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Mensdorff-Pouilly: Die vielen Geschäfte des Grafen

23.06.2012 | 18:03 |  von Karl Ettinger (Die Presse)

Lobbyist Mensdorff-Pouilly war auf der Payroll des Maskenherstellers, der den Auftrag vom Gesundheitsministerium erhielt, das Ehefrau Rauch-Kallat führte. Diese bestritt am Samstag jeden Zusammenhang.

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Über mangelndes Interesse konnte er sich schon bisher nicht beklagen, auch wenn er sich nur als Bauer bezeichnet: Wenn Alfons Mensdorff-Pouilly am Dienstag erneut in den parlamentarischen Korruptions-Untersuchungsausschuss kommt, wird der Rummel um ihn noch ein bisschen größer sein. Denn der Lobbyist und Ehemann von Ex-Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat (ÖVP) ist zwar als Zeuge zum Baulichtfunk-Projekt im Innenministerium geladen. Seit Freitag hat der umtriebige „Graf“ aber nicht nur einen Strafantrag wegen Geldwäscherei am Hals. Jetzt gibt es auch Verdächtigungen, weil er Zahlungen aus jenem Medizintechnik-Konzern erhalten hat, bei dem das Gesundheitsministerium Grippeschutzmasken bestellt hat. Ministerin war just zu dieser Zeit Mensdorffs Ehefrau Maria Rauch-Kallat.

Diese bestritt am Samstag jeden Zusammenhang. Sie drohte mit Klage, nachdem das „Profil“ vorab berichtet hatte, dass Mensdorff-Pouilly auf der Payroll des Konzerns gestanden sei. Es gilt die Unschuldsvermutung. Mensdorffs Anwalt Harald Schuster wies jeden Zusammenhang gegenüber der Austria Presse Agentur zurück: „Die Vorwürfe sind absurd.“

Von der Beratertätigkeit im Rüstungsbereich bis zum Gesundheitsmarkt: Es sind seine vielen früheren Aktivitäten und mitunter dubiosen Geldflüsse, die für den Lobbyisten nach Jahren immer mehr zu einem Problem werden. Mensdorff selbst hat stets alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Der vorliegende Strafantrag betrifft die Rolle des Lobbyisten im Rahmen seiner Tätigkeit für den Rüstungskonzern BAE und die Eurofighter-Beschaffung und laut Staatsanwaltschaft Wien eine Schadensumme von 12,6Millionen Euro. Der jüngste Verdacht betrifft Zahlungen des Dräger-Konzerns von 275.000 Euro, die Mensdorff-Pouilly für Marktstudien erhalten haben soll. Diese sind laut „Profil“ zwischen März und Dezember 2006 auf dem Konto von Mensdorffs MPA Handelsgesellschaft eingelangt. So weit, so unspektakulär. Eine Sprecherin von Dräger Austria stellte jedenfalls fest: „Die MPA Handelsgesellschaft hat Dräger Austria bei der Erschließung des südosteuropäischen Markts unterstützt und erhielt vertraglich geregelte, aufwandsabhängige Zahlungen.“


„Privates und Berufliches getrennt“. Auffällig ist allerdings, dass Anfang 2006 das von Rauch-Kallat geführte Gesundheitsministerium bei Dräger Safety GmbH die Lieferung von Grippeschutzmasken zur Verteilung an die Österreicher geordert hat. Rauch-Kallat ist überzeugt, dass die zeitliche Überschneidung Zufall ist: „Es gibt hier sicher keinen Zusammenhang.“ Sie habe sich in diese Auftragsvergabe gar nicht eingemischt. Und: „Mein Mann und ich haben Privates und Berufliches immer streng getrennt.“

Clemens Auer war damals Kabinettschef Rauch-Kallats und für die Grippeschutzmasken zuständig. Er versicherte jetzt laut ORF-Radio, er habe mit Mensdorff-Pouilly weder Geschäfte gemacht noch Interventionen empfangen. Der Lobbyist habe in der Sache keinen Kontakt zu ihm gehabt. Er, Auer, kenne Mensdorff-Pouilly nur als Ehemann von Rauch-Kallat.

Der Ex-Kabinettschef hält das Ganze für eine konstruierte Geschichte. Jedenfalls wurden rund neun Millionen Schutzmasken schließlich nach Österreich geliefert – wegen Lieferengpässen teils mit Verzögerung. Sie wurden nach dem Verebben der Aufregung um die Vogelgrippe zu Ladenhütern.


Grippeschutzmasken als Ladenhüter. Als gut zwei Jahre später die „Neue Grippe“ die Österreicher und die Gesundheitsbehörden in Aufruhr versetzte, fanden sich für die Ladenhüter doch noch Abnehmer. Wie es im Büro des jetzigen Gesundheitsministers Alois Stöger (SPÖ) auf Anfrage der „Presse am Sonntag“ hieß, seien lagernde Masken dann an die Bundesländer ausgeliefert worden. Mittlerweile gebe es nur mehr ein Restkontingent beim Bund.

Im Korruptions-Untersuchungsausschuss sollen am Dienstag die Befragungen zum Blaulichtfunk vorerst abgeschlossen werden. Ob Mensdorff-Pouilly dabei besonders auskunftsfreudig sein wird, darf bezweifelt werden. Schließlich muss er sich laut Staatsanwaltschaft auch wegen des Vorwurfes der Falschaussage – im Eurofighter-U-Ausschuss 2007 und nun im Korruptions-U-Ausschuss – verantworten. Er kämpft also ohnehin heftig mit den Nachwehen seiner diversen Aktivitäten. Zumindest sein Anwalt Schuster ist überzeugt: „Da wird nichts rauskommen. Das wird eine Riesenblamage für die Staatsanwaltschaft.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2012)

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97 Kommentare
 
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Graf?

Seit 1919 gibt es in Österreich, Gott se Dank, weder Kaiser, Grafen oder andere Adelige.

Und da kann es doch nicht sein,

dass man ihn nicht für irgendetwas drankriegt; er muss doch irgendwann Fehler gemacht haben, die für ein paar Jahre Gefängnis reichten. Bis dahin gilt: die allseits beliebte und bekannte Unschuldsvermutung...

Antworten Gast: E.T.
01.07.2012 12:32
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Re: Und da kann es doch nicht sein,

Und dann zahlen wir im Gefängnis für eine Sonderbehandlung !
Für mich wäre, bei nachweislichen Verfehlungen, und zwar dann, wenn kein Zweifel besteht, dass es so gelaufen ist, eine Rückzahlung der erhalten Beträge, ein besseres Mittel. Vom Einsperren hat niemand was...... schon gar nicht das Volk. Aber Geldverlust schmerzt immer, egal wieviel man davon hat.

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„Profil“

die lustigste Redaktion des Landes, würde wohl besser zur Werbung dieses Papiers passen.

Wer liest so einen Blödsinn überhaupt – Gut, der österreichische Songcontest Titel hat gezeigt wie verblödet diese Konsumenten schon sind.
Hochachtung an diese Medien, welcher Mist da alles von den Konsumenten geschluckt wird.

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Re: „Profil“

Da gebe ich Ihnen Recht.

Denn das stimmt ja auch.


Gast: Hermano de Ortigá
24.06.2012 18:33
4 0

Spaß muß sein!

Dank Rauch-Kallat haben wir eine renovierte Bundeshymne!
Scherz laß´nach!

Antworten Gast: gustl23
25.06.2012 13:43
2 0

Re: Spaß muß sein!

die övp kann der fr. ex-ministerin bestimmt für den "hohen"nächsten wahlgewinn gratulieren, es war sehr hilfsreich

Die armen Hascherln....

Die armen Haschernln haben damals ja nicht gewusst was OK ist und was nicht, da hat es ja noch keinen Verhaltenskodex gegeben.
Aber jetzt wird alles anders in der ÖVP großes Ehrenwort!
Und ausserdem ist alles sowieso ein einziger riesengroßer Zufall! Echt jetzt.

Gast: frog
24.06.2012 16:55
5 0

die Beschaffung der Eurofighter ist interessant

hier geht es um richtige Summen.
A hat im Vergleich zu anderen Ländern einen sehr hohen Preis bezahlt.
war das nur Unfähigkeit oder wurde div. eingepreist?

Re: die Beschaffung der Eurofighter ist interessant

Außer Grün haben alle kassiert !!!

Re: Re: die Beschaffung der Eurofighter ist interessant

stimmt nicht, sie nicht, ich nicht und alle die ich kenne auch nicht, leider, dann würden wir sicher anders darüber denken

Gast: frog
24.06.2012 16:42
7 0

Österreich braucht mehr Gefängnisplätze

und zwar schnell

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Warum so viele Kommentare

Alle vor einVolksgericht, fuer die Schuldigen folgendes Urteil:

Verlust des beweglichen und unbeweglichen Vermoegens zu Gunsten des Staates.
ASVG- Mindestrente.
Einweisung in einen Gemeindebau.

Bildung einer neuen Regierung von Fachleuten mit Charakter und ohne der Gier nach Geld.


Re: Warum so viele Kommentare

Die Frage ist nur, wo man Fachleute mit Charakter und ohne Gier nach Geld hernehmen sollte.
Mag ja sein, dass ich schwarz sehe, aber sowas gibt's meiner Meinung nach nicht.

Re: Re: Warum so viele Kommentare

das Problem, wenn du nirgends mit machst bist du kein Netzwerker und ohne Netzwerk bekommst du kein politisches Amt. Es ist bereits alles derart verhärtet dass man die Strukturen nicht mehr aufbrechen kann. Di einzige Chance wäre eine neue Partei aber die bekommt keine Mehrheit und selbst wenn, dann sind diese sicher auch bald im System und richten sich dann auch wieder alles selbst. Personen mit Charakter und Persönlichkeit werden gesucht!!!!

Re: Re: Warum so viele Kommentare

Vollkommen richtig. Es gibt zwar noch solche Leute und man findet sie auch, wenn man richtig sucht. Nur helfen tut das auch nichts, denn diese Leute haben ja Charakter und werden sich eine Regierung sicher nicht antun...

Gast: wutwürger
24.06.2012 15:28
7 0

ABER NEIN!

dieser Herr ist ehrenwert. Und die Eurofighteranschaffung hat ja auch nix mit den MASSIVSTEN KAPUTTSPARUNGEN am Bildungs- Gesundheits- und Sozialsystem zu tun. Witzigerweise werden in diesem Land die Armen mehr und die Millionäre mehr. Das ist der FAKT dieser angeblich so "christlich-sozialen" Partei. Christlich-Sozial ist ja sowas wie ein SChimpfwort. So wie "wirtschaftskompetent". Das Triumvirat dieser drei Eigenschaften besitzt ja auch jeder Banker der Mafia, der sich als KArdinal im Vatikan vor jeder Verfolgung und Verantwortung versteckt. Da wird man nicht gefeuert sondern gedeckt, bis man unter der Brücke baumelt. Hatten wir ja schon.

Gast: plebs potus
24.06.2012 15:26
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ganz klar eine Heirat aus liebe

und eine Ministerin die ja (wie alle österreichischen Minister) weder Fachkompetenz besitzt, noch abtreten würde.

DA seht ihr sie. Die Ursache, warum die ÖVP abstürzt und paradoxerweise die (mitinvolvierte!!!) FPÖ aufsteigt. Da wird bloss von A nach B rochiert, STeigbügelhalter und Provisionsäffchen waren die FFen, und die Einfädler und Gesellschafter die Schwarzen. Gratulation zu eurer "christlich-sozialen" Moral... Dank Leuten wie diesen beiden geht es mit der Welt den Bach hinunter. Bis wir wieder aufstehen und den Herrschern die Visagen einhauen, was ja eigentlich keiner will...

Re: ganz klar eine Heirat aus liebe

... ganz klar eine Heirat?
.
Wurde (m. W.) sogar in Rom abgesegnet, weil die Braut (oder Bräutigam?) ein sogen. Ehehindernis mitsich trug!

Antworten Antworten Gast: wolff1160
24.06.2012 21:29
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Re: Re: ganz klar eine Heirat aus liebe

Die Braut war geschieden und hatte aus erster Ehe zwei Kinder. Normalerweise gibt es da keine Annullierung...hier gab es sie doch, und die streng katholischen Leutchen konnten auch kirchlich heiraten.

Antworten Antworten Antworten Gast: harras
27.06.2012 12:20
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Re: Re: Re: ganz klar eine Heirat aus liebe

wozu sonst haben wir denn den Herrn Kardinal, der kümmert sich gern um solche Fälle, siehe auch Ferrero u.a.

Es ist nicht auszuschließen

Dass hinter dem ganzen Schuldendesaster und Zinserhöhungen Europäische Politiker stecken und ein paar Prozent mit kassieren.

ÖVP

Österreichische
Verbrecher
Partei

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Österreichische Politiker sind zu 90 %

alles Gfraster !!!!

Gast: Bürger&Wähler
24.06.2012 15:01
6 0

Ja, die armen ÖVP'ler sollten Leer ausgehen, als sich die FPÖ mit vielen Millionen die Taschen vollstopfte?


Die Zeit des Lügenkanzlers Schüssel war schon sehr korrupt.


Wer glaubt ein Lobist ist nicht notwendig -

der soll doch mal nur die Entscheidungsstrukturen der letzten 10 öffentlichen Ausschreibungen aus dem Stehgreif öffentlich bekanntgeben.

Da er auch offensichtlich auf jede zusätzliche Werbeinformation verzichten kann, ist ihm ein Job mit 6stelligem Jahresgehalt sofort sicher.

Aber offensichtlich kennen die Poster hier nur die Strukturen der Putztrupps und den Wirtshaustisch!
Q.


 
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