Krankenstand: Kontrolle bei "schwarzen Schafen"

22.04.2012 | 15:36 |  von Karl Ettinger (DiePresse.com)

Das Thema Krankenstand lässt die ÖVP nicht los. Wiens neue ÖAAB-Chefin Tamandl schlägt eine Alternative zur vom Wirtschaftsbund geforderten Streichung des Lohns am ersten Krankenstandstag vor.

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Wien. Dem Vorschlag des ÖVP-Wirtschaftsbundes, den ersten Tag im Krankenstand nicht mehr zu bezahlen, erteilt sie prompt „eine klare Absage". Im Gespräch mit der „Presse" lässt aber eine schwarze Arbeitnehmervertreterin bei diesem heiklen Thema aufhorchen. Gabriele Tamandl, die am Donnerstag dieser Woche zur Wahl als neue Wiener ÖAAB-Chefin antritt, schlägt vor: Wenn Unternehmen beweisen können, dass bestimmte Beschäftigte sich nachweislich mehrmals an Montagen, Freitagen oder an sogenannten „Fenstertagen" zur Verlängerung der Wochenenden krank melden, sollten die Firmen von der Sozialversicherung sofortige Kontrollen der Betroffenen verlangen können, um Missbräuche abzustellen.

>>Umfrage: Krankenstände - Gehalt kürzen, strenger kontrollieren?

Tamandl, die ÖVP-Nationalratsabgeordnete und Steuersachbearbeiterin in einer Steuerberatungskanzlei ist, äußert sich differenziert zur Forderung der Wirtschaft, in Österreich sollte es keine Lohnfortzahlung zu Beginn eines Krankenstandes mehr geben. Der SPÖ-dominierte ÖGB hat das strikt abgelehnt. „Ich verstehe die Intention des Wirtschaftsbundes", versichert die designierte Wiener ÖAAB-Chefin, aber: „Ich halte den Vorschlag für einen Pauschalvorwurf. Wenn man dem Missbrauch Herr werden will, dann muss man schauen, wie bekomme ich die schwarzen Schafe heraus."

„Kollegen sind selbst die Draufzahler"

Unternehmen, die beweisen könnten, dass bestimmte Dienstnehmer fünf- oder zehnmal - über die genaue Anzahl könne man reden - sich ausgerechnet vor oder nach einem Wochenende krank melden, müssten sich an die Sozialversicherung wenden. Diese müsste in dem Fall noch am selben Tag einen Kontrollor ausschicken. Werde jemand dann zum ersten Mal dabei ertappt, dass er gar nicht krank ist, könne man es noch bei einer Verwarnung belassen, so Tamandl. Sie ist der Ansicht, dass dies bereits eine entsprechend abschreckende Wirkung habe.
Die schwarze Arbeitnehmervertreterin ist sicher, dass sie auch Verständnis bei Beschäftigten ernte, wenn damit der Missbrauch durch „schwarze Schafe" abgestellt werde. Denn, so Tamandl: „Die Kollegen sind selbst die Draufzahler."

Seitenhieb auf die Frauenministerin

Als künftige Wiener ÖAAB-Chefin will sich Tamandl vor allem auch für das Schließen von Einkommenslücken zwischen Frauen und Männern einsetzen. Sie kritisiert in diesem Zusammenhang auch Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) unverblümt: Es gebe „bessere Möglichkeiten", um die Einkommenslücke zu schließen, als die ständigen Einkommensberichte und Frauenförderungspläne. Konkret müssten Karenzzeiten von Eltern - derzeit sind das großteils noch Mütter - bei den Gehaltsvorrückungen in den Kollektivverträgen angerechnet werden. „Elternkarenz darf nicht zum Nachteil werden", verlangt die ÖVP-Politikerin.

Aus diesem Grund verlangt sie auch eine Verbesserung der Anrechnung von Erziehungszeiten für die Pension. Auch von dieser Maßnahme würden derzeit zum allergrößten Teil Mütter profitieren. Demnach sollen den Müttern (aber auch Vätern in Karenz, Anm.) in jedem Fall volle vier Jahre für die Pension angerechnet werden. Derzeit ist das nicht der Fall, wenn Kinder in einem kürzeren Abstand geboren werden. Dies wäre eine Gegenmaßnahme, um die länger werdende Zeit, die für die Pensionsberechnung herangezogen wird, auszugleichen.
Generell müsse es eine bessere sozialrechtliche Absicherung von Menschen mit atypischer Beschäftigung (Werkvertragsnehmer, geringfügig Beschäftigte) geben, deren Zahl zunimmt. Das betreffe beispielsweise die Auszahlung von Krankengeld.

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423 Kommentare
 
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Sorgen haben die


Gast: Michi_Wien
24.04.2012 22:23
2

Wann arbeiten dann Wiener Gemeindebeamte?

wenn die bis zu 7 Wochen Urlaub haben und dann auch noch fast 4 Wochen krank sind?

Anderseits haben sie auch nur ein kleines Gehalt und müssen früher in Pension, die zudem auch noch ganz gering ist!

Die den Hals nicht voll kriegen 3


Die den Hals nicht voll kriegen 3

Mit der falschen Überschrift, denn die Krankenstände in Summe je Beschäftigten sind zurückgegangen. Jetzt will man halt noch mehr herausquetschen.

Kein Denkverbot, das wäre ja bei der ÖVP ganz neu. Wie heist es so schön, Gier macht erfinderisch.

http://www.europa-heute.com

ÖVP

Wo ist die ÖVP der Nachkriegszeit? Die Bürgerpartei gibt's nicht mehr, jetzt gehts nur mehr ums nackte Überleben. Quo Vadis ÖVP. Der HC Freud sich jetzt schon, und er braucht nichts zu tun als nur warten und sich die Hände zu reiben.

Gast: Na und?
24.04.2012 15:18
2

1 + 1 = 2

Heißt hier: Unbezahlte Überstunden werden gerne in Krankenstandstagen konsumiert.

Abgesehen davon sollten alle Mehrstunden zumindest aufgezeichnet werden. Damit man sieht, daß theoretisch Arbeit für alle da wäre. Nur wird sie halt immer öfter ohne Bezahlung oder sonstigen Ausgleich erledigt...

Gast: J.F.
24.04.2012 14:40
1

ja genau...

Arbeitnehmer sind Kürzer krank ABER oft -
und
auch länger krank...

Gast: Baur4
24.04.2012 13:53
3

Darum wählen auch immer weniger diese ÖVP!

Bei ihren Wählergruppen sind die Schwarzen viel großzügiger.

90% der Bauenr zahlen im Jahr! nur mehr € 200.- Steuern! So viel zahlt jeder Kleinverdiener im Monat - und die SPÖ schweigt dazu....

Re: Darum wählen auch immer weniger diese ÖVP!

90 % der Bauern ...
Wissen Sie dann auch, was die mit ihrer bäuerlichen Arbeit einnehmen ? Praktisch nichts.
Die sind deshalb "Bauern", weil sie seit altersher ein paar Joch Grund bäuerlichen Besitz haben und da noch etwas rausschöpfen.
Vom Beruf sind diese Bauern Maurer, Baggerfahrer, ... und zahlen Steuern in derselben Rate wie Sie, und bewirtschaften in ihrer Freizeit ein paar Äcker. Rechnen Sie für 1 Hektar Maisfeld einen netto-Ertrag von 1.- öS je m2, dann sind das rund 700.- Euro je Jahr. Unsere Struktur ist kleinbäuerlich. Der alleinge Ertrag aus der bäuerlichen Arbeit (dann auch noch für Kinder, ...) reicht nicht zum Verhungern.
Obwohl der Maurer-Bauer, Baggerfahrer-Bauer Kranken- und Rentenversicherung bezahlt, wie Sie auch von ihrem Lohn, will die Bauernkrankenkassa nochmal Beiträge, basierend auf der Fläche, auch dann, wenn der netto-Ertrag 0.- Euro beträgt.

Focussieren Sie sich auf die 10 % Bauern (Mayr-Melnhof, Mennsdorf-Pouilly, ...) aber nicht auf die 90 % Hungerleider; die dann als Maurer, Baggerfahrer, ... pendeln müssen.

Re: Re: Darum wählen auch immer weniger diese ÖVP!

Das selbe gilt für alle doppelt Versicherten, es wird bis zur Höchstbemessungsgrundlage bezahlt.

Je Kleiner des wichtiger kann sich die Verwaltung fühlen.

Leider

Re: Re: Re: Darum wählen auch immer weniger diese ÖVP!

Sie wollen wohl nicht verstehen. Sie zahlen einen Beitrag von Ihrem Verdienst. Ein Kleinbauer zahlt für seine Fläche Beiträge, auch dann, wenn er NULL Ertrag hat.

Re: Re: Darum wählen auch immer weniger diese ÖVP!

Alles gut und schön, ur die Pauschalierung gilt für bäuerliche Betriebe bis ca. 100ha und diese sind sicher keine Hungerleider.

Re: Re: Re: Darum wählen auch immer weniger diese ÖVP!

oben stand was von 90 % der Bauern. Diese haben nicht hundert Hektar. Bis zu 100 heißt nicht "hat hundert".
Ich habe nichts dagegen, diese Grenze zu senken, z.B. auf 20 Hektar.

Re: Re: Re: Re: Darum wählen auch immer weniger diese ÖVP!

Ihr Hinweis ist durchaus richtig, aber die Regelung ist mehr als pervers. Jeder kleine freie Dienstnehmer mit einem Jahreseinkommen von aoft nur 14000 bis 20000€ muss dem Finanzamt eine Einnahmen-Ausgabenrechnung vorlegen. Warum können das die Bauern nicht?

Re: Re: Re: Re: Re: Darum wählen auch immer weniger diese ÖVP!

Sie könnten es ... aber diese Buchführung, Rechnerei auf niedirgstem Niveau... und wenn man es pingelig genau betreibt, nach Leitbild der Steuerberater der Angestellten, was da alles steuerlich absetzbar ist, dann käme raus, daß jeder Kleinbauer Verlust macht, und dann nicht mal die Pauschale griffe; um die dann der Staat umfiele.

Versuchen Sie mal, Das Gras von ein paar Hektar Wiesen zu vermarkten, ohne daß Sie selbst Kosten reinstecken. Sie müssen eher bezahlen, damit jemand das Gras mäht und abholt. Klar, warum; Gras wird von Rindern gefressen, Rindfleich beziehen wir aber aus Argentinien. Daß der Milchpreis unter den Produktionskosten liegt, werden Sie auch gelesen haben. Schlachten dürfen (unsere) Bauern nurmehr dann, wenn Sie ein eigenes Schlachthaus haben. Unsere Kleinbauern zappeln in der Luft an vielen Leinen.
Wissen Sie, was ein Traktor mit Mähwerk und Anhänger kostet? Wissen Sie, was der Maschinenring für eine Stunde mit Balkenmäher verlangt? ( vor etwa 15 Jahren, als mein Balkenmäher kaputt war, verlangte der Maschinenring 500.- öS für die Stunde; nur mähen, aber ohne Wenden, Häufeln, aufladen und Abtransport). Das Gras kauft keiner, es ist sogar schwierig jemanden zu finden, der das gegen Geld abtransportiert.
Wie schon geschrieben, bei Großbauern ist das anders, die dürfen Erntehelfer aus Polen, Ukraine .. beschäftigen; da kommt kein Kleinbauer mit seinem Arbeitseinsatz mit. Das ist die Konsequenz der Konsumforderungen unserer Städter; immer billiger.

schwarzes schaf

ams !!
ams österreich !!

Gast: Reformgeist
24.04.2012 13:28
1

Wirtschaftskammer abschaffen!

Das würde zwar den Saftladen ÖVP um eine bedeutende Einnahmequelle bringen, aber die Gemeinschaft der ehrlichen Firmen wird's uns danken.

ich würde mal empfehlen

alle sogenannten sozialen vereine zu kontrollieren, die vom ams finanziert werden... da fließen gelder in irgendwelche institutionen, da bereichern sich die oberen... da wird steuergeld verbrannt......

ein arbeitsloser kostet am ams: 1.000 euro
bei so einem angelblichen sozialverein 3.000 euro an steuergelder
das der mittelstand nicht rechnen kann, erkennt man an deren kindern

Gast: ROTFRONT
24.04.2012 13:14
1

Jeder, der keinen Krankenstand hat soll 50% mehr verdienen und die Kranken sich das Gehalt im Krankenstand selber zahlen.

Aber dann sind ja nicht die vielen Milliarden Euros für die schwarzen Bonzen über, die dann straffrei durch ÖVP-Beschluss steuerfrei in der Schweiz angelegt werden können.

Gast: jajajajaja
24.04.2012 13:14
2

sind die paralmentarier eigentlich auch alle im krankenstand

schliesslich ist das parlament ja die meiste zeit leer?

Gast: övp will unter 5%
24.04.2012 13:10
4

...

sehr amüsant, diese ÖVP.

der Umstand, dass ich mich -Vernunft und Produktivität zum Trotz- auch oftmals mit 37° und beginnender Erkrankung zur Arbeit schleppe, oder schaue, dass ich möglichst flott wieder auf den Beinen stehe und zur Arbeit zurückkehre, wird jetzt auch noch bestraft, weil ich offensichtlich "nicht lange genug" krank bin.

Ja, gerne, das können wir so machen. Dann bleibe ich ab jetzt auch bei nem ordentlichen Infekt mit Husten + Schnupfen 7 Tage daheim, bis das Schädelweh weg und die Nebenhöhlen frei sind.
Wenn ich auch noch zur Kassa gebeten oder santkioniert werden soll, weil ich meist nach einem oder zwei Tagen im KS mit Nasenspray, Parkemed 500, irgend einer Gurgellösung und Halswehtabletten in der Arbeit stehe, kann mich diese Tro**elpartei gern haben!!!!

Gast: nkerl
24.04.2012 12:59
0

unglaublich, wieviele sich vor den Karren der ÖVP

spannen lassen.Es ist ja nicht so, dass eine eventuelle Personalkosteneinsparung die Preise senkt oder die Konkurrenzfähigkeit erhöht, nein, die fliesst in die Privatschatulle und vermutlich gleich in die Schweiz, damit sie von dort von der Fekter steuerschonendst repatriiert werden können. Gehts der Wirtschaft gut,gehts der Wirtschaft sehr gut.

Sieben Prozent

Warum wird das jetzt so zum Thema gemacht?

Überall steht dass die Krankenstandstage pro Mitarbeiter sinken und dann gibts jetzt auf einmal Handlungsbedarf gegen 7% der Fälle was zu unternehmen die drei oder weniger Tage krank sind?

Mal davon abgesehen dass sich weniger als 4 Tage schon dadurch ergeben kann dass man ab Samstag krank war ist das allerwichtigste im Artikel folgender Teil:

"Im Regelfall ist dann betriebsintern geregelt, ab welchem Tag eine sogenannte Krankschreibung durch einen Arzt vorgelegt werden muss, vielfach wird diese Krankschreibung ab dem dritten Krankenstandstag verlangt."

Wenn ein Unternehmen Probleme damit hat seine Mitarbeiter zu motivieren und nicht blau zu machen soll es die Krankenstandsbestätigung einfordern.

Die aktuellen Vorschläge der ÖVP Hanseln kommen irgendwie nur als Anfang rüber dass Unternehmen irgendwann keine Krankenstände mehr zahlen wollen ohne Gehaltsausgleich natürlich.

In meiner Firma gibt einen zusätzliche Bonus am Ende von Jahr abhängig davon wieviel Tage man die letzten drei Jahre krank oder in der Arbeitszeit beim Arzt war.


Antworten Gast: almöhi
24.04.2012 15:29
2

Re: Sieben Prozent

weil sie den Hals nicht vollkriegen können,
die Christlichen. Wenn , dann muss man eine Zitrone schon ordentlich ausquetschen.

Gast: sid
24.04.2012 12:48
2

Davon wurden 38 Prozent der Untersuchten für arbeitsfähig befunden

...wenn ich als Beamter erst ab den dritten Krankheitstag eine Bestätigung vom Arzt brauche, und meine Abwesenheit nicht einmal auffällt, weil die Arbeit auch bei Anwesenheit schon mal liegen bleibt, wundert es mich keineswegs, dass Beamte pro 2 Arbeitswochen 2 Tage "krank" sind.
Meine Lebensgefährtin bekommt im Krankheitsfall gar nix. Voller Lohnentgang. Da wird die Sozialversicherung an den tatsächlich gearbeiteten Tagen bemessen. Sie zahlt dann halt weniger Sozialversicherung, wenn sie krank ist (!?). Da geht man dann lieber mit "Husten, Schnupfen, Heiserkeit" arbeiten, sonst kann man die Miete nicht bezahlen.
How sic is that?

Gast: Win win with ÖVP
24.04.2012 12:26
0

Den erste Krankenstandstag unbezahlt

und dafür den Sozialversicherungsbeitrag ab 2013 um 10 Prozent erhöhen?

 
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