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Kein Mehrheitswahlrecht, aber stärkere Persönlichkeitswahl

18.06.2012 | 18:18 |   (Die Presse)

Die fünf Parteien einigten sich auf Grundzüge für neue Regeln. Das Persönlichkeitswahlrecht soll gestärkt, das Verhältniswahlrecht aber beibehalten werden. Ein echtes Mehrheitswahlrecht ist kein Thema.

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Wien/Aich/Apa. Eine große Wahlrechtsreform wird es in Österreich nicht geben. Das steht seit Montag fest. Denn während die Arbeitsgruppe im Parlament konkrete Beschlüsse vertagte, wurden zwei Eckpfeiler bereits eingeschlagen: Das Persönlichkeitswahlrecht soll gestärkt, das Verhältniswahlrecht aber grundsätzlich beibehalten werden. Ein echtes Mehrheitswahlrecht nach britischem Vorbild (in jedem Wahlkreis erhält nur der Kandidat mit den meisten Stimmen ein Mandat) ist kein Thema. Alle fünf Fraktionen seien sich hier einig, hieß es aus dem Büro von Nationalratspräsidentin Barbara Prammer zur „Presse“.

Die Arbeitsgruppe war eingerichtet worden, nachdem die Regierung die Verkleinerung des Nationalrats auf 165 Sitze angedacht hatte. Eine Idee, die unter den Mandataren selbst auch kritisch gesehen wird. Eine Verkleinerung des Parlaments würde jedenfalls bedeuten, dass sich etwas ändern muss – und sei es nur, dass die bestehenden Regionalwahlkreise anders gewichtet werden. Aber auch eine Änderung der Regionalwahlkreise wird angedacht.

Wenn es um die Feinheiten der Reform geht, hegen die Parteien aber unterschiedliche Prioritäten. So will ÖVP-Mandatar Wolfgang Gerstl dass hundert der 183 Abgeordneten direkt in den Regionalwahlkreisen gewählt werden sollen. Damit solle der „Demokratiemüdigkeit und Politikverdrossenheit“ entgegengewirkt werden. „Das derzeitige Wahlrecht bringt eine Ausgewogenheit zwischen den Wahllisten und Persönlichkeitselementen“, meinte hingegen BZÖ-Vizeklubchef Herbert Scheibner. Seine Fraktion will aber über einen „Superwahlsonntag“ (Urnengänge in Bund und Ländern gleichzeitig) diskutieren. Zudem will das BZÖ, dass der Nationalrat schwerer aufgelöst werden kann.

FPÖ-Mandatar Peter Fichtenbauer möchte auch bloß das Vorzugsstimmensystem stärken und möglicherweise die Regionalwahlkreise neu ziehen. Die grüne Daniela Musiol ist für diese Neuerungen ebenfalls zu haben. Sie will aber verhindern, dass das Parlament zu sehr regionalisiert wird. Sie denkt daher daran, Vorzugsstimmen auf der Bundesliste zu ermöglichen. Zudem müsse man aufpassen, dass Änderungen beim Wahlrecht nicht den Anteil der Frauen im Parlament senken.

 

Debatte um direkte Demokratie

Nicht festlegen wollte man sich am Montag, ob Neuerungen schon bei der Nationalratswahl 2013 zur Anwendung gelangen. Auch der zuletzt oft diskutierte Ausbau der direkten Demokratie wurde noch nicht mit konkretem Leben erfüllt. Von ÖVP-Seite hieß es, dass die SPÖ hier noch skeptisch agiere. Ein Vorwurf, der wiederum von sozialdemokratischer Seite zurückgewiesen wurde. Prammer begnügte sich am Montag damit, von einem „konstruktiven“ Klima in der Arbeitsgruppe zu sprechen. Man arbeite nun „zügig“ weiter.

Die Arbeitsgruppe will im Herbst wieder zusammentreten. Zuvor sollen Experten des Innenministeriums kalkulieren, welche Auswirkungen Änderungen im Wahlrecht haben könnten.

Auf einen Blick

Vorzugsstimmen könnte in Zukunft eine höhere Bedeutung bei Nationalratswahlen zukommen. Die Details will die Arbeitsgruppe aber frühestens im Herbst regeln. Klar ist bereits: Eine große Wahlrechtsreform wird es nicht geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2012)

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15 Kommentare
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Vorzugsstimmen

Ist der ÖVP eh egal.
Da wird man halt einfach ausgetauscht.

Gast: vor dem arlberg
19.06.2012 18:53
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Persönlichkeitswahlrecht

Gut und schön, nur fehlen die Persönlichkeiten, die wählbar sind.

Die ganze Gesellschaft ist verkommen und verludert,.

von ganz unten bis ganz hinauf! Was soll denn da der ganze Schwachsinn von mehr Demokratie. Auch die Mafia kann in ihren Strukturen die Demokratie einführen, bleibt aber doch die Mafia!

Gast: insert clever username
19.06.2012 16:24
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Kritik

Zu argumentieren, eine Änderung des Wahlrechts zu einem "Personalisierten Verhältniswahlrecht" sei keine große Reform ist eine stark verfälschte Interpretation, da bei einer hypothetischen Abhaltung der NR-Wahl 2008 unter dem hier vorgeschlagenen Wahlrecht anzunehmen wäre, dass andere Koalitionsoptionen möglich gewesen wären.

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diese Frage muss man den Parteien einfach aus der Hand nehmen

Das ist der Schlüssel für eine wirkliche Änderung unserer politischen Misere. Ich möchte meinen Mandatar, der mich auch vertreten muss, selbst wählen. Ich möchte auch sein persönlichen Handlungen im Parlament nachvollziehen können und danach auch meine nächste Wahl orientieren und ich möchte auch klare eindeutige Wahlergebnisse mit klarer Verantwortung, auf die man bei Mißbrauch der Verantwortung ,schnell und eindeutig als Wähler reagieren kann. Das ist auch keine unrealistische Träumerei, das wird in anderen Ländern seit langem praktiziert.
Meine Unterstützung hätte ein Volksbegehren dazu. Ich bin überzeugt, dass dies letztendlich auch die Parteien erneuern würde, da sich dann nur Politiker etablieren können, die das Vertrauen der Menschen haben und auch rechtfertigen - kurzfristige Täuschungsmanöver sind natürlich auch in diesem System möglich. Klar, dass die heutige Politikergarde dagegen ist, man hat kein Vertrauen in sie und sie klammern sich an ihre Positionen - auch eine Form der hochgerühmten "Sozialpartnerschaft" aber leider halt nur zum Selbstzweck.

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Der war gut

kann ich nur Beifall spenden.

Re: diese Frage muss man den Parteien einfach aus der Hand nehmen

Wenn man eine Minderheit (=Regierung) über eine Mehrheit (=Bevölkerung) entscheiden lässt, wird die Entscheidung fast immer zu Gunsten der Entscheider (und Ungunsten der Mehrheit) ausfallen.

Um das zu verhindern hat man ursprünglich mal die Demokratie erfunden. Vielleicht sollten wir eine (echte) solche in A einführen?

Dann ist die Diskussion vom Tisch, welche kosmetischen Mitspracherechte zur Ruhigstellung kritischer, demokratischer Bürger uns die Parteien zuzugestehen bereit sind.

Gast: Jaja23
19.06.2012 09:27
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Mit anderen Worten.....

....es ändert sich GAR NICHTS. Unsere Politkasperl sind zu keinerlei Änderungen bereit. Sie wollen weiter am Volk vorbei wursteln.Also viel heiße Luft um nichts. Nur Vorwahlgeplänkel!

Danke liebe Politkasperl, so wird der Politverdrossenheit sicherlich nicht entgegengewirkt!! Ihr wollt uns doch nur mehr ver#rschen!!!

Gast: aber hallo
19.06.2012 08:46
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in Österreich gibt es keine/n Politiker/in,

mit Mut und Visionen für Reformen.In diesem Land wird sich nie es etwas ändern.Ich wähle nicht mehr.Die richten es sich immer so,wie sie es brauchen.Das Volk wird nur belogen.

Re: in Österreich gibt es keine/n Politiker/in,

Auch wenn sie nicht ihre Stimme abgeben haben sie gewählt.

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Re: in Österreich gibt es keine/n Politiker/in,

stimme vollinhaltlich zu!!

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direkte Demokratie

nach Vorbild Schweiz.

Re: direkte Demokratie

Direkte Demokratie, ja, aber nicht (nur) nach schweizer Vorbild.

Auch in der Schweiz ist der politische Prozess weit weg von modern, ergonomisch und effizient.

Die Teilnahme an diesem darf für Bürger nicht komplizierter sein, als z.B. online Banking.
Je geringer die (bürokratische) Hemmschwelle für eine Teilnahme, desto direkter die Demokratie.

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Re: direkte Demokratie

stimme vollinhaltlich zu!!!!!!!!

Was wirklich funktioniert, das sehen wir in der Schweiz!

Alles andere ist Makulatur!