18.06.2013 09:37 Merkliste 0

Van der Bellen: Die letzte Respektsperson

16.06.2012 | 17:55 |  von Oliver Pink (Die Presse)

Auf ihn, den linken Professor mit bürgerlichem Habitus, konnten sich fast alle einigen. Nun wird Alexander Van der Bellen Gemeinderat. Die letzte Etappe einer ungewöhnlichen Karriere – oder auch nicht.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Es war ähnlich wie bei Wolfgang Schüssel. Bis zu dessen Abgang im September des Vorjahres nahm man kaum wahr, dass der ehemalige Bundeskanzler im Nationalrat saß. Und auch nun, bei der Ankündigung von Alexander Van der Bellens Wechsel vom Parlament in den Wiener Gemeinderat, wurde vielen erst bewusst, dass dieser bis zuletzt im Nationalrat saß.

Dabei ist es noch nicht so lange her, da war Alexander Van der Bellen eine der zentralen Figur in der Innenpolitik, 2003 wäre er beinahe Vizekanzler geworden. Er war – in einer Zeit der aufkeimenden Politikverdrossenheit, die sich bis zum heutigen Tag noch verstärken sollte – so etwas wie die letzte Respektsperson, der auch jene, die der Politik mit Skepsis gegenüberstehen, mit Achtung begegneten. Wie übrigens auch die politischen Gegner, die mit ihm ungewöhnlich sanft umgingen. Eine Rolle, die heute noch am ehesten Wissenschaftsminister Karl-Heinz Töchterle ausfüllt, auch er Universitätsprofessor.

Auf Alexander Van der Bellen, den linken Professor für Volkswirtschaftslehre mit dem bürgerlichen Habitus, konnten sich (fast) alle irgendwie einigen. Auch weil er anders war: Er überlegte länger, sprach bedächtiger, wirkte intellektueller und war – was man nicht von allen Intellektuellen behaupten kann – auch noch sympathisch. Zudem stand er auch öffentlich zu seinen Lastern wie dem Rauchen. Er habe sich, bekannte Alexander Van der Bellen in seiner Biografie, die der heutige Sprecher des Verfassungsgerichtshofs, Christian Neuwirth, verfasst hat, im Laufe der Jahre von einem „arroganten Antikapitalisten“ zu einem „großzügigen Linksliberalen“ gewandelt.

Van der Bellen war auch ein Kind seiner Zeit. Geboren in Wien als Sohn einer Estin und eines Russen niederländischer Herkunft verbrachte er seine Kindheit und Jugend in Tirol. Den damals konservativen Mainstream, nicht zuletzt repräsentiert durch die ÖVP-Alleinregierung von Kanzler Josef Klaus, empfand der junge Van der Bellen als engstirnig und provinziell. Die 68er-Bewegung und die Regierungsübernahme Bruno Kreiskys boten einen Ausweg und begeisterten auch ihn. Mitte der 70er-Jahre trat er der SPÖ bei, Ende der 80er-Jahre wurde er dann wegen fehlender Mitgliedsbeiträge wieder von der Mitgliederkartei entfernt.

Dank Pilz zu den Grünen. Zu den Grünen fand Van der Bellen über Peter Pilz, der bei ihm dissertierte. Sie arbeiteten gemeinsam an einem Projekt über wirtschaftliche Perspektiven der österreichischen Rüstungsindustrie. Ein Forschungsauftrag, der vom damaligen Wissenschaftsminister Heinz Fischer vergeben wurde. 1992 wurde Van der Bellen, Anfang der 90er-Jahre auch Dekan der Fakultät für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der Universität Wien, dann von den Grünen für das Amt des Rechnungshofpräsidenten nominiert. 1994 wurde er Nationalratsabgeordneter, 1997 Parteichef. Er sollte es bis 2008 bleiben.

Leid habe es ihm getan, dass aus der grünen Regierungsbeteiligung 2003 in einer schwarz-grünen Koalition nichts wurde. Es sei aber auch seine wahrscheinlich größte Leistung gewesen, die Grünen zu solchen Koalitionsverhandlungen zu überreden.

Einen Knick erfuhr Van der Bellens Glaubwürdigkeit, sein größtes politisches Atout, als er 2010 nach der Wiener Gemeinderatswahl, bei der er mit überragenden 11.952 Vorzugsstimmen ein Mandat errang, doch nicht in den Gemeinderat wechselte, sondern im Parlament blieb. Und sich dann auch noch von der Stadt Wien zum Unibeauftragten machen ließ – ein für ihn künstlich geschaffener Posten. Nun wird Alexander Van der Bellen doch noch Kommunalpolitiker in Wien. Es habe sich nun, nach dem Abgang von Gesundheitssprecherin Sigrid Pilz, eben unerwartet „ein Fenster aufgetan“, bisher sei ja kein Mandat frei gewesen, sagt er. Eine ungewöhnliche Karriere endet also im Wiener Gemeinderat. Es sei denn, der mitunter etwas (politik-)müde wirkende Professor lässt sich von seinen Parteifreunden doch noch überreden, für jenen Job zu kandidieren, für den er von seiner politischen Statur als Mann des Ausgleichs her wohl wie geschaffen wäre: jenen des Bundespräsidenten.

Alexander Van der Bellen selbst meint dazu nur kokett: „Das ist noch weit weg. Aber ich lege mich nicht fest. Ich bin ja erst 68.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

41 Kommentare
 
12
Gast: Der gute Kuhhirte
18.06.2012 13:07
5 0

van der Bellen und Vassilakou = Schröder und Lafontain

nachdem Vassilakou auch die letzten bürgerlichen Grünsympathisanten vergrault hat, muss halt wieder ein altbewährtes Gesicht herhalten. Erinnert mich an die duale Führung der SPD von Schröder und Lafontain. Das Dumme für die Wiener Grünen ist nur: van der Bellen hat gezeigt, dass er genauso auf Versorgungsposten steht wie die von den GrünInnen geschmähten anderen Parteien. Eine Verpackung macht aus einem schlechten Inhalt auch nichts Besseres - genauso wie eine andere Kommunikationspolitik aus dem Parkpickerl nix Gescheites gemacht hätte.

Gast: Wir hier
18.06.2012 08:15
0 4

Respekt

Van der Bellen ist mit Sicherheit einer der intelligentesten Politiker Österreichs.
Nur leider in der falschen Partei - die Grünen werden nach 2013 in der politischen Versenkung verschwinden.

Gast: strelnikov
17.06.2012 19:42
7 0

Lächeln

War er beim Zahnarzt oder ging's noch mit Zahnweiss ?

Gast: Xint
17.06.2012 19:19
6 0

Intellektuelle in Österreich

Intellektuelle - waren sie nicht erzreaktionär - hatten es in Österreich nicht einfach.

Früher wurden sie in die Emigration ins Ausland gedrängt (und erreichten dann oft Weltruhm), heute möchte man sie wenigstens zur inneren Emigration bewegen.

Gast: JustusvonZiemen
17.06.2012 17:52
1 9

Intellektueller und Philantrop

Wer seine ideologischen Schauklappen ablegt, muss erkennen: Prof. van der Bellen ist einer der ganz großen Intellektuellen Österreichs und ein wahrer Philantrop.

Einem Herrn Töchterle ist er haushoch überlegen!

Antworten Gast: vor dem arlberg
17.06.2012 20:48
9 1

Re: Intellektueller und Philantrop

Das betrachte ich als schwere Beleidigung für den sehr intelligenten Herrn Töchterle.
Einer der ganz grossen.....: wenn es nicht so ernst wäre, müsste man über den Unsinn lachen. War heute wohl etwas heiss!

11 1

Re: Intellektueller und Philantrop

da haben die anderen aber eine andere Meinung. Grüner Kommunist ist und bleibt ein solcher.

Gast: UKW
17.06.2012 17:39
8 0

Echt Mega-Sympatisch - Ein Grüner, der raucht wie ein Schlot

Ist das so gemeint? "Kinder, nehmt euch an ihm ein Beispiel und werdet auch einmal so". "Rettet die AU, aber danach kehrt ihr wieder ins Raucherkammerl zurück und steckt euch zwei Schachtel Marlboro an".

Nachdem der Herr Wolf vom ORF dem van der Bellen bereits Sympatie attestiert hat, ist es auch schon wurscht, wenn der Herr Pink auch noch alle Objektivität außer acht lässt und ihm ebenfalls seine Liebe bekennt. Ist ohnehin nichts neues, dass mehr als 90 Prozent der österreichischen Journalisten ein Faible für Rot/Grün/liberales Forum haben.

Gast: XXX
17.06.2012 17:05
9 0

Die Linksextremen,

Kommunisten, Marxisten, Leninisten, Grüne, Anarchisten usw. haben das Presseforum entdeckt.....
Toll!

Re: Die Linksextremen,

als "gast"!

Gast: karechter
17.06.2012 14:39
0 14

Ist das Presseforum eigentlich offiziell braun?

Oder nur inoffiziell?

Antworten Gast: bärle
17.06.2012 19:41
9 0

Re: Ist das Presseforum eigentlich offiziell braun?

Haben sie versehentlich in ihre Unterhose geschaut ?

Antworten Gast: kammerjäger
17.06.2012 17:58
9 0

Re: Ist das Presseforum eigentlich offiziell braun?

Braun ist´s bei dir im Kopf.

6 0

respektvolle Zensur!


Gast: quito
17.06.2012 13:49
13 0

Er erweist sich ja doch als Linkslinker und kann wie schon Vassilakou nichts mit direkter Demokratie anfangen,

wenn er nun Gesetze am Nationalrat vorbei nicht will und Vassilakou ja auch lieber dekretiert als Bürgerentscheide zu wollen.

Was Volkswirtschaft für eine "Kunst" ist, das sieht man ja nun schon seit einigen Jahren und nicht nur deren Glaubwürdigkeit ist gering, sondern auch jener, die anderen ein grünes Verhalten für ihre Umwelt einimpfen wollen und selbst ihre engste Umwelt mit Rauch verpesten.

Dass ausgerechnet Linke nichts für Bürgerentscheide übrig haben, spricht ja Bände, anderseits waren schon immer die extremistischen Vertreter dieser Richtung schon immer mehr für eine Räterepublik und für oberste Sowjets, die alles besser wissen als die Bürger und diese lieber bevormunden.

13 2

Lieber Verfasser, was hat Sympathie mit Intellekt zu tun?

Ich kenne Intellektuelle, die wirklich sympathisch sind, und solche, die schlichtweg Flaschen sind. Selbiges ist bei den "Nicht-Intellektuellen" zu beobachten.

Warum muss man das hervorheben ?

Gast: Dr.Seltsam
17.06.2012 11:36
19 3

Was ist der?

Ein Volks_verräter.
Ja vor einem Affen habe auch ich mehr Respekt.

Antworten Gast: anneliesegustav
17.06.2012 14:35
0 12

Wer sind Sie schon?


8 0

Re: Wer sind Sie schon?

wenn Sie es nicht wissen, dann keppeln s einfach nicht. Ein wenig mehr Respekt vor der anderen Meinung täte Ihnen ganz gut.

10 2

Um Himnmels Willen!!

"...für jenen Job zu kandidieren, für den er von seiner politischen Statur als Mann des Ausgleichs her wohl wie geschaffen wäre: jenen des Bundespräsidenten."

Bitte nur das nicht, da ist mir sogar der rote Heinz noch lieber.

Respektsperson?

Das ist ja lachhaft.

Antworten Gast: isafjoerdur
17.06.2012 20:50
2 0

Re: Respektsperson?

Ist er überhaupt Österreicher?

Gast: Letzte Respektperson...
16.06.2012 22:38
19 1

Welchem Politiker würde ich mein Geld anvertrauen?

Damit wäre die Frage beantwortet für jeden wer gut oder schlecht ist, der einzige Kandidat für mich ist der Bundespräsident aktuell, Historisch, Bruno Kreisky, den konnte man auch um 3:00 morgens anrufen, war ganz offiziell im Telphonbuch, mit der Begründung, ich bin für jeden Österreicher da.

Sonnst sorry, die Veranlagung in Lotto ist vernünftiger.

Und Grün, tja mit dem Thema Straßenbahn Linie 13 konnte die Partei gut auf Stimmenfang gehen, inzwischen dürften die meisten geläutert in andere Netz übergesprungen sein, der Wählerverrat ist und bleibt einer der größten Sauereien in der 2. Republik, das Chaos um die U6 Sperre war dann der nächste Tiefschlag, in der Zeit verstand es ein Grün Politiker perfekt Versteck zu spielen, das dann auch noch ein Schnellstraßenbahn zu einer U-Bahn umgebaut wird, dürfte so hoffe ich die letzte Glanzleistung dieser Partei gewesen sein!

Die Grünen sind für mich unten durch, bleibt zu hoffen das die Piraten es besser wissen mögen, das Verrat keinen Bestand hat.

Gast: hungoi
16.06.2012 21:02
22 6

van der bello

Respeksperson der da hab ich von einen Affen mehr rrespekt.

Gast: Mai
16.06.2012 20:43
33 4

Falsch gedacht

"Und auch nun, bei der Ankündigung von Alexander Van der Bellens Wechsel vom Parlament in den Wiener Gemeinderat, wurde vielen erst bewusst, dass dieser bis zuletzt im Nationalrat saß."
Wie wahr, wie wahr.
Der Mann hat im Zusammenhang mit der letzten Wiener Gemeinderatswahl jegliche Glaubwürdigkeit verspielt.
Dass er jetzt noch Steuergeld als Gemeinderat bezieht, ist Frechheit genug.
Völlig entbehrlicher Mann.
Soll sich mit seiner UNI-Pension auf das unverdiente Altenteil zurückziehen.

Antworten Gast: vanderDanke
17.06.2012 00:12
4 22

Re: Falsch gedacht

der einzige politiker östereichs der einem in internationaler hinsicht nicht die schamesröte ins gesicht treibt, schlimm, dass sie es weniger bedenklich finden wie viele primitive schaumredner steuergelder kassieren, die immer nur groß daher reden, dagegen sind, aber sicherlich keine alternativen anbieten.

 
12