Buwog-Affäre: Der Anruf des Herrn Muhr

24.04.2012 | 18:32 |  HEDI SCHNEID (Die Presse)

"Heiße" Information über mögliche Manipulationen der Auftragsvergabe: Der ehemalige CA-IB-Chef Klaus Requat belastet im U-Ausschuss den Investmentbanker und Grasser-Freund Karl-Heinz Muhr.

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Wien. Was geschah in der Nacht vom 5. auf den 6.September 2002 – als es im Finanzministerium um die Auswahl der Investmentbank für das damals größte Privatisierungsprojekt der Zweiten Republik, den Verkauf der 58.000 Bundeswohnungen, ging? Was oder wer bewirkte den Meinungsumschwung der Auswahlkommission von der favorisierten CA-IB zu Lehman Brothers? Seit drei Jahren versucht die Staatsanwaltschaft Wien, diese Schlüsselfragen in der Buwog-Affäre zu beantworten. Und die Justiz sucht Beweise für Vermutungen, dass der damalige Finanzminister Karl-Heinz Grasser und/oder enge Vertraute persönliche Vorteile daraus lukriert haben könnten. Der für Lehman als Konsulent arbeitende Investmentbanker und Grasser-Freund Karl-Heinz Muhr erhielt durch den Zuschlag an Lehman 430.000 Euro Honorar.

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Wilfried Trabold, der Vorsitzende der Vergabekommission, galt denn auch als Schlüsselfigur an diesem Dienstag im U-Ausschuss, in dem es nun um die Buwog geht. Trabold, der die CA-IB unterstützte, hatte nämlich in einem Verhör im Juni 2010 deutlich seinen Ärger über den Meinungsschwenk zu Lehman kundgetan. Am Dienstag hätte Trabold seine Aussage gerne vertieft. Eine schwere Krankheit macht ihm dies aber unmöglich. Unter Ausschuss der Öffentlichkeit verwies er lediglich auf seine Aussage vor der Staatsanwaltschaft.

 

„Heiße“ Info über mögliche Manipulation

So enttäuschend die Sitzung begann – sie endete schließlich mit einer „heißen“ Information über mögliche Manipulationen der Auftragsvergabe. Diese lieferte Klaus Requat, der damalige Chef der CA-IB. Die Investmentbank der damaligen Creditanstalt hatte sich als einziges österreichisches Institut – gegen große ausländische Konkurrenz – um den Auftrag beworben. Trotz eines finanziell günstigeren Angebots und exzellenter Vorbereitung war die CA-IB letztlich Lehman unterlegen.

„Unmittelbar vor der entscheidenden Sitzung hat mich Muhr angerufen“, erzählte Requat. Dieser habe ihm mitgeteilt, dass „das Ministerium“ dafür sorgen wolle, dass nicht die CA-IB den Auftrag erhalten werde, sondern Lehman. „Ich war verblüfft und stellte eine Anfechtung der Vergabe in Aussicht.“ Darauf bot Muhr eine Einbindung der CA-IB in den Lehman-Auftrag an. „Das ist mir in den 24 Jahren meiner Tätigkeit als Investmentbanker kein zweites Mal passiert“, sagte Requat kopfschüttelnd. So still war es im U-Ausschuss schon lange nicht, als Requat selbst die entscheidende Frage stellte: Woher habe Muhr das nur wissen können? Muhr war trotz seines Lehman-Honorars nicht in die Buwog-Privatisierung eingebunden. „Er hat in der Privatisierung selbst überhaupt keine Rolle gespielt. Wenn er ein Honorar erhalten hat, dann nur, weil er Lehman geholfen hat, den Auftrag zu bekommen.“

Die Antwort blieb auch der ehemalige Kabinettschef im Finanzministerium, Heinrich Traumüller, schuldig. Der „gesetzestreue Beamte“, wie er sich selbst bezeichnete, schilderte in einem aggressiven Schlagabtausch mit den Abgeordneten wortreich die entscheidenden Phasen der Investmentbank-Auswahl. Allerdings widersprach sich Traumüller, der das Verfahren mit einem Fußballmatch Österreich–USA verglich, in dem die Emotionen hochgingen, auch mehrfach.

Als sich am 5. September 2002 alle neun Kommissionsmitglieder für die CA-IB ausgesprochen hatten, seien die „rot-weiß-roten Schals geschwungen“ worden. Das sei aber kein „Beschluss“, sondern ein „Stimmungsbild“ gewesen. Die beigezogenen Experten seien ohnedies gegen die CA-IB gewesen. In der aufgeheizten Situation habe aber nicht sein Exkollege Michael Ramprecht, wie immer behauptet wurde, den Finanzminister informiert. Ramprecht hat später von einem „abgekarteten Spiel“ gesprochen und wurde von Grasser deshalb geklagt. „Ich selbst habe Grasser über die Stimmung für die CA-IB informiert“, sagte Traumüller. Am nächsten Tag wurde abgestimmt – 6:3 für Lehman.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.04.2012)

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16 Kommentare
Gast: hias aus stinaz
24.04.2012 22:09
0

jo noch dem blöden posting von 19:58


Gast: fdbhf
24.04.2012 20:49
2

schnell von der online Titelseite verschwunden, dieser Artikel

sehr seltsam

Antworten Gast: Zensurierter
25.04.2012 12:03
0

Re: schnell von der online Titelseite verschwunden, dieser Artikel


und meine postings mit details ueber den herrn traumüller wurden alle nicht freigeschalten.

eine schande, was die presse da treibt.

Geschichten aus dem Wienerwald oder über die Buwog.

Was man alle für Geschichten um die Buwog lesen kann. Die Wohnungen ware im Einzel nicht verkäuflich bis auf ca. 1.500 Wohungen die gekauft wurden.

Warum? wer kauft eine Wohnung die lebenslange Mietansprüche besitzt und auch auf die nächsten Generationen übertragen werden kann. Diese Mietverhältnisse (Verträge) gibt es. Nachweisbar.

Die Mietpreise bei diesen Wohnungen lagen ca. 30-35% unter den ortsüblichen Mietpreisen. Nachweisbar.

Der Hauptgrund warum sich keine Käufer (die Mieter) dafür gefunden haben aber auch niemand en bloc zugegriffen hatte. Nachweisbar.

Es war ein *leichtes* diese Klagen bei derartigen Mietvereinbarungen zu gewinnen. Dieses Muster entspricht aller Vereinbarungen die der *Staat* mit seinen Mitarbeitern getroffen hat. Daher haben sich auch keine echetn Käufer für die österreichische Verstaatlichte gefunden. So schauts in Österreich aus.

Auf die seriösen Angebote auf die man wartete kamen nicht, weil die Kraft in den Mietvereinbarungen lag. Käufer konnten den Mieter nicht ausmieten udn mussten beim vorgegebenen Vertragsverhältnis bleiben.

Wer diese Wohungen einzeln (nicht der Vormieter) oder en bloc kaufen wollte bekam sie nicht leer. So schauts aus. Das sind die Tatsachen die noch Heute einsehbar sind. Im übrigen sind mir die Vorkommnisse durch meine beidne kontakte mit Buwogmietern bekannt.

Guten Abend Österreich.

Gast: Ernst Strasser Ex-Bundesminister für Inneres in den Bundesregierungen Schüssel
24.04.2012 19:58
0

In Zeiten wo die Glaubwürdigkeit in die österreichische Politik und Justiz so oft und nachhaltig erschüttert wurde

bedarf es wieder der aufrechten ÖVPler, welche sauber und besonnen, mit absoluter Mehrheit, die Geschicke unserer moralisch verkommenen Republik, in seichteres Gewässer lenken können.

Re: In Zeiten wo die Glaubwürdigkeit in die österreichische Politik und Justiz so oft und nachhaltig erschüttert wurde

Einfach unfassbar - dieser Beitrag von solch einem "Rechtschaffenen" - die Heuchelei in dieser ÖVP wird immer noch schlimmer!!!!!!!!!

Das finanzielle Angebot ist ja nicht alles,

es gibt wesentliche qualitative Komponenten, eine internationale IB wie (damals) Lehman hat meist bessere Karten. Insbesondere dann, wenn es um die Sicherstellung der Transaktion geht in Verbindung mit internationalen Investoren.

Hätte auch keien CAIB genommen, so ist das Leben! Und, es ist üblich, wenn nicht an der Tagesordnung, einen unterlegenen Bieter mit ins Boot zu holen!

Wo ist die Aufregung nochmal?

Antworten Gast: gast45
24.04.2012 20:40
0

Re: Das finanzielle Angebot ist ja nicht alles,

lehmann ?, Lehmann ? war das nicht die investmentbank bei der sich der grasser bevor er auf der lohnlisten der meinl bank gestanden ist, beworben hat ?
zufälle gibt es, die gibt es gar nicht :-)

Re: Re: Das finanzielle Angebot ist ja nicht alles,

hat er das? ist er drangekommen? ;-)

Antworten Antworten Antworten Gast: gast45
30.04.2012 16:18
0

Re: Re: Re: Das finanzielle Angebot ist ja nicht alles,

.. genommen haben sie ihn halt nicht, angeblich weil er sich in für investmentbanker würdeloser pose (so ein bisserl halbseiden mit aufgeknöpfelten hemd ablichten hat lassen .. war aber vermutlich ein vorwand, weil sie ihm .. wem wunderts .. nicht vertraut haben ..

eine der wirklich grossen Sauereien gegenüber Mietern ist folgende:

"1. Die Wohnungen wurden ihren Mietern zum Verkehrswert zu 1.132 Euro pro Quadratmeter angeboten. Die Anbote waren voll mit „gesetzwidrigen Klauseln", wie einer der beiden Prüfer schildert. Die Arbeiterkammer unterstützte Klagen, die bis zum OGH gegen die BUWOG gewonnen wurden. Aber in dem Moment, als die BUWOG den Mietern seriöse Angebote machen hätte müssen, war Schluss. Das Finanzministerium ließ das Verfahren abdrehen und beschließen, dass alle Wohnungen im Paket an einen einzigen Käufer vergeben würden - viel billiger natürlich."

Gast: Bemstl
24.04.2012 19:11
1

Wo sind hier die schwarzen und blauen Kampfposter?

Wie kann es sein, dass ein offenbarer "Leistungsträger" im ÖVP Jargon hier mal mit der Wahrheit auspackt? Der hat offenbar einen Job, wo er nicht mehr auf die Politik rücksicht nehmen muss - drum traut sich der. Wieso hat der keine Gedächtnislücken? Wie kann es sein, dass nur der "Wahrnehmung" von den Schiebereien hatte - und alle anderen nicht?

Tango Corupti

an alle FPÖler: keine Angst, die blaue Buberlpartie wird sich's auf Kosten der Steuerzahler wieder richten und mit einer blütenweißen Weste nach Hause gehen!
bei den Linken wär's natürlich Korruption!

Re: Tango Corupti

und die Schwarzen Gauner

Gast: Tutenchamun
24.04.2012 16:22
0

Borsi Nemsic packt aus:

http://tinyurl.com/cb2ktnp

Re: Borsi Nemsic packt aus:

Nemsic kann einpacken und verduften - wenn da noch mehr Publik wird - dieser Ahnunglose hat sich ja nie was zu Schulden kommen lassen, weil er soviele Büros hatte, hat er nichts mitbekommen ....

Am besten zu wirklich priasanten Telekomgeschäften schaut man sich " die 4 da von Martin Schlick an"
köstliche Unterhaltung vollgespickt mit wichtigen Informationen.

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