Schwarze Dauerbrenner, geduldige Erben

26.05.2012 | 17:46 |  von Karl Ettinger (Die Presse)

Von Pröll bis Pühringer: Statt Generationswechsels geht die ÖVP lieber auf Nummer sicher.

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Der Landeshauptmann lässt denken: „Jugend – Hoffnungsträger oder verlorene Generation?“ lautet ab morgen, Montag, das Thema bei den „Reichersberger Pfingstgesprächen“ an der Grenze zu Bayern. Seit Jahren versammelt Josef Pühringer, ÖVP-Landeshauptmann in Oberösterreich, Wissenschaftler, Kulturtreibende und Politiker in Stift Reichersberg am Inn. Es ist eine Gelegenheit, manch weltliches Problem jenseits enger ÖVP-Parteigrenzen zu bereden.

Seit mehr als 17 Jahren ist der „Sepp“ aus Traun Landeshauptmann. Das Amt wurde ihm weder in die Wiege gelegt, noch ist es ihm in der Partei in den Schoß gefallen. Aber mittlerweile ist es nicht ausgeschlossen, dass der 62-Jährige bei der Landtagswahl 2015 zum 20-Jahr-Jubiläum noch einmal als Spitzenkandidat antritt. Verlorene ÖVP-Generation? Einige potenzielle Nachfolgekandidaten wie Ex-Landesrat Josef Stockinger sind schon Geschichte.

Nach seinem Erfolg bei der Landeswahl 2009 hat es Pühringer selbst in der Hand. Alle Anwärter müssen warten, wie er sich – voraussichtlich nach der Nationalratswahl 2013 – entscheidet. Das gilt für Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner ebenso wie für Landtagsklubchef Thomas Stelzer oder Junglandesrätin Doris Hummer.


Keine Gefahr durch die SPÖ. Statt eines Generationswechsels geht die ÖVP bei Hofübergabe und Machterhalt auf Nummer sicher. Schon Pühringers Vorgänger Josef Ratzenböck war fast zwei Jahrzehnte im Amt. Von der SPÖ drohte im Kampf um den Thronsessel zuletzt Ende der Sechzigerjahre ernsthafte Konkurrenz.

Jenseits der Enns in St. Pölten macht Erwin Pröll heuer das zweite Jahrzehnt seiner Amtszeit als Landeshauptmann von Niederösterreich voll. Noch weniger als in Linz muss der schwarze Landespatriarch fürchten, bei der Landtagswahl im Frühjahr 2013 seine Vormachtstellung zwischen Laa an der Thaya und Semmering einzubüßen. Nachfolgekandidaten brauchen einiges Sitzfleisch: Dem Bauernbündler Stephan Pernkopf werden derzeit besonders gute Chance eingeräumt, Landesvize und NÖAAB-Chef Wolfgang Sobotka eher weniger.

In der anderen schwarzen Bastion, in Vorarlberg, ist der Generationswechsel – notgedrungen – Ende 2011 vollzogen worden. Herbert Sausgruber, der als kühler Rechner in der Bundespolitik auch in der SPÖ geschätzt wurde, überließ seinem politischen Ziehsohn Markus Wallner das Amt des Landeshauptmannes. Sausgruber konnte die täglichen Strapazen der Politik nicht mehr so erfüllen, wie er das nach eigenen alemannisch-strengen Maßstäben wollte.

In Tirol liefen hingegen nach dem Ende der Ära von Eduard Wallnöfer 1987 die Wachablösen angesichts der stark bröckelnden ÖVP-Macht öfter aus dem Ruder. Zuletzt diktierte 2008 der Wähler mit einem Vertrauensschwund den Rücktritt von Herwig van Staa: Der ins Land geeilte Innenminister Günther Platter kämpft noch immer um eine souveräne Nummer-eins-Position.

Zählt Bundesparteichef Michael Spindelegger zur „verlorenen Generation“ in der schwächelnden Bundes-ÖVP? In Reichersberg ist jedenfalls mit Staatssekretär Sebastian Kurz am Dienstag schon die übernächste schwarze Generation zu Gast.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.05.2012)

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2 Kommentare

Österreich kann erst wieder ein gutes Land werden,

wenn diese ÖVP aus dem Land hinweggefegt wurde.

ein kurz macht noch keinen övp-jugend-sommer ...

aber auch hundstorfer ist ja nicht der enkel vom häupl.

beide altparteien betreiben keine gesunde und konsequente nachwuchspflege - nur in der krise wird notgedrungen reagiert, wie das beispiel kurz zeigt.

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