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Hans Jörg Schelling: Der Weinbauer als Kassensanierer

19.06.2012 | 18:12 |  KARL ETTINGER (Die Presse)

Ob Freizeit oder Management: Hans Jörg Schelling kniet sich überall hinein. Als Chef des 50-Milliarden-Imperiums der Sozialversicherungen hat er die Krankenkassen seit 2009 finanziell aufgemöbelt.

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Wien. „Ja, so einen Menschen wie den Schelling täten die Griechen brauchen.“ Ginge es nach Heinz Becker, dem Generalsekretär des ÖVP-Seniorenbundes, käme auf den Vorstandschef des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger, Hans Jörg Schelling, schon bald der nächste Kriseneinsatz mit der Sanierung der griechischen Staatsfinanzen zu.

Der schnauzbärtige gebürtige Vorarlberger hat seit seiner Bestellung im Jänner 2009 für österreichische Verhältnisse ein kleines Kunststück geschafft: Der damals beängstigend hohe Schuldenberg der Krankenkassen ist, seit Schelling an der Spitze der Dachorganisation des 52-Milliarden-Imperiums der Sozialversicherungen steht, um rund eine Milliarde Euro auf 281 Millionen Euro (Stand Mai 2012) abgetragen worden.

 

Vom Portier zum Vorstandschef

Ein paar kräftige Finanzspritzen des Bundes haben dabei geholfen, dass die früher chronisch defizitären Krankenversicherungen zuletzt durchwegs schwarze Zahlen vorweisen konnten. Der Vorstandschef der von den Sozialpartnern an sich selbst verwalteten Sozialversicherungen hat mit dem Durchziehen der Sparauflagen der Regierung und von „Kostendämpfungen“ sowie seinem „Masterplan“ wesentlichen Anteil daran. Dabei hatte er mit dem Gesundheitswesen lange gar nichts am Hut, sieht man davon ab, dass er in seiner Jugend einmal Portier im Krankenhaus Hohenems war.

Nicht einmal 4000 Euro brutto im Monat erhält der 58-Jährige, der an der Uni Linz Betriebswirtschaft studiert hat, als Funktionsentschädigung im Hauptverband. Mit der in der Vorwoche erfolgten Weichenstellung für eine Gesundheitsreform, die freilich Detailhürden erst nehmen muss, hat er dem Hauptverband deutlich mehr Einfluss gesichert. Vor Schellings Zeit endeten Verhandlungen zwischen Bund und Ländern oft damit, dass letztlich die Krankenkassen zahlen mussten.

Das gemessen an den Summen und an der Verantwortung geringe Salär im Hauptverband ist mit Sicherheit nicht die Triebfeder Schellings. „Er ist einer, der etwas umsetzen will“, urteilen Mitstreiter. Das war schon als Manager beim Möbelhaus Lutz und seinem früheren Arbeitgeber Kika-Leiner, von dem er im Streit geschieden ist, so. Nach ersten Schritten auf dem harten, roten St. Pöltner Gemeindepolitik-Pflaster wurde er 2004 Vizepräsident der Wirtschaftskammer. 2007 folgte ein 15-Monate-Intermezzo als ÖVP-Nationalratsabgeordneter. 2008 übernahm er die Obmannfunktion in der Unfallversicherungsanstalt.

Klar, es schmeichelt Schellings Ego, dass in Sachen Gesundheit auch Kanzler und Vizekanzler auf ihn hören. Der Vater zweier erwachsener Töchter kniet sich aber nicht nur im Job rein. Seit er Anfang 2009 das Stiftsweingut Herzogenburg gepachtet hat, ist der nunmehrige St. Pöltner als Hobby-Weinbauer auch dort um Qualität bemüht. So mancher Freitag ist für diese Freizeittätigkeit reserviert.

Niederösterreichs ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll hat ihn zwar nach der Jahrtausendwende zur Politik gebracht, inzwischen zählen Pröll und seine starke Landes-ÖVP nicht zuletzt wegen Differenzen um das Krankenhaus- und Gesundheitswesen aber zu den „inneren Feinden“.

Wirtschaftskammerchef Christoph Leitl hat ihn als Sanierer forciert. Schelling kommt aus der Sozialpartnerschaft, er weiß auch, wie er Gewerkschafter anpacken muss. „Wir haben ein sozialpartnerschaftlich gutes Verhältnis“, sagt der leitende ÖGB-Sekretär Bernard Achitz. Kolportiert wird eine Episode: Demnach hat der frühere Obmann der Wiener Gebietskrankenkasse, der Gewerkschafter Franz Bittner, Schelling als Mann für die Sozialversicherung gelobt, „schade“ sei nur, dass er nicht von der SPÖ sei.

 

Auf einer Wellenlänge mit Fekter

In der Regierung ist er mit Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP), die selbst aus dem Wirtschaftsbund kommt, auf einer Wellenlänge. So gesehen war es daher kein Wunder, dass Schelling seit dem heurigen Frühjahr zwar nicht Griechenland, aber als von Fekter favorisierter Aufsichtsratspräsident die marode Österreichische Volksbanken AG am Hals hat. [picturedesk.com]

Zur Person

Hans Jörg Schelling, der am 27. Dezember 1953 in Hohenems geboren wurde, ist seit Jänner 2009 Chef des Hauptverbandes der Sozialversicherungen. Zuvor war er ab Mai 2008 Obmann der Allgemeinen Unfallversicherung. Der studierte Betriebswirt ist außerdem seit 2004 Vizepräsident der Wirtschaftskammer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2012)

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7 Kommentare
Gast: Wirtschaftler
19.06.2012 22:54
1 3

Nicht besonders gut...

Wäre Schelling wirklich der große "Macher", hätte er das Farbengeschäft seiner Schwiegermutter
positiv führen können, aber...naja...
Ich würde die Karriere nun eher als Abstieg bezeichnen: Zuerst relativ gut bei Leiner/Kika, dann zum Konkurrenten mit der gleichen Masche( die heute nicht mehr zieht, da alle Möbelhäuser den Bach hinuntergehen), dann zur Sozialversicherung zum Ausruhen. Das Stiftsweingut in Wielandsthal 1 ist eher ein Hobbybetrieb, von einem professionell geführtem Unternehmen noch weit weg( auch die Qualität), aber vielleicht wirds in 15 Jahren noch was. Sieht aber eher als Ruhestandsunternehmen für einen ehemaligen Handballer aus. Man kann ihn als Mittelmaß bezeichnen und wahrscheinlich als Kompromiß für die Sozialversicherung(rot-schwarz). Mehr nicht.....

Antworten Gast: patientin
20.06.2012 12:09
1 1

Re: Nicht besonders gut...

was soll diese unwahrheit die Sie hier verbreiten!! Die Finanzen der Kassen wurden saniert. Haben sie das nicht nachgelesen??
der Inhalt des Masterplans zur Reform des österr. Gesundheitssystems finde ich auch sehr gut... und im übrigen schmecken mir die Weine aus dem Stiftsweingut Herzogenburg noch besser als früher

Antworten Gast: OEKONOM
20.06.2012 07:44
2 0

Re: Nicht besonders gut...


auch wenn Sie ihn besser kennen muss man sagen, dass es vorher keinen gegeben hat, der sich so durchgesetzt hat im gesundheitssystem österreichs als er!

fehler gemacht hat jeder in seiner berufslaufbahn. das wichtigere ist, dass er dazu gelernt hat und nun etwas für 4.000 brutto macht, was JEDEM österreicher früher oder später zugute kommt

Re: Nicht besonders gut...

meinasö bist do a trottl

Gast: MJM
19.06.2012 21:57
0 0

Qualifikation

Interessant wäre auch zu erfahren, was Schelling als AR-Chef von der verstaatlichen Volksbank qualifiziert? Außer ÖVP und guter Draht zu Fekter

Saniert wird vor allem auf Kosten der Beitragszahler!

Es ist kein großes Kunststück von heute auf morgen vertraglich fixierte Leistungen nicht mehr zu bezahlen, oder wie es heißt zu kürzen. Unzählige Therapien werden nicht mehr genehmigt, vieles zahlt sich der ohnehin schon geschröpfte Patient selbst.

Eine echte Reform wäre das System von fast 30 Kassen auf eine, oder zumindest pro BL eine Kasse zu schrumpfen. Sinnloses Personal, analog zur Privatwirtschaft zu kündigen und Beiträge endlich zu senken, Leistungskataloge transparent und einheitlich zu gestalten, ... dann bleibt für alle etwas, den Privilegierten weniger, der Masse der unterprivilegierten Bürger mehr!

Gast: Und Schüsss
19.06.2012 20:31
0 2

Bitte, schickt ihn nach Griechenland!

Und mit ihm ELGA!
Damit spart man ja angeblich 130 Millionen im Jahr!