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Codename: Motorola nannte Mensdorff-Pouilly 'den Jäger'

21.06.2012 | 15:34 |   (DiePresse.com)

Der frühere Motorola-Manager Neureiter hat im U-Ausschuss zu den Provisionsverträgen mit der Briefkastenfirma Valurex ausgesagt.

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Im Korruptions-U-Ausschuss hat am Donnerstag der frühere Motorola-Vertriebsleiter in Österreich, Josef Neureiter, zur Causa Blaulichtfunk ausgesagt. Ein Konsortium um den US-Konzern war bei der umstrittenen Neuvergabe des Projekts zum Zug gekommen.

Bei der Befragung Neureiters wurden insbesondere die Beziehungen zwischen Motorola, der Firma Valurex sowie dem ÖVP-nahen Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly beleuchtet. Über die Briefkastenfirma Valurex sollen 2,6 Millionen Euro von Motorola an Mensdorff-Pouilly geflossen sein.

Der Codename für Mensdorff bei Motorola sei "Der Jäger" gewesen, berichtete Neureiter. Diesen Codenamen habe der deutsche Motorola-Manager Hans-Joachim Wirth dem Lobbyisten gegeben. Wirth ist derzeit von Motorola suspendiert. Er hätte am Donnerstag als erster Zeuge erscheinen sollen, blieb aber unentschuldigt fern.

Valurex erhielt von Motorola 1,9 Millionen Euro im Rahmen zweier Provisionsverträge im Zusammenhang mit dem Behördenfunk. Warum der US-Konzern diese Verträge schloss, begründete Neureiter so: Motorola sei in Österreich ein "No-Name" gewesen: "Wir hatten keinen Zugang, Valurex hatte den Zugang". Laut dem Grünen Peter Pilz hatte Neureiter dem US-Konzern die Einbeziehung von Valurex einst so erläutert: Valurex habe Top-Level-Kontakte in die Industrie und zu Entscheidungsträgern, u.a. zum Büro des Innenministers und zum Büro des Finanzministeriums. "Woher wussten Sie das?", wollte Pilz wissen. Über die Beziehungen zwischen Valurex und Mensdorff-Pouilly wisse er nichts, beteuerte Neureiter.

"Firma mit Sitz in Panama als Türöffner?"

Auch FPÖ-Fraktionsführer Walter Rosenkranz wunderte sich über die Verträge: "Die Firma Valurex mit Sitz in Panama, einer Adresse in Genf und dem Geschäftsführer Mark Cliff in London - das sind die Türöffner zum österreichischen Innenministerium?"

Rosenkranz zitierte aus einem Motorola-internen Mail über Rechnungen von Verena Karimi, PR-Beraterin und Ex-Frau von Christoph Ulmer, dem früheren Kabinettschef von Ex-Innenminister Ernst Strasser. "Langsam bekomme ich Probleme, die Rechnungen unauffällig zu buchen... wir haben keinen Vertrag mit ihr", heiße es dort. Er könne sich das nicht erklären, sagte Neureiter dazu.

Motorola habe Jagden bei Mensdorff-Pouilly bestellt und auch bezahlt, hielt der BZÖ-Abgeordnete Stefan Petzner dem Zeugen vor. Darüber habe er keine Wahrnehmungen, meinte dieser. Lediglich wegen einiger Demo-Funkgeräte sei er mit der Forstverwaltung Luising von Mensdorff in Kontakt gewesen. Dass Motorola-Mails an Valurex in Kopie an Josef Bernecker bzw. die MPA (Mensdorff-Pouillys Gesellschaft) geschickt wurden, sei nur auf Wunsch von Valurex geschehen.

Als der Verdacht auf Schmiergeldzahlungen bei der Behördenfunk-Vergabe aufkam, schlug Neureiter laut internem Motorola-Mail-Verkehr vor, die Verträge mit Valurex an die slowakische Firma Slavia Capital zu übertragen. Motorola entsprach dem aber nicht, sondern löste die Valurex-Verträge. Seinen damaligen Vorschlag habe er auf Wunsch von Valurex gemacht, sagte Neureiter im U-Ausschuss. "Ich war dumm genug, die Frage weiterzuleiten."

Bei einer Motorola-internen Untersuchung hatte der Rechtsanwalt Marcus Asner in einem Bericht geschrieben, dass offenbar nur drei Personen bei Motorola wussten, dass Mensdorff-Pouilly hinter Valurex stecke: Wirth, Carlos Sartorius und Neureiter selber. "Ich kommentiere Asners Aussagen nicht", erklärte dazu Neureiter.

Aufhorchen ließ der Zeuge in der Befragung durch die SPÖ-Abgeordnete Angela Lueger: Die Firma Eurofunk Kappacher sei einer von drei Vertriebspartnern von Motorola in Österreich. Bei Kappacher sei Peter Skorsch einige Zeit lang Key-Account-Manager gewesen, daher kenne er ihn. Skorsch war zwischen September 2001 und Dezember 2002 karenzierter Beamter des BMI und bei Kappacher tätig. Nach seiner Rückkehr ins Ministerium 2003 war er dort für den Aufbau des digitalen Behördenfunks zuständig. Den Auftrag hatte damals noch das Mastertalk-Konsortium ("Adonis"), dessen Mitglied Siemens sich allerdings im Ministerium wegen angeblicher Nähe von Skorsch zur Konkurrenz-Firma Motorola beklagte. Nach Vertragsauflösung erhielten Motorola und Alcatel den Auftrag.

Causa Blaulichtfunk
VP-Innenminister Ernst Strasser hatte 2003 die Errichtung eines neuen, digitalen Polizeifunksystems nach einem bereits erfolgten Zuschlag an das Konsortium Mastertalk (Projekt Adonis) wegen angeblicher technischer Mängel neu ausgeschrieben. Zum Zug kam dann das Konsortium Tetron rund um Motorola, Alcatel und den Lieferanten Telekom Austria. Obwohl laut Innenministerium Mastertalk nicht ordnungsgemäß lieferte, wurde dem ersten Konsortium von der Republik fast 30 Mio. Euro Schadenersatz gezahlt.

Im Raum steht außerdem der Verdacht von Geldflüssen. Bei der Neuvergabe des Projekts soll es nämlich zu Zahlungen von bis zu 4,4 Mio. Euro an den Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly gekommen sein; 1,1 Mio. Euro sollen von der Telekom, bis zu 2,6 Millionen Euro von Motorola und 720.000 Euro von Alcatel gekommen sein. Mensdorff-Pouilly weist jegliche Korruptionsvorwürfe zurück.

(APA)

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45 Kommentare
 
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Gast: Klarheit
23.06.2012 19:06
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Wer es jetzt noch nicht begriffen hat, wird es nie begreifen

ÖVP und FPÖ sind korrupte Gaunerparteien!

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Herr Graf geruht Stinktiere zu jagen...

hauptsächlich aber bestechliche Politiker! Was das gleiche ist!

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Jäger?

Auf der Jagd nach schmierbaren Politikern? Eine ganze Bande von Schmierfinken!

Gast: Bürge(r)&Zahler ltd.
22.06.2012 09:20
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Härtere Regeln gehören her

Die Ami Mutter muss sich zwangsläufig raushalten. Sind dort die antitrust Bestimmungen und der Umgang damit um einiges härter als in Europa. Wir wissen ja wie mit europäischen Unternehmen tw. hart ins Gericht gegangen wurde, wenn es um US Auftragsvergaben ging.
In Zukunft zu verhindern ist das Ganze in dem man alle Geschäftsvorgänge und Verbindungen bei Öffentlichen Aufträgen dem Vergabeamt, Rechnungshof o.ä. zur Evidenz melden musss. Kommen im Nachhinein neue unbekannte Kanäle zur Kenntnis, müsste man ex lege das Geschäft rückgängig machen können bzw. Schadenrersatz (unkomplizerter Zugang, zB. + 30%) forden können. Ansonsten tanzen dem Staat die Spieß und Jagdgesellen weiter auf der Nase herum.

Sie nannten ihn den "Jäger"?

Ich weise aber auch den Medien eine Mitschuld zu; Keine Rede davon, dass da "recherchiert" wurde und die "mediale Kontrolle" griff - eher tragen die "politischen Presseberichte" der Verschleierung von Korupption bei: die Journaille ist von der Politik über die Presseförderung gegängelt, "das Komplott" dient dem Macherhalt, "der Bürgerinnen" Wahrnehmung wird vernebelt!

Antworten Gast: Mehrrecherche!
22.06.2012 09:03
0 0

Re: Sie nannten ihn den "Jäger"?

Sie haben Recht. Auffällig zur damaligen Zeit war die äußerst milde Opposition. Der kleinen O. Partei fehlte es z.T. an manpower, warum die SP sich so ruhig verhielt, ist mir unverständlich, wenn auch tw. erklärbar.
Die Medien haben zum großen Teil dasr Pressekonferenposaunte von Strasser bis Grasse. 1:1 unreflektiert übernommen.

Gast: fj
22.06.2012 08:22
0 0

Remake

Der Jäger des verlorenen Schatzes 2.0
http://gedankenstrich-franzjosef.blogspot.com

Gast: Profitnyx
22.06.2012 07:52
0 0

Valurex

Dieser Name allein zergeht schon auf der Zunge. Man sieht gleich, hier werden Werte geschaffen, sogar Mehrwerte. Hoffentlich wird man erforschen können wer die Werteeinsacker waren, ohne wirklich was zu leisten. Die gestrige Aussage, Motorola war in Österreich ein Noname, weshalb man einen Türöffner brauchte. Hihi echt witzig. Das ist ungefähr so als wenn man sagt, Einstein ist im Kindergarten völlig unbekannt. Und deshalb braucht es beim nächsten Physikersymposium den Dr, Pimpifax als Einlader.

Gast: Na und?
22.06.2012 07:17
6 0

So funktioniert die ÖVP: Mit Korruption!

Die sogenannten Christlichsozialen sind zu einem Haufen Krimineller degeneriert.

Man sieht es laufend in der Regierung, wo Gesetze und Initiativen am Volk vorbeigeschwindelt werden. Auch die Qualität der Gesetze nimmt ab!

Einzelne Minister sind angeklagt, zwielichtige Figuren oder einfach nur unfähig.

Den arbeitenden Menschen erklärt diese Sippe, daß es ihr zu gut gehe! Deshalb müssten mehr und längere Arbeitszeiten her, weniger Entlohnung, mehr Steuern.

Dabei wird das Steuergeld ganz einfach zu Milliarden veruntreut!

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und wir haben ihn vor ein Paar Tagen im Cafe Imperial gesehen, wo er schon fleissssssig an die nächsten "Beratungen" herumgefeilt hat!...


Eng wird es für ihn?

Etwa so eng wie für Grasser? Lachhaft, diese ganze korrupte Bande muss endlich einmal wirklich hart angepackt werden. Wahltag ist Zahltag.

Gast: ungläubiger
21.06.2012 22:40
3 0

Austriakum

Da gibt es im ganzen Korruptionssystem Geber und Nehmer -und alle stürzen sich auf den Lobbyisten Mensdorf.
Wer waren die Verantwortlichen im Ministerium - und wer waren die Firmen? Als Außenstehender scheint mir die Zielrichtung für Recherchen klar. Aber da werden wohl Mauern politischen Schweigens unüberwindlich. Wann werden diese Ställe endlich ausgemistet?

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Was haben die Bürger dieses Landes verbrochen, daß ihnen das zugemutet wird?

Also für Grasser wird es so ungefähr im 14-Tage-Rhythmus eng. Die Standardschlagzeilen sind bekannt.

Für Strasser wird es auch eng. Noch ist nicht erkennbar in welchem Tages-Rhythmus es für Strasser eng wird, aber immerhin.

Na ja, und jetzt wird es auch für Mensdorff-Pouilly eng. Er ist in Nöten, heißt es. Es wird noch einige Zeit dauern, bis sich hier auch ein einprägsamer Tagesrhythmus ergeben wird.

Das soll Geld geflossen sein. Die Betonung liegt auf „soll“.

Da soll eine Firma dem Grafen gehören. Die Betonung liegt auf „soll“.

Da sollen Entscheidungsträger bestochen worden sein. Die Betonung liegt auf „sollen“.

Wir haben einen U-Ausschuß, der Korruption aufklären soll. Die Betonung liegt auf „soll“.

Na ja, wenn es sogar einen U-Ausschuß für Korruption gibt, dann muß es schlüssig eben auch Korruption geben. Daher muß es für jeden Einzelnen, der vor diesem Ausschuß zum Thema Korruption verhört wird, eben eng werden.

Die lästige Kleinigkeit, für keine der Behauptungen gibt es irgendwelche Beweise.

Die zweite lästige Kleinigkeit, man muß sich nur den „Live-Ticker“ der Presse über die jeweiligen Verhöre zu Gemüte führen, dann ergibt sich zwingend, es wird auch in Zukunft keine Beweise geben, weil die Fragesteller schlicht und einfach unfähig sind. Manchmal hat man den Eindruck, da spielen ein paar Pubertäre Kriminalpolizei, wobei sie ihr Wissen, wie so etwas zu erfolgen hat, aus den Fernsehkrimis beziehen.

Was haben die Bürger dieses Landes verbrochen, daß ihnen das zugemutet wird?

Re: Was haben die Bürger dieses Landes verbrochen, daß ihnen das zugemutet wird?

...weil die Fragesteller schlicht und einfach unfähig sind...“

„De profundis“ fleh ich Sie also an:
Erweisen Sie doch bitte dem Vaterland einen Dienst und stellen Sie sich dem U-Ausschuss als Großinquisitor zur Verfügung.

Sie würden die Leute professionell und unerbittlich ins Kreuzverhör nehmen, dass ihnen Hören und Sehen vergeht. Und im Handumdrehen wäre klar, wer hier Dreck am Stecken hat oder nicht.

Ihre Sympathie für die Unschuldsvermutung bei Mensdorff, Strasser, Grasser & Co. in allen Ehren, aber wenn in Österreich nicht ein derartiger Filz herrschen würde, wäre dieser U-Ausschuss überflüssig.


Gast: b754
21.06.2012 21:19
12 0

es sollte nicht heißen mensdorf in nöten

sondern mensdorf in u haft

Mensdorff-Pourri

spricht sicher fließend Jägerlatein.

Non olet.....

1 8

...

Ka_Sandra, Ihre Aussagen nehmen ungeahnte Tiefen an!

An Niveau!

Gast: leRenard
21.06.2012 20:36
3 0

klingt nach dem Filmtitle "Sie nannten ihn Mücke".

fallen mir gleich noch ein paar titel ein:

Hängt ihn höher.

An seinen Stiefeln klebten Euroscheine.

Der Schweigsame

Sie nannten ihn den "Jäger"

Und wie nennen die die Bürger? Das Zahlvieh?

Antworten Gast: Jäger aus Kurpfalz
21.06.2012 20:41
3 0

Re: Nein : Wildbret


echt?

ich hätte auf vokuhila getippt

Waidmanns Heil!

"Es wird nie so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd." Bismarck.

Wir sind ganz klar in der Zeit nach den Jagden.

Der Graf M-P hat doch nur die Mentalität der österr. Politiker erkannt...


...undd ihnen das gegeben, was die brauchen.

Geld, adelige Umgebung, Jagden und was das Herz noch so begehrt.

Also, dass solche Würmer wie der Graf M-P überhaupt aus den Löcher kriechen, brauchen sie korrupte Politiker und Beamte.

Und von diesen dürfte Ö nicht wenig haben.

Gast: corruptus neandertalensis
21.06.2012 19:15
10 0

Sie nannten ihn Jäger

Und in Wahrheit war er ein Sammler. Bitte unbedingt Jäger/innen und Sammler/innen in die Bundeshymne aufnehmen. Zur Vervollkommnung der Heuchelei österr. Provinienz.


Gast: Die Wahrheit altert NIE!
21.06.2012 19:14
7 0

ich glaube.......

....dass es in Österreich 2 Generationen Justiz bedarf, um hier wieder halbigs normale Zustande herzustellen......das ist NICHT von heut auf morgen so geworden, dass ist eine politische Architektur die über Jahrzehnte so geplant wurde......und jetzt haben wir den Salat, man sieht doch ganz stark dass die Justiz nicht einmal weiß wie sie mit solchen VB umgehen soll......LOGO, wenn man doch Jagdmässigen Körperkontakt pflegte.....in meinen Augen wird dieses Aufarbeiten JAHRE dauern!

Re: ich glaube.......

Wenn wir eine Demokratie hätten würde es nicht länger dauern als ein Zimmermann für einenGalgen braucht...

 
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