Gabriela Moser, Vorsitzende des parlamentarischen Korruptions-U-Ausschusses, kritisiert die fortgesetzte Weigerung der teilstaatlichen Telekom Austria, den forensischen Bericht zu den diversen Skandalen des Konzerns an den Ausschuss zu übermitteln. Sie spricht von einem "ständigen Affront" und einem "Schuss ins Knie". Sollte die Telekom weiterhin unkooperativ sein, werde man eben die Zeugenladungsliste erweitern müssen, sagte Moser. Telekom-Chef Hannes Ametsreiter war bereits einmal im Ausschuss als Zeuge geladen.
Ametsreiter betonte am Mittwoch, dass die Telekom voll mit der Staatsanwaltschaft kooperiere, aber dem U-Ausschuss aus rechtlichen Gründen den Bericht der Wirtschaftsprüfungskanzlei BDO Deutschland nicht übermitteln könne. Er verwies auf ein von der Telekom in Auftrag gegebenes Gutachten des Verfassungsrechtlers Bernd-Christian Funk.
Das lässt Moser wiederum nicht gelten. Sie kenne das Gutachten - eine Empfehlung, den Prüfbericht nicht an den Ausschuss weiterzuleiten, sei daraus nicht abzuleiten. Ametsreiter leiste dem Unternehmen einen "Bärendienst" mit seiner Weigerung. Damit würde das Unternehmen imagemäßig "im Eck der Vertuscher" bleiben.
Staatsanwaltschaft lobt Zusammenarbeit
Die Staatsanwaltschaft Wien lobt hingegen die Zusammenarbeit mit dem teilstaatlichen Konzern. Alle angeforderten Unterlagen seien übermittelt worden, das Gesprächsklima sei gut, sagte Sprecher Thomas Vecsey.
Der Aufsichtsrat der Telekom Austria hatte die Wirtschaftsprüfungskanzlei BDO Deutschland im Vorjahr beauftragt, die Datensätze des Konzerns auf Verdachtsfälle zu untersuchen. Das hatte sich die Telekom 1,43 Mio. Euro kosten lassen. Ergebnis: Mehrfach stießen die Prüfer auf länger zurückliegende Beraterverträge zum Teil in Millionenhöhe, bei denen keine erkennbaren Gegenleistungen gefunden wurden. Der aktuelle Vorstand wurde hingegen entlastet. Der Bericht wurde bei der Hauptversammlung am 23. Mai vorgelegt, allerdings nur ein ausgewählter Teil davon.
Die Telekom hat in Folge des Berichts als Privatkläger Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe gestellt. Den aktuellen Stand hier wollte Telekom-Boss Ametsreiter heute nicht kommentieren. Offen ließ er auch, wie viel jene Manager bisher an die Telekom zurückgezahlt haben, die durch eine vermeintliche Kursmanipulation zu einem Bonusprogramm von insgesamt knapp zehn Millionen Euro gekommen sind.
Zu den diversen Spekulationen über einen möglichen neuen Großaktionär bei der Telekom meinte Ametsreiter, dass der mexikanische Milliardär Carlos Slim schon lange die kürzlich bekannt gewordenen drei bis vier Prozent bei der börsenotierten Telekom hält. Einen Gewinner hat es durch die Spekulationen jedenfalls gegeben - die Aktie zog an. In der Branche wurde in Folge diskutiert, ob hier nicht gezielt von Dritten "Kurspflege" betrieben wurde.
(Ag.)
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