WIEN. Herr I. aus Palästina hat Informatik und Computertechnologie studiert und spricht fünf Sprachen (Arabisch, Russisch, Azeri, Englisch und Deutsch). Herr V. hat als Professor an der Fakultät für Soziologie und Jura der mongolischen Staatsuniversität unterrichtet, beherrscht Russisch, Deutsch und Rumänisch. Die Gemeinsamkeit der beiden Männer: Sie sind Asylwerber und dürfen somit trotz ihrer Ausbildung in Österreich nicht arbeiten. „In den zwei bis vier Jahren, in denen sie auf den Asylentscheid warten, verlieren diese Menschen ihr Selbstvertrauen und Know-how“, beklagt Judith Kröll, Wissenschaftssoziologin und Obfrau des Vereins „Forscher ohne Grenzen“. Werden sie als Flüchtlinge anerkannt und dürfen in Österreich bleiben, haben sie bei Vorstellungsgesprächen nach Jahren des erzwungenen Nichtstuns schlechte Chancen. Da sie jedoch schnell eine Stelle benötigen, würden schließlich viele in niedrig qualifizierten Jobs landen.
Ein neues Mentoring-Programm soll nun diesen „unsichtbaren High Potentials“ helfen, Anschluss an die heimische Forschergemeinde und den Arbeitsmarkt zu finden. Konkret sollen ihnen „Bildungspaten“, wenn möglich aus derselben Disziplin, zur Seite gestellt werden; diese sollen ihnen helfen, nicht den Anschluss an das Fach zu verlieren und sie nach Möglichkeit in das österreichische System „hineinschnuppern“ lassen.
„Für beide Seiten befruchtend“
Auch heimische Wissenschafter würden von dieser „gelebten Solidarität“ profitieren, betont Kröll. „Dieser Austausch kann für international Interessierte sehr interessant und befruchtend sein.“ Der Verein hat Kontakt zu etwa 35 Flüchtlingen und Asylwerbern. Derzeit entwickeln „Forscher ohne Grenzen“ ein Partnerschaftsprogramm mit Unternehmen und Forschungseinrichtungen, die Praktika an Flüchtlinge und Asylwerber vermitteln. Mehr Informationen für potenzielle „Bildungspaten“ gibt es auf der Homepage.
www.researcherswithoutborders.at("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2008)
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