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Gewalt: Lehrer-Mobbing im Internet

06.05.2007 | 18:10 |  JUDITH LECHER (Die Presse)

Moderne Medien als Plattform für derbe Scherze, Drohungen, Diffamierungen.

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Der Schüler flitzt auf den Lehrer an der Tafel zu, zieht ihm die Hose herunter und läuft weg. Ein „normaler“, etwas derber „Schüler-Scherz“?

Als solcher wäre diese Szene aus einer schottischen Schule wohl durchgegangen – hätte nicht ein Mitschüler den Vorfall mit seiner Handy-Kamera mitgeschnitten, auf die Videoplattform „youtube.com“ gestellt und so einem (potenziellen) Millionen-Publikum zugänglich gemacht. „Cyber-Bullying“ oder „Cyber-Mobbing“ heißt dieses Phänomen. Peinliche Videos ins Internet zu stellen ist nur eine Spielart davon. Auch obszöne Bildmontagen, Bloßstellungen oder Rufschädigung in Foren oder Blogs und Drohungen per Mail oder SMS zählen dazu.

Vor zwei Jahren wurden die ersten Fälle aus Großbritannien bekannt, mittlerweile sind auch österreichische Lehrer von „Cyber-Mobbing“ betroffen.


Nicht nur Schüler als Täter

Die britische Lehrervereinigung ATL beklagt, dass diese Art von Belästigung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen habe, einer Umfrage zufolge seien 17 Prozent der Lehrer bereits per Handy oder Mail belästigt worden. Interessantes Detail: Nur ein Drittel der Taten werden Schülern angelastet. Auch Kollegen, Vorgesetzte und sogar Eltern von Schülern sollen sich darin üben. Christine Gubitzer, Mobbing-Beraterin bei der Gewerkschaft öffentlicher Dienst, hat ähnliche Erfahrungen gemacht. „Ich kenne Fälle, in denen Lehrer ihre Schüler dazu gebracht haben, andere Kollegen für sie auszuspionieren.“

Lehrer sind generell besonders oft mit Mobbing konfrontiert, achtzig Prozent von Gubitzers jährlich 200 Klienten kommen aus dem Schulbereich. Drei bis fünf Prozent der Fälle beträfen bereits ,Cyber-Mobbing‘, dazu komme noch die Dunkelziffer. „Bei uns ist das Problem noch nicht so akut wie in England, aber diese Schikane kommt auch bei uns vor. Diese Art von Rufschädigung ist eine besondere Grausamkeit.“

Die kann auch weitreichende Folgen haben. Eine britische Lehrerin musste monatelang psychologisch betreut werden, nachdem Schüler ihr Gesicht in ein pornografisches Foto hineinmontiert und ins Internet gestellt hatten. In der deutschen Zeitschrift „Telepolis“ wird ein Fall geschildert, bei dem im Internet die Adresse einer Lehrerin angegeben und zu deren Massenvergewaltigung aufgerufen wurde.


Spaß oder Gewalt?

Dass auch für die Täter virtuelle Attacken nicht ohne Folge bleiben, haben jüngst Schüler der Handelsschule in Reutte erfahren. Laut „tirol.com“ wurden 20 der Jugendlichen mit dem Schulausschluss gedroht, nachdem sie im Forum einer (stark genutzten) Tiroler Party-Seite über ihre Lehrer hergezogen waren. Unrühmlicher Höhepunkt: die Überlegung, einen bestimmten Lehrer mit dem Auto anzufahren.

Müssen sich Lehrer vor ihren Schülern fürchten? „Derzeit spielt sich das Ganze genau an der Grenze zwischen Spaß und Gewalt ab“, sagt Walter Riegler, Vorsitzender der Pflichtschullehrer-Gewerkschaft. „Aber wenn solche Dinge kommentarlos hingenommen werden, könnte Gewalt folgen. Das Potenzial ist da“, warnt er. Schon heute ließen Schüler oder deren Eltern manchmal die Fäuste sprechen.

Dass heutzutage das Internet zum Schauplatz solcher Machtkämpfe werde (Gubitzer: „Bei Mobbing geht es immer um Macht“), findet Riegler nur logisch: „Wegen der grundsätzlichen Anonymität. Und je öfter man von solchen Methoden hört oder liest, umso mehr steigt die Bereitschaft, so etwas selbst zu inszenieren.“


„Kein Raum für Beziehungen“

Und diese Bereitschaft wird noch weiter zunehmen, sagt Gewaltberater und Sozialpädagoge Alexander Unterberger. „Gefühle sind heutzutage kein Thema. Weder in der Schule, noch generell in der Gesellschaft.“ Wenn jemand über Internet oder SMS verhöhnt oder gequält werde, vergrößere der Täter den Abstand zwischen seiner Tat und den Gefühlen, die sie beim Opfer auslösen, noch weiter. „Labor-Gefühl“, nennt das Unterberger.

Die Täter kommen übrigens aus allen Schichten der Gesellschaft. Auffällig: Menschen, die Erfahrungen mit echter Gewalt haben, üben tendenziell keine Gewalt im Cyberspace aus.

SCHULE UND MOBBING

Eine offizielle Statistik über Mobbing von Lehrern gibt es in Österreich nicht. Bei der Mobbing-Beratungsstelle der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst sind 80 Prozentder Hilfesuchenden Lehrer.
Unter Schülern
ist laut Studien jeder zehnte von Mobbing betroffen – als Opfer oder als Täter.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2007)

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11 Kommentare
Gast: qarthadasht
29.07.2008 11:19
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Cybermobbing gibts auch unter Studierenden

Die Schule ist nicht die einzige Institution, wo es Cybermobbing gibt. An der Universität Wien wird Cybermobbing sogar gedeckt, Mobber, die namentlich bekannt sind, da sie ihre persönlichen Angaben ins Netz stellen, werden sogar als Mitarbeiter eingestellt. Von den Fachbereichen tut sich die Geschichte besonders hervor. Manche ziehen dort Parallelen zur Hexenjagd und zur Judenverfolgung. Auch bei Univie-Servern, obwohl die Uni Wien, laut Gesetz haftet. Hilfe gibt es nicht, man trägt selbst das Prozessrisiko inkl. Kosten. Auch der Rechtsschutz zahlt nicht. oder es widerspäche ihrem Konzept, aktiv zu werden oder verweisen an den Staatsanwalt, was ja Geld kostet. Die Anwaltskosten kosten viel Geld, das sich die meisten Opfer nicht leisten können. Gratis.Hilfe finden nur die ethnischen und religiösen Minderheiten, andere sind meistens Freiwild. Das Rektorat duldet und deckt dies. Es müssten rechtliche Schritte für ALLE gratis sein. Auch fast anderen Betreiber finden Cybermobbing ok.

wüterich
07.05.2007 11:24
0 0

Zu keinem anderen Thema kann soviel Blödsinn dahergeredet werden!!


WirMütter
07.05.2007 10:09
0 0

Mobbing ist Macht? Nein, Mobbing ist Rache der Rechtlosen!

Mobbing ist vor allem das Machtinstrument der Machtlosen.
Die Lösung wäre, dass LehrerInnen den SchülerInnen einen besseren Weg aufzeigen, wie sie sich gegen Kränkungen und Ungerechtigkeiten von Seiten der LehrerInnen und anderen Kindern wehren können.

Antworten Gast: Teacher
07.05.2007 22:48
0 0

Re: Mobbing ist Macht? Nein, Mobbing ist Rache der Rechtlosen!

Nicht die Schüler sind heute machtlos, sondern, bis zu einem gewissen Grad, die Lehrer.Wenn sich einige pubertierende Schüler zusammentun, um einem Lehrer das Leben schwer zu machen, so kann sich der nach der üblichen Auslegung der Schulgesetze sehr schwer dagegen effektiv wehren. Natürlich wird er es versuchen, aber wenn er dann einige Male damit auf die Schnauze gefallen ist, wird er eher die innere Emigration vorziehen. So schauts heute leider aus !!

Antworten Gast: Gast
07.05.2007 11:32
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Re: Mobbing ist Macht? Nein, Mobbing ist Rache der Rechtlosen!

Ja, natürlich, das Opfer ist natürlich selber schuld, wenn es gemobbt wird. Kranke Mütter produzieren kranke, mobbende Kinder.
Ich kann mich nicht erinnern, von Lehrern gekränkt worden zu sein.

Antworten Gast: tc_t
07.05.2007 11:19
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Re: Mobbing ist Macht? Nein, Mobbing ist Rache der Rechtlosen!

ja klar ... die armen armen schüler, wo doch die lehrer sooo gemein sind. leistung verlangen und igitt noch mal sogar noten verteilen! sind sogar so böse, dass sie meinen, schüler sollten was lernen! wo kommen wir denn dahin, solche personen gehören gemobbt. alle macht den schülern

Gast: tc_t
07.05.2007 09:05
0 0

na endlich

wieder ein thema, bei dem alle viel diskutieren können, aber nicht passieren wird. aus gott kupfer wurde in der zwischenzeit schüler kupfer. tja aber was solls, die rechnung kommt bestimmt, da dummheit immer nur dummheit gebiert. seinen wir doch unseren sozis dankbar für dieses tolle ergebnis all ihrer nivellierenden schulversuche.

Prävention

In einem Schweizer Schulprojekt "Prävention mit Musiktherapie" konnte an einer öffentlichen Schule Gewalt drastisch reduziert werden. Die Beziehungen zwischen SchülerInnen und Lehrer haben sich verbessert, da unausgesprochener Frust auf beiden Seiten zum Ausdruck kam.
Schüler erlebten wöchentlich in freien musikalischen Improvisationen, dass Gefühlsausdruck wichtig ist, aber auch verletzen kann. Das emotionale Erleben über Musik bot eine Möglichkeit, ohne verbale oder physische Gewalt, Aggressionen auszudrücken und als sinnvolle und ethisch vertretbare gruppendynamische Energie zu nützen.
Die Methode war nicht beratend oder aufklärend, sondern erlebnisorientiert, dynamisch und den aktuellen Bedürfnissen angepasst.
Eine rein verbale Aufklärung und psychologische Beratung hat nicht denselben Effekt, wie das selbsterfahrerische Heranführen an die eigene persönliche Identität und deren (Aus-)Wirkung auf andere und sich selbst.
Beratung und Aufklärung wird aber bevorzugt eingesetzt.

Gast: AEIOU
06.05.2007 21:01
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Ach das könnte schön sein.

Die kleinen Pülcher einmal ordentlich prügeln. Niemand bringt zuwege Kindeszucht durch Schläge. Sprücherln Ahnungsloser und "Brutpfleger". Was sind die Lehrer denn für "Respektpersonen", die sich das gefallen lassen? Und wenn nunmehr die Eltern der Bankerten auf die Barrikaden klettern, ein Vorschlag: Sie sollen sich für ihre Brut einen Heimlehrer suchen. Und nicht die Allgemeinheit belasten. Und die noch erziehbaren Kommilitonen nicht auch noch zu zu solchen Taten animieren lassen.

Antworten Gast: Maxx
07.05.2007 02:05
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Die "armen" Lehrer

Ja natürlich überschreiten Schüler oft die "Grenze" - aber sie sind auch einem besonderen Autoritäts-Verhältnis diesen Personen ausgesetzt. Kein Wunder also, daß sich die Schützlinge mal mehr oder weniger "Luft" machen möchten.

Daß ausgerechnet die Lehrergewerkschaft wieder einmal aufzeigen will, wie "arm" und vor allem ungeschützt ihre Mitglieder sind íst aber durchsichtig und vordergründig.

Es muß schließlich niemand Lehrer werden. Ganz nebenbei: ein HALBTAGSJOB mit GANZTAGSBEZAHLUNG. Früher hat sich da wohl niemand einen "Hax'n" ausgerissen. Zeiten ändern sich halt jetzt - das Internet macht'S möglich.. Jetzt geht der Lehrerberuf offenbar an die psychischen Grenzen...

E-Learning war mir schon immer sympathischer..

Ciao,
MAXX

juckendodl
07.05.2007 17:29
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Halbtagsjob mit Ganztagsbezahlung?!

Hallo?Du plapperst auch gern nach was die Mehrheit behauptet?Du hättest ja auch Lehrer werden können,dann hättest auch einen Halbtagsjob mit Ganztagsbezahlung!Neid ist halt schon frustrierend,vor allem,wenn man ihn nicht los wird.;-)