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Mehr als linke Träume? Das "Projekt Rot-Grün" läuft

19.05.2012 | 18:01 |   (Die Presse)

SPÖ und Grüne bereiten den Boden für eine mögliche Koalition nach der nächsten Nationalratswahl vor. Voraussetzung wäre großes Glück bei der Wahlarithmetik.

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Es ist ein beliebtes, gleichwohl langweiliges Ritual bei Interviews: die Frage nach den Koalitionspräferenzen. Politiker winken bei diesen Gelegenheiten meist dezent genervt ab oder sagen Unverbindliches wie etwa SPÖ-Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas: „Rot-Grün ist genau so eine Option wie Rot-Schwarz. Nur Rot-Blau ist keine.“

So weit, so klar. Als ebenso klar gilt allerdings: Ginge sich Rot-Grün nach der Nationalratswahl 2013 im Bund auch nur hauchdünn aus, würde die Wende nach links blitzschnell durchgezogen. Erste Vorbereitungen laufen bereits. In parlamentarischen Sitzungen und Ausschüssen wird bereits zusammengearbeitet. Und wie ein hochrangiges Parteimitglied bestätigt, gibt es informelle Strategiegespräche zwischen SPÖ und Grünen. Offiziell wird dementiert.

Dass die Grünen bei solchen Vorarbeiten geschickt sind, hat man in Wien gesehen. So war die rot-grüne Koalition, die die meisten Beobachter ehrlich überraschte, Ergebnis jahrelanger, zielstrebiger Kontaktpflege zahlreicher „Architekten“ auf beiden Seiten. Im Bund spielt das Wiener Beispiel gleich auf mehreren Ebenen eine Rolle. Da gibt es die personelle „Wien-Connection“: Der ehemalige Wiener Wohnbaustadtrat und nunmehrige Kanzler Werner Faymann soll nicht nur mit Grünen-Chefin Eva Glawischnig gut können, sondern auch mit der grünen Wiener Vizebürgermeisterin und Glawischnigs Stellvertreterin, der talentierten Netzwerkerin Maria Vassilakou. Mit ihr versteht sich übrigens auch der mächtige SPÖ-Staatssekretär Josef Ostermayer – man kennt sich eben aus Rathauszeiten, Ostermayer selbst wird bei den Wiener Grünen explizit geschätzt.

Abgesehen vom Persönlichen gilt Wien als Beweis dafür, dass die Grünen, sogar in der notorisch streitbaren Wiener Ausprägung, als Regierungspartner professionell agieren können. Tatsächlich sind sie für die SPÖ dort ein angenehm anschmiegsamer Partner: Ohne Mucks wird auch bei Unangenehmem (Gebührenerhöhungen) mitgestimmt, Konflikte werden hinter verschlossenen Türen ausgetragen. Kein Wunder, dass Bürgermeister Michael Häupl dem „lieben Werner“ Rot-Grün ausdrücklich auch im Bund ans Herz legte. Und Häupl ist immerhin das, was in der SPÖ einem Erwin Pröll am nächsten kommt. Einen rot-grünen Lagerwahlkampf empfiehlt allerdings nicht einmal Häupl der SPÖ – und tatsächlich wird es den weder dort noch bei den Grünen geben. Einerseits aus taktischen Gründen, andererseits weil Wahlkämpfe mit Koalitionsansagen in Österreich keine Tradition haben.

Rechenbeispiel.
Offizielle Sympathiebekundungen bleiben daher eher einzelnen Abgeordneten überlassen. Sonja Ablinger, die SPÖ-Kultursprecherin im Parlament ist etwa bekennender „Fan“ von Rot-Grün: „Es gibt viele Felder, wo wir den Grünen viel näher sind – bei frauenpolitischen Fragen, aber auch wenn es um den öffentlichen Haushalt geht und die Frage, wer an der Krise schuld ist.“ Auch die Bildung könnte man hier hinzufügen. Bei Rot-Grün gebe es einfach „viel mehr gesellschaftspolitisches Potenzial“, so Ablinger. Auch sie ist überzeugt: „Wenn sich Mehrheiten ergäben, wäre die Entscheidung der SPÖ eindeutig.“ Zugegeben, das „Wenn“ ist fraglich: „Wer die Grundrechenarten beherrscht, wird draufkommen, dass sich Rot-Grün niemals ausgeht“, sagt ein langjähriges SPÖ-Mitglied. Nachsatz: „Es kann nur eine große Koalition herauskommen. Die FPÖ will nicht regieren. Und die Grünen wollen zwar, können aber nicht.“

Abstrus ist ein linke Wende wahlarithmetisch dennoch nicht. Es braucht jedoch einige Voraussetzungen (kalkuliert man nicht einen Überraschungswahlerfolg der Piratenpartei plus eine Dreierkoalition ein): Die wichtigste Bedingung wäre erstens, dass drei Parteien, also etwa BZÖ, Piratenpartei und eine weitere Liste, jeweils mehr als drei Prozent der Stimmen schaffen. Zweitens müssten sie knapp an der Vierprozenthürde scheitern. Wenn sie nicht ins Parlament einziehen, gehen alle Mandate an SPÖ, ÖVP, FPÖ, Grüne. Für SPÖ und Grüne könnte es mit 43Prozent der Stimmen (etwa: SPÖ 29, Grüne 14 Prozent) für eine hauchdünne Mandatsmehrheit reichen. Das hängt davon ab, wie wahlarithmetisch die Ergebnisse in den konkreten Wahlkreisen ausfallen. Für ÖVP und FPÖ wären in dem Beispiel knapp 43Prozent der Stimmen (FPÖ fast 23, ÖVP 20Prozent) für eine schwarz-blaue Mehrheit dann zu wenig. Allerdings funktioniert es auch umgekehrt: SPÖ und Grüne schaffen zwar knapp 43Prozent, aber Blau-Schwarz hat mit 43Prozent bei den Mandaten die Nase vorn. no/uw/oli/ett/pri

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.05.2012)

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301 Kommentare
 
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Im Sinne des psycholg. Hintergrundes erkennbar : die polit. Ausgrenzung ist ein Zeichen s."Rot gegen Blau ",

dass die politischen Ausgrenzer ihre übermäßige Selbstgefälligkeit und Machtgefühle bedroht sieht (s.Prachtbeispiel Häupl). Also, allzu erkennbar diese Auffälligkeit bei den Sozen, diese polit . Ausgrenzer verraten sich ja selbst (fast schon tragischkomisch u. durchschaubar). Der Umgang mit dem Machtfaktor und Primat d. Ideologie überlagern alles.

Linke Alliance...Man sieht u.a. auch "viel mehr gesellschaftspolitisches Potenzial " für weitere linkspolit. Experimente .

Gast: Wir hier
21.05.2012 15:33
6 19

Feiglinge

Diese unerträgliche Angst und Feigheit des Wählers vor Neuem ist kaum auszuhalten.

Antworten Gast: werbistdu
21.05.2012 23:16
4 2

Re: Feiglinge

Wir wollen kein Nordkorea in Österreich.
Das hat nichts mit feigheit zu tun.
Der Dumme wird gefährlich, wenn er an die Macht kommt, das wissen die Linken, sie werden es aber nicht schaffen.

Re: Feiglinge

Das ist nicht Angst vor neuem, sondern die Gewißheit der linken Diktatur. Man sieht ja, was in Wien abgeht.

Gast: Mittagsmenue 6.90
21.05.2012 15:18
10 5

Wieso konnte @DAVIDs innerhalb 15 Minuten 20 + bekommen und die, die mit ihm nicht einer Meinung waren genau so viele - ?



Das ganze führt sich ad absurdum, dann besser gleich keine Stricherln.

Gast: Wir hier
21.05.2012 15:10
16 4

Wien ist anders - Wien ist nicht Österreich

Schlecht und gut gleichzeitig: in Wien wurden die Grünen von den Roten als Koalitionspartner genommen, weil Rote - wie Hr. Häupl - feige Schweine sind und nicht mit Blau zusammen gehen möchten.
Andererseits sehen die Leute jetzt wenigstens, dass Rot-Grün für Wien (wie es auch für ganz Österreich wäre) eine reine Katastrophe ist und merken (hoffentlich), dass das kein politisches Modell für eine österreichische Zukunft sein kann.
Liebe Wähler, bitte bis nächstes Jahr merken!
Und solche Perversitäten wie Rot-Grün-Piraten bitte nicht schreiben, da wird mir schlecht!

Antworten Gast: Linker Pirat
23.05.2012 15:37
1 0

Re: Wien ist anders - Wien ist nicht Österreich

Ich fasse ihren Beitrag zusammen:
Entweder macht die stärkste Partei eine Koalition mit blau-braunen Rechtsextremen oder sie sind feige Schweine.

Antworten Gast: Lingus
22.05.2012 05:35
0 2

Re: Wien ist anders - Wien ist nicht Österreich

"Wien ist anders - Wien ist nicht Österreich"

Das sollten Sie außerhalb von Wien mal nicht zu laut von sich geben. Könnte ein ganz schlechter Tag für Sie werden.

Gast: Wir hier
21.05.2012 15:01
10 0

der Wähler bestimmt den Politiker und nicht umgekehrt

Mir läuft es eiskalt über den Rücken, wenn bereits jetzt mit einer Wahl quasi abgeschlossen wird, die erst in 1 1/2 Jahren stattfindet.
Wie kann das bitte sein?
Der Wähler hats in der Hand - und sonst NIEMAND!
Und auf Beiträge wie z.B. na da bleib ich gleich zu Hause oder hat eh gar keinen Sinn oder rot-grün-piraten (Gott bewahre) .... auf sowas kann ich bitte verzichten. Da kommt mir echt das Kotzen!

Gast: Wir hier
21.05.2012 14:55
2 1

Überschrift

.... oft läuft man lange in eine Richtung, bevor man vor dem Abgrund steht.

Der größte Fehler, nicht zu wählen.

.
Der größte Fehler den der Bürger begehen kann ist nicht zur Wahl zu gehen. Das kleinste Übel zu wählen ist noch immer besser. Nur so können schrittweise Veränderungen bzw. positive Entwicklungen erreicht werden.

Nicht zu wählen bedeutet an einem Entwicklungsprozess nicht teilzunehmen. Aber auch Parteien wie die Piraten zu wählen ist eine ungültige Stimme die nicht an Veränderungen mitbestimmt.

Wir müssen erkennen dass die durch Jahrzehnte gewachsenen Strukturen nicht innerhalb von einigen Tagen verändert noch aufgelöst werden können. Veränderungen und Entwicklungen müssen auch machbar sein.

Re: Der größte Fehler, nicht zu wählen.

Ich finde man sollte den Altparteien die nötige Ruhe geben damit sie sich restrukturieren und von der Macht "erholen" können- in der Opposition nämlich.

Gast: Baptist
21.05.2012 14:44
3 1

Re: Leider gehts in Ö nur um das kleinere Übel

Mit Ihrer Entscheidung gar nicht zu wählen nützen Sie jedoch genau jenen Parteien die Sie nicht wollen. Sie sollten daher eine Partei wählen wo Sie der Meinung sind daß sie in Österreich den wenigsten Schaden anrichtet. Diese Stimme mit vielen anderen gleichen Stimmen verschiebt den Prozentsatz, der den anderen Parteien dann abgeht.

Rot - Grün

und das land geht sang- und klanglos unter..
man stelle sich nur mal die handelnden personen vor: Rudas, Korun, Glawischnig, Darabos...

diese Kombination aus ...


.. Kreisky's sozialistischer Gelddruckmaschine

und

.. Glawischnig's missionarischem Verbotseifer

läßt Schlimmstes befürchten

Gast: Exwähler44
21.05.2012 13:37
3 9

Leider gehts in Ö nur um das kleinere Übel.

Schwarz-Blau war so daneben, dass sich das wohl kein Mensch mit IQ über 90 mehr wünscht. Rot-Schwarz ist auch kaum noch zu unterbieten. Und Rot Grün? Sie werden wohl die nächste Regierung stellen - vielleicht plus Piraten. Aber sind auch die noch zu übel, wie Wien zeigt. Deshalb werde ich wahrscheinlich gar nicht wählen.

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Re: Leider gehts in Ö nur um das kleinere Übel.

Bei Rot/Grün befürchtet mein IQ eine gewaltige Preissteigerung bzw leere Taschen.

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Re: Re: Leider gehts in Ö nur um das kleinere Übel.

unsere taschen hat die korruptionisten bande unter schüssel und grasser schon ausgeräumt!

Re: Re: Re: Leider gehts in Ö nur um das kleinere Übel.

Viel mehr Korruption und kriminelle Politik hat es wohl unter Kreisky und danach gegeben.AKH - Skandal,Likona.Club 45 mit verurteilten Ministern,Konsum,Bawag usw. Da wurde wesentlich mehr "verwirtschaftet und veruntreut " als unter Schwarz/Blau.

Antworten Antworten Gast: ido
21.05.2012 16:27
2 4

Re: Re: Leider gehts in Ö nur um das kleinere Übel.

FYI: Die höchste Abgabenquote der 2. Republik gabs unter KHG.

Du hast allerdings damit recht, das in Zukunft der Gürtel zumindest etwas enger geschnallt werden muss; allerdings unabhängig von der Regierung, die Zeiten, wo man die künftigen Generationen ganz zwanglos verschulden kann, sollten bald vorbei sein...

Gast: Baptist
21.05.2012 12:55
4 3

Nächste Wahl mit Glückswürfel ?

Vor der Wahl verspricht jede Partei all dies, das der Wähler gerne möchte. Sie nennen dies Wahlkampf. Nach der Wahl können sie nicht, da sie, (haben sie ja vorher nicht gewußt) keine Mehrheit haben. Bei der nächsten Wahl erwarte ich daß mindestens eine Partei vor der Wahl sich festlegt mit wem sie eine Koalition bildet, ein Programm ausarbeitet, dieses Versprechen dem Wähler bekannt gibt und dieses Verprechen nach der Wahl ohne Ausflüchte einhält. Sollte keine Partei dazu in der Lage sein, so werde ich diese Partei wählen die kein Programm hat, nichts verspricht, mich daher auch nach der Wahl nicht enttäuschen kann !!! Die "P I R A T E N"

Antworten Gast: Wir hier
21.05.2012 15:31
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Re: Nächste Wahl mit Glückswürfel ?

An alle ängstlichen Wähler:
vor Angst nach der Wahl enttäuscht zu werden - irgendeinen Schmafu wählen - dann BITTE lieber zu Hause bleiben.
Spart Zeit Geld und Ärger.
Eine Stimme für Piraten ist eine verlorene Stimme.

Antworten Antworten Gast: jodeystimmt
21.05.2012 17:05
2 1

Re: Re: Nächste Wahl mit Glückswürfel ?

glücklicherweise haben verwirrte nur 1 stimme. hoffe das beide parteien an der 5% hürde scheitern

Re: Re: Nächste Wahl mit Glückswürfel ?

Eine für die Partei *Ihrer Wahl* verlorene Stimme müsste man vielleicht fairerweise sagen.
Und wenn Sie uns jetzt noch verraten, welche Partei in diesem Land ihren Schmafu-Status nicht ausreichend unter Beweis gestellt hat?

Antworten Antworten Antworten Gast: Linker Pirat
21.05.2012 16:43
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Re: Re: Re: Nächste Wahl mit Glückswürfel ?

Die Piraten und Grünen.

...werde ich diese Partei wählen die kein Programm hat, nichts verspricht, mich daher auch nach der Wahl nicht enttäuschen kann...

Durchaus logischer Ansatz.
Aber im Grunde weiss man ja, wofür die einzelnen bekannten Parteien stehen und was sie so treiben, wenn sie Vertreter in ein Amt reinbringen.
Wahlversprechen muss man also nicht ernstnehmen.
Was ausdrücklich nicht heisst, dass man den im Wahlkampf verzapften Unsinn tolerieren soll - wie Sie richtig bemerken, gibt es Alternativen.

 
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