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Innsbruck: Die ÖVP und ihre gespaltenen Persönlichkeiten

17.05.2012 | 18:01 |  Von Köksal Baltaci (Die Presse)

Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer hat die ÖVP in die Opposition geekelt. Angesichts der Eskalation herrscht in der Partei Ratlosigkeit, der Ruf nach Konsequenzen und einem Trennstrich wird immer lauter.

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Innsbruck. In Innsbruck hat am Mittwoch eine neue Ära begonnen. Erstmals seit 1945 sitzt die Volkspartei nicht auf der Regierungsbank. Tirols Landeshauptstadt wird künftig von einer Ampelkoalition bestehend aus der Bürgermeisterliste „Für Innsbruck“ (FI), den Grünen und der SPÖ regiert.

Die seit 18 Jahren zum Machterhalt der ÖVP dienende Strategie, getrennt anzutreten und gemeinsam zu regieren, findet durch die persönliche Rivalität zwischen der Stadtchefin Christine Oppitz-Plörer und VP-Spitzenkandidat Christoph Platzgummer ein dramatisches Ende. Angesichts der Eskalation herrscht in der Partei Ratlosigkeit und Irritation, der Ruf nach Konsequenzen und einem Trennstrich wird immer lauter. Schließlich üben viele Funktionäre in der Stadt Doppelfunktionen aus, sind auf der Liste FI und in der ÖVP engagiert.

Auf der Seite der Bürgermeisterfraktion, die 1994 vom heutigen VP-Landtagspräsidenten Herwig van Staa gegründet wurde, finden sich unter anderem die in die Telekom-Affäre geratene VP-Abgeordnete Karin Hakl, die Gemeinderäte Franz Abenthum und Herlinde Keuschnigg, sowie die frühere VP-Finanzlandesrätin Anna Hosp. Auf der VP-Liste scheinen wiederum mehrere ehemalige FI-Funktionäre wie Helmut Schuchter und Franz Eberharter auf.

„Statthalter und Stillstand“

Am deutlichsten wird die Schizophrenie innerhalb des bürgerlichen Lagers bei der alten und neuen Bürgermeisterin Oppitz-Plörer, die – bis zu ihrem Ausschluss am Mittwoch – im VP-Landesparteivorstand saß. Das hielt sie nicht davon ab, kurz vor der Stichwahl am 29. April zum verbalen Rundumschlag gegen VP-Landeshauptmann Günther Platter und Platzgummer auszuholen. „Wenn Günstlingswirtschaft einen Namen hat, dann heißt er Platter und Platzgummer“, polterte sie. Die Kür Platzgummers zum Spitzenkandidaten wenige Wochen vor der Wahl habe nur den Zweck gehabt, einen „Statthalter“ zu inthronisieren und von „Problemen abzulenken“. Ein Arbeitsprogramm zähle für Platter offenbar nicht. „Es geht nur um den Machterhalt und um den Kopf des Landeshauptmannes“, kritisierte die Stadtchefin.

Platzgummer wies die Vorwürfe zurück. Er sehe sich nicht am Gängelband Platters. „Ich lasse mir von außen nichts reinreden und treffe Entscheidungen höchst selbstständig.“ Platter hingegen kommentierte die Anschuldigungen mit keinem Wort und befindet sich auf Tauchstation – auch zum Koalitionspoker der letzten Tage und der Verdrängung der ÖVP in die Opposition schwieg er, was ihm intern Kritik einbrachte. Nach einer Sitzung des VP-Landesparteivorstandes am Mittwochabend sagte er lediglich, dass man FI-Vertreter nicht mehr zu Sitzungen der Führungsgremien einladen werde. Auch als Delegierte beim Landesparteitag würden sie nicht mehr zugelassen, „solang eine Koalition gegen die VP besteht“. Über Parteiausschlüsse sei hingegen nicht gesprochen worden.

Historische Rivalität

Die Auseinandersetzungen zwischen Oppitz-Plörer und Platzgummer reichen in die Ära der mittlerweile verstorbenen Innsbrucker Stadtchefin Hilde Zach zurück. Platzgummer war bis Mai 2009 als Vizebürgermeister der Liste FI in der Stadtregierung tätig.

Der 50-Jährige trat damals zurück, weil er nach dem Bekanntwerden eines Finanzlochs im Zusammenhang mit der Fußball-Europameisterschaft 2008 unter Druck geraten war. Seinem Rückzug waren Machtkämpfe zwischen ihm und Oppitz-Plörer vorausgegangen, die die damals 40-Jährige mit Zachs Rückendeckung für sich entschied. Platter holte Platzgummer daraufhin ins Landhaus zurück, wo er bis zuletzt für „Zukunftsfragen“ zuständig war.

Übrigens: Van Staa unterstützte im Wahlkampf nicht die Liste FI, sondern den VP-Seniorenbund, der die Stadt-VP favorisierte und mit ihr eine Listenkoppelung einging.
Am Montag meldete er sich mit einem Brief zu Wort, in dem er Oppitz-Plörer dazu aufforderte, „nicht von demokratischen Gepflogenheiten abzuweichen“ und der Volkspartei den ersten Vizebürgermeisterposten anzubieten. Pikant: Obwohl die ÖVP bei den Gemeinderatswahlen 2006 nur auf dem vierten Platz landete, durfte sie mit Franz Gruber den ersten Vizebürgermeister stellen. „Demokratische Gepflogenheit“ ist eben ein dehnbarer Begriff.

Auf einen Blick
Die Bürgermeisterwahl in Innsbruck wurde für die Tiroler ÖVP zum taktischen Debakel. Unter der Führung von Christine Oppitz-Plörer drängte die Liste „Für Innsbruck“ (FI) die ÖVP erstmals seit 1945 aus der Stadtregierung. Gleichzeitig üben jedoch mehrere FI-Funktionäre Funktionen in der ÖVP aus. Christine Oppitz-Plörer war bis zu ihrem Ausschluss am Mittwoch sogar im ÖVP-Landesparteivorstand tätig.

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21 Kommentare
Gast: ehschowurscht
20.05.2012 12:18
0 0

gespaltene Persönlichkeit

...setzt voraus daß man eine hat, was ich da aber offensichtlich mehr als bezweifle!

Die dissoziative Identitätsstörung oder multiple Persönlichkeitsstörung ist eine dissoziative Störung, bei der Wahrnehmung, Erinnerung und das Erleben der Identität betroffen sind.

Die Diagnose stimmt!

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Die Trennung von FI und ÖVP

war längst überfällig, es war eine schizophrene Konstruktion zur Wählertäuschung.
FI hat sich inzwischen weiterentwickelt während die Tiroler ÖVP im mittelalterlichen Landesfürsten-Diktat verharren will.
Platter wollte Oppitz vor den BM Wahlen abschiessen und hat sein Patenkind Platzgummer vorgeschoben.
Die Bürgermeisterin hat gut taktiert und die Schuss ging nach hinten los. Übrig bleiben schlechte Verlierer mit Kindergarten-Gehabe.
Der Wählerwille war bei der Stichwahl klar erkennbar.
Oppitz ist mit den GRÜNEN im Doppelpack angetreten und hat überzeugend gewonnen.
Immerhin hatten die GRÜNEN ein Fünftel der Wählerstimmen im Gemeinderat, nur unerheblich weniger als die Schwarzen. Auch wer nicht mit ihnen sympathisiert muss ihnen das Recht auf Mitgestaltung zugestehen.
Nun gibt es eine Stadtregierung in der alle nahezu gleich grossen Wählerschichten vertreten sind. Viel demokratischer geht es nicht. Selbst ein einsamer Pirat ist im GR mit dabei und kassiert das Geld der Innsbrucker Steuerzahler.

Gast: baumisms
18.05.2012 03:29
2 1

Den Tirolern gfallts anscheinend -

Sonst hätten sie diese Kasperln nicht gewählt.
Was regt man sich auf?

Köksal Baltici, Ihr Artikel ist sowohl einseitig gegen OP wie seicht in der Ursachenforschung ...

Solch Schreibsel sollte eigentlich in der Presse durchfallen.

Tatsache ist, dass die Retourkutsche des von Zach geschassten - nicht wegen der EURO 2008 - Platzgummer in Verbindung mit Gendarmenfreund Platter, der ihn mit Steuergeld 3 Jahre durchfutterte schließlich nicht gelang.

Und nach dem Wahlkampf der ÖVP, der gegen OP gerichtet und sonst inhaltslos war und an die 600.000 EUR kostete und zweifelsfrei eine schwache Mehrheit der ÖVP brachte, hat diese 14 Tage nichts getan ausser zwei Senatssitze zu fordern. Inhaltlich haben die Grünen und Roten weit mehr in drei Tagen auf den Tisch legen können als die ganze ÖVP in vierzehn Tagen.

Es ging um die Statthalterei des Platter in Innsbruck und und sonst um nichts. Und jetzt setzt sich das fort, indem Platter die FI ächtet - Haxelstellerei wie gewohnt. Die FI wird hoffentlich aus der ÖVP austreten, was ihr die Zukunft sichert.

Was Van Staa aufführt ist sowieso irrational. Zu feige für alles, seit Platter ihn als Landtagspräsidenten durchboxte. "Wo war mei Leistung?" wird hier für mehrere zum Thema im Landtagswahlkampf 2013 werden.

Und jetzt, Schreiberling, setzt Dich hin und recherchiere anständig, damit vielleicht einen besseren Artikel zusammenbringst, der halbwegs die Gewichte im Lot sieht.

die tiroler arbeiterkammer hätte im innsbrucker rathaus...

...einiges zu tun (obwohl nicht zuständig), denn oppitz-plörer behandelt die angestellten wie einen putzfetzen! entsprechend ist das klima im innsbrucker rathaus - diese frau wird das auch politisch nicht überleben.

die grün-linke oppitz hat zwar ideologisch ihre wunschkoalition (links/gelb-links-grün/links-sozialistisch) unter dach und fach gebracht, allerdings haben sich zwei wahlverlierer gefunden.

die für-innsbruck-truppe hat seit 1994 in etwa 50 prozent der wähler verloren. ein vizebürgermeister kaufmann, der erst im zweiten wahlgang nach massiver drohung durch die furie oppitz-plörer gewählt werden konnte, ist das letzte aufgebot!

strömender regen; abwesenheit aller maßgebenden persönlichkeiten von stadt und land und ein verheerendes wahldebakel bei der vizebürgermeisterwahl sind ein böses omen für die links-grün-rot-truppe!

1 0

Re: die tiroler arbeiterkammer hätte im innsbrucker rathaus...

Wann werden Parteigänger der ÖVP begreifen, dass es nicht um Ideologien und Parteien geht, sondern um Arbeit für den Bürger. Die Stichwahl war eindeutig. Es ist ja sehr erfreulich, dass das in Innsbruck möglich ist. Wird jemand Bürgermeister der nicht genehm ist wird schon einmal tief in die Schlammkiste gegriffen.

Die vermessene Machtgeilheit der ÖVP rächt sich

Die ÖVP wurde nicht von OP „in die Opposition geekelt“, sondern verdankt es ihrer in diesen Zeiten absolut unverschämten Forderung nach einer Vergrößerung des Stadtsenats, nicht an der neuen Koalition beteiligt zu sein. Und das wird für Innsbruck bestimmt kein Schaden sein.

Gast: AlterKämpfer
17.05.2012 20:09
2 8

Ausschluß

Raus mit den Verrätern!

Re: Selbst-Ausschluß von der LH-Wiederwahl?

Platter sitzt im selbstgestrickten Strategiedilemma fest:

Schließt er FI oder deren wichtige Vertreter aus der ÖVP aus, dann werden ihm für eine Wiederwahl wichtige Stimmen von FI als größter Tiroler Gemeindefraktion fehlen.

Schließt er FI oder deren wichtige Vertreter hingegen nicht aus, dann steht er als begossener Pudel da, der sich nicht zu wehren weiß und es werden ihm deshalb für eine Wiederwahl wichtige Stimmen fehlen, die nicht zur Wahl gehen.

Klassische lose-lose-situation aufgrund einer grenz-genialen Strategie

Gast: almöhi
17.05.2012 11:10
11 0

hat da der Platter

schon wieder einen kapitalen Bock geschossen ? Sieht eher nach einem Rohrkrepierer aus.

Antworten Gast: so viele kluge menschen hier
17.05.2012 20:56
8 0

Re: hat da der Platter schon wieder einen kapitalen Bock geschossen ?

Aber diesmal ganz gratis und ohne Einladung - und im eigenen "Revier".

Gast: nkerl
17.05.2012 09:11
8 0

da schaut der Platter,

der Spindelegger wundert sich. Wenn das in Innsbruck so ausgeht, kann doch vieles nicht stimmen.

Immerhin ist Platter Bundesparteiobmann-Stellvertreter ...

und damit die Elite dieser Partei. Ausser ledige Kinder soll er ja noch nichts produziert haben als LH.

Die Erfindung von SWITAK ist eine weitere Glanznummer.

Stimmt so nicht, denn immerhin produziert viel heiße Luft !!!


Grüne Umweltpolitik

des Röttgen zerstört die CDU in Deutschland

und auch die ÖVP in Österreich,

denn auch der Berlacovic

mit seinem Klima-Wahn wird zum Sargnagel der ÖVP.

Gast: Robert Heinrich
16.05.2012 22:18
12 1

Arbeitsverweigerung

Unabhängig davon, dass der LH fachlich vollkommen versagt hat, verweigerte er heute auch seine Arbeit und ließ die neue BM COP alleine die Ehrenformation abschreiten - abgesehen von einem völlig fehlendem Ehrgefühl und Charakter ist das ein Grund für eine fristlose Entlassung!!
Nur der Macht frönen, Bier anstechen, jagen und nicht arbeiten - das haben sich die Tiroler nicht verdient!!

Re: Arbeitsverweigerung

wenn sie meinen, dass sie stattdessen eine grüne vizebürgermeisterin verdient haben...

Re: Re: Arbeitsverweigerung

Wär' der inkompetente Apparatschik Platzgummer besser?

Klare Signale für die ÖVP - Mit Platter sind sie ein Auslaufmodell ....

Alles, was sich rund um die "Lagerung" von Platzgrummer auf Steuerzahlerkosten im Vorhof von Platter, das Putschen gegen Gruber in die ÖVP-Innsbruck und dann dieser jämmerliche Wahlkampf der ÖVP gegen OP sitzt tief im Gedächtnis der Bevölkerung.

Und es muss jetz Platter und inzwischen zu seinem Schoßhund gewordenen Van Staa klar geworden sein: Ihr seid fürchterlich alte Parteibonzen, ohne Charisma, ohne Herz aber viel zu viel Macht. Und die wird Euch sukzessive "abgedreht" - ohnehin Jahre zu spät. Sich als Landesfürsten aufzuspielen wie Van Staa und Platter, daneben aber auf das Wahlvolk zu sch***önen wird sich nicht mehr spielen.

Ihr habt nur glück, dass in den anderen Parteien in Tirol überwiegend nur Nieten in der ersten Reihe zu finden sind, weshalb ihre Eure Kasperliade wohl och ein paar Legislaturperioden spielen könnt. Die Mehrheit der Bevölkerung würde Euch lieber mit nassen Hudern durchs Land treiben.

Für neue heisse Luft in alten Schläuchen werdet ihr nicht mehr belohnt, maximal für den lautlosen Abgang.

Auch ohne ihn !!!!


7 1

Re: Klare Signale für die ÖVP - Mit Platter sind sie ein Auslaufmodell ....

Es wird nicht ein paar Legislaturperioden dauern bevor diese Brut verschwindet. Die nächste Landtagswahl kommt bald!