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Neisser: Grafs Abgang wäre Dienst am Parlamentarismus

17.06.2012 | 16:21 |  Von REGINA PÖLL (Die Presse)

Der Ex-Nationalratschef Heinrich Neisser spricht mit der "Presse" über mehr Mut im Parlament, dessen Verkleinerung und Plebiszite.

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Die Presse: Experten des Nationalrats haben sich gerade das Bundeshaus in Bern angeschaut, wo eine Generalsanierung bereits fast abgeschlossen ist. Wünschen Sie sich eine solche auch für das österreichische Parlament?

Heinrich Neisser: Unbedingt, eine Generalsanierung mit einem vorübergehenden Auszug wird notwendig sein, es gibt ja bereits erhebliche technische Probleme. Da braucht es auch eine längerfristige Lösung, nicht nur für zehn, fünfzehn Jahre. Ich finde die aktuelle Diskussion um die Sanierung ausgesprochen peinlich, auch die zwischen den Fraktionen. Das ist kleinliches, kontraproduktives Gezänk, das mit dazu beiträgt, dass man am Parlament als Institution zweifelt. Es wäre Ausdruck parlamentarischen Selbstbewusstseins, wenn man diese Frage rasch löst.

Mit „rasch" meinen Sie: doch noch vor den Nationalratswahlen 2013?

Mit „rasch" meine ich eigentlich gleich. Der Nationalrat hört auch nicht mit den nächsten Wahlen auf. Im Gegenteil: Er wird neu gewählt, voraussichtlich wieder mit 183 Abgeordneten. Ich sehe zurzeit keinen Weg, dass man die Ankündigung einer Verkleinerung des Nationalrats verwirklicht. Ich halte das für reinen Populismus.

Was spricht für Sie gegen die 165 Abgeordneten, die die Regierung will?

Dafür müsste man das Wahlsystem als Ganzes diskutieren und sicherstellen, dass es für die regionale Bevölkerung entsprechende Repräsentanz im Parlament gibt. Die 183 Abgeordneten tragen dem einigermaßen Rechnung. Es könnten, siehe frühere Vorschläge, auch bis zu 200 sein. Es ist nicht konsistent mit einer parlamentarischen Demokratie, dass der Vorschlag der 165 von der Regierung gekommen ist.

Sind die Fraktionen nicht mutig genug, um sich dagegenzustellen?

Da fehlt eine gehörige Portion Selbstbewusstsein. Vor allem bei den Fraktionen der Regierungsparteien fehlt Selbstständigkeit. Ich war überrascht, dass es auf den Vorschlag der Regierung eigentlich keine Reaktion aus dem Parlament gegeben hat, die Gewicht hat.

Wie könnten Selbstständigkeit und Selbstbewusstsein wieder zunehmen?

Wir von der Initiative Mehrheitswahlrecht plädieren für ein Mischsystem, bei dem die Hälfte der Abgeordneten in Einerwahlkreisen gewählt wird. Wird der Abgeordnete direkt gewählt, steigt seine Verantwortung, und er unterliegt einer Rechtfertigungspflicht. Die zweite Hälfte soll über eine Liste kommen.

Verdient der Parlamentarismus in Österreich heute noch seinen Namen?

Der österreichische Parlamentarismus leidet daran, dass vor allem in den Regierungsfraktionen die Abgeordneten sich selbst als Vollzugsorgane der Regierung fühlen. Auf der anderen Seite hat man eine Opposition mit Hang zum Spektakelhaften. Die Wirkung ist insgesamt nicht vorbildhaft.

Eine Frage an den früheren Zweiten Nationalratspräsidenten: Muss der Dritte Präsident der FPÖ, Martin Graf, im Lichte der jüngsten Diskussion gehen?

Ich halte ja die Tatsache, dass Nationalratspräsidenten nicht abgewählt werden können, für eine Lücke der Demokratie. Man sollte jemanden nicht nur ins Amt berufen, sondern ihn auch abberufen können. Die jetzige Diskussion zeigt, wie ein Präsident jedes Gefühl verloren hat, was er einem Amt auch von der Optik her zumuten kann.

Das heißt, Graf sollte gehen?

Er würde dem Parlamentarismus einen positiven Dienst erweisen.

Hätten ÖVP und andere in der Vorwoche auch dem Grünen-Antrag auf Abwahlmöglichkeit zustimmen sollen?

Natürlich. Da muss man aber einen breiten Konsens im Parlament suchen, unter möglichst vielen.

Stichwort mehr Demokratie: Wie erklären Sie sich den eher schwachen Zulauf zur Initiative „Mein Österreich", für die Sie sich engagiert haben? Erklärungen für ein Volksbegehren sind offenbar nur schleppend zusammengekommen.

Der Marsch ins Bezirksamt ist offenbar ein Aufwand, den viele nicht betreiben. Wir sollten aber auch die Methoden modernisieren.

In Richtung Internet-Eintragungen?

Ich glaube schon. Bisher ist es sehr schwierig, den Einzelnen zu motivieren. Dafür braucht man meist einen großen Parteiapparat oder die „Kronen Zeitung".

Wie bewerten Sie vor diesem Hintergrund Vorschläge Ihrer Partei, wonach auf ein Volksbegehren mit 650.000 Unterstützern verpflichtend eine Volksabstimmung und damit auch Gesetze am Parlament vorbei folgen sollen?

Das ist eine heikle Frage, weil es ein Einschnitt in die repräsentative Demokratie wäre. Wichtig wäre ein Quorum von mindestens einem Drittel bis zur Hälfte der Wahlberechtigten, die an einer Volksabstimmung teilnehmen müssen. Was nicht sein kann wäre, dass am Ende zehn oder zwanzig Prozent der Wahlberechtigten entscheiden, was Gesetz wird. Auch über die Zahl 650.000 muss man diskutieren und sie eventuell anheben.

Setzt die ÖVP mit der direkten Demokratie auf das richtige Thema, um nach einem Umfragetief wieder zu punkten?

Die direkte Demokratie allein wird die Probleme der Parteien, auch der ÖVP, nicht lösen. Nur leider hat man versäumt, eine neue Generation von Politikern mit mehr Offenheit für Zukunftsthemen und Dialogbereitschaft hervorzubringen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2012)

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76 Kommentare
 
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Ein wirklicher Dienst

an Österreich und an der Menschheit wäre ein Abgang der braunen Brut aus jeder staatlichen Funktion in Österreich. Und am Besten auch gleich aus der Privatwirtschaft auch.

"Grafs Abgang wäre Dienst am Parlamentarismus..."

Nicht nur! Es wäre ein Dienst an Österreich!

Wenn man sich so umhört...

Die meisten Menschen können diese Art der linken Hetze, die Genderei, die inszenierte, permanente Empörung und tlws. Medienhysterie schon lange nicht mehr hören u. sehen.
Und ebenso das Umgehen der Justiz , inkl. gewisser Medien mit Personen rechts der Mitte, deren Fälle (u.Mutmaßungen) alle paar Wochen in den Medien, salopp gesagt - wie die " Sau durch das Dorf " getrieben werden, nur damit deren Name und zu geordnete Partei weiter beschmutzt wird.

Antworten Gast: Gast 2012
18.06.2012 18:10
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Re: Wenn man sich so umhört...

Österreichs Medien unterstützen doch die korrupte Politik von SPÖVP, die sich mit ihren Vorfeldorganisationen, den Kammern und Bünden Österreich "brüderlich" aufgeteilt haben. In Italien würde man das Mafia nennen. Die Medien sind in dieses korrupte System integriert und finden nichts dabei wenn sie von korrupten Spitzen-Politikern fragwürdig finanzierte ganzseitige Inserate entgegen nehmen. Der permanente Angriff auf alles was nicht rot, schwarz oder grün ist soll dieses System möglichst lange an der Macht erhalten!

Re: Wenn man sich so umhört...

noch dazu, wenn Hr Pandi Unwahrheiten über sein Schmiranskiblatt verbreitet und Entgegnungen nicht veröffentlicht, gell!

Lieber Herr Neisser die

ÖVP und die Genossen sind im absturz da brauchen sie auch keine Graf abwahl mehr.
Brandaktuell wahl 2013:
FPÖ 36%
BZÖ 8%
SPÖ 26%
ÖVP 19%
grüne 6%
Sonstige 5%

Re: Lieber Herr Neisser die

welche quelle?

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Re: Lieber Herr Neisser die

sind die Zahlen aus einem wegwerf Comic von der FPÖ?

Re: Re: Lieber Herr Neisser die

haben sie eine "aktuelle und seriöse" quelle für eine umfrage?

Gast: wassolls
18.06.2012 13:16
9 1

Neisser Meinung ist uninteressant, weder ist er gewählt noch hat er ein Staatsamt inne

Wenn er seine Meinung loslassen will, dann soll er sich als Poster wie andere betätigen.

und als NÄchstes. ..

... frsgen wir Herrn Strache, ob Feymann zurücktreten soll?

Re: und als NÄchstes. ..

nö, nicht fragen, lassen wir ihn entscheiden!

das ist doch so gewollt, oder, dass die andere/gegnerische partei entscheidet wohin die reise geht!

no?

;-)

Es gibt in österreich keinen Parlamentarismus!!!

Es gibt nur die regierung, die sagt was gesetz wird, und ihre willenlosen parlamentarier, die sich auf ihrem guten gehalt ausruhen, und das abnicken was die regierung ihnen vorlegt!!!

es ist somit schwachsinn zu behaupten die direkte demokratie würde den paralamentarismus schwächen, denn man kann nichts schwächen was nicht existiert
das einzige was die direkte demokratie schwächen würde ist die regierung und die diversen interssensvertreter, und wenn man sich ansieht was die für einen blödsinn machen verwaltungsreform,heeresreform, griechenlandhilfe,ESM,...) kann einem das nur recht sein!!!

Re: Es gibt in österreich keinen Parlamentarismus!!!

wen kann man wählen, dass wir zu einem schweizer erfolgsmodell kommen?

Re: Re: Es gibt in österreich keinen Parlamentarismus!!!

traurigerweise niemanden, denn keiner der parlamets aristokrathen wird sich den ast absägen, auf dem er/sie sitzt!

Ich vermute mal, dass auch die FPÖ ihre wahlkampfversprechen für mehr direkte demokratie zu sorgen, spätestens dann über board wirf wenn sie selbst am futtertrog angelangt ist!

so lautet zumindest meine wenig optimistische prognose, aber wer weiß, vielleicht irre ich mich ja!

Re: Re: Re: Es gibt in österreich keinen Parlamentarismus!!!

die möglichkeit des über board werfens besteht!

anzumerken ist, dass man einen partner für diese direkte demokratie braucht, eine partei alleine schafft das nicht.

um die abgehobene "zivilgesellschaft" (was für ein unglaublich dummer begriff) und die sozialpartner zu entmachten, brauchst du die direkte demokratie, die rot-schwarzen werden es nicht machen.

ergo, wer auch immer langfristig denkt, schafft dieses derzeitige undemokratische korruptionschaos ab!

Gast: Lukas
18.06.2012 11:36
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ein Einschnitt in die repräsentative Demokratie ?

wo ist in unserer Verfassung die repräsentative Demokratie vorgeschrieben? Das haben sich doch SPÖVP in den vielen Jahren der großen Koalition selbst so eingerichtet. Demokratie in Österreich ist eine Farce. Wir dürfen zwar alle 5 Jahre Parteien wählen, Entscheidungen fällen aber einige Funktionäre im Hinterzimmer und die Abgeordneten unterliegen dem Clubzwang. Das gleicht dann auch mehr einem Kasperltheater als einem Parlament!

Gast: smilefile
18.06.2012 11:07
2 0

Österreich,...



hat sich im Grunde niemals vom Kaiser getrennt.

Genau so verfahren die "Demokratieträger" unseres Staates,...

Gast: tc_t
18.06.2012 10:57
1 0

gäbe es solche kommentare nicht...

würde man gar nicht wissen, wer noch lebt oder nicht...

Gast: BGE
18.06.2012 09:46
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Herr Graf ist Dritter Nationalratspräsident, bekleidet als solcher eines der höchsten Ämter im Staat!!


Die Ämter sind zu schützen!! D.h. Amtsträger haben (wenigstens nach außen) ein untadeliges, vorbildhaftes Leben zu führen. Langweilig?? Dann darf man nicht in die Politik gehen.

Herr Graf ist ins Gerede gekommen ...

Berufstitel: Auf 10!? Wahllisten wird er als Rechtsanwalt geführt, der er nicht ist. Wußte er davon, wäre das strafbar.

Stiftungsgeschichte: Da wendet sich in ihrer Verzweiflung eine Pensionistin an die Öffentlichkeit um auf ein, ihr von Herrn Graf vorenthaltenes Recht hinzuweisen.

Spätestens hier ist die Reißleine zu ziehen!!

Dem Amt die "Berufstitelanmaßung" zumuten zu wollen ist schon stark, aber auch noch eine Gerichtsentscheidung darin abzuwarten ist jenseitig!!

Politische Verantwortung zu übernehmen bedeutet nämlich genau dies, die höchsten ÄMTER im Staat (Minister, Abgeordnete, ...) vor ev. Ansehensverlust aus (tatsächlichem oder bloß vermutetem) Fehlverhalten ihrer Träger zu schützen.

Sonst gibt es gleich Leute die meinen, ALLE Politiker wären korrupt. Dem gilt es zu vorzubeugen!!

Re: Herr Graf ist Dritter Nationalratspräsident, bekleidet als solcher eines der höchsten Ämter im Staat!!

ich kenne keinen (spitzen)politiker der NICHT im gerede ist!

ginge es nach gerede wären fischer und der inseratenkanzler bereits geschichte!

warum ist es eigentlich so ruhig um die anklage von failman, das stinkt gewaltig!

warum sich die Staatsanwaltschaft nicht einschaltet ?

Da wird wohl die berühmte Suppe zu dünn sein.

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Neisser = Auch nur ein typischer Parteiapparatschik

der seine Demokratiefeindlichkeit mehr schlecht als recht verbergen kann. Einschnitte in die repräsentative Demokratie sind für ihn "heikel". Gott bewahre uns vor einer direkten Demokratie ala Schweiz, alleine bei dieser Vorstellung kommt dem Neisser sicher schon das Grausen. Schließlich haben es sich die Parteiapparatschiks und Günstlinge jahrzehntelang ganz vortrefflich in dieser repräsentativen Demokratur eingerichtet So will er auch die Hürde von 650.000 die ohnehin sehr hoch ist (es wurden auch schon 300.000 genannt) möglichst noch weiter anheben. Denn es müssten mindestens ein Drittel bis zur Hälfte der Wahlbeteiligten sein, um darüber zu entscheiden was Gesetz wird.

Na, da hat Heinz Fischer noch mal Glück gehabt und knapp die Grenze gekratzt, sonst hätte ihm Neisser dem Präsidenten dem gerade noch ein Drittel der Österreicher die Stimme schenkten doch glatt die Legitimität abgesprochen.

warum sollter denn

bedenken sie mal.
Wir haben zumindest 2 zurecht verurteilte Gesetzesbrecher welche in der Luconaaffäre verstrickt waren.
Einer hat ein Ehrengrab bekommen, der andere spielt noch immer den Pensionswächter im Parlament, kommt seit Jahren mit breiter Brust und rotweisroter Schärpe zum Opernball.
Wieviel Tote waren bei der gesprengten Lucona ?.


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Re: warum sollter denn

Soweit ich mich erinnern kann, kamen damals 6 Menschen ums Leben!

Der Club 45 war voller "interessanter" Personlichkeiten.

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die Äusserungen zu Graf waren aber nicht von

Wissenschaftlichkeit durchdrungen.
Wie wäre es, und das wären einem Professor angestanden, die Sache leidenschaftslos und mehrseitig betrachtet darzustellen, als einfach auf der Ablehnungswelle zu schwimmen, und das noch mit einem Schwimmreifen.

Man muss Graf wirklich nicht mögen, tu auch ich nicht, aber das was da an Wortspenden geliefert wird, ist und macht Übel.

 
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