du denn dann Käptn Spindi?

Was labert der denn da:
"„Piraten gegen die Demokratie einzusetzen, halte ich nicht für den richtigen Weg“, meinte er – um kurz darauf etwas zurückzurudern und zu betonen, dass er mit „Piraten“ jetzt gar nicht unbedingt die Vertreter der Piratenpartei gemeint habe."
Außer den Piraten der Piratenpartei gibt's ja politseemeilenweit keine piraten. oder meint käptn spindi vieleicht den schrecklichen HC, den meuterer im bürgerlichen lager?
Einen Wickie in der ÖVP seh ich nicht. Wird nicht gut ausgehen, befürchte ich, käptn spindi

Spindi was is los mit dir?

" ...erklärte Vizekanzler Michael Spindelegger zum Wahlerfolg der Innsbrucker Piraten(-splittergruppe), dass „Piraten nicht die Oberhand gewinnen“ dürften."

Mensch, Spindi das sind keine echten piraten die nennen sich bloß so, genauso wie ihr euch christlich-sozial nennt.

Gast: Bello
18.04.2012 13:41
7 2

Grüne-Piraten

Beide haben dieselbe Zielgruppe - Egomanen mit Halbbildung und Sendungsbewustsein und den unbändigen Willen auf Kosten der Allgemeinheit schön zu leben. Der geschulte Marxist Pilz wittert die Konkurenz.

3 1

Pilz-Piraten

So ganz verstehe ich Hrn. Ellensohn nicht. Zwei drei Piraten einen sicheren Mandatsplatz anbieten und er wäre Pilz los, der mit seiner Masche den Grünen eher Probleme, als Erfolge bringt.

Re: Pilz-Piraten

Die Grünen sind insgesamt ihr eigenes Problem. Pilz oder nicht macht da keinen Unterschied.

Gast: Hans im Glück
18.04.2012 13:23
4 2

Die Piraten sind nicht grün hinter den Ohren...

Sie sollen eine neue, eigenständige Partei bleiben.

Die grüne Mamba soll ihre Nase nicht überall reinstecken.

Lasst euch nicht runter kriegen, ihr tapferen Piraten.

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Uh, der Pilz liebäugelt...

schon mal mit dem neuen potentiellen Brötchengeber? ...weil der alte zu wenig attraktiv wird/ist?

Wer hat denn...

... eigentlich das "Sagen", bei den GrünInnen??

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Re: Wer hat denn...

Alle - nur nicht die männlichen Maxerln.

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Re: Wer hat denn...

Die selbsternannten "Amazonen" :-)

Die nackte Angst...

...den eigenen Platz am Futtertrog zu verlieren, steckt wohl hinter dieser Idee...

Volle Zustimmung !!!!


Gast: barney stinson
18.04.2012 11:24
9 0

der erfolg der piraten

zeigt doch nur, dass es mittlerweile viele menschen gibt, die mangels alternativen sogar völlig inhaltsleere chaoten (sorry, nicht persönlich gemeint) lieber wählen, als diese korrupten vertreter der altparteien. jetzt stelle man sich mal vor, welches potential eine neue partei hätte, die tatsächlich inhalt und programm hat.

Antworten Gast: fugazi
18.04.2012 12:21
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Re: der erfolg der piraten

bei unserer fehler-such gesellschafft kann eh kommen wer will, inhalte, programme und ideen haben bis zum geht nicht mehr...

wir finden schon den fehler!


Gast: jajajajaja
18.04.2012 11:11
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"Die erwarten ein Parteiprogramm"

liebe gruenen: wieviele eurer waehler haben je das parteiprogramm gelesen?

glaubt ihr wirklich den stuss?

Gast: international_
18.04.2012 10:48
7 0

piraten sind eben priaten

piraten haben kein programm - das sagen sie selbst.

somit sollten die werten parteiführer erkennen, dass die piraten-wähler (wie weiß-wähler) einfach protestwähler sind, die die verkrusteten und offensichtlich auch korrupten altstrukturen aufbrechen wollen.

das einzige rezept gegen die piraten für die bestehenden pareien ist, sich selbst zu ändern - und das gründlich und blitzschnell, weil sonst ist es für die nächste wahl zu spät.

ob die das allerdings wollen und können ist sehr fraglich.

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armer Pilz

er sieht halt das Unheil schon über seine systemtreue Pseudo-Alternativ-Partie hereinbrechen. Aber irgendwie charmant, wie offensichtlich (also zumindest für halbwegs mitdenkende Menschen) Pilz seine grüne Torschlusspanik nach außen trägt.

Grüne in Wien

Sie könnten unter 3% fallen !!!

Verzichtet Peter Pilz auf sicheren Listenplatz?

Wird Peter Pilz bei den nächsten Nationalratswahlen auf seinen sicheren Listenplatz verzichten?

Andreas Maislinger

Wenn das wahr werden würde....

...braucht niemand mehr die Piraten. Die sollen ja schließlich die "Alternative" zu den unwählbaren, etablierten Parteien sein; und die Grünen sind um nichts besser als alle anderen, sie stehen nur sehr weit mehr im linken Eck, vertreten eine abstruse Öko- Ausländer und Sozialpolitik. Was also soll denn DAS bitte werden?

 
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