Im März 2013 wird Erwin Pröll die niederösterreichische ÖVP zum fünften Mal in eine Landtagswahl führen – und dabei versuchen, die absolute Mehrheit aus dem Jahr 2008 (54,39 Prozent) zu verteidigen. Dass er sein Ziel erreichen wird – wenn auch nicht mehr im selben Ausmaß –, bezweifelt nicht einmal mehr die Opposition, obwohl sie im beginnenden Wahlkampf freilich anderes behauptet.
Doch was dann? Diese Frage stellen sich vor allem Prölls Kollegen in der Bundes-ÖVP, die Österreichs längst dienender Landeshauptmann (seit 1992) fast schon hobbymäßig nach seiner Pfeife tanzen lässt. Insofern ist es auch bundespolitisch nicht unerheblich, ob der 65-Jährige die ganze Legislaturperiode, also bis 2018, zu bleiben gedenkt. Nicht wenige gehen allerdings davon aus, dass Pröll 2016 ein Abenteuer wagen wird: Das Bundespräsidentenamt erschiene ihm als krönender Abschluss seiner Karriere, heißt es. Er selbst dementiert das vehement.
Dabei zeigte Pröll schon 2010 ernsthafte Ambitionen auf das höchste Amt im Staat. Eine Kandidatur scheiterte an Vizekanzler Josef Pröll (der mit einem Onkel in der Hofburg seine Kanzlerchancen minimiert sah) und am damaligen Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad, der Pröll eine Finanzspritze für den Wahlkampf mit der Begründung verweigert haben soll, dass Heinz Fischer unschlagbar wäre.
2016 sind Fischers Tage in der Hofburg allerdings gezählt – das Gesetz erlaubt dem Präsidenten maximal zwei Amtsperioden. Pröll soll sich insofern gute Chancen ausrechnen, als die SPÖ aller Voraussicht nach Nationalratspräsidentin Barbara Prammer in Stellung bringen wird.
Wer Pröll dann in Niederösterreich beerben könnte bzw. soll? Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka wohl nicht, er soll überschaubare Beliebtheitswerte haben. Agrarlandesrat Stephan Pernkopf ist zwar ein Bauernbündler wie Pröll, aber nicht annähernd so volksnah. Eher schon soll er dereinst Minister werden. Die besten Chancen werden derzeit Innenministerin Johanna Mikl-Leitner eingeräumt, die als frühere Landesrätin und ÖVP-Geschäftsführerin das System Pröll geradezu verinnerlicht hat. Sie ist leutseliger als Pernkopf, geschmeidiger als Sobotka und loyaler als beide zusammen. Außerdem hätte Pröll einmal mehr alle überrascht, wenn er im Land der vielen Kronprinzen (auch Landesrat Karl Wilfing macht sich Hoffnungen) eine Kronprinzessin auf den Schild hebt.
E-Mails an: thomas.prior@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2012)
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