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Kampf gegen Sozialbetrug: "Drahtziehern Handwerk legen"

23.04.2012 | 18:25 |   (Die Presse)

Die Behörden bündeln bundesweit ihre Kräfte gegen den "organisierten Pfusch": Die Bundesregierung geht verstärkt gegen Scheinfirmen vor. Der Schaden für den Staat macht in Summe weit mehr als 200 Mio. Euro aus.

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Wien/Ett. Es geht um dreistellige Millionenbeträge, die der Finanz und der Sozialversicherung entgehen. Entsprechend findig und gerissen sind jene Hintermänner, die hinter Scheinfirmen stecken und mitunter Dutzende oder sogar hunderte Arbeitnehmer beschäftigen. Wenn die öffentliche Hand dann Steuern und Sozialversicherungsbeiträge einfordert, werden diese Firmen liquidiert, die Suche nach Verantwortlichen endet nicht selten bei Strohmännern. So passiert es dann, wie der Leiter des Bundeskriminalamts, Franz Lang, schildert, dass der Name eines bosnischen Bauern als Geschäftsführer einer Baufirma in Österreich aufscheint. Jene, die alles „eingefädelt“ haben, sind hingegen für die heimischen Behörden meist nur schwer dingfest zu machen.

Im Kampf gegen diese Form des organisierten Sozialbetrugs werden künftig die personellen Kapazitäten und Experten in den zuständigen Ministerien (Innen-, Finanz-, Sozial- und Justizressort) gebündelt. Insgesamt 100 Spezialkräfte werden dafür geschult. Sie sollen ab Juli bundesweit verstärkt mit der Sozialversicherung zusammenarbeiten, wie Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) gemeinsam mit Lang bei einer Pressekonferenz ankündigten.

 

„Dahinter ist viel kriminelles Potenzial“

Damit werden entsprechende Pilotprojekte in Wien und Graz nun auf ganz Österreich ausgeweitet. Die Innenministerin stellte klar, worum es vorrangig im Kampf gegen organisierten Sozialbetrug gehe: Das Ziel sei, „den Drahtziehern das Handwerk zu legen“. Diese verstärkten Aktivitäten richteten sich ausdrücklich nicht gegen in Österreich übliche Nachbarschaftshilfe, etwa für Häuselbauer, assistierte der Sozialminister.

„Hinter diesen Firmen steckt sehr viel kriminelles Potenzial“, betonte Bundeskriminalchef Lang. Seit 2010 habe es im Rahmen der Pilotprojekte insgesamt 19 Verurteilungen gegeben. In acht Fällen habe es sich dabei tatsächlich um die „Drahtzieher“ dieser Machenschaften gehandelt, bei denen Geschäftsführer diverser Scheinfirmen bis zu 20 unterschiedliche Identitäten angenommen haben. Der Schaden für den Staat machte in Summe weit mehr als 200 Millionen Euro aus. Für Hundstorfer ist allein deswegen klar: „Sozialbetrug soll und darf kein Kavaliersdelikt sein.“

Das Problem ist, wie die Innenministerin erläutert hat, längst nicht mehr auf den organisierten Pfusch mit ausländischen Arbeitnehmern auf Baustellen beschränkt. Inzwischen würden sich solche Scheinfirmen auch in der Gastronomie, bei Transportunternehmen und Speditionen, aber auch beim Personal-Leasing etablieren. Mikl-Leitner hob zugleich hervor, dass sich die verstärkten Maßnahmen gegen organisierten Sozialbetrug nicht gegen ordentlich tätige Unternehmen richten, die vielmehr mit dem unfairen Wettbewerb durch Scheinfirmen zu kämpfen hätten.

Zwar wird derzeit noch von Experten der Universität Wien begleitend geprüft, was zusätzlich zur Eindämmung des Sozialbetrugs notwendig sei. Neue gesetzliche Maßnahmen hält Sozialminister Hundstorfer dabei vorerst nicht für vorrangig. Schließlich wurden neue Antidumpingvorschriften erst im Vorjahr beschlossen, strengere Gesetzesvorschriften bei Sozialbetrug wurden 2010 umgesetzt. Außerdem gilt die Anmeldung bei der Sozialversicherung nunmehr ab dem ersten Arbeitstag.

 

„Tricksereien“ bei Meldungen

Inzwischen müssen auch die Baustellen in einem Kataster eingetragen werden, damit die Einsatzgruppen der Ministerien und der Sozialversicherung bei Aktionen gegen den Sozialbetrug Baustellen leichter finden. Aber wahrscheinlich werde es auch bei den Baustellenmeldungen durch Scheinfirmen „Tricksereien“ geben, so Hundstorfer.

Auf einen Blick

Nach Pilotprojekten seit 2010 in Wien und Graz wird jetzt die Zusammenarbeit mehrerer Ministerien (Innen-, Sozial-, Finanz- und Justizressort) mit der Sozialversicherung bundesweit ausgebaut. Ab Juli dieses Jahres sollen dann speziell geschulte Kräfte, die gegen groß aufgezogene Scheinfirmen, die den Staat um Steuern und Sozialbeiträge prellen, in allen Bundesländern verstärkt kooperieren, zum Einsatz kommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.04.2012)

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22 Kommentare

Flotte Jungs

Nach Jahren der Untätigkeit wachen unser Beamten auf !!! Da wir ohnehin 50% zuviele Beamte haben frage ich mich was die wohl tun !!!

Gast: Ich bin der Meinung
24.04.2012 12:31
1 0

Ein Teil des Sozialbetrugs ist das Sozialsystem

wobei es es
1. zu hohe Steuern auf Arbeit gibt und
2. Sozialbeiträge keinen Anreiz bieten für Prävention etc.
usw.


Gast: Gerechtigkeitsfanatiker
24.04.2012 12:11
1 0

Alle sind, gleich, nur manche sind "gleicher"!?

Nicht vergessen: Unter Sozialbetrug fallen auch alle "arbeitsscheuen" Sozialschmarotzer!
Nur, die sollte man nicht mit Geld und Häf`n strafen, sondern mit Tätigkeiten die der Allgemeinheit dienen, wie z.B.:
- Schneeräumung
- Straßen kehren (Sie gehen ja auch darauf, obwohl sie keine Steuern dafür entrichten!)
- Rettung
- Pflegedienst
- Feuerwehr
- usw....................
..natürlich unentgeltlich, das sie sowieso teilweise mehr Einkommen haben, wie so mancher arbeitender Mensch!

Volle Zustimmung !!!


1 0

Das System gehört neu erfunden (geregelt) damit es eben keinen Anreiz für die Pfuscher gibt, doch es ist schwer sich Österreich OHNE Pfusch vorzustellen! Pfusch und Österreich gehen Hand in Hand, und es ist egal OB man über eine Scheinfirma diskutiert oder Mega Baukonzerne! Der Österreicher neigt über alles zu schimpfen, doch das angekratzte Selbstbild freut sich aber wenn man bei der Renovierung der alten Wohnung doch einen Pfuscher aus dem Osten billigst bekommt, weil man es sich sonst gar nicht leisten könnte!!!

Ich muss immer an den "geprüften" "Meisterbetrieb" bla bla Bullshitter der unsere neue Waschmaschine verkehrt angeschlossen hatte. Er kam mit einem Lehrling, der wie der letzte Dreck behandelt wurde, und dann die Überraschung:

Neue Waschmaschine €299,-
Waschmaschine installieren lassen durch den Wunder-Wuzzi der Installateurenwelt €276,-

Aber wichtig ist eben, daß man ALLE mit 20% MwSt. beglückt hat, Finanzamt inkl. zuerst bei der Waschmaschinebeschaffung, und dann bei der Installation!!! ;-)

Gast: L.W.
24.04.2012 10:49
2 0

"Drahtziehern Handwerk legen"

Richtig !

Der Herr Minister soll gleich einmal bei der SVA anfangen.

- Ruinöse Beiträge auch für EPUs

- Keinerlei echte Gegenleistung

- Dafür "freie" Arztwahl (zum Privattarif selbstverständlich) mit hohem Selbstbehalt

- Einbringungsmaßnahmen die zum sofortigen Ruin führen, wenn man keine Reserven bilden konnte

- Abrechnungsstrukturen die an Al Capone erinnern (nennt sich auch kreative Buchhaltung)

Und wer das alles mehr als 5 Jahre überlebt hat, kann dann mit dem Finanzamt weitermachen.


Beispiel Deutschland

Dort ist es möglich, Handwerkerrechnungen bis zu einer bestimmten Höhe steuerlich geltend zu machen....und dadurch entfällt für viele der Anreiz jemanden "schwarz" zu bezahlen.

Ich weiß von vielen Bekannten in Deutschland, die früher Arbeiten im "Pfusch" erledigen ließen und dies jetzt auf Grund der Abschreibemöglichkeit nicht mehr machen.

Aber ob man soviel Kreativität auch den österreichischen Politikern zutrauen darf, wage ich zu bezweifeln.

Gast: Nordlicht
24.04.2012 09:57
2 0

"organisierter Pfusch"

Meinen die SPÖVP?

Die Pfuschen auch !!!!


Gast: Hohn und Spott
24.04.2012 09:01
2 0

Neulich in NEWS/FORMAT

da wurde das Steuer-Abkommen zwischen der Schweiz und Österreich freudig erregt begrüßt: ENDLICH WIRD SCHWARZGELD BEKAEMPFT! Von den am Bau üblichen Praktiken haben die Clowns aber offenbar noch nie etwas gehört. Da kann die Schotter-Mitzi Abkommen um Abkommen schließen, solange am Balkan und in der Türkei der Euro bar angenommen wird, kann sie sich brausen gehen. Da wird eine Rechnung und eine Überweisung als Exot und als Abweichung vom Normalfall gesehen. Und falls irgendetwas schief geht, zieht man sich in die eigene Luxusimmobilie ans Meer zurück. Und die österreichischen Behörden können baden gehen.

Gast: Mitgleid des KSV
24.04.2012 07:21
2 0

Die Liste der Privatinsolvenzen die regelmäßig vom KSV veröffentlicht wird

zeigt weiterhin einen sehr, sehr großen Anteil von Migranten. Alle ohne Selbstverschulden in diese Situation gerutscht?????

0 3

...

und wie kann man denen das handwerk legen die wohnungen teurer an auslaender vermieten und sie im amt wie das letzte behandeln um sie abzuzocken?

Antworten Gast: Tunst
24.04.2012 07:14
0 0

Re: ...

Wurde alles nicht gefragt, Titel nicht verstanden?

0 1

...

und wie kann man den vorgespielten u ausschuessen das handwerk legen? waehrend die opfer leer ausgehen?

0 2

...

wie kann man dem faymann das handwerk legen?

Gast: sozialfreund
23.04.2012 23:30
0 0

na sowieso

Rechnung für die Nachhilfe - für die Haushaltshilfe -für den Handwerkshelfer- für die Heimhilfe undundund ?
Viele kleine Sozialbeiträge füllen den Sozialtopf ebenso.
Solidarität wird hierzulande immer von den Anderen verlangt. "Verluderte" Sitten sind schwer abzustellen, und die "sauren Wiesen" werden hier wohl nie trockengelegt werden.
War da nicht einmal Transparenz auch im Sozialbereich geplant - mit Einnahmen und Ausgaben?

Gast: unwichtig44
23.04.2012 22:32
3 1

Alibi

Die wahren großen Steuerverbrecher versucht die Regierung gerade mit den Steuerabkommen mit CH und LIE zu amnestieren.

Gast: b754
23.04.2012 20:45
3 1

wer sind den die unternehmer die diese leute einstellen

wer sind die großen baufirmen
ein hr haselsteiner spielt sich immer als besserer sozi auf und bei dem ist sicher alles supersauber

Gast: stadl
23.04.2012 20:26
1 1

K&K

Man kennt diesen Missstand schon lang, die Verantwortlichen mussten natürlich die Navratils und Pospischils-die Verwandten aus der Monarchiezeit- noch kräftig absahnen lassen.Den Sch... Provinzlern wed´ma schon genug Sozialbeiträge abknöpfen. Für uns Wiener reicht´s allemal.

Gast: total crash
23.04.2012 20:20
1 0

Wie wär`s politischen"Drahtziehern das Handwerk legen"

..da wäre unglaublich viel zu machen,der Erfolg stellt sich schon Morgen ein,ihr braucht nur eine Nachtschicht einlegen und schon werdet ihr Berühmt,also macht`s was die Unterstützung der Bevölkerung ist euch sicher ;o)

Gast: freund?
23.04.2012 20:06
1 1

segensreiche ÄÄUU , herrliche offene



grenzen !

Gast: 1. Parteiloser
23.04.2012 18:35
5 0

Der größte Pfuscher ist doch der Staat!

Der Staat raubt den Österreichern schon über 150 Mrd. Euro im Jahr an Zwangsabgaben, also mehr als 40.000.- Euro pro Haushalt.

Dieser Staat versagt aber bei seinen Dienstleistungen für die Bürger vollständig. Die Bildung funktioniert kaum mehr, die Polizei auch nicht, die Justiz schon gar nicht. Der Verwaltungsmisthaufen beschäftigt sich nur noch untereinander so wie das die Totalversagerparteien auch machen. Da ist kaum mehr eine nutzbare Leistung erkennbar.

Dieser Staat raubt also, per Zwangsabgaben, seinen Bürgen mehr als 40.000.- Euro pro Haushalte und Jahr, bietet aber kaum mehr Leistungen. Was macht dieser Staat mit den irren Mitteln?

Diese Staatlichkeit bucht auch noch Ruhegenüsse bis über 100.000.- Euro pro Jahr unter Soziales, administriert aber auch schon mehr als 1/2 Mio. Menschen in manifester Armut.

Eine solche Staatlichkeit hat jedes Recht auf die Einhebung von Zwangsabgaben verloren.

Wir grausig die Typen wirtschaften, das zeigen auch die Daten des BMF:

https://www.bmf.gv.at/budget/akthh/2012/201203hauptueberblicke.htm

Ausgaben:.....18.902,7 Mio. Euro
Einnahmen:...13.261,0 Mio. Euro
Lücke:.....5.641,7 Mio. Euro (3 Monate!)

Beeindruckende Änderungen zu 2011:
Beitrag EU:.....................+13,5%
Transfer an Länder:........+ 12,2%
Transfer an Gemeinden:....+2,5%
Familienpol. Maßnahmen:...-1,2%

Diese Regierung begeht, mit der Macht der Gesetzgebung, nur noch Verbr.echen gegen die Menschengrundrechte!