U-Ausschuss: Ein Tipp um 700.000 Euro

22.05.2012 | 18:59 |  REGINA PÖLL, HEDI SCHNEID UND MANFRED SEEH (Die Presse)

Am Dienstag verteidigte das „magische Dreieck“ aus Ex-Minister Grasser, Lobbyist Meischberger und Immobilienmakler Plech die Immobillien-Deals von Linz bis Wien.

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Wien. Die Leistungsschau im U-Ausschuss gelang auch am Dienstag nur ungenügend: „Wo woar mei' Leistung?“, diese Frage aus seinem legendären Telefonat konnte der Lobbyist und langjährige Grasser-Vertraute Walter Meischberger gestern wieder nicht genau beantworten. Wobei: Die Frage habe er damals – im Gespräch mit dem Immobilienmakler Ernst Plech – nicht gestellt, weil er selbst nicht gewusst hätte, worum es ging. Sondern er habe wissen wollen, worin seine Leistung denn „in Plechs Augen“ bestanden habe.

Doch worum ging es? 2003 verkauft die Telekom das Objekt Nordbergstraße 15 in Wien überraschend an ein Porr-Kallinger-Konsortium statt an die Bundesimmobiliengesellschaft, die zunächst Favorit war. Und der damalige Intimus von Finanzminister Karl-Heinz Grasser kassiert am Ende 708.000 Euro Provision. Wofür genau? Am Dienstag müht sich Meischberger endlich mit einer plausiblen Antwort: Es seien die „speziellen Beziehungen“ gewesen, die er überallhin gehabt habe.

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„Im richtigen Biotop schwimmen“

So sei es etwa darum gegangen, beim Einfädeln von Immobiliendeals zu erkennen, welche Informationen für welchen Kunden wichtig sein könnten. „Das ist schon eine Leistung. Dafür muss man im richtigen Biotop schwimmen.“

Heute mit Grasser nicht mehr verbunden – beide Männer sprechen von Distanzierung, man habe keinen Kontakt mehr –, bestätigt aber auch der Ex-Minister in seiner Befragung, dass er früher eine enge Beziehung zu Meischberger gehabt habe. Das sagt Grasser, angesprochen auf eine zweite Affäre – jene um den Terminal Tower Linz. Dorthin übersiedelte die Finanz, nachdem Grasser zunächst große Bedenken hatte. Doch der Minister änderte seine Meinung. Auch hinter diesem Objekt stand u. a. die Porr. Für einen weiteren Grasser-Freund, Peter Hochegger, gab es ein Beraterhonorar, auch Meischberger soll mitgeschnitten haben.

Doch wofür genau kassierte er immer wieder bei solchen Immo-Deals? Das habe Meischberger auch ihn, Grasser, gefragt, gibt der Ex-Minister zu. Sein Rat damals: Meischberger solle nachsehen, wo genau die Porr schon welche Projekte verwirklicht hat. Es sei ein „kurzes Telefonat“ gewesen, „bei dem ich auf der anderen Seite einen verzweifelten Freund hatte“, sagt Grasser. Er habe Meischberger auf die Porr-Projekte in der Hoffnung hingewiesen, dass er bei der Durchsicht ein „Aha-Erlebnis“ habe – sich dann also besser erinnern könne, was er eigentlich für den Baukonzern geleistet hat.

Auch Makler Plech – die Nummer drei in einem laut Peter Pilz (Grüne) „magischen Dreieck“ mit Meischberger und Grasser – wird hart geprüft. So vor allem zum erwähnten Objekt Nordbergstraße: „Sie waren BIG-Aufsichtsrat, haben daher über alle Informationen verfügt und gleichzeitig Provisionsverhandlungen geführt. Das ist doch unvereinbar?“, donnert Stefan Petzner (BZÖ) Plech entgegen. Der Makler und Grasser-Freund sieht das anders. Als das Projekt konkret wurde – im Sinne Porrs, nicht der BIG –, habe er sich auch als BIG-Aufsichtsrat „zurückgezogen“. Hätte die BIG den Zuschlag bekommen, hätte sie das Objekt an die WU Wien vermietet.

Überhaupt sei es Meischberger gewesen, der die Provision bekommen habe. Und er? Ja, ein bis zwei Jahre später habe er, Plech, vom beteiligten Käufer, dem Unternehmer Anton Kallinger, 25.000 Euro erhalten. Als „Bemühungshonorar“.

Rückenwind für Justiztower

Und noch ein dritter Deal kommt zur Sprache: die Einmietung der Justiz 2003 in den (teuren) Justiztower („City Tower“) in Wien-Mitte, ebenfalls ein Gebäude der Porr. Ex-Minister Grasser verteidigt das: Die Kosten seien ihm damals zwar sehr hoch erschienen, er habe sich aber nicht gegen den verantwortlichen Justizminister Dieter Böhmdorfer stellen wollen. Und das Finanzministerium habe daher kofinanziert.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.05.2012)

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97 Kommentare
 
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wann werden die gauner

entlich in den knast geworfen

Gast: hellsangel
24.05.2012 12:59
0

SELBER KASSIEREN!

ich bin ganz sicher kein Freund von KHG und Konsorten, diese "Buberlpartie" ist mir zutiefst zuwider, denn von Meischi bis Hojac (jetzt Westi) eine einzige Freunderlwirtschaft der Ahnungslosen.
Aber eines muss ich loswerden:
Ich habe das Gefühl hier sind oft die Menschen NEIDIG die keine Informationen haben um sie anzubieten, daher FRAGT sie niemand ob sie Geld nehmen würden, denn wenn sie gefragt werden würden, dann würden sie es schon nehmen....

Gast: M. Wolf
23.05.2012 18:00
0

„Wo woar mei' Leistung?“

Die Tipps des sogenannten Herrn Dalai Lama
kosten in Summe mehr,
da jammert kaum einer.

Re: „Wo woar mei' Leistung?“

Na, das war ja schon recht lustig - nur nicht den Mut verlieren, mit etwas Übung schaffen Sie es das nächste mal vielleicht.

Gast: Blankensteiner Husar
23.05.2012 15:08
1

Fein! Die Dauerneider sind wieder alle im Forum versammelt.

Haben alle selber keine Ahnung wer in ihrem eigenen Umfeld aller Provisionen kassiert und wollen hier groß motzen.
Erbärmilich, diese Spießbürgerseelenfäkalgrube namens österreichische Seele.

Ein durchaus übliches, alltägliches Geschäft

Nur Mitbürger, die nicht im täglichen Geschäftsleben stehen, fragen sich, warum jeder gute Tipp in Österreich irgendjemand 10% Gewinn bringt. Die Frage :"Wo war mei Leistung?" ist also rein rhetorisch. Wenn man an den richtigen Quellen sitzt, sprudelt das Geld. Und die Herren "Nehmer" grinsen durch die Gegend, da sie wissen, dass ihnen nichts passieren kann. Wo kämen wir hin, wenn man für gute Tipps nicht reichlich "Erfolgshonorar" bekäme. Und was würden gute Freunde tun, wenn man sie nicht gut informieren würde. Bös sein! Und das will ja niemand echt riskieren! Auch kein Minister!?

Der Teppich unter den hier alles gekehrt wird, ist so gross wie Österreich.


Wer hat im Endeffekt gezahlt?

Es ist nicht so, daß die "Wirtschaft" das Geld hatte. Die Wirtschaft muß das erst von den Konsumenten holen. Damit solche Summen zusammenkommen, braucht sie Ihre Preise, Dienstleisungen, ... nur um Bruchteile von % anheben, damit der kleine (geschröpfte) Mann das nicht spürt. Da fehlt es an Aufsichtsorganen, staatlichen, die den Zugriff auf die Brieftasche des kleinen Mannes überwachen und ggf, einschreiten (dazu brauchen sie Gesetze).
Eine Schande für Schüssels Finanzminister, daß er mit niedrichen Preisen zufrieden war, so daß die Wirtschaft trotz hoher Provisionen sich immer noch ins Fäustchen lacht; er hätte dem Steuerzahler über mehr Ertrag berichten können, so daß mehr für Bildung, Gesundheit, ... getan hätte werden können. Der "beste Finanzminister" der 2. Republik. Anhaben kann man ihm wohl nichts, alles Verfassungs-, Gestzes- und Verordungs-konform. Wie sich unsere Volksvertreter das zu ihrem Vorteil geschaffen haben.

Antworten Gast: Trull
23.05.2012 11:34
1

Re: Wer hat im Endeffekt gezahlt?

Ja, private Wirtschaft hat gezahlt, nicht der Staat.
So wie Angestellte ihr Gehalt bekommen, erhalten selbstständig Agierende Provisionen. Provisionen sind nichts Böses, denn dafür arbeitet man auch ordentlich. Provisionen sind Teil des Wirtschaftslebens und müssen in der Höhe in Relation zur Auftragssumme gesehen werden. Viele verwechseln Provisionen mit Bestechungsgelder und verstehen das Ganze nicht. Deshalb der völlig unnötige Wirbel um nichts und wieder nichts.

Re: Re: Wer hat im Endeffekt gezahlt?

...denn dafür arbeitet man auch ordentlich..., ja, siehe der Spruch: "was war meine Leischtung".
Da müssen recht viele andere ein Leben lag arbeiten um solche Summen zu erhalten. Es ist das kranke System, das das zuläßt, gestütz von Leuten, die daran "nichts Böses" finden.
Sie haben nicht genau gelesen, was ich oben geschrieben habe. Das Geld holt sich die Wirtschaft von Konsumenten, die zu dem Zweck geschröpft werden. Und die Provisionsempfänger haben nicht Besseres zu tun, als ihr erhaltenes Geld steuerschonend" sich auf den Kaiman-Inseln oder sonstwo auszahlen zu lassen.
Steuern sollen die vielen Kleinen zahlen; damit dir Infrastruktur geschaffen wird, die die BMW-700er Halter brauchen.

Re: Re: Re: Wer hat im Endeffekt gezahlt?

Salopp gefragt: warum werden sie nicht selbst Makler od. Lobbyist, sie müssen halt nur viel Vorfeldarbeit (od. Netzwerke aufbauen) leisten. So einfach ist das!

Re: Re: Re: Re: Wer hat im Endeffekt gezahlt?

Ja, in unserem System ist das einfach, der Weg zu ergiebigen Geldquellen, ohne Leischtung. Wenn das alle so halten, ist nichts mehr da.

Antworten Antworten Antworten Gast: Trull
23.05.2012 13:58
2

Re: Re: Re: Wer hat im Endeffekt gezahlt?

Was der "kleine Mann" verdient ist ja nicht ausschlaggebend. Der "kleine Mann" bekommt sein gehalt pro Monat, egal wie viel er arbeitet. Ein Selbständiger bekommt Null, falls er kein geschäft auf dei Beine bringt und zahl seinen egsamten Aufwand auch selbst.

Gast: Schnatter
23.05.2012 10:47
2

4 Stunden Vernehmung!

Liest man nach, wie Grasser & Co. gestern aggressiv und unfreundlich befragt wurden, so wundert man sich, daß die p.t. Ausschußmitglieder nicht auch Folterwerkzeuge zur Verwendung mitbrachten.
Jahrelange Ermittlungen stehen einer Doppelnull als Ergebnis gegenüber, aber die Show muß ja weiter gehen. Politisches Kleingeld ist wichtiger als die Menschenwürde. Es ist ja lustig sich über einzelne Sätze aus illegal an die Öffentlichkeit gekommenen Protokollen auf der Zunge zergehen zu lassen und sich darüber zu unterhalten, wieder und wieder.
Die Behörden sollen nun die Ermittlungen zu Ende bringen und dann anklagen oder die Anschuldigungen fallen lassen. Einmal muß Schluß sein, so oder so!

Gast: Luzifer
23.05.2012 10:29
4

"Volksjustiz" oder gar "Pöbelherrschaft"?

Wenn man hier die Beiträge liest, bekommt man so seiner Zweifel, ob es nach Hetzkampagnen a la Fellner-Presse überhaupt noch möglich ist, gegen die Betroffenen einen fairen Strafprozeß durch unvoreingenommene Richter zu führen. Wie in den USA sollten die Angeklagten das Recht bekommen, eine gewisse Zahl von Schöffen od. Geschworenen ohne Angabe von Gründen abzulehnen.

Auch eine Reform des Medienrechtes wäre dringend notwendig, damit falsch Verdächtigte endlich einmal eine realistische Chance bekommen, sich gegen solche Kampagnen zu wehren und - bei Einstellung oder Freispruch - den durch die Kampagnen verursachten Schaden zivilrechtlich geltend zu machen...

Antworten Gast: Knaller
23.05.2012 10:50
2

Re: "Volksjustiz" oder gar "Pöbelherrschaft"?

Ja, da stimme ich zu. Und die Quellen, aus denen all die "geheimen" Protokolle an die Öffentlichkeit kommen, sollten endlich einmal gefunden werden!

Re: Re: "Volksjustiz" oder gar "Pöbelherrschaft"?

Im Hinblick auf die Rolle der Medien stimme ich Ihnen zu.

Gast: TT1
23.05.2012 10:13
1

Schön zu wissen

wo unser Steuergeld hinging. Dankeschön Herr Grasser. Ich hoffe, Sie landen dort wo Sie hingehören: in den Häfen.

Antworten Gast: luzifer
23.05.2012 10:39
5

Re: Schön zu wissen

Wissen Sie überhaupt, wovon Sie reden?
Etwa die "Porr" gehört seit eh und je zum roten Wirtschaftsimperium. Eigentümer ist ein Konzern, der dereinst von der "Z" der Gemeinde Wien gegründet wurde und in dessen Aufsichtsrat und Vorstand jede Menge roter "Granden" sitzen, wie etwa die Ex-Stadträtin und Ex-Staatssekretärin Eder (die bekanntlich mit dem roten Fraktionsvorsitzenden in der EU, Dr. Swoboda - ebenfalls roter Ex-Stadtrat - verheiratet ist).

Andererseits hat beim Buwog-Verkauf die Wiener Städtische (ebenfalls ein Konzern des roten Wirtschaftsimperiums, in dessen Vorstand jede Menge SPÖ-Granden sitzen) mitgemischt. Leider werden diese Zusammenhänge in den div. Medienberichten viel zu wenig aufgeklärt!

Re: Re: Schön zu wissen

Das ist aber interessant, mir war das so nicht bekannt.

Offensichtlich ziehen sich die Korruptionsaffären quer durch alle Couleur - und den Beteiligten dürfte es nur Recht sei, wenn sich die öffentliche Diskussion auf parteipolitisches Hick-Hack beschränkt.

Antworten Antworten Gast: alatheus
23.05.2012 12:56
1

Re: Re: Schön zu wissen

Nicht direkt im Vorstand, sondern - wie im Fall der ÖVP bei der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien - in Aufsichtsratsfunktionen:

Mag. Werner Muhm (Direktor Arbeiterkammer Wien)
Dr. Gabriele Payr (Direktorin Wiener Stadtwerke)
Komm. Rat Sonja Zwazl (Präsidentin der Wirtschaftskammer Niederösterreich; Landesgruppenobmann des Wirtschaftsbund Niederösterreich; Mitglied des Bundesrates)

Eigenartigerweise sitzt in diesem Aufsichtsrat auch ein Geistlicher:

Abt Präses Mag. Christian Haidinger (Abt Präses der Österreichischen Benediktinerkongregation und Abt Stift Kremsmünster)

Bei der Styria Medien AG ist es aber auch nicht anders:

Univ. Prof. Dr. Dr. h.c. Johann Trummer (Vorsitz) - Universitätsprofessor für Kirchenmusik an der Musikuni Graz, Leiter des Grazer Priesterseminars und Vorsitz des Diözesanen Wirtschaftsrates der Diözese Graz-Seckau.

http://www.styria.com/de/styria/eigentuemer.php

Gast: Finanzministrant
23.05.2012 10:04
3

Wer je die Freuden einer Steuerprüfung erlebt hat,

kann sich über Tipp-Trinkgelder über ein paar hunderttausend Euro nur wundern, die da in so manchen Kreisen üblich sind.

Gast: Luzifer
23.05.2012 09:53
2

Schaffen wir das Eigentum ab,

dann gibt es auch keine Debatte über Provisionen. Wir brauchen offenbar wieder Zustände wie damals in der DDR...

Und wenn sich jemand informieren wollte, wie weit KHG in die Sache verstrickt ist, dann war das gestrige ORF-Interview mit der UA-Vorsitzenden Gaby Moser sehr aufschlußreich: auf die Frage nach der "rauchenden Pistole" verwies sie auf die ausstehenden Steuerunterlagen in Liechtenstein, ohne auch nur konkret sagen zu können, was die beweisen sollen: mit einem Wort: ich könnte genauso gut sagen, daß sich dadurch beweisen läßt, daß in Wahrheit "Oberst Fallafel" Provisionen aus dem Buwog-Verkauf lukriert hat.

Übrigens bedanke ich mich für die 17 (!!!) negativen Bewertungen für meinem Beitrag weit unten, wo ich versucht habe, die Rechtslage ein bißchen aufzuhellen... Das hat offenbar ein ganzes "Nest" von Grasser-Gegner vermutlich aus der Löwelstrasse aufgebracht. Wie zu erwarten, wurde meist gar nicht sachlich argumentiert! "Weil nicht sein kann, was nicht sein darf!"-- Demokratie auf Österreichisch!

Gast: weinberg63
23.05.2012 09:42
0

So schaut´s aus

Herr Plech hat sicher nicht seine Maklerkonzession mit den anderen geteilt. So gesehen wären die Immo-Deals gewerberechtlich bedenklich.

Hier sollte die Justiz einhaken.

Gast: Schau in die Krone
23.05.2012 08:36
3

Grasser wird im Augenblick von der Krone sehr gut behandelt. Auch heute wieder nettes Interview mit Fiona.



Warum? Inserate kann und wird er wohl nie wieder vergeben können.

Re: Grasser wird im Augenblick von der Krone sehr gut behandelt. Auch heute wieder nettes Interview mit Fiona.

hängt wohl irgendwie mit dem penthäusl-verkauf zusammen.

 
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