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Wilfried Haslauer: „Grasser anklagen – oder einstellen“

25.05.2012 | 18:40 |  von REGINA PÖLL (Die Presse)

Salzburgs ÖVP-Chef Wilfried Haslauer über die Fälle Graf und KHG, die Tücken des Korruptions-U-Ausschusses und den Anspruch auf rasche Verfahren.

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Die Presse: Eine Frage an den Anwalt ...

Wilfried Haslauer: Das bin ich nicht mehr. Obwohl: Einmal Anwalt, immer Anwalt?

Zur Privatstiftung, die Martin Graf einer alten Dame eingeredet haben soll: Wie stellt sich das Konstrukt für Sie dar?

Das müsste ich mir im Detail ansehen, das kommentiere ich nicht.

Dann eine Frage an den Politiker Haslauer: Sollte Graf aus dem laufenden Verfahren als Schuldiger hervorgehen, müsste er dann sein Amt als Dritter Nationalratspräsident zurücklegen?

Das ist immer eine Frage des Grades der Verfehlung. Wenn es etwa in Richtung Veruntreuung oder Missbrauch von Klientengeldern geht, muss er Konsequenzen als Politiker ziehen. Das ist klar.

Sehen Sie das Amt beschädigt? Wieder ist der Dritte Nationalratspräsident in den Schlagzeilen.

Vielleicht auch aus einer gewissen Zielscheibenfunktion des Dritten Nationalratspräsidenten Graf heraus. Aber generell: Wenn ein hoher politischer Amtsträger in der privaten Geschäftsgestion Probleme hat, dann hat das immer auch einen Rückschluss auf politische Vertrauensfragen im Amt.

Sollte Parteichef Strache Graf also abziehen?

Das ist Sache der FPÖ.

Thema Bezirksgerichte: In Ihrem Bundesland Salzburg will Justizministerin Karl die Zahl von neun auf drei senken.

Das geht sicher nicht. Wir gehen davon aus, dass jeder unserer sechs Bezirke ein Gericht haben muss. Wir haben Gestaltungsmöglichkeit im Pinzgau, da genügt vermutlich eines der zwei Bezirksgerichte, und im Flachgau haben wir drei, auch das muss man sich anschauen. Aus den neun Bezirksgerichten kann man sieben machen. Den Plan der Ministerin sehe ich als Vorschlag.

Sie selbst wurden 2011 als Justizminister gehandelt. Wie bewerten Sie die Performance der Ministerin heute? Mit einigen Vorschlägen – Beispiel: Diversion – ist sie ja bereits angeeckt.

Ich halte sie für eine gute Justizministerin. Die Diversion ist in vielen Fällen ja sinnvoll, wurde aber in Richtung von Grasser-und-Co.-Fällen gedreht. Das ist auch Pech.

Muss man so etwas als Ministerin nicht antizipieren?

Möglicherweise. Aber da kann man nicht ihr allein die Schuld geben. Es gibt ja auch genug Berater und Leute, die politisch mitdenken sollten.

Die Ministerin wollte auch das Vertrauen in die Justiz stärken. Dieses ist aber im freien Fall.

Einer von vielen Punkten sind auch die langen Verfahren. Ich sage: Leute, die Jahr und Tag beschuldigt werden, haben irgendwann auch einen Anspruch zu erfahren: Sind sie der verdächtigten Taten schuldig oder nicht?

Hat Karl-Heinz Grasser also recht, wenn er beklagt, dass seit Jahren gegen ihn ermittelt wird?

Da hat er absolut recht. Man hat ja beinahe schon den Eindruck, dass die Ermittlungen fast absichtlich verzögert werden, damit man das Thema noch ein Jahr am Kochen hält. Man sollte anklagen oder einstellen.

Gerechtigkeit für KHG also?

Gerechtigkeit für alle durch rasche Verfahren. Kein Unterschied aufgrund von Name, Stand und Ansehen. Und das sehe ich nicht.

Wie bewerten Sie – Stichwort Grasser – den Untersuchungsausschuss? Bringt der was?

Das ist natürlich eine politische Veranstaltung, da spielen alle Parteien ihre Spielchen. Das trägt indirekt auch nicht zum Vertrauen in die Justiz bei, weil es Verfahren verzögert.

Gehören Sie also zum Lager jener, die ein rasches Einstellen des U-Ausschusses fordern?

Na ja, irgendwann muss ein Ergebnis, ein Bericht herauskommen. Man kann die Dinge auch nicht zu Tode walzen. Ich sehe eher den Zeitpunkt gekommen, dass die Justiz verurteilt oder freispricht. Aber immerhin: Der U-Ausschuss hat unter anderem auch zu neuen Transparenzregeln geführt.

Sind Sie damit zufrieden? In Salzburg geht man ja bereits über den Plan des Bundes hinaus.

In Salzburg haben wir uns zu einer Offenlegung von Spenden ab 500 Euro bekannt. Die 5000 Euro im Bund halte ich für okay. Was mir wichtig ist: Ich will keine bundesweit einheitliche Regelung. Der Bund soll es den Ländern überlassen, ihre Dinge zu regeln.

Wer wird sich da durchsetzen: SPÖ-Kanzler Faymann oder ÖVP-Vizekanzler Spindelegger?

Man wird sehen. Wir brauchen aber vor allem noch die Zustimmung der Opposition.

Mit SPÖ-Landeshauptfrau Burgstaller sind Sie mit der Forderung nach Studiengebühren auf einer Linie. Wird es einen neuen, gemeinsamen Vorstoß dafür im Bund geben?

Frau Burgstaller hat es kundgetan. Ich habe es kundgetan. Aber die SPÖ auf Bundesebene blockiert das. Wenn sie sich innerparteilich im SPÖ-Präsidium nicht durchsetzt: Ich werde es nicht zusammenbringen.

Nehmen Sie weiter Kurs auf den Landeshauptmannsessel?

Ich arbeite daran. Viele sagen, ich wäre ohnedies schon geschäftsführender Landeshauptmann. Das kann ich nachvollziehen.

Zur Person

Wilfried Haslauer, 56, ist seit 2004 Landeshauptmann-Stellvertreter in Salzburg und Landesparteichef der ÖVP. Der promovierte Rechtswissenschaftler absolvierte das Gerichtsjahr in Wien und Salzburg und schlug danach die Anwaltskarriere ein. Von 1985 bis 2004 war er selbstständiger Rechtsanwalt mit vier weiteren Partnern in der Stadt Salzburg. Diese Tätigkeit hat er ruhend gestellt.

Im Vorjahr wurde der Sohn von Altlandeshauptmann Wilfried Haslauer sen. von Neo-Bundesparteichef und -Vizekanzler Michael Spindelegger als möglicher Justizminister gehandelt. Zuletzt setzte sich Haslauer jun. unter anderem für die Weisungsfreiheit für Staatsanwaltschaften und eine massive Beschleunigung der Verfahren ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2012)

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38 Kommentare
 
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Gast: williM
29.05.2012 13:42
0 0

Die Einmischung eines Unbedeutenden

Was hat Haslauer zu verstecken?

Steckt er ebenfalls im Grasser-Korruptionssumpf?

Wir warten auf Antworten, Herr Haslauer.

Gast: baumisms
27.05.2012 19:30
0 0

Die Taktik der Schüssel-Getreuen:

Man lässt Grasser & Co mit Hilfe der schwarz umgefärbten Justiz (und praktischerweise wurden von den Schwarzen auch die unabhängigen Untersuchungsrichter abgeschafft) das Verfahren jahrelang verzögern, und dann schreit man nach dem Menschenrecht auf ein kurzes Verfahren.

Gast: Doris Perg
27.05.2012 07:54
2 0

Landeshauptmannstellvertreter

Wortspielerei:
alzburgs Landesoberhaupt ist weiblich, müsste Wilfried Haslauer nicht Landeshauptfraustellvertreter genannt werden?
Rein hypothetisch- wäre der Stellvertreter weiblich, hieße es dann Landeshauptfraustellveteter oder Landeshauptfraustellvertreterin?
Wo sind die guten alten Zeiten wo man sich über derartige Dinge nicht den Kopf zerbrechen musste.

Gast: Wunderlich
27.05.2012 07:04
2 1

Grasser, Untersuchungsausschuss und die Justiz

Zumindest teilweise hat Haslauer konkrete Aussagen getroffen und diesen ist zuzustimmen. Ein Untersuchungsausschuss ist ein politisches Theater um Meter für die nächste Wahl zu gewinnen. Eine Möglichkeit den politischen Gegner öffentlich vorzuführen, was auch ausgiebig zelebriert wird. War leider noch nie anders, wird es auch nicht sein. Finde ich entbehrlich.

Sollte es eine strafbaren Umstand geben, wäre das Sache der Justiz. Die soll rasch und präzise arbeiten, transparent und fair sein - also so, wie es vorgeschrieben wäre.

Einen Grasser versucht man nun aber schon seit Jahren festzunageln. Mag es Verzögerung sein, mag es an mangelnden Schuldumständen liegen - letztlich egal. Einmal muss auch Schluss sein. Selbst wenn er schuldig ist, wäre zuzugestehen, dass er es sehr gut versteckt hat. Sonst wäre er ja schon hinter Gittern, so intensiv wie man an dem forscht. Selbst das wäre zu respektieren.

Nicht jeden kriegt man und per Definition soll die Justiz ja nicht nach der vorherrschenden Stimmung sondern nach Fakten urteilen. Jedenfalls aber nicht im Sinne eines Wahlkampfs.

PS: den Begriff "politischer Gegner" finde ich generell interessant. Sollten die Parteien nicht gemeinsam für Österreich arbeiten und nicht gegeneinander für ihre individuelle Machtposition?

0 0

Sollten die Parteien nicht gemeinsam für Österreich arbeiten

Vielen Dank, Sie sprechen mir richtig aus der Seele!
Es ist nur traurig, daß es so wenige sind, die begreifen, daß diese politischen Bosheitsakte nur unserem Land schaden. Das dürfte daran liegen, daß man halt die Fähigkeit verloren hat, anständige Arbeit zu leisten und deshalb nach Ersatzhandlungen schielt!

verständnisvoll

Da hat er Verständnis , seinen Papi hat ja die Wohnungseigentumsbau affäre auch sehr belastet, die hat ihm ja eine Eigentumswohnung geschenkt ein paar Jahre vor dem Konkurs, die Angst dass ihm dafür noch einmal der Staatsanwalt nachläuft war sehr groß.

2 2

Fräulein Grasser

Jeder andere sitzt in U - Haft wegen Verdunkelungsgefahr. Oder die Untersuchungen werden ab sofort ringestellt.
Husch, Husch

na endlich

die PRESSE berichterstattung in der causa GRASSER war von der boulvard journaille nur marginal zu unterscheiden.
es wird zeit dass die presse wieder auf den boden seriöser berichterstattung zurückfindet...dieser artikel mit haslauer ist wenigstens ein anfang

Re: na endlich

Was aber an Haslauers Antworten liegt und nicht an der Presse. Aber gut, die Presse hätte das Interview ja auch verschwinden lassen können, wie es die 10sur hier gerne praktiziert - also immerhin...

9 1

Weiß denn der Haslauer nicht,

dass man den "Fall Grasser" so lange nicht einstellen oder vor Gericht bringen wird, so lange man ihn zur Ablenkung von den politischen Aktionen dieser Regierung und früheren Malversationen eben braucht. Und da sind dxie Vereinigten Regierungsmedien und die bekannten "Wiener Staatsanwälte bestens eingebunden und vernetzt.
Dazu kommt, die Grasserbeschimpfungen werden auch nach einem Gerichtsverfahren, für das man in Österreich ohnehin keine unbefangenen Schöffen mehr finden würde, ohnehin nicht enden. Eine derartig aufgeblasene Polit- und Medienjustiz ist nicht so leicht zu stoppen und außerdem völlig außer Stande, andere Ergebnisse als die der eigenen Vorverurteilung zu akzeptieren.

Für eine Anklage bedarf es stichhaliger Beweise.

Gerade die "Anklage" Rufer würden sich schön bedanken wenn sie ohne einen stichhaltigen Beweis angeklagt werden würden!
Eine Pressemitteilung ist noch lange kein Beweis!
Q.

Ich bin für anklagen. Wer noch?


Antworten Gast: Leider, Leider
27.05.2012 14:05
2 0

Re: Ich bin für anklagen. Wer noch?

Also anklagen wollen Sie? Warum, weil einige besonders unfähige Politiker und einige Printmedien laut schreien und unbedingt etwas Regelwidriges finden wollen oder weil er Ihnen unsympatisch ist, oder weil er Ihnen vielleicht einmal in einem Restaurant den letzten Tisch vor der Nase weggeschnappt hat oder nur aus Jux und Tollerei, weil Sie gerne Leute einsperren, egal ob schuldig oder nicht?
Glauben Sie mir, eine solche menschenverachtende Einstellung hat schon viel Leid über Völker gebracht. Österreich bekennt sich Gott sei Dank zur Rechtsaatlichkeit auch wenn es manchen Gutmenschen nicht gefällt!

Antworten Gast: ösi der echte
26.05.2012 16:37
2 0

Re: Ich bin für anklagen. Wer noch?

ICH AUCH !

Antworten Antworten Gast: Luzifer
26.05.2012 18:53
2 1

Re: Re: Ich bin für anklagen. Wer noch?

Der Fall Grasser wird wahrscheinlich ein "Rohrkrepierer" und führt vielleicht zu einer Amtshaftung (weshalb ein bestimmter Senat des OLG Wien bereits "mauert")!

Re: Ich bin für anklagen. Wer noch?

weil sie ihn unsympathisch finden?

Antworten Antworten Gast: ösi der echte
26.05.2012 17:39
0 0

Re: Re: Ich bin für anklagen. Wer noch?

auch das.

Re: Re: Ich bin für anklagen. Wer noch?

das auch.

3 5

Re: Re: Ich bin für anklagen. Wer noch?

nein weil ich nicht an so viele Zufälle glaube wie sie in diesem Fall vorkommen. Wenn ich zufälligerweise nach einer Banküberfallserie bei verschiedenen Banken jedesmal Minuten danach mit dem Auto vorbeifahrend gefilmt werde und in der gleichen Zeit viel Geld ohne ersichtlichen Grund anhäufe bin ich auch unschuldig solange nicht mehr bewiesen werden kann. Ob ich aber wirklich nichts damit zu tun habe?

Typisch Politiker

Die Wahrheit zählt nicht wirklich, zumindest wenn es Leute mit politischen Ämtern betrifft.

ICH BIN FÜR ANKLAGEN, WER NOCH?


Gast: n745
26.05.2012 09:00
4 1

nur eine frage der zeit bis auch gegen ihn ermittelt wird


Haslauer sieht sich als geschäftsführender Landeshauptmann

---weil es viele sagen....da ist Wohl der Wunsch, es wirklich einmal -so wie der Papa ehemals-zu werden, der Vater des Gedankens gewesen!

sehr richtige Ansichten,

und ungewohnt klar für einen Politiker (aber als Landespolitiker ist es auch leichter, da man dabei überwiegend für die angenehmen Themen verantwortlich ist)...

gute antworten,

der mann gefaellt!!

Haslauer hat bezüglich Grasser & Co recht ...

Dieser mediale "Strudel" wird nicht besser, wenn man nicht zu einem klaren Urteil darüber kommt.
Es ist typisch österreichisch, zuerst nähert man sich zögerlich, dann kommen die Zurufer aus allen möglichen politischen Ecken aber auch ohne Konkretem, dann gerät der jeweilige Justizminister unter Handlungsdruck.

Unter diesem Milieu soll dann eine anständige, unabhängige Untersuchung stattfinden? Nein, entweder sind die Spuren durch die Netzwerke längst verwischt oder es fehlt an der Vehemenz der Fahnder, weil sie politisch unter Druck und Dauerbeschau stehen.

So kann es zu keinem rechtsstaatlichen Schlussstrich kommen und endet österreichisch als Schmierenkomödie, samt Frustpotenzierung in der Bevölkerung.

Und am Ende wird jeder Fall zum großen "politischen Tauschhandel" im Untersuchungsausschuss. Das steht ja kurz bevor.

 
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