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Zwölf Grundsätze: ÖVP gibt sich „Verhaltenskodex“

04.05.2012 | 18:10 |  REGINA PÖLL (Die Presse)

Experten haben einen Entwurf an Parteichef Spindelegger übermittelt. „Ethikrat“ soll Politiker beraten – und bestrafen.

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Wien. „Der gnädige Herr hat stets so unwiderstehliche Argumente in der Tasche.“ Jurist Wolfgang Mantl holt am Freitag sogar bis ins Jahr 1816 aus: Da wurde der „Barbier von Sevilla“ uraufgeführt, und Kernthemen der Oper sind – siehe Zitat – Bestechung und Korruption. Heute sollen sie möglichst keine Chance mehr haben, schon gar nicht in der Politik, wie Mantl „nach jüngeren Vorfällen“ betont: Als einer von drei Experten hat er im Auftrag der ÖVP ehrenamtlich einen „Verhaltenskodex“ für die Partei erstellt und den Entwurf am Freitag ÖVP-Chef Michael Spindelegger übergeben. Der Vizekanzler will nun in den Parteigremien darüber beraten. Ein Entschluss über die endgültige Fassung soll demnächst im Parteivorstand fallen.

Details stünden noch zur Diskussion, die groben Linien würden aber „sicher bleiben“, sagt Spindelegger. Fix ist bisher: Zwölf Grundsätze sollen es nach dem Vorschlag der Experten sein. Außer Mantl haben Spindelegger und seine Partei die frühere Nationalbankpräsidentin Maria Schaumayer und den Vorarlberger Altlandeshauptmann Herbert Sausgruber mit den Anstandsregeln beauftragt, die die ÖVP aber erst nach der Sitzung des Parteivorstands in vollem Umfang publik machen will. Die Kernelemente nach ersten Informationen vom Freitag:

•Keine Vorteile: Sämtliche Amtsträger der Partei – etwa die Abgeordneten auf allen Ebenen – sollen Geschenke und sonstige Vorteile, die ihnen angeboten werden, besonders kritisch prüfen. Die ÖVP will hier noch „deutlich“ über jene Regeln hinausgehen, auf die sie sich erst in der Vorwoche mit der Kanzlerpartei im rot-schwarzen „Transparenzpaket“ grundsätzlich geeinigt hat.

Vor allem, wenn Geschenke von Unternehmen kommen und eine konkrete Erwartung an ihre Arbeit damit verbunden ist, sollen ÖVP-Politiker sie nicht annehmen dürfen. Beispiel: Politiker (etwa Landeshauptleute), die zur Jagd eingeladen werden, sollen daran teilnehmen dürfen, wenn sie damit eine „Repräsentationsaufgabe“ erfüllen. Den oft sehr teuren Abschuss eines Tieres sollen sie aber selbst bezahlen müssen.

•Keine Verschwendung: Ressourcen wie der Dienstwagen sollen „maßvoll“ eingesetzt werden. Beispiel: Ein Politiker soll unter Umständen – wenn es kein nennenswerter Umweg ist – Angehörige im Dienstwagen mitnehmen dürfen. Aber von wegen „Barbier“: „Nicht für den Friseurbesuch der Frau“, sagt Sausgruber. „Und nicht für den Urlaub.“

Apropos Reisen: Urlaube auf Einladung von Firmen gelten in der Regel als „No-Go“, (Dienst-)Reisen auf Kosten der Steuerzahler nicht: Sie sollen möglich sein, wenn es zum Beispiel um Mandatare geht, die außenpolitische Themen betreuen.

•Sponsoring und Inserate:
Beides wolle man „nicht verteufeln“, wie Sausgruber es ausdrückt. Zwischen Leistung und Gegenleistung müsse aber ein „beachtlicher Wertzusammenhang“ bestehen, spricht er sich namens der Experten für „realistische“ Summen und gegen Schmiergeldzahlungen aus.

 

Regeln für alle, Sanktionen bis zum Austritt

Doch wann ist die Grenze des Anstands überschritten, den die ÖVP zu ihrem neuen Grundprinzip erklärt hat? Entscheiden soll künftig ein eigener „Ethikrat“ der Partei. Wer darin vertreten sein wird, will Spindelegger noch nicht sagen: „Wir werden entsprechende Personen benennen, die in dem Gremium in Richtung Beratung tätig werden.“ Also etwa in Grenzfällen Politikern sagen, „was geht und was nicht“, wie er auf „Presse“-Anfrage erklärt. Und wenn jemand gegen die Regeln verstoßen hat? Dann werde es, abgestuft, Sanktionen geben: von der Ermahnung „bis zum Parteiausschluss, natürlich“.

Zur Orientierung will Spindelegger bald eigene „Ethikseminare“ an der Politischen Akademie der ÖVP anbieten, die „Stück für Stück“ alle ÖVP-Politiker in Bund, Ländern und Gemeinden absolvieren sollen.

Gelten soll der „Verhaltenskodex“ für sämtliche Amtsträger der Partei, nicht aber für „einfache“ Parteifunktionäre wie zum Beispiel einen Kassier des ÖVP-Bauernbundes. Sausgruber: „Das wäre überschießend.“

Die Opposition reagierte auf den (geplanten) ÖVP-Kodex mit Häme: Harald Vilimsky von der FPÖ sprach von „No-Na-Reglements“, die Grünen von einem „zahnlosen Ablenkungsmanöver“. Bei der SPÖ hieß es nur, man werde in der Koalition darauf drängen, dass es rasch zu einem „bundesweit einheitlichen Gesetz“ analog zum bereits präsentierten „Transparenzpaket“ kommt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2012)

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346 Kommentare
 
12 3 4 5 6 7 8

hahaha

hahaha, ich peck mi ab:

"Zur Orientierung will Spindelegger bald eigene „Ethikseminare“ an der Politischen Akademie der ÖVP anbieten, die „Stück für Stück“ alle ÖVP-Politiker in Bund, Ländern und Gemeinden absolvieren sollen."

eigentlich reichen die 10 gebote oder der Kant'sche kategorische Imperativ.

oder einfach nur ein grundsätzlich guter charakter.

ich stelle mir mal bildlich vor, dass die Stenzl, die Fekter, der Pröll, der Mitterlehner, der Kopf, der gratis-Jäger-Platter oder der Spindelegger in der Tivoligasse die schulbank im fach Ethik drücken.

DAS muss man sich echt mal bildlich vorstellen!
kann man da auch durchfallen?
gibt es dann ÖVP-Pisa-Ethik-Bewertungen?

schwindelegger, quo vadis?


Dass man über so etwas überhaupt nachdenken muss

ist bereits eine vollständige Bankrotterklärung der ohnehin bereits bankrotten ÖVP. Punktum.

Gast: vor dem arlberg
06.05.2012 19:01
0 0

Einladungen

Hut ab vor Herrn Töchterle, der auf die Einladung verzichtet hat. Für Herrn Spindelegger ist das natürlich eine willkomene Gelegenheit für einen Verwandtenbesuch in Vorarlberg. Die Einladungen werden ja z.T. auch mit Steuergeldern finanziert (Kultur-Suvention).

mogelpackung


Antworten Gast: Baur4
06.05.2012 12:16
0 1

Re: mogelpackung

Für wie blöd halten uns diese Typen?

Mit diesem "Verhaltenskodex" kann man weder Strasser, Grasser noch Amon verhindern!

IN GELD WE TRUST.

Eine christdemokratische Partei die die Christliche Werte komplett abgelegt hat, hat keine Chancen auf Resozialisierung. Die Mandatare wollen in der kurzen Legislaturperiode so viel zusammenraffen wie nur möglich, denn wer weiss was nachher kommt. Es wird weiter gross, mittel und klein gestohlen, jetzt mit etwas mehr Vorsicht. Vielleicht. Prägen wir uns diese Leute gut ein und vergessen sie nicht im Herbst 2013.

Wofür steht die ÖVP

Wofür steht die ÖVP eigentlich?Dies fragt ein enttäuschter Ex-ÖVP-Wähler.

Antworten Gast: Paul12
06.05.2012 17:24
0 0

Re: Wofür steht die ÖVP

Amon. Grasser, Waffengraf usw.

Gast: Lukas
05.05.2012 23:04
1 1

mehr direkte Demokratie für die Bürger

und die Parteien ersparen sich diesen lächerlichen Kodex. SPÖVP haben sich in den vielen Jahren der großen Koalition mit ihren Vorfeldorganisationen, den Kammern und Bünden, dieses Land proporzmäßig aufgeteilt und damit der Korruption Tür und Tor geöffnet. Beide Parteien interessiert nur ihre Machtstellung, die sie gegenüber dem Bürger schamlos mißbrauchen. Mehr verbindliche Volksabstimmungen würden diese politische Macht einschränken und die Korruption erschweren. Da erspart man sich diesen lächerlichen Kodex für charakterlose Politiker!

Alles nur Lug und Trug!

Der Obertod*l Platter versorgt nach wie vor die lokale Presse mit "Selbstbeweihräucherungs-Einschaltungen"!

Ungeschoren...
Obwohl im Dezember letzten Jahres das Medien-Transparenzgesetz verabschiedet wurde...

Und was macht der Witzekanzler??
Ausser blöd dreinschauen...??

Hier zum Nachlesen:
http://www.dietiwag.org/blog/index.php?datum=2012-04-30

am 6. Mai Volkspartei

am 6. Mai Volkspartei

am 6. Mai Volkspartei

am 6. Mai Volkspartei

das war ein Parteislogen (wal - Kampf)
und die öVP unter Mock gewann mehr als 40 %
40% ( nicht der Schnaps) gibts nicht mehr!

am 6. Mai Volkspartei

spide r man

geh spindel-leker kauf dir einen lobbisten oder besser gleich 4!

Verheddert

Da hat sich die Partei des Networking wohl endgültig in den von ihr so gepriesenen Netzwerken verfangen, und nun wird kräftig gezappelt. Seien wir mal gespannt, mit welchem neune Begriff Freunderlwirtschaft und Korruption wohl als nächstes verschleiert und euphemisiert werden sollen.

Gast: gertl 46
05.05.2012 20:24
2 3

Genderwahn

Die Saat des Genderwahns geht voll auf.
Völlig einfache Werte die eine normale Erziehung mit sich bringt sind verloren gegangen und müssen durch Gebote wieder reaktiviert werden.
Die Hauptschuld liegt bei den Eltern, die durch Faulheit bei der Erziehung, ihren Kindern alles durchgehen ließen.
Schämt Euch

Gast: Walter999
05.05.2012 20:16
2 1

Was sagt ein Spitzenfunktionär der tiefschwarzen Raiffeisen?

"Die 10 Gebote (der christlichen Kirche) und ein wenig Hausverstand genügen auch!

Gast: Baur4
05.05.2012 20:13
2 0

Die Praxis:

JEDER ÖVP Funktionär MUSS nun einen Verhaltenskodexkurs besuchen!

Am tiefen Land sind viele Gemeindefunktionäre und Bürgermeister auch Jäger. Manche haben sogar Eigenjagden. Dort ist es der Brauch und seit vielen Generationen üblich, dass eine Gemeinde die andere auch zur Jagd einlädt.

Müssen die nun alle zurücktreten?


Gast: AlterKämpfer
05.05.2012 20:01
3 1

Lächerlich

Merkt Spindelegger nicht, wie lächerlich er sich mit diesen 12 Punkten macht?
Raab und Figl drehen sich im Grab um!

Antworten Gast: next övp generation
05.05.2012 21:16
0 1

Re: Lächerlich/Raab und Figl drehen sich im Grab um!

da wird nicht mehr viel
zum umdrehen
drin liegen.

Antworten Gast: Franz88
05.05.2012 20:15
1 0

Re: Lächerlich

Spindelegger war schon immer für solche "Maßnahmen" zu haben!

Das ist ja nicht neu!

Um die großen und wichtigen Probleme hat er bisher immer einen großen Bogen gemacht und ist damit in der ÖVP "groß" geworden.

Gast: na toll
05.05.2012 19:18
7 0

ist blöd sein auch verboten ?


in diesem fall müßte eine neugründung unserer parteien ins auge gefaßt werden....

2 1

Re: ist blöd sein auch verboten ?

nein.

Blöd sein ist in Österreich staatsbürgerliche Pflicht. Die Vollvertr:ottelung Österreichs ist abgeschlossen. Nun vermarkten unsere Blödheit nicht nur per ÖVP Kodex sondern auch per SPÖ Medien -

Siehe "Woki mit deim Popo" des Lied des österreichischen Duos Trackshittaz - Eurovisionsbeitrag Österreichs, der ehemaligen Kulturhauptstadt der Welt, beim Eurovisonskontest 2012 in Baku...

Re: Re: ist blöd sein auch verboten ?

Wenn Sie den Eurovision Songcontest als Maßstab zur Beurteilung der heimischen Kulturlandschaft und Gesellschaft heranziehen disqualifizieren Sie sich damit automatisch selbst.

Was kommt als nächstes? Die Krone als Maßstab für Qualitätsjournalismus?

2 1

Ich hab den ORF genommen .- das Spitzen und Leitmedium Österreichs

das die Teilnehmer wählt

Re: Ich hab den ORF genommen .- das Spitzen und Leitmedium Österreichs

Der Maßstab an dem Sie Kultur messen bleibt dadurch aber unverändert. Der Eurivision Songcontest ist kein ernsthafter Bewerb, sondern seichte Unterhaltung, Trash und Kult zugleich und insofern kann der ORF mit seiner Nominierung gar nicht tief genug greifen.

Wenn Sie anhand der ORF-Nominierung der Kandidaten bzw. der Publikumswahl für so einen Nonsense-Bewerb auf die Kultur Rückschlüsse ziehen wollen irren Sie und disqualifizieren Sie sich.

0 0

Re: Re: Ich hab den ORF genommen .- das Spitzen und Leitmedium Österreichs

Der von den politischen Parteien stringent geführte ORF, welcher federführend die politische Meinungsbildung der österreichischen Bevölkerung gestaltet und Information auf allerhöchstem und laut Satzung journalistisch völlig unabhängigem Niveau bereitstellt wählt (in der Realität) die hervorragendsten Künstler die Österreich zu bieten hat aus, um sie zum internationalen Songcontest zu entsenden.
Richtig?
Sozusagen als Gipfel künstlerischer Leistung höchsten Anspruches, als Highlight aber auch als Prestige für unser Land nimmt die Gruppe "Trackshittaz" (vulgo Schienensche:isser) mit ihrem Song "Woki mit deim Po:po" - das sowohl englisch als auch deutsch bedenklich ist, teil.
Stimmt - oder?

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Re: Re: Ich hab den ORF genommen .- das Spitzen und Leitmedium Österreichs

Wenn man diese Wahl der Besten der Besten die unseren künstlerische Landschaft, gewählt durch das unabhängiges Staatsmedium ORF höchster intellektueller Güte dann in Konnex zu Beurteilung der heimischen Kulturlandschaft, der intellektuellen Verfassung der maßgeblichen Repräsentanten der politischen Parteien und der von ihr gesteuerten Gesellschaft stellt, ist das imho wissenschaftlich sicher durchaus redlich.

 
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