Salzburg/Apa. Der ehemalige Bundeskanzler und ÖVP-Obmann Wolfgang Schüssel ist sich sicher, dass rund um die Causa Buwog nicht alles so sauber gelaufen sei – zumindest, was die Betroffenen außerhalb seines Regierungsteams betrifft: Der Korruptions-Untersuchungsausschuss zeige, dass sich manche Leute, die nicht der Regierung angehört haben – also der Lobbyist Walter Meischberger „und Co.“ – in einer unglaublichen Art und Weise bedient hätten. „Ich bin tief davon überzeugt, dass da schiefe Dinge gelaufen sind“, sagte Schüssel am Donnerstagabend bei einem „Zeitgespräch“ der Dr.-Wilfried-Haslauer-Bibliothek in Salzburg.
Seine Regierungsmannschaft nahm er allerdings in Schutz: „Was mein Team betrifft, werde ich das Urteil der Geschichte mit großer Gelassenheit abwarten“, meinte Schüssel auf die Frage, ob die Gefahr bestehe, dass an seiner Regierungszeit Korruptionsvorwürfe haften bleiben könnten. „Ich glaube, dass wir nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet haben.“ Denn: Der Buwog-Verkauf musste ausgeschrieben werden. „Der erzielte Preis lag 500 Millionen über dem, was der Rechnungshof geschätzt hatte. Die Kuverts sind vor Kameras geöffnet worden. Was sollte da passieren?“, fragte Schüssel.
Urteil durch Justiz, nicht Medien
Aber er sei gespannt, was die Justiz herausbringe. Als Bundeskanzler habe man nur Einblick in die Dinge, die im Ministerrat vorgelegt werden. Viele der Privatisierungen wären gar nicht im Ministerrat gewesen. Das, was er beurteilen könne, sei rund um den Buwog-Verkauf und die Telekom ordentlich gelaufen.
Allerdings: In einem Rechtsstaat sollte es so sein, dass das Urteil nicht von den Medien oder durch Vorverurteilungen getroffen werde, sondern durch die Justiz.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2012)
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